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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

24. Mrz. 08 - Ostermontag

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Apg 10, 34a.36-43 Apg 2, 14.22-33 1 Kor 15, 1-8.11 Lk 24, 13-35 od. Mt 28, 8-15

Der Autor betrachtet den Predigttext der ev. Reihe, den 1. Lesungstext sowie die alternativen Evangeliumstexte der kath. Leseordnung. Stichworte: Ostern - Sünde und ihre politischen Strukturen „überwinden“, Gerechtigkeit „suchen“, Schöpfung „bewahren“ (Apg 10 u. 2); sich anrühren lassen von dem Fremden, einladende Gestik des Erkennens (Lk 24); bestechende Wirkung materieller Vorteile (Mt 28)

Ev. Predigttext Reihe VI: Apg 10, 34.a.36-43

Exegetische Hinweise

Die liturgische Zuordnung dieser Rede des Petrus aus dem nachpfingstlichen Zusammenhang der Taufe des Hauptmanns Kornelius und damit der sog. Heidenmission zum Ostermontag macht deutlich, wovon viele Bibeltexte zeugen: Ostern ist einerseits ein einziges Ereignis, das vom Karfreitag über Ostern, Pfingsten und die Himmelfahrt Jesu hinaus bis zur „Weltmission“ durch die Jünger Jesu reicht, andererseits sprengt dieses Ereignis nicht nur den Rahmen des uns rational Vorstellbaren, sondern auch all unsere Zeitbegriffe. Auf diese Spannung zwischen Ostermontag, Pfingsten und „Heiden- bzw. Weltmission“ wäre also produktiv hinzuweisen. In der Ostererzählung des Johannesevangeliums (Joh 20, 19-23) werden Ostern und Pfingsten z.B. ebenfalls als ein einziges Ereignis deutlich.

Die Rede des Petrus fällt hier irgendwie deutlich nüchterner aus als seine auch emotional bewegte und bewegende Pfingstpredigt in Apg 2. Fast amtlich und sehr sachlich ruft er die österlichen Ereignisse in Erinnerung und weist dann auf die besondere Rolle der Jünger als Auferstehungszeugen hin, die dadurch, dass sie mit dem Auferstandenen gegessen und getrunken haben und von ihm den Auftrag zur Verkündigung erhielten, mit einer besonderen Autorität ausgestattet seien. Die Betonung dieser Autorität wird hier im Leben der jungen christlichen Urgemeinde wichtig, weil wir uns gerade an der historischen Schwelle befinden, wo die christliche Idee und Gemeinschaft ihren Charakter als „jüdische Sekte und Splittergruppe“ übersteigt, wo erstmalig „Heidenmission“ möglich wird und sich ein „globaler Anspruch“ des Christlichen zu entwickeln beginnt.

Dieser Text am Ostermontag fordert also zu einer besonderen Akzentuierung dessen, was Ostern überhaupt ist, heraus.

Predigtidee und Nachhaltigkeitsaspekt

Für Glaube und Theologie tun wir uns immer wieder neu damit schwer, das Jesus-Ereignis im Allgemeinen und Ostern im Besonderen als „geistige Wirklichkeit“ zu begreifen und die rationalen Spannungen zwischen einerseits historisch-faktischen Ansprüchen an Ereignis und Ablauf und andererseits zeitlos-existentieller „Herzens-Botschaft“ fruchtbar aufzulösen. Was ist überhaupt die Botschaft von Ostern? Meist dreht sich unsere Verkündigung um die Kernfrage: „Leeres Grab – ja oder nein?“ Was heißt das aber für unser Leben? Und wann findet unsere Auferstehung statt?

Dieser Predigttext am Ostermontag öffnet den Horizont, zeitlich wie inhaltlich.

Ein solcher nachpfingstlicher Text am Ostermontag zeigt, dass Ostern alles auf einmal umfasst, was seit Karfreitag, an Ostern und seit Ostern geschieht. Es gibt keine „geschachtelten Fakten“ und keine „Chronologie“. Nicht zuerst Kreuz, dann drei (?) Tage Grab, dann Auferstehung Jesu am Ostermorgen, dann einzelne Begegnungen, dann Himmelfahrt, dann Geistsendung, dann Judenmission, dann Weltmission, dann irgendwann „Jüngstes Gericht“ und Auferstehung aller Toten.

Die spezielle „Osterbotschaft“ dieses „Ostermontagstextes“? Ostern heißt, Jesus in jedem Augenblick, also jetzt und sofort und immer als „Richter über Lebende und Tote“ anzuerkennen und so existentiell und folgenreich, aber auch so konkret und augenblicklich und so engagiert und solidarisch an ihn zu glauben, dass wir den Teufelskreisen von Sünde, Gewalt und Tod entkommen, weil er uns ihnen entrissen hat. Das heißt auch, dass unsere Auferstehung bereits begonnen hat. Ostern heißt also, die Sünde und ihre Strukturen, auch die politischen, jetzt zu überwinden zu versuchen, Gerechtigkeit zu (ver-)suchen, Frieden, Bewahrung der Schöpfung … all die Themen und Stichworte, die uns zur „Nachhaltigkeit“ einfallen.

Ich würde also nach dem Predigttext knapp den Erzählzusammenhang mit der Taufe des Kornelius und der Heidenmission skizzieren und dann fragen, was diese Geschichte am Ostermontag zu suchen hat, was sie für ein Licht auf die Botschaft und den Sinn von Ostern wirft. Meine Antwort schilderte dann Ostern als aktiv-aktuelle Überwindung von Tod und Teufel in meinem / unseren ganz konkreten, heutigen Leben. Das hätte dann durchaus auch eine Menge politische Dimensionen und ökologische Perspektiven…

Kath. 1. Lesung: Apg 2, 14.22-33

Exegetischer Hinweis

Hier wird am Ostermontag aus der Pfingstpredigt des Petrus vorgelesen. Was bedeutet dies für unser Verständnis von Ostern, was sagt das über Sinn und Botschaft des Osterfestes aus? Man beachte zu dieser Frage bitte die Ausführungen oben zum evangelischen Predigttext am Ostermontag (Apg 10, 34.a.36-43).

Kath. Evangelium: Lk 24, 13-35

Predigtidee und Nachhaltigkeitsaspekt

Die berühmte und vielfach „abgenutzte“ Emmaus-Geschichte. Ich möchte mich darum auf wenige Akzente beschränken, die ich in der Predigt besonders ausführen würde. Auch dieser Text gehört zu den österlichen „Nicht-erkennungs-Geschichten“. Wie Jesus vor Maria von Magdala, die den Auferstandenen für den Gärtner hält und wie im Nachtrag zum Johannesevangelium, wo ein Fremder die gelangweilt erfolglosen Fischer-Jünger um etwas zu essen bittet, so erkennen auch die Emmaus-Jünger den Auferstandenen nicht an seiner äußeren Gestalt. Das enthält für mich die wesentliche Osterperspektive, dass die Realität der Auferstehung eben keine augenscheinlich-historische Wiederherstellung des vorkarfreitaglichen Jesus bedeutet, sondern eine neue Art und Qualität von Leben schildert. Den Emmaus-Jüngern gehen ebenso wie den johannäischen Fischfangwunder-Jüngern erst die blinden Augen auf, als Jesus ihnen das Brot bricht. Das heißt doch sehr klar und deutlich, die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu ist für uns richtig und tief (erst) im Sakrament des Brotbrechens erfahrbar. Das mag manchen Skeptikern nicht reichen. Ich finde eher tröstlich, dass sich unsere Situation als glaubensbemühte Christen heute damit kaum von der der Jünger damals unterscheidet. Die Emmaus-Jünger haben keinen historischen Vorteil und kein offenbarungsmäßiges Plus gegenüber uns und unserer Zeit. Unsere Chancen, Jesus als den Auferstandenen zu erfahren, sind genauso groß oder klein wie ihre damals.

Und doch haben sie einen Vorsprung, aber einen einholbaren: Der Schlüssel liegt in den „brennenden Herzen“. Diese vermögen sie zwar erst im Nachhinein deutend einzuordnen, aber das war der Moment, da sie sich von Jesus innerlich berühren ließen. Dieses Berührtsein hat bewirkt, dass sie den Fremden zum Bleiben auffordern wollten. Damit haben sie erst den Raum für die eigentliche Begegnung im Brotbrechen geöffnet.

Von wem lassen wir uns wie anrühren? Wofür brennt unser Herz? Wann sind wir „Feuer und Flamme“? Da wird nach Leidenschaft und echter Offenheit gefragt. Ja, mehr noch: Von welchem Fremden lassen wir uns innerlich anrühren? Welche Fremden laden wir uns zum Abendessen und an die Stammtische unserer nächtlichen Sicherheiten? Wen sind wir bereit, den Gefahren von Nacht und Dunkel dadurch zu entreißen, dass wir uns um sie kümmern? Das sind die Schlüsselfragen, die erst Räume für die Begegnung mit dem Auferstandenen öffnen. Da würde Ostern erfahrbare Wirklichkeit. Muss ich da noch mehr „Nachhaltigkeits-Stichworte“ ausführen?

oder alternativer Evangeliumstext: Mt 28, 8-15

Nachhaltigkeitsaspekt

Eine richtige Predigtidee zur „biblischen Bestechungsgeldaffäre um die Grabwächter Jesu“ habe ich eigentlich nicht. Wenn man aber biblisches Material sucht, um die Haltung zu illustrieren, dass die Angst die Mächtigen – und eben auch die Führer von Religionsgemeinschaften – zu sehr üblen Machenschaften verführen kann und dass das Geld und die Gier danach nicht erst heute Moral und Wahrheit zu einer käuflich-verkäuflichen Ware verkommen lassen kann, dann wird man an diesem Ostermontag in der Evangeliums-Alternative zu den Emmaus-Jüngern fündig. Diese Geschichte illustriert die Käuflichkeit, Bestechlichkeit und Geldgier von Menschen und die Unmoral der Mächtigen auch allemal besser, als der sonst oft dafür zurate gezogene Judas Iskariot. Bei ihm ist die Sache mit der Geldgier natürlich auch ein moralisches Problem, mehr aber ein erzählerisch fragwürdiges Evangelistenmotiv. Judas ist mehr enttäuschter zelotischer Eiferer als geldgieriger Jesus-Verkäufer.

Für die Realität der Auferstehung gibt die Bestechungsgeschichte nicht viel her. Sie hat keinerlei Beweischarakter für ein historisch-fotografisches Auferstehungsverständnis. Sie könnte auch ebenso zur Abwehr der These vom Grabraub strategisch geschickt erfunden worden sein…

Stefan Herok, Limburg

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