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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

24. Feb. 08 - 3. Fastensonntag  (Okuli) 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
1 Kön 19, 1-8 (9-13a) Ex 17, 3-7 Röm 5, 1-2.5-8 Joh 4, 5-42

Der Verfasser betrachtet den Text der ev. Reihe sowie den ersten Lesungstext und den Evangeliumstext der kath. Leseordnung. Stichworte: trotz Anfeindungen und ausbleibender Erfolge nicht aufgeben (1 Kön 19); Bedeutung des Wassers (real und übertragen), Sehnsucht nach dem Leben, typisch menschliche Verhaltensmuster bei Misserfolgen aufbrechen (1 Kön 19, Ex 17, Joh 4)

Stellung im Kirchenjahr

Der dritte Fastensonntag liegt mitten in der Fastenzeit und markiert in gewisser Weise das Ende der Anfangsphase der Fastenzeit. Der / die Einzelne hat bereits erste Erfahrungen mit der Fastenzeit gemacht, wenn er / sie diese Zeit für sich besonders gestaltet. Durch Verzicht auf bestimmte Annehmlichkeiten und Gewohnheiten bzw. das bewusste Einüben von anderen Haltungen (z.B. „Auto-Fasten“), „Hungeressen“ zugunsten von Projekten in ärmeren Regionen der Erde, gemeinsamen Gebetszeiten in der Gemeinde: Kreuzweg-, Passionsandacht oder intensiverer Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft im Schriftgespräch, Bibliodrama … wird der Alltag mehr vom Glauben geprägt.

Bei dem einen mag ein gutes Gefühl vorhanden sein: durch den Verzicht die Erfahrung von neuen Möglichkeiten: Eine Konzentration auf wesentliche Werte, die zur Bewahrung der Schöpfung notwendig sind.

Bei anderen mag eine gewisse Enttäuschung eingekehrt sein, dass manche Vorhaben („gute Vorsätze“) sich nicht so bzw. noch nicht haben umsetzen lassen. Alte Gewohnheiten und Sachzwänge haben sich als stärker erwiesen!

In drei von vier Texten zum heutigen Sonntag spielt das Wasser eine gewisse Rolle. Außerdem geht es um die Frage, wie Menschen mit enttäuschten Erwartungen umgehen.

Zum Text 1 Kön 19, 1–8

Der Text aus dem Buch der Könige markiert eine Zäsur in den Schilderungen über das Wirken des Propheten Elia. Während vorher von Erfolgen die Rede war (Erweckung des Sohnes der Witwe von Sarepta, Sieg im Wettstreit mit den Baalspriestern), ist nun von Angst und Rückzug in die Wüste die Rede. Währen Elia vorher voller Eifer im Dienst Jahwes war, wünscht er sich nun den Tod, weil er das Gefühl hat, versagt zu haben: Herr, nimm mein Leben, denn ich bin nicht besser als meine Väter. Die Rettung geschieht auf wundersame Weise und anders als erwartet: Ein Engel bringt zweimal Brot und einen Krug mit Wasser und gibt ihm den Auftrag, sich auf den Weg zu machen. Die Szene, Rückzug in die Wüste und wundersame Stärkung, ist als Zwischenstück konzipiert und dient als Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott am Eingang der Höhle (Vers 9-13 a).

Der Text schildert eine typisch menschliche Reaktion auf die Erfahrung der Bedrohung (die Königin Isebel trachtet ihm nach dem Leben) bzw. des Versagens („nicht besser als meine Väter“). Elia wählt den Rückzug in die Einsamkeit und möchte sein Leben beenden. Dieser Versuch der Selbsttötung in der Wüste wird von Gott durch die Stillung der elementarsten Bedürfnisse verhindert: Nach ausreichendem Schlaf und zweimaliger Stärkung mit Brot und Wasser wird ihm eine Aufgabe zugewiesen. Er soll sich auf den Weg machen zum Gottesberg Horeb.

Zum Text Ex 17, 3–7

Diese Perikope schildert eine Begebenheit auf dem Weg des Volkes Israel durch die Wüste. Das Volk Israel ist aus Ägypten aufgebrochen (Ex 12 ff.), durch das Schilfmeer gezogen (Ex 13, 17 ff.) und befindet sich auf dem Weg zum Berg Sinai (Ex 19 ff.). Es hat bereits die Erfahrung von Durst und Hunger gemacht, die in den vorgehenden Kapiteln beschrieben werden (Ex 15, 22 und 16). Diese Schilderungen erfolgen nach dem gleichen Schema: Schilderung der Not („kein Wasser“), Murren des Volkes gegen Mose („Was sollen wir trinken?“), das Schreien des Mose zum Herrn und die wunderbare Rettung: Das Bitterwasser wird süß, es regnet Brot vom Himmel am Morgen und am Abend Wachteln (Ex 16 ff.).

Die Wundergeschichte des heutigen Sonntags stellt eine deutliche Steigerung gegenüber der Wundergeschichte von Mara (Ex 15, 22 ff.) dar. Aus der Frage: „Was sollen wir trinken?“ wird die Frage: „Warum hast du uns überhaupt von Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen?“ In der Not des großen Durstes wird vergessen, wer das Volk aus Ägypten heraus geführt hat. Der Vers 3 zeigt die veränderte Sichtweise: Der Exodus wird nicht mehr als Befreiungstat Jahwes, sondern als Tat des Moses gesehen. Der (ferne) Gott gerät aus dem Blick und ein nahe liegender Sündenbock (Mose) ist gefunden.

Mose wendet sich in seiner Not direkt an Gott und bleibt damit in der Beziehung zu ihm. Er fürchtet um sein Leben („Sie steinigen mich“), aber er zieht sich nicht zurück, sondern wendet sich in Solidarität mit dem leidenden Volk an Gott und überlässt es nicht einfach dem Schicksal in der Wüste. Auch hier geschieht die Rettung auf wundersame Weise: Auf Weisung des Herrn soll Moses am Volk vorbei gehen und seinen Stab in Aktion bringen. Mit diesem Stab hatte Moses bereits das Trinkwasser in Ägypten verseucht (Ex 7, 20), das Schilfmeer geteilt (Ex 14, 16) und das Bitterwasser in Süßwasser verwandelt (Ex 15, 25 b u. c). Mit dem Stab wird er Wasser aus dem Felsen schlagen: Quellwasser als Symbol für lebendiges Wasser (im Unterschied zu dem durch das Stück Holz verwandelten Bitterwasser). Der Ort wird Massa und Meriba (Probe und Streit) genannt, um an diese grundlegende Erfahrung des Durstes und die dadurch ausgelöste Frage zu erinnern: „Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“

Dieser in der Endredaktion nachexilische Text greift die Erfahrung der Katastrophe von 582 v. Chr. auf: Zerstörung des Tempels und der Gottesstadt Jerusalem, Vertreibung des Volkes aus dem Land, das Gott ihm zugewiesen hat. Diese Ereignisse lassen Zweifel an der Verheißung („Ein Volk, zahlreich wie die Sterne am Himmel“) und der Weltmacht von Jahwe aufkommen. Der Antwortversuch des Textes auf die Frage („Ist Jahwe überhaupt auf unserer Seite?“): Jahwe handelt, weil er die Not der Menschen sieht. Aber er handelt, wann und wie er will. Die Frage muss umgekehrt gestellt werden. Sind wir noch bei Gott und seinen lebensermöglichenden Geboten?

Zu Joh 4, 5-42

Dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium ist eine vielschichtige Geschichte mit einer Reihe von Aspekten. In dem Gespräch von Jesus und der Samariterin am Brunnen geht es u.a. um die zentralen Fragen nach dem Heil („Wasser des Lebens“), die rechte Gottesverehrung und die Frage nach dem Messias. Im Durst wird die Sehnsucht nach Leben angesprochen, nach intensivem Leben. Wasser ist im Orient und in wasserarmen Gegenden das Lebenselement schlechthin. Die belebende und erquickende Wirkung von Wasser erfährt man, wenn man unter Hitze und Durst leidet.Durch Wasser wird nicht nur der Körper, sondern auch die Seele erfrischt. Wasser wirkt auf das gesamte Lebensgefühl.

Lebendiges Wasser ist Quellwasser im Unterschied zum stehenden Wasser in den Zisternen. Der noch heute erhaltene Jakobsbrunnen ist 32 Meter tief und sein Grundwasser fließt immer frisch nach. Aufgrund der Bedeutung des Wassers im Orient zur damaligen Zeit sind die Brunnen, an denen man das Leben spendende Wasser schöpft, Kommunikationssorte und viele Geschichten im alten Testament spielen an Brunnen. Der Text sagt nicht, warum diese Frau ausgerechnet zur heißen Mittagszeit das Wasser holt. Aber es ist zu vermuten, dass sie diese Zeit gewählt hat, um niemandem zu begegnen. Jesus erkennt die Sehnsucht der Frau nach Leben, die bereits mit fünf Männern zusammen gelebt hat und ihre jetzige Situation so beschreibt: „Ich habe keinen Mann“.

Zentrales Thema des Gespräches ist die Selbstoffenbarung von Jesus als dem Spender des wahren und unvergänglichen Lebens. Das Gespräch kommt im Wechsel von Frage und Antwort von der zunächst oberflächlichen Frage nach dem Wasser zur existentiellen Lebens- und Glaubensfrage: Die Gabe Gottes, das lebendige Wasser. Jesus und die Samariterin bewegen sich auf verschiedenen Ebenen. Der Dialog lässt sich in fünf Gesprächsgänge gliedern. Nach der einleitenden Bitte Jesu beginnt der erste Gesprächsgang mit der Frage der Frau: („Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“). Die fortschreitende Erkenntnis der Frau wird u.a. an der Bezeichnung sichtbar, die sie Jesus gibt: Von „Jude“ über „größer als unser Vater Jakob“ (Vers 12) über „ein Prophet“ (Vers 19) bis zu „Messias“ (Vers 25 f.). Am Ende der Geschichte steht schließlich das Bekenntnis der samaritanischen Gemeinde: “Er ist wirklich der Retter der Welt“ (Vers 42). Im zweiten Gesprächsgang geht es um die theologische Streitfrage nach dem rechten Ort der Gottesverehrung. In der Antwort Jesu wird deutlich, dass durch sein Dasein schon die eschatologische Stunde der neuen Gottesverehrung „im Geist und in der Wahrheit“ angebrochen ist. Das Gespräch kommt mit der Selbstoffenbarung Jesu: Ich bin es (= der Messias) zum Höhepunkt und Abschluss.

Nachhaltigkeitsbezug

· Was braucht der Mensch zum (Über)leben?

· Wie viel Wasser braucht er? Wer darf über Wasser verfügen?

· Hinweis auf Überlegungen, das Recht an Wasser an private Firmen zu verkaufen.

Es werden existentielle Not und typisch menschliche Verhaltensweisen geschildert: Rückzug und Depression (Elia), Murren und Aggression (Volk Israel), Absondern (die Samariterin).

In den beiden alttestamentlichen Geschichten kommt die wundersame Rettung dadurch, dass die Beziehung zu Gott auch in der Bedrängnis nicht aufgegeben wird. Elia äußert seinen Todeswunsch Gott gegenüber und bittet quasi um eine Aufhebung des Dienstverhältnisses. Moses wendet sich in seiner Ratlosigkeit an Gott. Auch in der (scheinbar) größten Ausweglosigkeit kann unerwartete Hilfe kommen. Die existenzielle Not der Menschen wird von Gott ernst genommen, und er reagiert darauf, aber anders als erwartet. Der Weg mit Gott erspart nicht Enttäuschungen. Der Wunsch der Menschen (von Elia und dem Volkes Israel) nach Erfolg und einem Leben ohne Entbehrungen wird enttäuscht. Die daraus erfolgenden Verhaltensweisen (Rückzug bei Elia, Aggression beim Volk) werden ernst genommen in dem geschildert wird, wie Gott darauf reagiert.

Misserfolg oder unerwartete Schwierigkeiten bedeuten nicht automatisch das Ende der Mission, wenn man seine Not ernst nimmt und Gott gegenüber ausdrückt. Im Bemühen um die Bewahrung der Schöpfung müssen manche Misserfolge und Durststrecken durchlebt werden. Die Geschichten von Elia und Mose können einen Weg zeigen: die Beziehung zum Schöpfer suchen und die Not ansprechen. Dass es nicht nur materielle Not gibt, wird in der Geschichte mit der Samariterin deutlich. Einfühlsam sich dieser Not anzunehmen, kann dazu führen, neue Mitstreiter/innen zu gewinnen.

Wolfgang Henn, Sinzig

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