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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

17. Feb. 08 - 2. Fastensonntag (Reminiszere)  

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Hebr 11, 8-10 Gen 12, 1-4a 2 Tim 1, 8b-10 Mt 17, 1-9

Die Autorin betrachtet den Text der ev. Reihe sowie den kath. Evangeliumstext. Die darauffolgende Predigtanregung bezieht sich auf beide Texte. Stichworte: keine „Selbstbeweihräucherung“, sondern Aufbruch zu Gott, auch wenn Zukunft unsicher scheint; auf dem Weg gibt Jesus Richtungshilfen; scheinbare Sachzwänge im Aufbruch zur Nachhaltigkeit abwerfen; Visionen entwickeln, auch ohne Patentrezepte (Hebr 11, Mt 17)

Stellung im Kirchenjahr

Die Fastenzeit ermöglicht, den Aufbruch des Glaubens, den neuen Weg auch körperlich zu vermitteln. Die gewohnten Essensformen werden verlassen. Mitten in einem Land des Überflusses reduzieren wir unsere Nahrung. Wir nehmen weniger als uns geboten wird – weniger als möglich ist. Ein Signal gegen den Überfluss, vielleicht auch gegen die Orientierung der Welt an Ökonomie.

Vielleicht bietet die Fastenzeit auch die Möglichkeit, den Aufbruch des Glaubens mental vorzubereiten. Wir reduzieren Nahrung und organisieren uns neu. Durch das Fasten werden Selbstheilungskräfte aktiviert, der Körper regeneriert sich, der Geist wird frei. Neben dieser positiven Sicht auf das Fasten, sollten wir uns jedoch erinnern lassen, dass die Bibel ein Fasten kritisiert, bei dem sich der Gläubige nur um sich selbst dreht. Fasten kann kein Selbstzweck sein, sondern verbindet sich mit einer veränderten Lebensweise – entsprechend unserem Text verbindet es sich mit dem Aufbruch zu Gott.

Ist das vielleicht ein Fasten, wie ich es liebe, wenn ihr nicht esst und nicht trinkt, euren Kopf hängen lasst und euch im Trauerschurz in die Asche setzt? Nennt ihr das ein Fasten, das mir gefällt? Nein, Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! Löst die Fesseln eurer Geschwister, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, macht jeder Unterdrückung ein Ende! Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose in euer Haus auf, kleidet den, der nichts anzuziehen hat und helft allen, die Hilfe brauchen. (Jes 58, 5-7)

Glaube ist Aufbruch zu Gott – Theologisch-exegetische Überlegungen zu Hebr 11, 8-11

Von Anfang bis Ende ermahnt der Hebräerbrief die Kirche, die er als „wanderndes Gottesvolk der Endzeit“ schildert, Vertrauen und Geduld zu bewahren trotz der Nöte und Probleme der Gegenwart (2, 1ff / 4, 1ff und 14 – 16 / 10, 19ff und 35 ff). Glaube meint also Treue: fest stehen bei dem, was man erhofft. Dieses Thema wird in Kap. 11 nicht geändert; auch hier bleibt der beherrschende Begriff „Glaube“. Ihn begründen die nicht sichtbaren Dinge, ihn ermöglichen die erhofften Dinge. Gleichzeitig ist er kein eigenes Werk der Menschen, sondern unergründliche, freie Gabe Gottes.

Im Blick auf die Verheißungen ist die Gemeinde noch nicht am Ziel, sondern auf dem Weg. Der so auf das Unsichtbar-Zukünftige gerichtete Glaube der Gemeinde nimmt im Vollzug (des Glaubens) eine bestimmte, der „Welt Gottes“ entsprechende Haltung an.

In V 8 knüpft der Verfasser des Hebräerbriefes an die Tradition an, die Glaube als Gehorsam gegenüber einem Befehl Gottes beschreibt, der den Empfänger in Marsch setzt. Heraus aus der sozialen, geographischen und politischen Geborgenheit, aus der vertrauten Gesellschaft, die Existenz und Rechtssicherheit gewährt. „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben.“ (Gen 24, 56) Hinein in ein ganz anderes Land, das man nicht kennt, zu dem man sich erst einmal aufmacht – auf Gottes Ruf hin. Mit seinem Ruf ergeht ein Versprechen, dass der Aufbruch nicht ins Leere, ins Nichts geht – sondern in eine bessere Zukunft mit Gott! Darauf gründet der Glaube. Die Verse 9 und 10 beschreiben Glauben als Wegstrecke, auf der die Menschen, die aufgebrochen sind, die Verheißungen gegen alle Erfahrung durchhalten und durchzuhalten haben. Dabei bleiben sie Fremde, ohne festen Wohnsitz (Zelte), weil sie in der Welt keine bleibende Heimstadt haben, sondern „auf die Stadt mit festem Grund, die Gott selbst entworfen und gebaut hat,“ warten. Sie sind Wartende und Wandernde auf dem Wege von Gottes Verheißung zu der von ihm zugesagten Verwirklichung. V 11 erinnert wieder an die Abrahamgeschichte und zeigt damit, dass diese Verwirklichung alttestamentlich konkret ist und zu Lebzeiten eintrifft: Sara bekommt ein Kind, als sie „eigentlich keine Kinder mehr bekommen konnte“. Die Verwirklichung der Verheißung bezieht sich also sehr eindrücklich auf das Leben und auf die Sicherung auch zukünftigen Lebens.

Dies ist mein lieber Sohn. Auf den sollt ihr hören!
– Theologisch-exegetische Überlegungen zu Mt 17, 1 – 9

Der Text folgt unmittelbar auf die erste Todesankündigung Jesu und seinen Ruf in die Kreuzesnachfolge. Seine Funktion für die nachösterliche Gemeinde besteht darin, Jesus nach seinem schmachvollen Tod am Kreuz als den von Gott gesandten wahren Retter und Erlöser plausibel zu machen. Der Evangelist spricht zu einer Gemeinde um 80 / 90 n. Chr., die Not und Verfolgung schon kennen gelernt hat. Ihr gilt das Wort: „Steht auf. Habt keine Angst!“ aus V 7. Ihr soll die Nähe Christi, Gottes Sohnes, auf dem Weg zugesagt und versichert werden. Das bezeugt der Evangelist in unserem Text in einer sprachlich verdichteten, bildhaft mythischen Szene, in der eine Metamorphose des irdischen Jesus geschildert und die Stimme Gottes vernehmbar wird. Dadurch soll der christlichen Gemeinde, hier symbolisch vertreten durch die drei Jünger, deutlich werden:

· Der Weg, den Jesus seit seiner Taufe bzw. Geburt geht, ist der Weg Gottes. Der Mensch und Rabbi Jesus von Nazareth erfüllt ganz seinen Willen.

· Der Weg wird durch das Bild der Verklärung als Herrlichkeitsweg stilisiert. Die Herrlichkeit ist jetzt noch für die Welt verborgen. Sie leuchtet aber von Zeit zu Zeit auf und wird erfahrbar im Glauben.

· Den Weg, den Christus wies und voranging, muss die Gemeinde immer neu suchen, finden und auf ihm bleiben – in einer gottfremden, christusfremden Welt. Dabei gerät sie immer wieder selbst in Gefahr, sich zu irren und verirren, sich dem lebendigen Gott und Christus zu entfremden.

Deshalb braucht sie dauernde Wegweisung und Anleitung zum Handeln. Diese steckt in dem Wort der Perikope: „Den sollt ihr hören!“ Jesu Leben gibt Anweisung und Richtung für den Weg des Glaubens.

Zur Predigt

Der Gedanke „Weg des Glaubens“ verbindet den Hebräertext mit der Perikope aus dem Matthäusevangelium und führt in gerade Linie zu Überlegungen zur Nachhaltigkeit.

Glaube als Weg gedacht, auf den sich auch Gläubige vor uns wagten, lässt anschaulich werden, worum es geht. Glaube ist Aufbruch zu Gott! Der Aufbruch zu Gott bedeutet auf der anderen Seite ein Abschied vom Alten, ein Loslassen der alten vertrauten Verhältnisse. Der Gläubige soll loslassen, was ihn bindet oder in eine andere Richtung drängt. Loslassen, was ihn privat, beruflich, politisch und gesellschaftlich bindet – all die sogenannten Sachzwänge, die einer nachhaltigen Lebensweise entgegenstehen können. Gelöst von alten Bindungen kann der Gläubige auf Gott, auf Christus schauen, und den Richtungswechsel vollziehen – auf Gottes Reich zu!

„Wer Gottes Einladung versteht, der handelt wie ein Kaufmann, der schöne Perlen sucht. Wenn er eine entdeckt, die besonders wertvoll ist, verkauft er alles, was er hat und kauft sie.“ (Mt 13, 45-46)

Aus der Abrahamgeschichte wissen wir aber auch, dass auf die Aufgabe der alten Verhältnisse keine neue Geborgenheit folgt. Abraham wechselt nicht von einem fertigen Nest ins andere. Vielmehr verlässt er das gemachte Nest und tauscht es gegen die Freiheit mit Gott – die Freiheit für Gott und seine Wahrheit. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass uns der Richtungswechsel auf Gottes Reich zu keine Patentrezepte für eine bessere Zukunft beschert, kein klares neues gesellschaftliches Konzept – keine neue Geborgenheit. Vielmehr folgen wir einer Vision! Der Vision vom Gottesreich:

Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich nun schaffe!
Sie sollen sich nicht lebenslang mühen, nur damit andere den Gewinn davon haben.
Alt wie Bäume sollen sie werden, die Menschen in meinem Volk, und den Lohn ihrer Arbeit selbst genießen.
Die Frauen gebären ihre Kinder nicht länger für eine Zukunft voller Schrecken.
Sie sind mein Volk, ich segne sie; darum werden sie mit ihren Kindern leben.
Wolf und Lamm werden dann gemeinsam weiden; der Löwe frisst Häcksel wie das Rind und die Schlangen
nähren sich vom Staub der Erde.
Keiner wird mehr Böses tun und Unheil stiften!
(Jes 65, 18, 22 – 25 auszugsweise)

Jesus selbst spricht vom Gottesreich in Gleichnissen (Himmelreichgleichnisse: Mt 13 / 18 / 20 / 22 u. 25) und geht für alle sichtbar und nachvollziehbar den Weg darauf zu. Auf diesem Weg heilt, lehrt und streitet er. Auf diesem Weg ergreift er Partei für die Schwachen und konfrontiert Menschen mit ihrer falschen Frömmigkeit. Auf diesem Weg macht er sich Freunde und Feinde.

Die Verheißung vom Gottesreich hat also Konturen.

Diese gilt es zu übersetzen in unser Leben, in unseren Alltag. Hier ergeben sich Anschlussmöglichkeiten für die Gedanken der Nachhaltigkeit. Zum Beispiel: Gerechtigkeit: Wie übersetzen wir sie angesichts steigender Zahlen arbeitsloser Menschen, angesichts eines veränderten Wirtschaftssystems, das in den Industrienationen immer weniger Arbeitsplätze zu bieten hat und weltweit Armut eher noch vergrößert?

„Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr niemals in die neue Welt Gottes kommen.“ (Mt 5,20)

Das Festhalten an überkommenen Systemen hilft uns nicht weiter, Sachzwänge verstellen den Blick für eine andere Zukunft.

Zukunft: Was bedeuten unsere Wirtschaftsform, unser Umgang mit Rohstoffen, unsere Eingriffe in die Natur für die Zukunft der Generationen nach uns? Was für eine Welt hinterlassen wir unseren Kindern?

Frieden: Wie spricht Gottes Friede in die vielen, gewaltsamen Konflikte auf dieser Welt? In die Interessenskonflikte der Länder des Nordens und des Südens (Rohstoffsicherung, Waffenlieferungen in Krisengebiete, Flüchtlingsströme und Asylpolitik etc.)? Hier lässt sich die biblische Verbindung von Frieden und Gerechtigkeit entfalten.

„Die Wirkung der Gerechtigkeit wird Friede sein, die Frucht des Rechts ewige Sicherheit.“ (Jes 32, 17)

„Übt Gerechtigkeit, haltet euch an meine Ordnungen! ... Glück und Frieden wird erleben, wer meine Gebote befolgt.“
(Jes 56, 1 ff)

Wichtig scheint mir dabei zu sein, dass wir keine Patentrezepte vorweisen, aber sehr wohl eine Vision haben von der Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden – sehr wohl wissen und benennen können, was darunter zu verstehen ist. So liefert unser Glaube keine neue Weltordnung, aber eine Vorstellung von der Richtung, in die wir unterwegs sind, eine Vorstellung von der Veränderung, die wir ersehnen. Wir sind auf dem Weg zu dem, was dem Leben dient und auch das zukünftige Leben sichert (Abraham, Sara und die späte Geburt Isaaks). Unsere Bündnis- und Gesprächspartner in diesem Prozess sind alle, die ebenfalls das Leben in seiner ganzen Fülle und Vielfalt suchen und sichern wollen. Wir schauen bei dieser Suche auf Jesus, sein Leben, Wirken und Sterben – und hören auf ihn: „Dies ist mein lieber Sohn. Den sollt ihr hören!“ (Mt 17, 5)

Literaturhinweis:

Die Bibelzitate sind meist der Bibel entnommen: Die Gute Nachricht in heutigem Deutsch, Stuttgart 1982

Dr. Heike Knops, Uedem

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