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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

30. Dez. 07 - Fest der Hl. Familie

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Jes 49, 13-16 Sir 3, 2-6.12-14 (3-7.14-17a) Kol 3, 12-21 Mt 2, 13-15.19-23

Die Autorin geht auf alle Predigtperikopen des Sonntags ein. Stichworte: Glaube an Zukunft, auch wenn alles zusammen zu brechen scheint, der Grund zur Freude ist der Schöpfung immanent (Jes 49); Öffnung der Verheißung hin auf den gesamten Erdkreis (Mt 2); intergenerationelle (interfamiliäre) und soziale Gerechtigkeit, Vergebung durch gute Taten (Sir 3, Kol 3)

Stellung im Kirchenjahr

Im evangelischen Kirchenjahr handelt es sich um den ersten Sonntag nach Weihnachten. Der Text der evangelischen Reihe aus dem Buch des Propheten Jesaja schließt an das zweite Gottesknechtslied an und spricht in die Situation nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem.

Das katholische Kirchenjahr feiert an diesem Sonntag das Fest der heiligen Familie, das im engen Zusammenhang mit dem Weihnachtsfest steht. So handelt auch das Evangelium der katholischen Leseordnung von der Flucht nach Ägypten und der Rückkehr nach Nazareth. Die anderen beiden Texte der katholischen Leseordnung handeln vom Umgang mit den Eltern und der christlichen Hausordnung.

Exegetische Hinweise

Die vier Verse aus dem 49. Kapitel des Buches des Propheten Jesaja schließen an das 2. Gottesknechtslied an. Sie sprechen in die Situation der nachexilischen Zeit, zum Volk Israel in der Jerusalemer Diaspora. Es scheint für das Volks schwer zu sein, in dieser Situation dem Gott Jahwe Glauben zu schenken (V14). Deshalb ist auch die Disputation in V15 wichtig. Der Fall Jerusalems mit seinen katastrophalen Folgen hat so starke Zweifel gesät, dass eine bloße Heilsankündigung unangemessen erscheint. Klage ist erlaubt und verständlich, doch Gott kennt auch diese Situation (V16).

Im Kapitel drei des Buches Jesus Sirach beginnt der Verfasser seine Unterweisungen zu zwischenmenschlichen Beziehungen mit dem Lehrgedicht über die Elternehrung. Es handelt sich hierbei um den ersten Kommentar zum Elterngebot des Dekalogs und enthält dazu einige neue Aspekte. Auffällig ist z. Bs. die sündentilgende Kraft der Elternliebe (V3 und V14). Also nicht die Darbietung von Opfern sondern ethisches Handeln bewirkt Sündenvergebung. Wie auch das Elterngebot richtet sich dieser Text an erwachsene Kinder. Dies ist ein Grund dafür, dass der Beziehung zum Vater deutlich mehr Beachtung geschenkt wird: zwischen Söhnen, die als Erwachsene zuhause leben, und ihren Vätern scheint der Konflikt vorprogrammiert. Insbesondere die Verse 12 und 13 schärfen ein liebevolles, annehmendes Verhalten gegenüber dem alten und senilen Vater ein. Dies ist auch eine Abgrenzung gegen geltendes Recht im Umfeld des Judentums. So besteht z. B. im griechischen Raum das Recht auf Entmündigung des Vaters und im ägyptischen Recht gibt es keinerlei Ansprüche der Eltern auf Altersversorgung.

Die Verse 12 bis 21 aus dem 3. Kapitel des Kolosserbriefes stellen das neue Leben in Christus als ein Leben in gegenseitiger Liebe, Rücksichtnahme, Vergebung und gemeinsamen Dank dar. Auch die für unsere Zeit etwas ungewöhnlich anmutenden Anweisungen in den V18 bis 21 sind nur zu verstehen auf der Grundlage dieser umfassenden gegenseitigen Verpflichtung vor Christus.

Die Erzählung im zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums von der Flucht nach Ägypten und der Rückkehr nach Nazareth will uns zeigen, dass sich in Jesus die Geschichte seines Volkes in konzentrierter Form wiederholt. So spielen z. B. die Sternendeuter (V13) auch in der außerbiblischen Moses-Erzählung eine Rolle. Auch die Rückkehr des Messiaskindes in das verheißene Land (V20) erinnert noch einmal an die Mosesgeschichte. Allerdings kehrt er nicht in das Kernland Judäa zurück, sondern an den Rand, in das halb heidnische Galiläa, in den völlig unbedeutenden Ort Nazareth (V22-23).

Nachhaltigkeitsbezug

Der Text des Propheten Jesaja verweist auf eine allzu bekannte Situation: Wie kann ich angesichts der Erfahrung von Zerstörung, von Leid und Not, noch an die Liebe und an Gott glauben? Wie kann ich angesichts der Situation auf unserer Erde noch Hoffnung haben auf eine bessere Zukunft? Die Situation des damaligen Volkes war deprimierend: der Tempel in Jerusalem zerstört, viele in die Verbannung nach Babylon verschleppt, die Daheimgebliebenen und Zurückgekehrten lebten in einem nicht nur äußerlich zerstörten Land. Auch der Glaube an ihren Gott Jahwe, der Glaube an das Gelingen des Lebens und die Hoffnung auf eine gute Zukunft waren dahin. Der Prophet Jesaja nimmt diese Situation ernst, er überspielt sie nicht oder sagt „Alles halb so wild, wird schon wieder“. Gerade die Gottesknechtlieder (der Beginn des 49. Kapitels ist das zweite Gottesknechtslied) zeigen das auf sehr eindrückliche Weise. Und trotzdem heißt es im ersten Vers unseres Textes „Jubelt ihr Himmel, jauchze o Erde, freut euch, ihr Berge.“ Diese Freude der ganzen Schöpfung ist eine Freude, die um das Leid der Welt weiß, aber trotzdem die Hoffnung nicht verloren hat. „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen?“ So schlecht kann kein Mensch, kann keine Situation sein, dass es nicht Hoffnung gäbe. „Und selbst wenn sie ihn vergessen würde, ich vergesse ihn nicht.“: Was auch immer Menschen auf Erden widerfährt, wie zerstört auch immer die Erde sein möge, Gott verlässt sie nicht.

Der Text aus dem Matthäusevangelium knüpft an dieser Erfahrung des Volkes Israel – in unheilvoller Situation die Zuneigung und das Heil von Gott erfahren – an. Die Geschichte Jesu wird parallelisiert mit der Erfahrung der Unterdrückung, der Not und des Leidens in der Knechtschaft in Ägypten und der großen Befreiungstat Gottes. Allerdings kommt ein neuer Gedanke dazu: durch die Rückkehr - nicht nach Bethlehem, ins judäische Stammland – sondern nach Nazareth, in den unbedeutenden Ort im halb heidnischen Galiläa wird deutlich: diese Verheißung Gottes gilt nicht nur den Juden, sondern allen Völkern.

Im Text aus Jesus Sirach geht es um das Verhältnis der Generationen, im Kolosserbrief um das Zusammenleben in der Familie. Dies ist somit auch das zentrale Thema des Festes der heiligen Familie. Wie kann es gelingen, dass Generationen in den Familien und in der Gesellschaft gut zusammen leben können? Wie geht es, dass die Älteren nicht auf Kosten der Jüngeren leben? Wie können wir durch unser Handeln dazu beitragen, dass auch Generationen nach uns noch gut leben können? Wie können wir die Würde des Menschen wahren, auch wenn er oder sie alt, senil und gebrechlich ist?

Auf all diese Fragen geben die beiden Texte scheinbar klare Antworten. Dass es dieser Anweisungen überhaupt bedarf, deutet aber vor allem darauf hin, dass es auch damals, in den „guten alten Zeiten“, nicht immer so einfach war mit den Zusammenleben von verschiedenen Generationen unter einem Dach!

Die Verse 3,3 und 3,14 bei Jesus Sirach weisen über das Thema hinaus auf einen wichtigen Aspekt hin: Gott vergibt uns unsere Sünden nicht durch Brandopfer oder rituelle Handlungen, sondern dadurch, dass wir unseren Nächsten Gutes tun. Für die Vergebung von Sünden ist eine Einsicht in das, was gut und richtig ist, und entsprechend zu handeln, die wichtigste Aufgabe.

Pia Arnold-Rammé, Frankfurt/Main

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