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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

27. Jan. 08 - 3. Sonntag im Jahreskreis / Sexagesimae

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Apg 16, 9-15 Jes 8, 23b - 9, 3 1 Kor 1, 10-13.17 Mt 4, 12-23

Der Verfasser betrachtet den Text zur kath. 2. Lesung und zum Evangelium. Stichworte: bei Ökologie, Frieden und Gerechtigkeit mit einer christl. Stimme reden, einig sein (1 Kor 1); es genügt nicht, der Versuchung zu widerstehen – die Versuchung erkannt zu haben bedeutet das Signal zum Aufbruch (Mt 4)

Jahreszeit / Kirchenjahreszeit

Die Weihnachtsferien sind in allen Bundesländern vorbei. Nach Weihnachten nähern sich große Teile der Gesellschaft der nächsten Hoch-Zeit des Konsums, dem Höhepunkt der „Närrischen Kampagne“. Der betrachtete Sonntag liegt vor der Fastenzeit. In katholischer Terminologie ist es einer der frühen Sonntage im Jahreskreis, in der evangelischen Perikopenordnung werden diese Sonntage die Sonntage der Vorfastenzeit genannt.

Im Jahr 2008 liegen durch das frühe Osterfest zum einen die „Termine“ eng, zum anderen ist die Zeit für das „Ostergeschäft“ kurz. Mt 4 nimmt an diesem Sonntag bereits eine Notwendigkeit „zu handeln nach erfolgter Versuchung“ vorweg. Auch vom Korintherbrief her läßt sich eine thematische Brücke in die so genannte „5. Jahreszeit“ schlagen (s. u.). Doch auch ohne Bezug auf Fasnet / Fasching / Karneval sind die betreffenden Bibelstellen im Sinne des Gedankens der Nachhaltigkeit ausreichend ergiebig.

Kath. 1. Lesung: 1 Kor 1, 10-13.17

In den genannten Versen des Korintherbriefs wird den Mitgliedern der Gemeinde(n) nahe gelegt, mit einer Stimme zu reden, nicht gespalten zu sein. Dass dies der christlichen Kirche, den Kirchen oder einzelnen Kirchengemeinden und Gemeindemitgliedern oft nicht gelingt ist allgemein bekannt. Dass Einigkeit und Einverständnis Handlungsressourcen freisetzen, die sonst für die Konfliktbewältigung und Rechtfertigung verbraucht würden, liegt intuitiv auf der Hand. Insofern könnte die Stelle ganz einfach als allgemeine „nützliche Handlungsempfehlung“ interpretiert werden. Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun?

Dass die freigewordenen Ressourcen für Umweltschutz, Gerechtigkeit und Frieden eingesetzt werden könnten, wäre eine – wenn auch logisch richtige – zu einfache, triviale Auflösung. Konflikte zu „verstecken“ kann ebenfalls nicht die hier wesentliche Erkenntnis sein: Es gibt unterschiedliche Auffassungen, das ist ganz normal, und die wollen besprochen und aufgeklärt werden (auch wenn die Klärung manchmal über Jahrhunderte geht). Das wußte vermutlich auch Paulus. Weshalb schreibt er darüber? Tatsache ist:

Eine gesellschaftliche Kultur des Streites in einem Umfeld von „Ungläubigen“ lenkt Außenstehende von den gemeinsamen Werten, Vorstellungen und Zielen der Gemeinde (bzw. der Gemeinschaft) ab. Der entscheidende Nachteil dabei ist, sie werden auch nicht erkannt. Ein Fachbegriff dazu heißt „Salienz“ (sozialpsycholog.: Etwas unterscheidet sich von seiner Umgebung und wird dadurch erst wahrnehmbar.). Die christlichen Werte werden nicht „salient“, sie werden von der Fülle emotionaler Information, die ein Streit birgt, überdeckt.

Im Bereich der Nachhaltigkeit bergen die Sätze des Paulus eine große Chance. Es gibt nur die eine Welt bzw. Schöpfung. Die Forderung könnte lauten: Es gibt unterschiedliche Auslegungen, Traditionen und Liturgien. Aber im Umweltschutz, beim Gedanken der Nachhaltigkeit und des Bewahrens dieser Welt gilt es, gemeinsam mit einer (christl.) Stimme zu reden. Es geht um das Wesentliche: Die Schöpfung. Eine erste Chance zur Einigkeit und zur „Salienz“ ist es, Handeln und Denken in der Gemeinde in Übereinstimmung zu bringen.

Kath. Evangelium: Mt 4, 12-23

Dieser Bibelstelle ist die Versuchung Jesu in der Wüste unmittelbar vorausgegangen. Der erfolgreiche Widerstand gegen den Satan führt bei Jesus nicht zu einem zufriedenen Zurücklehnen, sondern zu seinem Aufbruch. Er predigt und beruft die ersten Jünger. Man könnte dieses Verhalten so interpretieren, dass diese Versuchung ihm die Allgegenwart des Bösen sehr bewusst gemacht und gezeigt hat, dass die Menschen dringend der Hilfe bedürfen, und zwar nicht erst morgen, sondern sofort. Die Heimtücke des Satans durchschauen die, die ihm widerstanden haben, eher als die, die ihm verfallen sind. Nach der Versuchung kann und soll der Aufbruch in eine andere Welt kommen. „Das Himmelreich ist nahe“, wie es bei Matthäus heißt.

Im Zusammenhang mit Umweltschutz, (sozialer) Gerechtigkeit und Frieden sind die Versuchungen alltäglich. Im Sinne von Jesu Beispiel und Nachfolge bedeutet das nicht nur, der Versuchung alltäglich zu widerstehen. Das wäre zwar für den Einzelnen anstrengend, aber für Jesus zu wenig. Es bedeutet immer auch die alltägliche Chance und Gelegenheit, zu predigen und seine ersten Jünger zu berufen. Mit anderen Worten bedeutet dies, sich für ein Thema stark zu machen. – „Das Himmelreich ist nahe.“ Ob dies als Warnung oder Verheißung verstanden wird, ist dafür unerheblich (s.a. Röm 14, 17). Es bedeutet, dass die Zeit gekommen ist: Die Krankheiten des Volkes sind zu erkennen und zu heilen, sagt Vers 23, – Eitelkeit, Stolz, Phlegma, blinder Konsum ...

Es reicht nicht aus abzuwarten. Wenn die Zeit gekommen ist, gilt es aufzustehen und die Sache in die Hand zu nehmen. Die Welt kann sich verändern, dadurch bereits. In die Hand nehmen bedeutet auch, sich ernsthaft zu informieren und sich nicht auf „kluge Worte“, weder eigene noch die von anderen so genannten Autoritäten, zu beschränken (s.a. die heutige Bibelstelle im Korintherbrief zur kath. 2. Lesung).

Nach den Versuchungen der 5. Jahreszeit wird der „Aufbruch“ durch das Fasten (bzw. die Fastenzeit) eingeleitet. Auch wenn dies oftmals nicht aus christlicher Einsicht oder aus dem christlichem Glauben heraus geschieht, sondern weil der Körper nach den Strapazen dringend einer Phase der Erholung bedarf, wird letztlich die Selbstwahrnehmung auf die „Endlichkeit von Ressourcen“ verwiesen und so eine Art von Besinnung ermöglicht. Das ist ebenso Heilung wie die durch Fasten gewonnene Klarheit und Schärfung der Sinne.

Michael Rentz, Radolfzell

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