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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Neujahr

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Phil 4, 10-13 (14-20) Num 6, 22-27 Gal 4, 4-7 Lk 2, 16-21

Der Verfasser geht auf alle Predigtperikopen des Tages ein. Stichworte: Energiebewusstsein, Ausbeutung, neue – soziale – Lebensstile (allg.); Leben als Gewinn, Richtung im Kleinen finden (Phil 4); Gottes Name über seinem Volk birgt Fehlerfreundlichkeit und „Schalom“ (Num 6); richtig Gotteskind sein: das Erbe annehmen (Gal 4); nach dem Weihnachtsfest sich wieder „an die Arbeit machen“ (Lk 2)

Zur Situation:

Gegenwärtig (Herbst 2006 – ich vermute, dass sich die Verhältnisse bis zum Jahreswechsel 2007/2008 nicht wesentlich verändern werden) wird in Deutschland heftig über die sog. „neue Armut“ bzw. „neue Unterschicht“ diskutiert – wobei die Zielrichtung in der öffentlichen Diskussion oft eher in der Klärung der Schuldfrage, d.h. im gegenseitigen Zuweisen von Schuld, als in der Suche nach einer Lösung für die Zukunft besteht. Weltweit erscheint die Problematik von Hunger, Unfrieden, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung noch immer als eine Spirale, die immer schneller nach unten führt, und eine Trendwende ist noch lange nicht in Sicht.

Ein Beispiel: Aufgrund der Verteuerung der Treibstoffe aus Erdöl wird die Gewinnung von Dieselkraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen von den großen Konzernen vorangetrieben. Dies hat u. a. negative Auswirkungen auf die Regenwälder in Südamerika und ihre Ureinwohner, da dort in großem Stil entsprechende Plantagen angelegt werden.

Die Einsparung von Energie und damit des Rohstoffverbrauchs durch entsprechende neue oder verbesserte Technologien wird zwar in auch Politikerreden ab und zu als die wichtigste Energiequelle für die nächsten Jahrzehnte bezeichnet, praktische Konsequenzen daraus aber nur sehr zögerlich gezogen. Das Bewusstsein dafür in der Öffentlichkeit ist ebenfalls noch sehr schwach ausgebildet. Noch immer gilt das Wachstum der Wirtschaft als die Voraussetzung für die Lösung fast aller Probleme.

Dem gegenüber ist m. E. noch immer die Frage nach einem „neuen Lebensstil“ aktuell, der sich bewusst orientiert an einer Begrenzung oder gar Reduzierung des Verbrauchs an Rohstoffen und Energie, an gerechteren Arbeits- und Lebensbedingungen für die Menschen in den „Billig-Lohn-Ländern“ und der sog. Dritten Welt.

1) Ev. Predigtreihe

Philipper 4, 10-13 (14-20)

Zum Text:

Die Perikope gehört zum Schlusskapitel des Philipperbriefes. Zentrales Thema dieses Briefes ist Jesus Christus. Zu ihm setzt sich Paulus mit seinem ganzen Tun und Lassen in Beziehung. Zu Christus setzt er auch das Leben der Gemeinde in Beziehung. Von Christus her beleuchtet und bewertet Paulus alles. So kann er etwa sagen, dass er sein früheres Leben (als „Saulus“ unter dem Gesetz) jetzt für Schaden, ja für „Dreck“ erachtet, dass dagegen sein jetziges Leben für ihn „Gewinn“ ist (Kap. 3). Äußerlich gesehen erscheint seine jetzige Situation eher als „Verlust“, denn er sitzt – mal wieder – im Gefängnis. Doch er hat gelernt, sowohl mit Mangel, als auch mit Überfluss zu leben, ohne sich davon innerlich abhängig zu machen (4, 11f.).

Vers 12 könnte aus der Philosophie der Stoa entnommen sein – auch die Form legt das nahe –, nach der der griechische Weise sich durch Bedürfnislosigkeit und Selbstgenügsamkeit auszeichnet. Doch während in der Stoa diese Haltung aus einer eher zynischen Verachtung alles Äußerlichen kommt, nennt Paulus für sich eine andere Begründung: Christus macht ihn stark (V. 13). Seine innere Distanz zu „Überfluss oder Mangel“ bezieht ihre Kraft aus der Verankerung in Christus und aus der Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit, die in Christus sichtbar geworden ist und in Christus ihrer eschatologischen Vollendung entgegengeht. Von daher kann Paulus auch die Unterstützung der Gemeinde annehmen und sich darüber freuen, auch wenn er sonst eher darauf verweist, dass er für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen kann. Auch diese Freude begründet sich in seinem Verhältnis zu Christus, weil er in der Gabe der Gemeinde eine „Frucht“ ihres Glaubens sieht. So können die Verse 14 – 20 zur Illustration oder Vertiefung dessen dienen, was in den Versen 10-13 ausgedrückt ist, sofern man sie zum Predigttext dazu nehmen will.

Zur Predigt:

Kann diese im Verhältnis zu Christus begründete innere Distanz des Paulus zu „Überfluss und Mangel“ für uns ein Vorbild sein, einen solchen neuen Lebensstil – in kleinen Schritten – einzuüben? Wir können wir unser Leben eher am „Sein“ als am „Haben“ (Erich Fromm) orientieren, damit nachfolgende Generationen auch noch „etwas zum Leben haben“? Wie können wir unterscheiden lernen, was wir zum Leben brauchen, und worauf wir – zugunsten anderer Menschen – neben oder nach uns - oder des Ganzen der Schöpfung verzichten?

Dabei können wir allerdings keine fertigen Lösungen anbieten, die Antworten muss jede und jeder für sich finden bzw. müssen im gemeinsamen Diskurs gefunden werden. Aber die Fragen müssen zumindest gestellt werden.

2.) Katholische Lesereihe

Vorbemerkung

Auf den ersten und vielleicht auch noch auf den zweiten Blick erscheint es schwierig, von den Texten aus zu den Themen „Ökologie“, „Nachhaltigkeit“ etc. zu kommen. Allerdings wird eine Predigt, die vom „Kasus“ des Jahreswechsels ausgeht, diese Themen nicht ausklammern. Davon ausgehend versuche ich nun doch ein paar kurze Hinweise zu den drei Texten:

4. Mose 6, 22-27

Hier liegt die priesterschriftlich fixierte liturgische Form des aaronitischen Segens vor, wie sie im Jerusalemer Tempelkult verwendet wurde. Mit dem Segen wird der Name Jahwes auf die Israeliten gelegt und sie damit als zu Gott gehörig gekennzeichnet. In dieser einzigartigen Gottesbeziehung wird ihnen die besondere Zuwendung und Verheißung Gottes zugesprochen:

Schutz und Begleitung (V. 24, vgl. z. B. Psalm 23), Gnade als Ermöglichung des neuen Anfangs trotz menschlichen Versagens gegenüber dem göttlichen Gebot (V. 25), Verheißung und Zusage des „Schalom“ als umfassendem – äußerem und innerem – Frieden und Wohlergehen (V. 26, vgl. z.B. Micha 4, 4). Gerade der hebräische Begriff des „Schalom“ geht weit über das hinaus, was das deutsche Wort „Frieden“ gemeinhin bezeichnet. Im „Schalom“ konzentriert sich die ursprüngliche – und zugleich in ihrer Vollendung noch ausstehende - Fülle des siebenten Schöpfungstages. Insofern klingt in dem segnend zugesprochenen „er gebe dir Frieden“ beides an: Das Geschenk des Friedens inmitten einer unfriedlichen Welt und die Aufgabe des Menschen, an der Vollendung des „Schalom“ mitzuwirken.

Galater 4, 4-7

Ziel des Textes ist die einzigartige Beziehung der Gotteskindschaft. Jesus, der wirklich Mensch Gewordene (von einer Frau geboren und in der Beschneidung „unter das Gesetz getan“) befreit von der Knechtschaft des Gesetzes. Sein Geist lässt uns die Beziehung zum Vater erkennen und zum Ausdruck bringen (V. 6). Die Gotteskindschaft schließt das „Erbe“-Sein der Glaubenden mit ein (V. 7, vgl. Lukas 15, 31: „Alles, was mein ist, ist auch dein“).

Der Erbe aber ist verantwortlich für das, was ihm gegeben ist.

Lukas 2, 16-21

Bemerkenswert ist, dass die Hirten, nachdem sie das Kind in der Krippe gesehen haben, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und nicht etwa eine neue religiöse Gemeinschaft gründen. Sie kehren – mit einem Lobpreis Gottes auf den Lippen – in ihren Alltag zurück (V. 20). Das entspricht der Situation der Gemeinde am Neujahrstag: Nach dem Weihnachtsfest und den Tage „zwischen den Jahren“ wird am nächsten Tag wieder Alltag weitergehen, in den wir einerseits etliches von den Lasten des alten Jahres und andererseits auch „gute Vorsätze“ für das neue Jahr mitnehmen. Hier kann die Predigt neben vielem anderen natürlich auch auf die bedrängende Umweltproblematik eingehen (s.o.). Der Lobpreis Gottes über das Geschehen von Weihnachten kann sich in unserem alltäglichen Handeln ausdrücken, wenn wir versuchen, nach Gottes Maßstäben in und mit seiner Schöpfung zu leben.

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt-Sausenheim

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