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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

20. Jan. 08 - 2. Sonntag im Jahreskreis / Septuagesimae

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Röm 9, 14-24 Jes 49, 3.5-6 1 Kor 1, 1-3 Joh 1, 29-34

Der Verfasser betrachtet zunächst ausführlich den Text der ev. Reihe VI und geht dann auf die Nachhaltigkeitsbezüge der Texte der kath. Leseordnung ein. Stichworte: Gerechtigkeit, die Gott will / kapitalistische Ausbeutung, gerechtes Umweltverhalten / Neuanfang (Röm 9); Gottes Heil durch unser Handeln wirksam werden lassen, Ungerechtigkeiten bekämpfen im Umgang mit menschlicher und nichtmenschlicher Kreatur (Jes 49, Joh 1)

Stellung im Kirchenjahr:

Die Texte sind am Sonntag Septuagesimä (3. Sonntag vor der Passionszeit), also in der Zeit zwischen dem Ende des Weihnachtsfestkreises und dem Beginn der Passionszeit zu predigen. Gelegenheit von der „Romantik“ der Weihnachtskerzen zu ernsteren Themen einer stilleren Zeit überzuleiten?

Überlegungen zu Römer 9, 14 – 24

Exegetische Überlegungen:

Unser Textabschnitt ist Teil eines größeren Unterabschnitts des Römerbriefs, nämlich der Kapitel 9 – 11. In diesen setzt sich Paulus mit der Frage auseinander, weshalb nur ein Teil der Juden zu Anhängern Jesu Christi geworden sind und welche heilsgeschichtlichen Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Konkret: Ist mit der Ablehnung Jesu als dem Messias die Erwählung des Gottesvolkes hinfällig geworden? Besonders wenn man die Verse 9, 6 ff. zu unserem Text dazu liest, könnte man auf solch einen Gedanken kommen. Nicht umsonst wurde dieser Abschnitt aus dem Römerbrief im Lauf der Geschichte immer wieder zur Begründung judenfeindlichen Verhaltens herangezogen und missbraucht. Zu Unrecht. Wie uns Römer 11, 32 deutlich macht, wird Israel am Ende gerettet. Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarme.

Hier wird der große Zusammenhang deutlich, in dem Römer 9, 14 – 24 letzten Endes zu sehen und verstehen ist: der paulinischen Rechtfertigungslehre. Wie Gott den allein rechtfertigenden Glauben allein aus Gnade schenkt, so kann er das Geschenk dieses Glaubens auch verweigern. Nicht darum, was wir Menschen erstreben und wollen, geht es, sondern allein um seine Gnade und sein Erbarmen (vgl. 9, 16). Wie er aber erwählen kann, so kann er auch die Herzen von Menschen verstocken. Bestes Beispiel ist für Paulus der Pharao, der Mose und das Volk Israel einst nicht ziehen lassen wollte. An ihm hat Gott seine Macht demonstriert. Paulus weiß um den Einwand, der auf seine Argumentation fast zwangläufig folgen muss: Wenn Gott selbst das Fehlverhalten von Menschen verursacht, wie kann er dann diese Menschen dafür gleichzeitig verantwortlich machen? Seine Antwort: Es steht uns Menschen nicht zu, über das Handeln Gottes zu urteilen, weil er nur Geschöpf und eben nicht Schöpfer ist. Darum bleibt uns der tiefere Sinn des Handelns Gottes, das sich für Paulus letztlich als Teil eines großen Heilsplans für diese Welt erweist (vgl. 11, 32), immer wieder verborgen. Doch hat Gott die Macht, auch menschliches Fehlverhalten, zu seinen Zwecken zu nutzen und Gutes daraus entstehen zu lassen.

Zur Predigt:

Gerade aufgrund seiner z.T. antijüdischen Auslegungstradition ist dieser Text in behutsamen Formulierungen auszulegen.

Ich könnte mir vorstellen, dass man zu Beginn die Frage thematisiert, ob Gott nach Gutdünken erwählt und verwirft, ob er völlig willkürlich an uns Menschen handelt und entsprechend willkürlich straft. Diese Fragen wären mit der Gerechtigkeit und Liebe Gottes ins Gespräch zu bringen, welche die meisten Predigthörerinnen und –hörer doch im Ohr haben dürften.

Um diesen Textabschnitt nicht völlig missverständlich zu predigen, kommt man m.E. nicht darum herum, der Gemeinde zumindest kurz den Gesamtzusammenhang darzustellen, in dem er steht – nämlich die Rechtfertigungslehre einerseits und die bleibende Erwählung Israels andererseits.

Gerade im ersten Teil des Römerbriefs geht es ja auch um die Frage nach der Gerechtigkeit, wie Gott sie will. Hier könnte man einen Vergleich der antiken und unserer heutigen Gesellschaft ziehen. Waren damals gerade Frauen, Sklaven Angehörige fremder Völker benachteiligt, rechtlos und ausgebeutet, so sind es heute die Opfer ungerechter Strukturen und eines in Teilen kapitalistisch ungebremsten Weltwirtschaftssystems, die weltweit Armut, Hunger, Elend und Hoffnungslosigkeit hervorbringen.

Eine Gott entsprechende Gerechtigkeit aber müsste dafür sorgen, dass alle einen gerechten Anteil erhalten an dem, was er uns an natürlichen und materiellen Gütern, aber auch an Freiheit und Hoffnung geschenkt hat.

Je nach Gemeindesituation oder aktuellen Lage können hier verschiedenste aktuelle Beispiele der Situation verschiedener Völker oder Menschengruppen bis hin zu Fragen unseres konkreten Umweltverhaltens (Bsp. Klima!) behandelt werden.

In und durch Jesus Christus hat Gott einen Neuanfang gemacht, indem er in ihm und durch ihn zeigte, was es heißt Gerechtigkeit zu leben, wie er, Gott, sich eine gerechte Welt vorstellt. Wir alle sind nach wie vor eingeladen, uns diesem Aufstand Jesu gegen Unrecht und Zerstörung von Leben anzuschließen.

Wichtig wäre mir, noch einmal deutlich zu machen, dass auch durch das Entstehen der Kirche die Erwählung Israels nicht verloren gegangen ist. Keiner ist besser als der andere, nur weil er dieser oder jener Glaubensrichtung angehört. Und keiner verdankt seine Gemeinschaft mit Gott der eigenen Gerechtigkeit, moralischen oder religiösen Leistung. Gott schenkt Gemeinschaft, macht gerecht, nicht weil, sondern obwohl wir so sind, wie wir sind. Allein aus Gnade.

Und so kann er sich eben auch unseres Ungehorsams, unserer Unfähigkeit zu dauerhafter Gerechtigkeit, unseres Unglaubens bedienen, um seinem großen Ziel, Heil für die ganze Welt zu schaffen, näher zu kommen.

Hierzu ein bekannter Text von Dietrich Bonhoeffer, der entweder in der Predigt oder an anderer Stelle im Gottesdienst Verwendung finden könnte:

Unsere Zeit in Gottes Händen

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.

Dazu braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Unter Umständen kann der Text auch nur in Auszügen verwendet werden.

Zur Liturgie/ Liedvorschlage:

Psalm: Ps. 31/ EG 712

Lesungen: AT: Jeremia 9, 22–23, Epistel: 1. Kor. 9, 24-27, Evangelium: Mt. 20, 1-16a

Lieder: EG 420 (Eingang), EG 342 (Wochenlied), EG 409 (nach der Predigt), EG 653 (Schlusslied, Regionalteil Pfalz: „Herr, deine Liebe“)

Zu den weiteren Texten: Jes 49, 3.5-6; Joh 1, 29-34; 1 Kor 1, 1-3

Den Briefanfang des ersten Korintherbriefs würde ich – ehrlich gesagt – eher einmal liturgisch in einen Gottesdienst einbauen, als ihn als lohnenden Predigttext zum Thema dieses Buches anzusehen. Insofern scheidet er für mich an dieser Stelle für eine Auslegung aus.

Jes 49, 3.5-6 ist Teil des zweiten Gottesknechtsliedes des Deuterojesaja. Vorauszusetzen ist die Exilssituation des Volkes Israel, die stark von Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit der Betroffenen gekennzeichnet war. Diesem Empfinden setzt der Prophet die Aussicht auf Rettung und Heimkehr entgegen. Er will Hoffnung machen und den Glauben an Gottes Heil für sein Volk wecken, bzw. stärken. Das Volk soll seine Rolle als „Licht für die Völker“ (vgl. Mt 5, 14) wieder einnehmen und das Heil Gottes universelle Wirkung erlangen.

Es ist wohl „theologische Geschmacksache“, ob man den Gottesknecht mit Jesus Christus identifiziert oder nicht. An der Grundaussage ändert sich nichts.

Beantwortet man diese Frage für sich positiv, dann allerdings korrespondiert dieser alttestamentliche Text in seiner Grundaussage stark mit Joh 1, 19-34. Hier wird gleich zu Beginn des Evangeliums klargemacht, wer Jesus ist: Das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt und damit das Heil bringt. Starke Anklänge an das dritte Gottesknechtslied in Jesaja 53 sind nicht zu übersehen.

Beiden Texten gemeinsam ist die Verheißung von Gottes Heil für die Welt. Als Christen dürfen wir daran glauben, dass dieses Heil in Jesus Christus schon begonnen hat Wirklichkeit zu werden und dass wir dazu gerufen sind, etwas von diesem Heil in unserem Leben spürbar und erfahrbar werden zu lassen.

Nachhaltigkeit

Versteht man Heil auch im Sinne von Heilung, wird deutlich, wohin „die Reise“ in einer Predigt über einen der beiden Texte (oder auch beide gemeinsam?) gehen könnte: Verletzungen und Verwundungen begegnen uns in unserem Alltag doch täglich. Bei uns selbst als Opfer und Täter. Bei den Menschen, die von Reichtum, Entwicklung und Bildung ausgeschlossen bleiben. In der Zerstörung von Lebensräumen und der Vernichtung von vielfältigen Lebensformen. Im Umgang mit der Kreatur, die uns anvertraut ist und die wir so oft zur bloßen Ware degradieren. An allen Ecken und Enden können wir die Heilsbedürftigkeit unserer Welt spüren, merken wir, dass so vieles wieder ins rechte Lot gebracht werden muss.

Natürlich bleibt es Gott überlassen, eine endgültige Heilsordnung aufzurichten. Doch bis dahin können wir seit Jesus von Nazareth nicht mehr einfach wegschauen und nichts tun. Weil er für uns ans Kreuz ging, können und sollen wir denen beistehen, die heute gekreuzigt und geopfert werden sollen. Und zwar jedweder Lebensform. Dies wäre mein Predigtthema im Zusammenhang mit den beiden angesprochenen Texten.

Andreas Gutting, Albersweiler

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