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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

30. Mrz. 08 - 2. Sonntag der Osterzeit / 1. So. n. Ostern (Quasimod.)

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Jes 40, 26-31 Apg 2, 42-47 1 Petr 1, 3-9 Joh 20, 19-31

Der Verfasser betrachtet alle Bibelstellen des Sonntags. Stichworte: Erinnert Ihr Euch noch? Hunger und Ungerechtigkeiten sind auf der Welt noch nicht abgeschafft (Jes 40) das Reich Gottes ereignet sich bereits jetzt – es gibt viele gute (Nachhaltigkeits-)Beispiele zu nennen (Apg 2); Erbe sein heißt, die Verantwortung zu übernehmen und sie sich nicht nehmen zu lassen (1 Petr 1); den Glauben leben – „hand- und fußfest“, nicht ängstlich hinter verschlossenen Türen, Skepsis gegenüber dem Schein (Joh 20)

Jes 40, 26-31

Zum Text: Der Verfasser der Kapitel 40 bis 55 ist unbekannt, man nennt ihn Deuterojesaja (Zweiter Jesaja).

Während die Kapitel 1-39 eine Zusammenstellung von Drohworten und Verheißungen aus der Zeit vor dem Babylonischen Exil darstellen, versetzt der Abschnitt 40-55 die Leserschaft in das Befinden des Volkes Juda IM Exil. Es spricht hier ein Prophet, der das rettende Eingreifen Gottes ankündigt: Gott wird sein Volk in einem neuen, wunderbaren Exodus nach Zion heimführen, wo er selbst als König Israels herrscht und das Volk wieder aufblühen lässt. Der „zweite Jesaja“ bekennt Jahwe als den alleinigen, durch Schöpfung und geschichtliches Handeln ausgewiesenen, über die Völker herrschenden Gott. Der Predigttext ist ein einziger „Preis der Erhabenheit Gottes“ und zugleich Mutmachung gegen Zukunftsangst mit Hilfe von Erinnerung.

Predigtgedanken: Zwei Generationen währte schon das Babylonische Exil und lässt bei den weggeführten Menschen die Frage aufkommen: Sollte Gott uns vergessen haben? Hat er anderes zu tun? Ist ihm angesichts der Größe der Schöpfung das kleine Juda nicht wichtig genug? Mit solchen Fragen vermischen sich dann die Fragen der Erinnerung: Wisst ihr noch, wie es damals war? Als es uns gut ging zuhause? Als die Welt noch heil war? Und als wir die Warnungen in den Wind schlugen? Dieses Fragen und Erinnern ist uns nicht fremd. Oft führt es zum Erträumen von Märchen von ein anderen Welt und dem ernüchternden Fazit: Aus der Traum! Die heile Welt gibt es nicht. Grüne Hoffnungen, viele Menschen, die sich engagierten für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung... wisst ihr noch? Die dreihunderttausend auf der Demo in Bonn? Und dann all die Umweltinitiativen... und jetzt? Da sitzen wir nun am Flussufer in Babylon und weinen! Die Befindlichkeit ist uns durchaus bekannt, - aus oft gesungenen Liedern, aus eigener Erfahrung, aus Nachrichten und Geschichtsbüchern: Babylon, die Pest im Mittelalter, Auschwitz, der 11. September, die unaufhörliche Gewalt in Nahost... Orte und Zeiten, die auch für das Leiden an der Ferne Gottes stehen. Sollte Gott uns vergessen haben?

Sich-erinnern in Babylon – der Prophet erinnert zunächst an das, was von niemandem bezweifelt wird: die Erhabenheit des Schöpfers. „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ Gott, der Herr, hat sie gezählt, er hat sie geschaffen. Niemand bezweifelt das. Es ist die Ferne des ansonsten nicht bezweifelten Gottes, die schmerzt. Da wäre ein „Befiehl du deine Wege und, was dein Herze kränkt, der allertreueten Pflege, des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird (schon) auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann“ – das wäre da nicht wirklich hilfreich und tröstlich, sondern nur Vertröstung. Hilfe und Trost bringt die Erinnerung: Gott tut etwas, handelt, ist nicht nur einfach da. Vieles von dem, was er tut oder geschehen lässt, ist mit unserem Verstand nicht fassbar, aber wir haben doch erlebt, wie den Müden Kraft und den Unvermögenden Stärke gegeben wurde. Wisst ihr noch? Die an Babylons Flüssen werden sich da an den Exodus erinnert haben, an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, an die Volkswerdung in Kanaan, an König David und die Staatengründung. Und später werden sie erzählt haben, wie die Hoffnung wiederkam in Babylon: „Die auf Gott hoffen, kriegen neue Kraft.“ Eine Woche nach Ostern können wir das wohl nachvollziehen. Unter dem Kreuz haben die Angehörigen Jesu geschrieen, gezweifelt und geklagt. Sie haben sich versteckt und nahezu allen Glauben aufgegeben. Und dann haben sie mit Ostern Gottes Handeln erfahren, handfest konkret erfahren: „Leg deine Hand hier in meine Seite.“ Gott belässt es nicht bei vertröstenden Worten, er erweist sich in der Tat. Was nicht heißt, dass alle Träume so in Erfüllung gehen, wie es sich die Träumenden erhofft hatten. Mit der Auferstehung Jesu endet nicht die römische Okkupation. Der Tod ist nicht einfach abgeschafft. Hunger, Leid und Unrecht gibt es auch nach Ostern. Wer mit Gott rechnet, kann damit noch nicht die Erfüllung seiner Wünsche ausrechnen. Gott ist ewig, sagt der Prophet, und seine Einsicht ist unerforschlich. Aber er handelt – in der Geschichte. Er erschafft, gibt neue Kraft, neues Leben. Wo das erneuernde Handeln Gottes erzählt und erinnert wird, da ist der Platz für zweifelnde Menschen - auch im Hier und Jetzt. Wisst ihr noch? Wie der Himmel über der Ruhr dunkelgrau war? Wie die Diagnose Krebs unausweichlich das Todesurteil bedeutete? Wie die Politiker aller Parteien vom Fortbestand der Teilung Deutschlands und der Mauer in Berlin überzeugt waren? Wisst Ihr noch? - Zum Glauben, zum beharrlichen, nachhaltigen Glauben gehören Erinnern und Erzählen: Wisst ihr noch, wie gut es uns eigentlich ging, aber wie wir hochmütig wurden und gleichgültig, wie unser Land alle Werte vergaß, Gott vergaß? Wisst ihr noch, wie es an Warnungen nicht fehlte, wir aber nicht verstanden und verantwortungslos waren? Wisst ihr noch, wie wir wie tot waren, und neues Leben war möglich?

Wisst Ihr noch: Die auf Gott beharrlich vertrauen, kriegen neue Kraft. Das ist die Schöpferordnung des lebendigen Gottes. Die galt zur Zeit Jesajas, zur Zeit der ersten Christen, und sie gilt heute und in Zukunft. Amen.

Apostelgeschichte 2, 42-47

Zum Text: Eigentlich ein „Pfingst-Text“ ist diese Perikope auch für den Sonntag nach Ostern geeignet, vereinfacht formuliert unter dem Titel „Nachhaltiger Osterglaube“. Verfasser der Apg. ist der Evangelist Lukas, der hier in Fortsetzung seines Evangeliums von den Taten der Apostel, in erster Linie vom Missionswirken des Paulus berichtet. Der vorliegende Lesungstext gehört allerdings eher in die Rubrik `Geschichte der Urkirche’ und ist in der Einheitsübersetzung überschrieben mit „Das Leben der jungen Gemeinde“. Die textlichen Quellen, auf die Lukas zurückgreift, sind schwer zu bestimmen. Die theologische Kernaussage ist: Jetzt ist die Zeit der Kirche, die des Heiligen Geistes, die des Neuen Bundes.

Predigtgedanken:

Fast möchte man sagen: Es geht doch! Mensch kann antworten auf Gottes Wort und tut es .Gottes Zuspruch ergeht an uns Menschen, und wir werden seinem Anspruch gerecht, – leben entsprechend. Warum nicht mal das Gute benennen? Gewiss, die Vorausschau auf Kapitel 5, wo von den ersten Rissen in der paradiesisch vorbildlichen Gemeinschaft berichtet wird, sollte nicht fehlen. Doch ein anderer Aspekt ist bedeutender: Diese geradezu idyllische Schilderung vom Leben der jungen Gemeinde steht gegen die oft vollzogene Aufspaltung: Alter Bund = Geschichte Israels, dann Neuer Bund = Geschichte Jesu und der Kirche und dann die Neue Welt, Reich Gottes im Dermaleinst, unerreichbare Zukunftsmusik für Träumende. Dagegen der Lesungstext: Das hier geschilderte Leben der Gemeinde ist bereits ein Stück Zukunftsmusik. Die Wirklichkeit des Reiches Gottes ereignet sich bereits mitten in den Bedingungen dieser Welt. Die immer wieder vollzogene Teilung „Hier das sündenvolle Jammertal, – aber dann...“ gilt nicht für die, die der Osterglaube erreicht hat. So gesehen ist der Text kein Eia-Popeia-Märchen vom sogenannten „Liebeskommunismus“, sondern Mutmachung, dass Glaube gelebt werden kann, nämlich der Glaube an die Fleischwerdung des Wortes. Dass sie immer wieder geschehen kann, auch unter den realen Bedingungen dieser Welt. Damit ist der Text gleichsam ein Appell: Ihr habt Gottes Wort gehört; vertagt eure Antwort nicht ins Dermaleinst, sondern gebt sie jetzt! Es geht.

1 Petrus 1, 3-9

Zum Text: Als Verfasser des Briefes wird Petrus benannt. Er schreibt aus „Babylon“, womit nur Rom gemeint sein kann, und durch seinen Mitarbeiter Silvanus, auch Silas genannt. Dieser hatte auch Kontakte zu Paulus, den er auf einer Missionsreise begleitet hatte. Vorausgesetzt, dass Silas-Silvanus nicht nur Schreiber, sondern auch Sekretär des Petrus war, lassen sich Zweifel an der Echtheit des „Pertrus-Briefes“ ausräumen (die gepflegte griechische Sprache und die genannte weiträumige Christenverfolgung, die es zu Lebzeiten des Petrus noch nicht gab). Der Brief richtet sich vor allem an

„Heidenchristen“, die verstreut in verschiedenen Provinzen Kleinasiens leben. Es geht darum, das „Fremdsein in der Welt“ als Auserwähltsein zu begreifen, die besondere Stellung und Sendung in Staat und Gesellschaft. Mutmachung erfolgt mit dem Verweis auf die Nachfolge Jesu in seinem Leiden, aber auch in seiner Herrlichkeit. Der wiederholte Verweis auf Taufe und Kreuz lässt manche Ausleger vermuten, dem ersten Teil des Briefes läge eine urchristliche Taufansprache zugrunde.

Predigtgedanken: Wir sind Erben, und unser Erbteil ist nicht der Nachlass eines Toten, sondern Geschenk des Lebendigen - so ließen sich diese Verse des Petrus-Briefes überschreiben und zugleich zusammenfassen. Wenn wir in unseren Predigtgedanken vom Erbbegriff aus denken, erscheint der Text deutlich als mehr als nur etwa ein Durchhalteappell. Der Erbe in den biblischen Erzählungen ist bei weitem nicht nur Empfänger eines willkommenen Vermögens oder dergleichen, sondern vor allem Stellvertreter des Erblassers und diesem in Wert und Würde geradezu ebenbürtig. „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ – der bekannte göttliche Zuspruch bei der Taufe Jesu. Aber auch andere bekannte Erb-Geschichten verdeutlichen den wichtigen Aspekt: Die Anerkennung des Opfers Abels stört den ererbten Wertestand des älteren Bruders und wird mit dem Tode bestraft. Weil Isaak der Erbe Abrahams sein soll, wird Ismael in die Wüste gejagt. Jakob betrügt Vater und Bruder um des Erbes willen. - Jesus als Gottes Kind und Erbe ist damit Gott gleich. Was heißt das für uns eigentlich, wenn wir im Tauflied singen: „Du hast zu deinem Kind und Erben mich erklärt“? Da begegnet uns, was die Barmer Erklärung mit „Zuspruch und Anspruch“ benennt. Mutmachung zum Glauben ist zugleich Mutmachung zur Verantwortung. Da ist dann der glaubende Mensch nicht frei von Anfechtung. Und da ist die Osterbotschaft Bekräftigung nicht nur im 1. Jahrhundert, sondern auch in unserer Gegenwart. Unser Glaube, der Zuspruch und Anspruch beinhaltet, wird gestärkt durch die Vergewisserung von Ostern: Lebendige Hoffnung ist nicht vergebens. Der Tod, in welcher Gestalt, Entwicklung oder Bedrohung auch immer, kann dem Leben nicht standhalten. Wir sind Kinder und Erben dessen, der gesagt hat: „Ich lebe, und ihr werdet auch leben“ – und Zeichen setzen, verantwortlich leben, in meinem Sinne und als würdige Stellvertreter Gottes handeln.

Johannes 20, 19-31

Zum Text: Von der altkirchlichen Überlieferung wird das vierte Evangelium dem Apostel Johannes, dem „Lieblingsjünger Jesu“, zugesprochen. Seine jetzige Gestalt hat es jedoch frühestens am Ende des 1. Jahrhunderts nach einem längeren Entstehungsprozess gefunden. Wichtiger: Es unterscheidet sich deutlich in Anlage, Auswahl und Darbietung des Inhalts von den drei früheren Evangelien. Es erzählt keine Leben - Jesu – Geschichte, sondern ist eher theologischer Kommentar des Christus – Geschehens, wobei vom Prolog bis zum Ende das Bekenntnis bestimmend ist: Das Wort, das bei Gott und zugleich Gott selbst ist, ist Fleisch geworden, - in dem Menschen Jesus ist Gott selbst Mensch geworden - mit allen Konsequenzen für Gott und die Menschen.

Predigtgedanken:

„Konstruktive Zweifel oder: Glauben mit Hand und Fuß“ möchte ich diesen Predigt-Text betiteln. Kein Naserümpfen über den Zweifler Thomas, sondern Dank an den, der mit Hand und Fuß glauben wollte. Schlecht weg kommen eher die anderen Jünger. Hinter verschlossenen Türen halten sie sich verborgen, voll Angst, ihren Glauben zu bekennen, zu leben. Jesus kommt zu ihnen, um ihnen die Angst zu nehmen, Glauben zurück zu geben und den Mut, den Glauben auch zu leben. Sie freuen sich, aber begreifen es nicht. Jesus setzt erneut an: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich Euch, empfangt den Heiligen Geist“, - verstanden? Offensichtlich nicht. Für eine weitere Woche bleiben die Türen verschlossen, bleiben angsterfüllte Jünger verborgen. Wen wundert’s, dass Thomas ihnen nicht glaubt: Gesehen mögen sie ihn haben, begriffen offensichtlich nicht. Thomas aber will be-greifen. Und dazu gibt Jesus ihm Gelegenheit, das nimmt er geradezu positiv auf: Leg deine Hand in meine Seite. Begreife und glaube! Während die erste Begeisterung der Jüngerschar eher fruchtlos blieb und über ein folgenloses Sich-Freuen nicht hinausging, verleihen die konstruktiven Zweifel des Thomas dem Glauben Hand und Fuß. Er begreift als erster, dass Glaube gelebt sein will. In wie weit er dem treu geblieben ist, entzieht sich gesicherten Erkenntnissen. Vieles spricht dafür, dass er äußerst engagiert vor allem im fernöstlichen Raum missioniert hat, den Menschen dort einen hand- und fußfesten Glauben gebracht hat. Im Neuen Testament lesen wir nichts davon. Eine Berühmtheit ist Thomas nicht geworden, allenfalls als verrufener Zweifler, ja Ungläubiger. Vielleicht ist aber gerade das Trost und Mutmachung für alle Heutigen, die sich um hand- und fußfestes Glauben bemühen:

Ihr Bemühen wird nicht dadurch erst wertvoll, dass es medienwirksam groß herauskommt. Ja, umgekehrt gilt vielleicht, dass alles schillernd, bunt und groß in den Medien herausgebrachte Bekennen mit ein wenig Vorsicht zu genießen ist.

Wilfried Stender, Essen

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