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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Weihnachten / Christfest

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Gal 4, 4-7 (am Morgen:) Jes 62, 11-12
(am Tag:) Jes 52, 7-10
(M.:) Tit 3, 4-7
(T.:) Hebr 1, 1-6
Lk 2, 15-20
Joh 1, 1-5.9-14 o. 1-18

Der Autor geht auf die Bedeutung des Weihnachtsfestes und seine Beziehung zu sozialer Gerechtigkeit, Frieden und Nachhaltigkeit ein. Anschließend stellt er daraus exemplarisch Bezüge zu den Bibelstellen des Tages her. Stichworte: sich riskieren, Licht bringen; was hat Jesus Neues in die Welt gebracht, was hat dieses Neue mit Nachhaltigkeit zu tun?, den Dialog führen, Beispiel sein, immer wieder; Wehrlosigkeit und hoffnungsfrohe Unvereingenommenheit gegenüber der Welt am Beispiel des Kindes, etc.

Stellung im Kirchenjahr

Weihnachten: Gott, der Ewige, der Schöpfer der Welt, wird Mensch, kommt in diese von Ihm geschaffene Welt. Christen glauben, dass Gott damit nicht etwas tut, nicht etwas von sich zeigt, sondern dass in diesem Schritt der Inkarnation Gott sich selbst offenbart. Er zeigt sich den Menschen in seinem innersten Wesen, das Liebe ist, das nicht bei sich bleibt, das nicht außen vor bleibt, das sich riskiert – bis zur Hingabe. Gott wird Mensch – nicht aus einem Bedürfnis heraus – wie etwa ein menschlich Liebender Bedürfnis nach einem Geliebten hätte - : Seine Liebe drängt ihn, die Menschen zu erlösen, aus allen Verstrickungen zu befreien, zum Leben zu führen. Deshalb geht er solidarisch ganz auf die Seite der Menschen, denn „was nicht angenommen ist, kann nicht erlöst werden“, so formulierte schon die Alte Kirche eine grundlegende Erkenntnis.

Inhalte des Festgeschehens in Bezug zu Themen der Nachhaltigkeit

Wenn Gott die konkrete menschliche Wirklichkeit mit allen Sorgen und Freuden, Hoffnungen und Ängsten annimmt, kann P auch aktuelle gesellschaftliche Kontexte in Bezug zum Weihnachtsgeschehen bringen. Dazu wird P aus den vielfältigen Aspekten des Inkarnationsgeschehens auswählen müssen: „Gott teilt sich selbst in Jesus in unüberbietbarer Weise mit.“ – Diese Glaubensaussage kann P zu der Leitfrage führen: Was hat Jesus Neues in die Welt gebracht? Wie viel diese Frage mit Nachhaltigkeit zu tun hat, liegt auf der Hand, wenn der Blick auf den Dialog der Religionen gelenkt wird, aktuell besonders auf den Dialog mit dem Islam: Denn dass Jesus der Christus ist, der unüberbietbar Neues in die Welt gebracht hat, werden Christen – ohne Überheblichkeit, aber mit der Deutlichkeit des Glaubenszeugnisses – in einen konstruktiven und substantiellen Dialog einzubringen haben. Und einen solchen Dialog braucht es, damit Verständnis und respektvoller Umgang gefördert werden, damit extremen, fundamentalistischen Kräften entgegengewirkt werden kann. – P könnte einige Grundlinien des Neuen thematisieren: Jesu Überzeugung, dass Gott das Heil aller will; dass die Initiative zum Heil von Gott ausgeht, nicht von menschlicher Leistung; dass Jesus Gott als seinen lieben(den) Vater anruft und überzeugt ist, dass jeder Mensch in diese Intimität im Umgang mit Gott gerufen ist. – Damit die Auseinandersetzung mit diesem Aspekt nicht rein abstrakt-theologisch gerät, kann P sie verbinden mit dem weihnachtlichen Symbol des Lichts: Christen glauben Jesus als Licht in der Dunkelheit der Welt; oder mit der alttestamentlichen Hoffnungsfigur des Friedensbringers (vgl. die Lesungen aus Jesaja), die Christen in Jesus gekommen sehen: Er ist unser Friede (Eph 2,14).

„Gott wird Kind“: wehrlos, hilfsbedürftig, zugleich ein Wesen, das in einem normal empfindenden Menschen den Wunsch wachruft, sich liebevoll und beschützend zuzuwenden. – Wie sieht die Perspektive von Kindern heute aus: wachsende Kinderarmut, Abtreibungszahlen, Ausbildungsplatzmisere; in Weltperspektive bedrücken die Stichworte Kinderarbeit, Kindersoldaten, Aids-Waisen. Es gilt nicht für alle Kinder, aber doch für viele: Sie gehören zu den Wehrlosen, Hilfsbedürftigen. – P kann auch weiterfragen, wer noch dazugehört. Und wie ein Einsatz zugunsten derer, mit denen Gott ganz solidarisch ist, aussehen kann.

„Gott wird in Jesus Bruder aller.“ Aus diesem Gedanken wären besonders Verbindungen zum Themenfeld „soziale Gerechtigkeit“ zu ziehen: Wie gehen Menschen miteinander um, die im anderen, besonders im Bedürftigen, Christus erkennen?

„Gott kommt im Stall zur Welt.“ – P kann die Verbindung ziehen von dieser arm-seligen Geburt „am Rand der Welt“ zu den heute Marginalisierten: Wo würde Gott heute Mensch? Wo sind die Ställe und Krippen von heute? – Einer der Ställe ist auch das Innere eines jeden Menschen. Gott will in mir zur Welt kommen, auch wenn und gerade weil ich ihm keinen Palast anbieten kann, weil ich nichts bieten kann als einen armseligen Stall: Auch wenn ich im Einsatz für soziale Gerechtigkeit oft halbherzig bin, auch wenn mein Eintreten für die Schöpfung voller Widersprüche ist, auch wenn ich auf dem Weg des Friedens oft müde stehen bleibe: Gott will in meinem „Stall“ zur Welt kommen.

„An Weihnachten vollzieht sich ein ´wunderbarer Tausch´“: Gott wird Mensch, damit der Mensch wahrhaft Mensch werden und so auch seine Gottebenbildlichkeit verwirklichen kann. – Der so formulierte Übersetzungsversuch der Rede vom ´wunderbaren Tausch´ macht deutlich, dass der Mensch nicht in dem Sinne ´göttlich´ wird, dass er an die Stelle Gottes träte und mithin seine Geschöpflichkeit und Verantwortung in der und für die Schöpfung verlöre.

Bezug zu den biblischen Texten

An mehrere dieser theologischen Leitaspekte ist die Perikope aus dem Galaterbrief anschließbar, die in diesem Jahr evangelischer Predigttext ist: Paulus betont die Gotteskindschaft der durch das Kommen Gottes in die Welt erlösten Menschen. In größtmögliche Parallelität bringt Paulus den Sohn und die, denen die (Gottes)Kindschaft (so die Luther-Übersetzung, die EÜ übersetzt hier mit `Sohnschaft`) geschenkt wird: Denn auch in unsere Herzen hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt, der uns Gott als liebenden Vater anrufen lässt (V.5). Wer aber denselben Geist empfangen hat wie der Sohn, der wird auch so zu leben versuchen, wie es diesem Geist entspricht, damit er sich der Kindschaft, des Erbe-Seins (V.7) als würdig erweist. Und er wird im anderen den Bruder, die Schwester erkennen, denn alle, die Kinder Gottes sind, haben Jesus zum Bruder. In diesem Jesus hat Gott ganz, nicht nur zum Schein die menschliche Wirklichkeit angenommen: geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan (V.4).

Über die Akzente und Anschlussmöglichkeiten der katholischen Lesungstexte „vom Tage“ ist zu lesen in Band 1 dieser Predigthilfe-Reihe (die Perikopenauswahl der katholischen Leseordnung bleibt an Weihnachten in jedem Jahr gleich).

Aktionsmöglichkeiten für die Gemeinde

In Band I „Nachhaltig predigen“ finden sich in den Predigtimpulsen zum 1. Weihnachtsfeiertag auch einige Ideen zur Konkretisierung der Gedanken von P auf die Gemeinde hin („Welche Zustände muss Gott annehmen, wenn er auch heute bei uns zur Welt kommen will?“). Den dort genannten Handlungsvorschlägen – nachzulesen unter www.umdenken.de/predigen – sei noch eine Idee hinzugefügt: Über den Jugendverbandsbereich hinaus ist es ein inzwischen verbreiteter guter Brauch, das Friedenslicht aus Bethlehem in Empfang zu nehmen und weiterzuverteilen: Wo möchte Jesus heute und wohin können wir, können Kleine und Große aus der Gemeinde, zeichenhaft das Licht bringen? Einbezogen werden könnten hier auch muslimische und ggf. jüdische Gemeinden vor Ort.

Verweise:

-Die Gedanken zum „Stall“ sind inspiriert von A. Grün, der wiederum eine Aussage von C.G. Jung aufgreift; A. Grün: Mit Herz und allen Sinnen. Jahreslesebuch, Freiburg/Br., ²99, S. 385.

-Die Skizzen zu dem „Neuen“ der Botschaft Jesu sind entlehnt aus: F. Mussner: Was hat Jesus Neues in die Welt gebracht?, Stuttgart 2001.

-Das Friedenslicht aus Bethlehem. Eine Arbeitshilfe zur Vorbereitung und Durchführung der großen Friedenslichtaktion, Neuss 2002.

Thomas Köster, Remagen

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