Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

23. Mrz. - 08 Osternacht  Ostersonntag 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
N.: 2 Tim 2, 8a (9b-13) N.: Gen 1, 1 - 2, 2 N.: 2.- 7.: s. Leseordnung N.: Mt 28, 1-10
T.: 1 Kor 15, 19-28 T.: Apg 10, 34a.37-43 T.: Kol 3, 1-4 o. 1 Kor 5, 6b-8 T.: Joh 20, 1-18

Der Verfasser betrachtet die meisten Perikopen des Tages bzw. der Osternacht (s. Randmarkierung) mit Querverweisen. Stichworte: eingeladen als Gast in Gottes Schöpfung – unser Beitrag, auf dass sie „gut“ ist und bleibt? (Gen 1/2); Hunger in der Welt zulassen ist auch „Opfern“ von unseren Söhnen und Töchtern (Gen 22); Gerechtigkeit / moderne Sklaverei und Ausbeutung (Ex 14); die Welt mit Freude in Ordnung bringen, ob die Verheißung eintritt, liegt an uns (Jes 54); ungerechte, ausbeuterische Abkommen / Verträge, Grundbedürfnisse des Menschseins (Jes 55); Gnadenjahr / Sabbatjahr, die Gerechtigkeit von Besitzverhältnissen regelmäßig prüfen (Bar 3); die Welt durch Handeln beflecken oder das (Tauf-)Versprechen erneuern? (Ez 36); den Strukturen der Räuberei widerstehen (Röm 6); heimgehen - in die Welt hinein (Joh 20); es gibt keine christliche Oberflächlichkeit – wegen der Auferstehung! (1 Kor 15); das Evangelium zur Erziehung und Einmischung tatsächlich nutzen (2 Tim 2)

OSTERNACHT, 23.03.08

Die Osternacht bietet für die katholische Leseordnung eine Fülle von Lesungen. Erzählt wird die Geschichte Gottes mit den Menschen von der Schöpfung der Welt bis zur Auferstehung Jesu. Bei den Anregungen zu den einzelnen Texten nehme ich keine Rücksicht darauf, ob „vor Ort“ jeweils die längere Fassung oder die Kurzfassung gewählt wird. Es geht mir um einige prägnante „Grundthemen“ der jeweiligen Texte, sowie diesbezügliche Assoziationen und Anregungen im Hinblick auf ein „Nachhaltiges Predigen“ vor dem Hintergrund der Themen „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Das kunstvolle „Geflecht“ der aufeinander bezogenen Texte der Osternacht-Liturgie hatte beim Verfassen der Anregungen zur Folge, dass sich Anregungen für einen Text gelegentlich auch als Anregungen für einen jeweils anderen Text fruchtbar machen lassen. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, habe ich dies jeweils deutlich gemacht. Dies bezieht sich sowohl auf „intrakonfessionelle“ wie auch auf „interkonfessionelle“ Querverweise.

Genesis 1,1 – 2, 2

Zur Schöpfungsgeschichte, unter Bezugnahme auf die „Langversion“, drei Anmerkungen:

Die erste Anmerkung: Die Erde wird als Gottes Schöpfung verstanden (die naturwissenschaftlichen „Ungenauigkeiten“ müssen uns nicht stören, weil das Schöpfungsepos auch kein naturwissenschaftlicher Bericht ist). SEIN ist die Erde und was auf ihr lebt. WIR sind (nur) GAST auf Erden – kommt mir das Lied in den Sinn, das zumeist bei Begräbnisgottesdiensten gesungen wird. Aber hat das nicht auch noch eine andere Konnotation? GAST auf Erden sein! Wir sind Gottes GÄSTE auf dieser Welt. Das (ewige) Fest findet (auch) hier schon statt. Aber: es ist wohl eines dieser „modernen“ Feste, zu dem man einen Beitrag (Salat, einen Kuchen oder was auch immer) mitbringen soll. – „Nachhaltig“ gewendet: Als Gäste Gottes auf dieser Welt sind wir eingeladen, unseren schöpferischen und produktiven Beitrag zum „Bebauen und Bewahren der Schöpfung“ beizutragen. Mitzuhelfen, dass das Fest gelingt und der Festsaal nicht lädiert wird! („Verlassen Sie diesen Planeten so, wie sie ihn vorzufinden wünschen“ – lautet, in Anlehnung an Schilder an gewissen Örtchen, ein Spruch der Umweltbewegung der 70er Jahre). Dass vom Festmahl für alle etwas da ist und sich nicht die einen „voll fressen“ und für die andern (auch die, die später kommen) nichts mehr übrig ist!

Die zweite Anmerkung: Viermal ist zu lesen: „Gott sah, dass es gut war.“. Dann, zum fünften Mal sogar: „Gott sah alles, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ Diese Welt, diese Erde, dieses Leben ist „bejahenswert“. – „Ohne Bejahenswertes ... gibt es keine Erotik der Existenz und kein erotisches Verhältnis zur Arbeit an Veränderungen.“ (Wilhelm Schmid, Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst, Suhrkamp/Frankfurt 2005, S. 193). Ohne diese positive, bejahende Grundeinstellung zur Schöpfung (wie sie z.B. auch im Sonnengesang des Hl. Franziskus zum Ausdruck kommt) blieben nur noch moralinsaure Verpflichtungen (vgl. auch die Anmerkungen zu Jesaja 54, 5-14).

Dritte Anmerkung: Diese führt die beiden ersten Anmerkungen zusammen. Kaum zu glauben, aber wahr: Wir sind eingeladen, uns (unter Voraussetzung der ersten Anmerkung) in Gottes Welt ein „Schönes Leben“ zu machen. Wie dieses Leben aussieht, dazu vgl. den 5. Lehrsatz Epikurs in den Anregungen zu Jes 54, 5-14. Dies für den kleinen Alltag des persönlichen Verhaltens sowie den großen Alltag der Politik und Wirtschaft durchzudeklinieren, bleibt Aufgabe aller Menschen. Herz und Hirn genug dafür hat Gott uns mitgegeben!

Genesis 22, 1 – 18

Unsere Empörung über einen Gott, der Abraham auf eine solche Probe stellt, ist schnell zur Hand. Ein „unmenschlicher“, ein „grausamer“ Gott, der von Abraham verlangt, seinen Sohn zu töten, zu opfern.

In dem Buch „Solidarisch Mensch werden“ von Ulrich Duchrow und anderen Autoren (VSA/Publik Forum 2006) lese ich den Satz: „Die extreme Folge des herrschenden Systems ist der Mord – der Mord an 100.00 Menschen pro Tag, 36,5 Millionen pro Jahr. Sie sterben an Hunger oder dessen unmittelbaren Folgen...“ (S.22). Mord deshalb, weil die Weltwirtschaft heute in der Lage wäre, alle Menschen (Jean Ziegler spricht sogar von 12 Milliarden Menschen) ausreichend mit Nahrung und Wasser zu versorgen. Die meisten Opfer sind Kinder.

Unser herrschendes globales Wirtschaftssystem mit seinen ökologischen und sozialen Auswirkungen ist das Messer an der Kehle der bereits geborenen und noch ungeborenen Folgegenerationen. Wo bleibt unsere Empörung gegen diesen grausamen „Gott“, dieses „System“, das „befiehlt“, die Folgegenerationen zu töten? Und dieses System ist ein „Gott“, ein „Absolutes“ – wenn der Satz von M. Thatcher in Bezug auf dieses System stimmt: „There ist no alternative.“ Wenn etwas alternativlos ist, ist es absolut. M. Thatcher gibt also selbst zu, dass wir es mit einem „Wirtschaftsabsolutismus“ zu tun haben. Vor dem Hintergrund von Jes 45,22 („Ich bin Gott – keiner sonst!“) ist diese Absolut- und Alternativlos-Setzung des herrschenden Wirtschaftssystems sogar schlicht und ergreifend eine „Gotteslästerung“. - Ist da wirklich keine Alternative?

Exodus 14,15 – 15,1

Das Thema ist die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Die Umstände dieser Sklaverei werden in Ex 1,10-22 (Genozid an den neugeborenen Knaben) und Ex 5 (unerträgliche Arbeitsverdichtung und Feiertagsverweigerung) beschrieben. Ich will hier nicht auf die heutige Diskussion über „zu viele Feiertage“ in Deutschland eingehen, auch wenn sich hier einiges dazu sowie über zunehmende Arbeitsverdichtung für die Noch-Arbeitenden im Verhältnis zur zunehmenden Zahl der Arbeitslosen sagen ließe.

Das 2001 im Kunstmann-Verlag erschienene Buch „Die neue Sklaverei“ von Kevin Bales zählt weltweit ca. 27 Millionen Arbeits- und Prostitutionssklaven und –sklavinnen. Andere Schätzungen gehen von bis zu 200 Millionen aus. Sie arbeiten in Ziegelbrennereien in Indien, auf Zuckerrohrplantagen und Urwaldrodungen in Südamerika, als Prostituierte in Thailand oder auf den Philippinen, aber auch als „Dienstboten“ in Europa und Amerika – wo auch immer, unter unwürdigsten Bedingungen. Bales definiert Sklaverei als „vollkommene Beherrschung einer Person durch eine andere zum Zwecke wirtschaftlicher Ausbeutung“ (S. 13). Die neue Form der Sklaverei sei optimal auf die Erfordernisse einer globalisierten Ökonomie zugeschnitten, so Bales. Sie seien auch nicht mehr, wie noch in der amerikanischen Sklaverei, teure Investitionsgüter, sondern nur noch Ge- und Verbrauchsgüter, die nach Benutzung auf die Straße gesetzt oder auch schon mal in einen Fluss geworfen werden.

Bales stellt Verbindungen her: „Sklaven in Pakistan haben möglicherweise die Schuhe gefertigt, die Sie tragen, und den Teppich gewirkt, auf den Sie stehen. Sklaven in der Karibik könnten dafür gesorgt haben, dass in Ihrer Küche die Zuckerdose gefüllt ist und Ihre Kinder Spielzeug haben. ... Sie haben die Ziegel für die Fabrik gebrannt, in der Ihr Fernsehapparat angefertigt wurde. In Brasilien haben Sklaven die Holzkohle hergestellt, mit der man den Stahl für die Federung Ihres Autos und die Schneide Ihres Rasenmähers härtete.“ Er setzt diese Reihe von Beispielen über zwei Seiten fort.

Die Geschichte des Exodus erzählt uns, dass Gott den Schrei der Unterdrückten und Sklaven gehört hat, dass er diese Zustände nicht will und er sein Volk in die Freiheit führen will. Was will Gott heute von uns in einem globalisierten Wirtschaftssystem, das darauf ausgerichtet ist, zu Gunsten von Kapitalakkumulation und –konzentration oder Verbilligung von Konsumgütern an Millionen von „echten“ Sklaven zu profitieren (nicht gerechnet die Menschen, die für dieses System für einen Hungerlohn arbeiten müssen!)? Oder gar, vgl. die Anmerkungen zu Gen 22,1-18, buchstäblich über Leichen geht?

Jesaja 54, 5 –14

Thema dieser Lesung ist eine große Verheißung: Die Heimholung Israels und seine Gründung auf Frieden und Gerechtigkeit, fern von Bedrängnis und Schrecken. – Die Wirklichkeit, auch unsere heutige: In Bedrängnis und Schrecken, fern von Frieden und Gerechtigkeit. Die Wirklichkeit widerspricht der Verheißung, die Verheißung sprengt den gebannten Blick auf die Wirklichkeit und eröffnet neue Perspektiven, gibt Hoffnung. Der Friede ist die Frucht der Gerechtigkeit. Diese gerechte Welt ist auch nicht eine Welt der grauen Gleichmacherei und des sauertöpfischen Verzichts – sie ist anmutig und schön, es ist von kostbaren Steinen, von Malachit, Saphir, Rubinen und Beryll die Rede. Aber nicht, um im Bilde zu bleiben, von Colliers, an denen das Blut z.B. der Diamantenkriege im Kongo klebt. In Lüttich gibt es den Stadtteil Outremeuse, der sich auch als „Freie Republik“ bezeichnet. In Anlehnung, aber auch Verfremdung der Parole der Französischen Revolution lautet das Motto dieser freien Republik: „Solidarité – Plaisir – Charité“, Solidarität, Vergnügen und Barmherzigkeit. Dieses Motto erinnert mich an die hier bei Jesaja verheißene Gottesstadt, aber auch an den 5. Lehrsatz Epikurs: „Man kann nicht in Freude leben, ohne vernünftig, edel und gerecht zu sein; aber auch umgekehrt kein vernünftiges, edles und gerechtes Leben führen, ohne in Freude zu leben.“ – Die Mystik spricht von der „Lust an Gott“. Diese „Lust an Gott“ impliziert dann aber auch die „Lust“ an seiner Sache, an seiner Geschichte mit den Menschen. Die Jesaja-Verheißung will „Lust“ machen auf Gott und seine Stadt – und das heißt auch, „Lust“ darauf, mit all dem Schluss zu machen, was dieser Vision entgegensteht und die Schöpfung Gottes sowie das Antlitz des Menschen als Ebenbild Gottes schändet. – Haben Sie schon mal ihre Wohnung aufgeräumt? Sie können dies mit verbissenem Pflichtgefühl tun, weil, man verzeihe mir diesen Vergleich (ich habe nämlich eine sehr nette!) die viel zitierte, berühmt-berüchtigte Schwiegermutter naht. Sie können dies aber auch lust- und phantasievoll tun, und dann, und nur dann, wird die Wohnung hinterher in „neuem Glanz erstrahlen“. Könnten wir uns nicht in die „Lust Gottes an den Menschen“ einschwingen und nicht nur unsere Wohnung, sondern die Welt „aufräumen“ und „in Ordnung“ bringen, das Verlorene und Geschundene heimholen?

Jesaja 55, 1-11

Die Durstigen und Hungrigen sollen kommen und trinken und essen, ohne zu bezahlen! – Wenn die Anregungen zu Gen 22,1-18 richtig sind, finden wir hier eine Verheißung, die sich in diametralem Gegensatz zu den „herrschenden Verhältnissen“ befindet. Verhungern und verdursten in diesen (wirtschaftlichen und politischen und in ihren Auswirkungen auch ökologischen) Verhältnissen Menschen, damit andere in diesen Verhältnissen zu „mehr Geld“ (Kapitalakkumulation) kommen, sollen nun die Durstigen und Hungrigen „ohne Geld“ das bekommen, was ihnen zusteht. – Die Sicherung der menschlichen Grundbedürfnisse (nach Epikur: nicht hungern, nicht dürsten, nicht frieren) hat Priorität vor dem Luxus der Reichen und dem Billigkonsum, der durch Ausbeutung von Sklaven und billigen Arbeitskräften möglich wird (vgl. zu Ex 14,15 – 15,1).

Was diesen „Billigkonsum“ angeht, so bezieht sich Jes 5,2 vermutlich nicht auf die Haltbarkeit von Billigprodukten oder den Nährwert von Billig-Nahrungsmitteln. Es ist wohl eher gemeint, dass beim Profitieren an diesem System auch die „Seele“ nicht satt wird, weil sie sich nicht in eine globale Geschwisterlichkeit eingebunden weiß.

Voraussetzung für diese „neue Welt“: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt!“ Ruchlose und Frevler sollen von ihrer Ruchlosigkeit und ihrem Frevel ablassen. Worin bestehen diese Ruchlosigkeit und dieser Frevel? – Darin, unheilvolle Gesetze und machen und unerträgliche Vorschriften zu machen (Jes 10,1). Wie wirken sich internationale Handelsabkommen, Wirtschaftsverträge und Strukturanpassungsprogramme der Weltbank auf die Armen aus? Etwa so, wie es in Jes 10,2 weiter beschrieben wird: den Armen des Volkes das Recht zu rauben, die Witwen auszubeuten und die Waisen auszuplündern? (Nicht wenige der heutigen Sklaven sind übrigens tatsächlich „Witwen und Waisen“!). – Darin, Haus an Haus zu fügen und Feld an Feld, bis kein Platz mehr da ist (Jes 5,8): Besitzakkulmulation in Form von Grundbesitz und Kapital in den Händen weniger zu Lasten von Landlosen (vgl. z.B. Brasilien) und anders Armen und Ausgebeuteten. Die Wirtschaftsgegenwart steckt voll von diesen Konzentrationsprozessen – 20 % der Weltbevölkerung verfügen über 80 % der Ressourcen (seien es Rohstoffe, Güter, Finanzen). – Darin, dass die Häuser der „Fürsten“ und „Ältesten“ des Volkes voll sind „von dem, was ihr den Armen geraubt habt.“ (Jes 3,14). – Darin, dass die Führer des Volkes das Volk verführen und es in die Irre leiten (Jes 9,15): Der Satz, dass es zum herrschenden Wirtschaftssystem keine Alternativen gäbe, dass diese Art von „Globalisierung“ ein alternativloser, geradezu „naturwüchsiger“ Prozess sei, gehört meines Erachtens zu diesen Lügen und Verführungen. Dagegen ist der Satz zu halten, dass eine andere Welt sehr wohl möglich sei. Eine Welt, in der das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach strömen (vgl. Amos 5, 24). Eine Welt des Herrn, den wir suchen sollen, solange er sich noch finden lässt!

Die Welt Gottes, in der die Durstigen umsonst zu trinken bekommen – sie befindet sich auch im Gegensatz zu gegenwärtigen Tendenzen, die Wasserversorgung zu privatisieren und damit in der Regel zu verteuern; sie befindet sich im Gegensatz zu fragwürdigen Staudammprojekten, die den Armen im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgraben. Überhaupt: Wasser scheint zu einer zunehmend knappen Ressource zu werden, man spricht schon vom blauen Gold und von zukünftigen Kriegen ums Wasser. – Ähnliches gilt für eine Welt, in der die Hungrigen umsonst zu essen bekommen: abgesehen davon, dass dies derzeit nicht der Fall ist (und selbst wenn, sind gewisse Formen der Lebensmittel“hilfe“ durchaus kritisch zu sehen und deshalb in Anführungsstriche zu setzen), sind Tendenzen feststellbar hin zu einer zunehmenden Konzentrierung von Saatgutrechten durch Patentierung in den Händen weniger multinationaler Konzerne. Konnten Bauern (vom Westerwald bis nach Sri Lanka) also früher noch darauf vertrauen, von der Ernte eines Jahres Saatgut für das kommende Jahr abzuzweigen und so in gewisser Weise wenigstens „umsonst“ zu säen, ist ihnen selbst dies nun durch Patentrechte verboten (vgl. die „unheilvollen Gesetze“ nach Jes 10,1).

Baruch 3, 9-15.32 – 4,4

Israel hat sich von den Geboten Gottes, den Geboten des Lebens und damit vom Quell der Weisheit abgewendet. Die Folgen werden in Baruch 2, 10-11 beschrieben. Gott ist ein Gott, der die Ordnung des Kosmos mit Weisheit lenkt (V. 32-35), und der auch die Ordnung des menschlichen Zusammenlebens mit Weisheit erfüllen will (Baruch 3, 14; 4,1). Aus dieser weisen Ordnung des Zusammenlebens folgen Leben, Lebensglück und Frieden. – Die Einführung zu diesem Text im Schott lenkt das Augenmerk auf die Zehn Gebote. Das ist sicherlich richtig – doch sind noch weit mehr „Gebote Gottes / Gebote des Lebens“ als „Quell der Weisheit“ zu erwähnen: die Sozialgesetzgebung Israels, insbesondere das „Gnadenjahr des Herrn“, das „Sabbatjahr“ (vgl. Ex 23,11f; Lev 25; Dtn 15), in dem die Sklaven freigelassen werden, in dem die Schulden erlassen werden und die Besitzverhältnisse, die auf der schiefen Ebene der Zeitläufe zunehmend ungerechter geworden sind, neu und gerechter geregelt werden. Und fast ein Nebensatz in Dtn 15,4: „Doch eigentlich sollte es bei dir gar keine Armen geben; denn der Herr wird dich reich segnen, ..., wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes hörst, und dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, achtest und hältst.“ Nach Jean Ziegler kann diese Erde heute 12 Milliarden Menschen ernähren (vgl. zu Gen 22,1-18) – die Frage ist nur, ob wir diesen „reichen Segen“ nach den Geboten Gottes oder nach den Gesetzen der „unsichtbaren Hand des Marktes“ und des Kapitals verteilen.

Ein „Brachjahr“ auch, in dem sich die Natur erholen kann von der Ausbeutung durch den Menschen. Weiter ist zu denken an die Forderungen nach Recht und Gerechtigkeit, die Gott durch den Mund der Propheten immer wieder hat laut werden lassen.

Ezechiel 36, 16-17a, 18-28

Auch hier eine ähnliche Struktur wie bei Baruch. Zerstörung der Integrität des Volkes Israel (V. 19-20) als Folge der Abkehr von Gott, als Folge unguten Handelns: sie machten das Land durch ihr Verhalten und ihre Taten unrein, sie vergossen Blut im Land und befleckten das Land mit ihren Götzen. (V. 17a-18). Über den „Kapitalismus als Götzendienst“, der das Blut der Armen in Profite und Renditen verwandelt und dem der Shareholder-Value vor einer bewahrten Schöpfung geht, habe ich bereits genug geschrieben. – Wer die Augen vor diesen Tatsachen verschließt, muss wahrlich ein „Herz aus Stein“ (V.26) in seiner Brust haben, ist entweder hartherzig oder abgestumpft. Oder, noch schlimmer: weiß um die Folgen solchen Verhaltens und solcher Taten und lässt doch nicht davon ab, weil „die unsichtbare Hand des Marktes“, koste es, was es wolle, es so befiehlt. – Einen neuen Geist und ein neues Herz (aus Fleisch) verheißt Gott den Menschen in dieser Lesung, einen Geist der Umkehr und Rückkehr zu den Geboten Gottes, zu den Visionen von seinem Reich des Friedens und der Gerechtigkeit. Das heißt auch, Gegenöffentlichkeit und Gegeninformationen herzustellen gegen die als alternativlos behauptete gegenwärtige Art unseres Wirtschaftens und gegen das Verschweigen und gegen die Verschleierung seiner für Menschen und Natur tödlichen Folgen. Heißt einwirken auf die versteinerten Herzen der Mächtigen in Wirtschaft und Politik, die diese Folgen billigend in Kauf nehmen. – Mit „reinem Wasser“ will Gott die Menschen „reinigen von aller Unreinheit und von all euren Götzen“: in der Taufliturgie der Osternacht wird die Frage gestellt: „Widersagt ihr dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes Leben zu können?“ – Welch eine Vision: „In der Freiheit der Kinder Gottes“ leben, geschwisterlich mit allen Menschen und mit der Schöpfung – und nicht unter der Unfreiheit, den angeblich alternativlosen (Sach-)Zwängen eines quasireligiösen Kapitalismus. „Die Frage danach, ob der Kapitalismus als eine Religion zu verstehen sei, trifft gegenwärtig auf eine Situation, in der man kaum zögern wird, sie umstandslos zu bejahen. ... diese Gesellschaft (glaubt) an den Kapitalismus. Sie glaubt, dass er ihr Schicksal ist. Und sie glaubt, dass er die einzige Chance ist, ihr Schicksal zu gestalten. Die Gesellschaft fühlt sich im Kapitalismus zu Hause, wie sie sich früher mit jenen Geistern und Göttern zu Hause fühlte, die man zwar anrufen, zu denen man beten und denen man opfern konnte, deren Launen und Ratschluß jedoch trotz allem überraschend und letztlich unerforschlich blieben.“ ( D. Baecker (Hg.), Kapitalismus als Religion, Berlin 2003, S. 7; vgl. auch: Jacob/Moneta/Segbers, Die Religion des Kapitalismus, Edition Exodus, Luzern 1996).

Röm 6, 3 –11

Diese letzten Gedanken zu Ezechiel finden ihre Fortsetzung in der Lesung aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom. Wer getauft ist, ist nicht mehr „Sklave der Sünde“ (V.6), auch nicht mehr Sklave der Strukturen der Sünde, der wirtschaftlichen „Strukturen der Räuberei“, wie Bischof Franz Kamphaus sie genannt hat. Er lässt sich nicht mehr „von der Sünde beherrschen“, von dem herrschenden Sachzwang- und Alternativlosigkeit-Gerede. Es ist berufen, in der „Freiheit der Kinder Gottes“ für „Gott zu leben in Christus Jesus“. Für Gott und seine Sache zu leben in der Nachfolge Jesu in „lustvollem“ Widerspruch und Widerstand gegen diese „Strukturen der Räuberei“ sowie die eigene Verstrickung in ihnen (vgl. auch die Anmerkungen zu Jes 54, 5-14).

Evangelium: Joh 20,1-9 oder Joh 20,1-18

Anstelle einer Auslegung zu diesem Evangelium möchte ich ein Lied aus dem Gotteslob für das Bistum Limburg zitieren:

Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme,
erst dann die Herrschaft der Herren,
erst dann die Knechtschaft der Knechte
beendet wäre für immer.

Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe,
wenn hier die Herrschaft der Herren,
wenn hier die Knechtschaft der Knechte
so weiterginge wie immer.

Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden,
ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle
zur Auferstehung auf Erden,
zum Aufstand gegen die Herren,
die mit dem Tod uns regieren.

Im Johannesevangelium sagt Jesus zu Maria von Magdala: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. – Im Matthäus-Evangelium sagt der Engel zu den Frauen am Grab: Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. – Das ist, etwas platt und kurz gesagt, das Gleiche! Galiläa, der „galiläische Frühling“, dort, wo alles angefangen hat: das Heilen und das Teilen, die Verkündigung des Reiches Gottes, das Lehren und Leben der Bergpredigt, das Heimholen der Ausgegrenzten und Abgeschobenen – und vieles mehr. In diesem „galiläischen Tun“, in dieser Praxis tut Jesus den und lebt, ist, im „Willen des Vaters“; an dieser Praxis hat der Vater sein „Wohlgefallen“. Dorthin sollen die Jünger gehen, in diese Praxis hineingehen - der Weg in die Welt hinein im Vollzug dieser Praxis ist schon der Weg hinauf zu seinem/unserem Vater, seinem/unserem Gott. – „Wenn wir seine Gebote halten, erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben.“ (1 Joh 2,3) – „Wir erkennen daran, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat.“ (1 Joh 2,5f.) – „Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist.“ (1 Joh 3,7b) - „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben“ (1 Joh 3,14). – „Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben?“ (1 Joh 3,17). – Dieses Verhalten gegenüber dem not-leidenden Bruder erschöpft sich aber nicht nur im „Almosen-Geben“, sondern beinhaltet auch die Frage nach der Ursache seiner Not. Ich erinnere mich an den Satz von Dom Helder Camara: „Wenn ich den Armen Brot gebe, nennt man mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum er am ist, schimpft man mich einen Kommunisten.“ Das sollte uns aber nicht am Fragen hindern!

1 Kor 15, 19 – 28 (Predigttext evangelisch)

Zur Auslegung sollte das Textumfeld das gesamte Kapitel 1 Kor 15 herangezogen werden.

Zur Debatte stehen Sinn und Unsinn des Lebens angesichts der Frage, ob Christus von den Toten auferstanden ist oder nicht, sowie, welche Konsequenzen aus dem einen oder anderen zu ziehen sind. Ist Christus nicht auferstanden, gibt es auch keine Auferstehung der Toten – „dann lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot.“, referiert Paulus in 1 Kor 15,32 Jesaja 22,13. Nihilistische Oberflächlichkeit, gepaart mit (sozialer) Verantwortungslosigkeit (vgl. die Anmerkungen zum Lesungstext Jes 55,1-11 in der katholischen Liturgie dieser Osternacht). – „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten...“ schreibt Paulus in 1 Kor 15, 20. – „Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden...“ – dichtet Kurt Marti in seinem Osterlied, das ich in den Anregungen zum Text aus dem Johannesevangelium (Kath. Leseordnung) zitiere. Paulus lädt ein zu einem „Leben aus der Auferstehung“ (1 Kor 15, 29-34). „Nüchtern werden und nicht sündigen...“ (V.34) bedeutet dies für Paulus. „Nüchtern werden“ – nicht vom falschen und oberflächlichen Schein sich betrügen zu lassen, mit dem die „Herren, die mit dem Tod uns regieren“ (Kurt Marti), uns „besoffen“ machen wollen, damit wir nicht sehen sollen, welchen Schaden unsere Art zu wirtschaften, mit Natur und Menschen umzugehen, anrichtet. Auf Hochglanz-Werbeprospekten sind die Kindersklaven nicht zu sehen, die die Turnschuhe nähen. Nüchtern werden, hinter die Kulissen sehen, den „schönen Schein“ durchschauen. Uns rufen lassen zum „Aufstand“ gegen diesen schönen Schein, damit alle Menschen menschenwürdig leben können und die Schöpfung bewahrt bleibt. – „Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.“ (1 Kor 15,26). Bereits „diesseits“ der Frage nach der Vernichtung des „ewigen“ Todes und der Frage nach dem „Auferstehungsleib“ (1 Kor 15, 35-49) bedeutet dieser Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren, schon heute, in dieser „eschatologischen Zeit“, den Aufstand gegen den (zu frühen) „zeitlichen“ Tod aller Verhungernden und Verdurstenden, in Kriegen getöteten Menschen. Ich zitiere einen Satz von A. Camus, den ich auf einer Spruchkarte gefunden habe: „Wir können es wohl nicht verhindern, dass diese Schöpfung eine Welt ist, in der Kinder gemartert werden, aber wir können die Zahl der gemarterten Kinder verringern, und wenn Sie uns dabei nicht helfen, wer soll uns dann helfen?“ – Das Leben aus der Auferstehung beginnt hier und jetzt.

2 Tim 2, 8a (9b –13) (Predigttext evangelisch)

„Halte im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten...“ – auf diesem festen Grund soll Timotheus predigen, lehren, mahnen, zurechtweisen. Dies alles gleichwohl freundlich und sanftmütig (2 Tim 2, 24.25). Wie freundlich und sanftmütig auch immer, führt dies in einer Welt, wie sie 2 Tim 3,1-5 beschreibt, zu Konflikten, Anfeindungen, gar Verfolgungen. In dieser „Welt“ steht auch heute die predigende, lehrende, mahnende und zurechtweisende Gemeinde und Kirche. Nutzt sie die Heilige Schrift „zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2 Tim 3,16), sind Konflikte unvermeidlich. Auch tödliche Konflikte: ich erinnere (wenn auch in unterschiedlichen Zusammenhängen) an Dietrich Bonhoeffer und Elisabeth Käsemann als evangelische, und Oscar Arnulfo Romero als katholische Märtyrer für die „Nutzung“ des Evangeliums als Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit. – Kirche, Gemeinde heute sind eingeladen, im „Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Tim 1,7), glaubend an „Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen...hat“ (2Tim 1,10), „aufzustehen“ gegen die „Herren, die mit dem Tod uns regieren“ (vgl. die Anregungen zu 1 Kor 15). Sich predigend, lehrend, mahnend und zurechtweisend einzumischen in diese „Welt“, für Gerechtigkeit, für Frieden, für die Bewahrung der Schöpfung. Gegen die herr-schenden Auffassungen, dass man doch nichts machen könne, dass Ungerechtigkeit und Unfrieden „naturgegeben“ seien. Es ist zu fragen, ob diese suggerierte herr-schende Meinung nicht die Meinung der Herrschenden ist.

Günter Harmeling, Idstein

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz