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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

9. Mrz. 08 - 5. Fastensonntag (Judika)  

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Hebr 13, 12-14 Ez 37, 12b-14 Röm 8, 8-11 Joh 11, 1-45

Der Autor betrachtet alle Predigttexte des Sonntags. Stichworte: Aufbruch! – die Stadt, die wir uns eingerichtet haben, ist nicht überlebensfähig (Hebr 13); Analogie „unsere Gebeine sind verdorrt“ / erfolglose Nachhaltigkeitsbemühungen (Ez 37); nachhaltig leben aus dem Geiste Gottes heraus: befreite Gegenwart (Röm 8); Tod ist nicht das Ende allen Lebens (Joh 11)

Hebr 13, 12-14

Exegetische Hinweise

Das Motiv vom „wandernden Gottesvolk“ ist die heimliche Basis des Hebräerbriefes (Käsemann). Alle anderen Themen sind dem zugeordnet. Auffällig häufig begegnen besonders im Schlussteil (10, 19 ff.) Verben der Bewegung. Dazu gehört auch in unserem Text v13 das zentrale „Lasst uns zu ihm (sc. Jesus) vor das Lager hinausziehen!“, das nach Käsemann den Höhepunkt des Kapitels 13 bildet. Diese Aufforderung zum Exodus wird in v12 und v14 doppelt begründet: Die Gemeinde soll hinausziehen, weil (1) Jesus dort draußen vor dem Tor gelitten (Golgatha) und damit das Volk geheiligt hat und weil (2) die Christen hier keine bleibende Stadt haben, sondern nach der zukünftigen Stadt suchen. Die opfertheologische Herleitung des Verses 12 in vv9-11 kann für die Predigt außer Betracht bleiben; sie wird in v15 wieder aufgenommen.

Das Bild vom Lager der Israeliten während des Wüstenzuges verschmilzt mit dem Bild der (nicht bleibenden, irdischen) Stadt. Wenn „draußen vor dem Tor“ Golgatha ist, dann ist die irdische Stadt Jerusalem. Jerusalem und sein Tempel – der seit Jahrzehnten in Trümmern liegt – sind Symbol für die nicht wirklich das Heil bringende Ordnung des „Alten Bundes“. Nicht, weil diese Ordnung schlecht war, sondern weil die Menschen ihr nicht genügt haben. Die Argumentationen des Hebr sind also nicht antijüdisch zu verstehen, ebenso wenig wie die parallelen Argumentationen des Paulus (Käsemann).

Golgatha meint nicht nur das Kreuz Jesu; auch sein Grab und damit der Ort der Auferstehung von den Toten liegt „draußen“. Die Zukunftsstadt, das Ziel der Wanderschaft des Gottesvolkes, wird in Hebr 12, 22 beschrieben; im Kern ist es eine festliche Versammlung von Engeln und Menschen mit Christus und Gott. Die dann bleibende Stadt ist aber nicht schlecht jenseitig und damit Grund zur Passivität; im Gegenteil: sie spornt alle, die wie Abraham glauben, immer wieder an, auf sie zuzuwandern (Hebr 11, 9-10; 13-16).

Assoziationen

Im Blick auf Nachhaltigkeit scheint das christologisch-theologische Exodusmotiv unseres Textes auf den ersten Blick eher kontraproduktiv zu sein. Verdanken wir nicht auch dem Christentum jene ewige Aufbruchsmentalität, jenes Nichtzufriedensein, jenen Fortschrittsdrang, der zur Übernutzung unseres Globus geführt hat und weiter führen wird? – Es ist kein Zufall, dass viele Menschen, die sich mit der fortschreitenden Zerstörung nicht abfinden wollen, ihre Zuflucht in den asiatischen Religionen suchen, die mehr in sich ruhen und beruhigen.

Andererseits: Es liegt doch auf der Hand, dass die „Stadt“, in der wir uns hier eingerichtet haben, vor allem das dominierende System der globalisierten Weltwirtschaft, nicht lebensfähig, nicht nachhaltig ist. Es ist ja auf unendliches Wachstum und immer mehr gesteigerten Ressourcenverbrauch angewiesen. Und die Versuche, „weicher, sanfter“ in diesem Rahmen zu leben und zu wirtschaften, waren bisher nicht gerade erfolgreich. Die Aufforderung des Textes „aus dem Lager hinauszuziehen“ hat also durchaus ihre Wahrheit und Aktualität.

Die Frage ist: Wohin ziehen? – Wie kann dem biblisch verheißenen Ziel der bleibenden Stadt heute schon auf der Wanderung entsprochen werden? – Doch nur so, dass wir die nachhaltigen Elemente der bleibenden Stadt durchbuchstabieren: Gemeinschaft, festliche Versammlung (Hebr 12, 22), Schönheit (Offb 21, 1), Gott in der Mitte (Hebr 12, 11; Offb 21, 3); Wasser und Bäume des Lebens (Offb 22) – und was wir sonst noch aus heutiger Sicht hinzufügen können.

Fazit: Exodus aus den zerstörerischen Mechanismen der heutigen Welt zur Nachhaltigkeit der bleibenden Stadt – das könnte mit diesem Text auch gepredigt werden.

Ez 37,12b-14

Ez 37 ist das Zentrum der Heilsverkündigung des Propheten. In 37, 1-10 lesen wir die große Vision, die dem Propheten über die Zukunft des Gottesvolkes zuteil wird. Unser Text ist die Deutung der Vision, die dem Volk weitergesagt werden wird. Das Klagezitat in v11 ist die Keimzelle der Bilder (verdorrte Gebeine und abgestorbene Hoffnung). In 12-14 verschiebt sich die Bildwelt gegenüber 1-10: vom Feld der Totengebeine zum „Öffnen der Gräber“, zur Herausführen des Volkes aus den Gräbern und zur Herraufführung ins alte neue Land. Damit die Geschichte des Ungehorsams sich nicht wiederholt, stattet Gott das neue Volk mit seinem Geist des Lebens aus.

Die Kirchenväter haben Ez 37 als Weissagung der allgemeinen Totenauferstehung am Ende der Zeiten verstanden; bei Ez aber geht es klar um das Ende der Gola Israels, das ja auch historisch eingetreten ist. Diese Befreiung aus dem Tod konnte nur als Wunder Gottes erwartet werden.

Ein Bezug zum Thema Nachhaltigkeit ist nur dann gegeben, wenn wir heute die Möglichkeit ins Auge fassen, dass alle unsere Nachhaltigkeitsbemühungen scheitern werden. Das ist ja bei der anhaltenden Weigerung der USA, Indiens und Chinas, was den Klimaschutz betrifft, nicht völlig im Bereich des Unmöglichen. Auch bei uns in der BRD geht ja im Zweifelsfall noch immer „Wirtschaftlichkeit“ vor „Bewahrung der Schöpfung“. Der Weltuntergang wird es nicht sein, aber die Situation großer Teile der Menschheit wird mit dem „unsere Gebeine sind verdorrt“ und „unsere Hoffnung ist zunichte“ (v11) treffend beschrieben sein. Nicht als Beruhigungspille, sondern als Hoffnungsquelle kann uns der Ez-Text sagen: Auch dann, wenn wir nach menschlichem Ermessen keine Zukunft mehr sehen, kann Gottes Geist neu Leben schaffen. Aber wie bei Ez: durch das Gericht hindurch.

Röm 8, 8-11

Die Gerechtigkeit aus Glauben (Röm 3-5) befreit uns vom Tod (6), vom Gesetz (7) und von der Sünde (8), indem sie uns neues Leben im Geist der Kinder Gottes schenkt (8). Alle diese Linien laufen in 8, 8-11 zusammen. Erwägenswert ist die „Übersetzung“ in der neuen „Bibel in gerechter Sprache“: „Diejenigen, die in ihren Begrenzungen gefangen sind, haben nicht die Kraft, etwas für Gott zu tun. Ihr aber seid nicht in menschlichen Grenzen gefangen, sondern lebt in der Geistkraft.“ (8-9a). Und die Geistkraft ist Leben (v10), Lebendigkeit (v11).

Was Ez 37 für die Zukunft verheißen hat, das ist in Röm 8 befreite Gegenwart: das Leben aus dem Geist Gottes. Solches Leben aus dem Geist kann nachhaltig sein, weil es nicht mehr der Macht des Todes und der Sünde unterworfen ist.

Joh 11, 1-45

Zentrum des Kapitels ist v25: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“. Der physische Tod wird damit „nicht ignoriert, aber es wird verneint, dass er eine endgültige Bedeutung hat, dass er das letzte Wort ist. So geht es nicht nur um ein Leben vor dem Tod und angesichts des Todes, sondern es wird das Leben verheißen trotz des Todes und über den Tod hinaus.“ (Wengst, II, 26) Es ist das Wort Jesu, das dem Tod entscheidend widersteht, er ruft den Lazarus („Gotthilf“) aus seinem Grab heraus. Das Herauskommen aus dem Grab entspricht ganz Ez 37,11 (vv43-44).

Der Bogen von Ez 37 über Röm 8 zu Joh 11 ist deutlich und beeindruckend: die Intensität der Lebensverheißung und Lebenszusage nimmt zu. Das macht den Sonntag Judika zu einem „Ostern vor Ostern“. Damit wächst die Möglichkeit für uns Glaubende, auch in den kommenden Katastrophen auf nachhaltiges Leben hoffen und setzen zu können.

Literatur:

„Bibel in gerechter Sprache“, 2006

E.Käsemann, Das wandernde Gottesvolk, 1957

W.Zimmerli, Ezechiel BKAT II, 1969

K.Wengst, Das Johannesevangelium ThKNT II, 2001

Dr. Gerhard Liedke, Heidelberg

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