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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

24. Dez. 07. - Heilige Nacht / Christnacht

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Kol 2, 3-10 Jes 9, 1-6 Tit 2, 11-14 Lk 2, 1-14

Der Autor des Beitrags betrachtet alle Predigtperikopen für die Heilige Nacht und geht vertiefend auf den Lukastext ein. Stichworte: Unterscheidung von wahren und falschen „Lehren“, Überwindung irdischer Eitelkeit (Kol 2); nicht in Klage verharren, das Licht weist den Weg (Jes 9); „im Wartezimmer der Hoffnung“ – sind wir das „Volk, das Gutes tut?“ (Tit 2); Weihnachtsgeschichten: „ganz sein – Friede sein“ (Lk 2)

Texte in der Heiligen Nacht

Kol 2, 3-10

Paulus ist der Gemeinde persönlich nicht bekannt (2, 1). Der gedankliche Abstand zu den älteren Paulusbriefen macht es wahrscheinlich, dass der Brief spät, entweder in der Gefangenschaft des Apostels in Cäsarea (Apg 23, 33 - 26, 32) um 57-59 oder in Rom nach 59-60 n. Chr. (Apg 28, 16-31), abgefasst wurde. Manche Forscher halten den Brief für das Schreiben eines Paulusschülers. Paulus sieht in seinen Leiden eine Bestätigung seiner Christusgemeinschaft; von daher ist ihm das Leiden Freude. Mit seinem ganzen Leben will er der Gemeinde Gottes, der Kirche, dienen und das „Geheimnis Gottes“ allen sichtbar machen. Das Geheimnis Gottes ist nicht ein Begriff, nicht eine Lehre, sondern eine Person: Christus. Er ist die „Hoffnung auf Herrlichkeit“ für alle Menschen, auch für die Heidenvölker. „Christus in uns“ ist mehr als eine schöne Idee; Christus ist in uns die Kraft, die uns zu den Schwestern und Brüdern in aller Welt treibt. Und er ist in uns die Hoffnung, die Ungeduld auf den Tag, an dem sichtbar wird, was er ist und was wir durch ihn geworden sind.

„Falsche Lehren“ gehen in Kolossä um: Wir können sie nur aus dem erschließen, was Paulus in diesem Brief sagt, um die Christen zu warnen. In der heutigen Lesung ist die Rede von menschlichen Überlieferungen, von Elementarmächten der Welt (V. 8), im weiteren Brief dann noch von Beschneidung (V. 11), von Fürsten und Gewalten (V. 15); außerdem geht es um Fragen von Speise und Trank, von Neumond und Sabbat, auch um die Verehrung von Engeln (V.16.18). Das alles, sagt Paulus, sind menschliche Vorschriften und Lehren (V. 22), Befriedigung irdischer Eitelkeiten (V. 23).

Jes 9, 1-6

Der Text wird von einer Bewegung getragen, die vom Dunkel ins Licht führt. Es ist sogar von einem großen Jubel die Rede, vergleichbar nur bei guter Ernte und reicher Beute. „Volle“ Bilder also für eine angesagte neue Zeit. Zweimal wird mit einem „denn“ die Begründung formuliert: Jahwe zerbricht das Joch und es wird ein Kind geboren, dass auf seinen Schultern Rat, Stärke, Ewigkeit und Heil trägt. In beiden Sätzen, die die Zuverlässigkeit der Verheißung unterstreichen, geht es um einen Schulter-Wechsel: Die Schultern der Menschen, die die Geschichte ihres Lebens und ihres Volkes tragen müssen, werden frei und Jahwe bürdet einem Kind auf, was Leben und Zukunft verspricht. Die Namen, die das Kind trägt, geben ihm göttliche Würde.

Dass die Worte um 730 v. Chr. geschrieben werden, ist zwar nicht unwichtig zu wissen, aber die mit ihnen verbundenen Erfahrungen und Hoffnungen sind bis heute vielen Menschen vertraut. Jesaja führt aus der Klage heraus. Er sieht schon das Licht, das aufgeht, er hört schon den Jubel, der mitreißt. Jahwe wird die Geschichte wenden. Nicht mit militärischer Intervention, sondern mit einem Kind. Jesaja sieht eine Zeit ewigen Friedens anbrechen mit Recht und Gerechtigkeit als Stützen der Herrschaft.

Tit 2, 11-14

Titus gehörte neben Timotheus zu den engsten Mitarbeitern des Apostels Paulus, dieser übertrug ihm die Verantwortung für die Kirche von Kreta. Der Brief an Titus hat sehr amtlichen Charakter.

In diesem kurzen Abschnitt können wir das Weihnachtsevangelium in handlicher Form erkennen: Gottes Gnade ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Besonnen, gerecht und fromm können wir in dieser Welt leben – während wir auf das Erscheinen der Herrlichkeit Gottes sowie des Retters Christus warten. Prägnant wird auch zum Ausdruck gebracht, dass Gottes Gnade erschienen ist – während wir auf die „selige Erfüllung unserer Hoffnung“ warten. Was wie ein Gegensatz wirkt, der sich einer zeitlichen Ordnung zu entziehen scheint, ist perspektivisch zusammengeführt. Im „wir“ sind die Leser nicht mehr unbeteiligte Zuschauer.

Der Schlusssatz hält fest, was er – Christus – schon getan hat: er hat sich (1.) hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und (2.) sich ein Volk zu schaffen, das ihm gehört und das Gute tut. Wir betreten mit diesen Worten das „Wartezimmer der Hoffnung“.

Lk 2, 1-14

Die Geburtsgeschichte nach Lukas hat sich als Weihnachtsgeschichte durchgesetzt. Sprachliche Kraft und bewegende Bilder haben das Evangelium für alle Menschen attraktiv gemacht, auch für die, die mit christlichen Überlieferungen sonst nicht mehr viel verbinden. Die Geschichte hat zwei Teile:

Einmal wird erzählt, warum Maria und Josef nach Bethlehem gehen. Was Lukas auf ein Gebot des Kaisers Augustus zurückführt, versteckt, dass nach dem Propheten Micha Bethlehem der Ort ist, an dem der Herr geboren wird. Was Lukas nur ein Nebensatz wert ist („weil in der Herberge kein Platz für sie war“), wird in Krippenspielen und Gedichten breit entfaltet.

Mit „in jener Gegend“ leitet Lukas den 2. Teil ein. Ist der 1. Teil, für sich genommen, als eine menschliche Geschichte zu lesen, werden die Engel eine göttliche daraus machen. Das beginnt mit der Verkündigung an die Hirten. Sie sind die ersten Zeugen. Dabei galten gerade sie als nicht glaubwürdig.

Bei Lukas sind beide Teile verklammert: durch die Krippe. Maria legt ihren Sohn in eine Krippe (V. 7) – die Krippe dient den Hirten als Zeichen (V. 12).

Wie bei Wundergeschichten gibt es am Ende einen Chorschluß. Diesmal sind es nicht Menschen, die aus Staunen einen Lobpreis formen, sondern Engel. Sie verbinden die Ehre Gottes im Himmel mit dem Frieden auf Erden; beides ist identisch, nur an verschiedenen Orten verschieden wahrnehmbar. Auf Erden ist die Ehre Gottes der Frieden bei den Menschen seines „Wohlgefallens“.

Predigt zu Lk 2, 14b

Und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. Frieden, wie er hier gemeint ist, - das hebräische Wort heißt „Schalom“ - bedeutet Zufriedenheit, einen Zustand des Ganz- und Heil-Seins des Menschen mit sich selber, mit seinen Mitmenschen, mit der Schöpfung und mit Gott.

Der kleine Weg zum Frieden

Eines Tages beschlossen drei, die sich mehr Gedanken als andere machten, die Welt zu verbessern.

Der erste ging zu den Völkern im Osten und Westen, sprach auf Versammlungen und großen Plätzen über Frieden und Verständigung. Und siehe da: Die Völker im Osten spendeten Beifall, und die Völker im Westen spendeten Beifall - die einen so laut wie die anderen. Doch eine Woche später kam ein Fremder zu den Völkern im Osten und Westen und sprach auf Versammlungen und großen Plätzen von Bedrohung und von Pflichten gegenüber dem Vaterland. Und siehe da: Die Völker im Osten spendeten Beifall und die Völker im Westen spendeten Beifall - die einen so laut wie die anderen.

Der zweite sammelte Geld. In allen großen und kleinen Städten sammelte er wochenlang, monatelang, jahrelang - bis er einen Riesenbetrag zusammen hatte, den er zu verschenken gedachte. Und er teilte auf: Ein Viertel für die Kirche; ein Viertel für ein Land, das Hunger litt; ein Viertel für die kranke Frau, die er im Treppenhaus getroffen hatte; ein Viertel für Menschen, die Bäume, Wiesen und Tiere zu schützen versuchten. Die Kirche freute sich über das Geld und bekehrte damit Ungläubige. Das Land, das Hunger litt, freute sich über das Geld, besonders sein Präsident, und ganz besonders dessen Frau. Die kranke Frau aus dem Treppenhaus freute sich auch über das Geld und konnte endlich die teuere Behandlung bezahlen. Leider war es schon zu spät. Und die Menschen, die Bäume, Wiesen und Tiere zu schützen versuchten, freuten sich ebenfalls über das Geld. Sie konnten damit Millionen von Papieren bedrucken und verteilen, in denen sie alle Bürger des Landes aufforderten. Bäume, Wiesen und Tiere zu schützen. „Recht haben sie, diese Leute“, meinte jemand, verwöhnte seinen Dackel und mähte den Rasen.

Der dritte ging in den nahen Park und setzte sich dort auf eine Bank. „He, du?“ sagte ein kleiner Mensch von fünf Jahren und kletterte neben ihn. „Guten Tag“, sagte der dritte. „Das ist meine Bank!“ sagte der kleine Mensch. „Hmm“, sagte der dritte und kramte verlegen in seinen Hosentaschen. Zwei vergammelte Bonbons kamen zum Vorschein. „Kannst ja eins haben.“ „Joooh.“ Der dritte und der kleine Mensch betrachteten angestrengt ihre Schuhe. Der kleine Mensch malte mit seinen Zehen Kreise in die Luft: „Kannst auch ein Stück von meiner Bank haben.“ Schweigend saßen sie dann lange Zeiten nebeneinander und lutschten leise an ihren Bonbons herum.

Es reicht sicherlich nicht für den Frieden zu beten, für den Frieden zu spenden, wir müssen selber ganz konkret mit diesen Frieden bei uns anfangen, indem wir nicht ständig auf unser Recht beharren auf das, was uns aber doch zusteht und unseres ist. Frieden setzt immer zuerst den Blick auf den Anderen und dann auch gegebenenfalls ein Stück Verzicht voraus. Frieden braucht Gerechtigkeit und ein Ausgleich der Güter.

Frieden, das ist eben nicht die Abwesenheit von Krieg und die Abwesenheit von Auseinandersetzung. Frieden, das ist mehr, Frieden heißt auch Gerechtigkeit, heißt doch auch Ausgleich zwischen Arm und Reich zwischen denen, die Haben und denen, die darben. Frieden braucht zu allererst meinen inneren Frieden.

Frieden das heißt doch: sich gemeinsam auf den Weg machen und dem der gestolpert ist unter den Arm greifen und ihm weiterhelfen.

Frieden heißt doch im letzten Ganz sein, eine Einheit sein mit sich selber untereinander mit meiner Um – und meiner Mitwelt.

Und genau das feiern wir in dieser Nacht, dass das Wort Fleisch geworden ist und unter uns Wohnung nehmen möchte, nicht belehrend, sondern einladend, denn genau dazu ist Gott Mensch geworden, diese Liebe zu leben und zu teilen. Weihnachten ist das Fest der Liebe und des Friedens, weil Gott Mensch geworden ist, weil er wie wir als Mensch gelebt hat, und dann allen Schmerz und Leid ertragen und getragen hat. So gehören das Weihnachtsfest und das Osterfest zusammen, das eine geht nicht ohne das andere, die Erlösung passiert nicht von oben herab, sondern ist den Weg zu uns zu einem jedem von uns gegangen. Und wir sind in diese Erlösung hinein eingeladen, wir sind in den Frieden Gottes eingeladen.

Natürlich sind wir Menschen von diesem Zustand noch weit entfernt. Aber wir können uns auf den Weg machen immer wieder neu, wir können und müssen unseren Beitrag leisten, dass Friede auf der Welt anfangen kann. Wissen wir doch, dass der Frieden in seiner Ganzheit sicher nicht von uns hergestellt werden kann, sondern letztlich ein Geschenk Gottes ist. Den Anfang macht Gott, indem er uns Jesus Christus als „Brot, das vom Himmel herabkommt“, anbietet.

„Ich träume davon, dass eines Tages der Krieg ein Ende nehmen wird, dass die Männer ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen, dass kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und nicht mehr kriegen lernen wird.

Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages das Lamm und der Löwe sich miteinander niederlegen werden und ein jeglicher unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen wird ohne Scheu. Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages alle Täler erhöht und alle Berge und Hügel erniedrigt werden, und dass die Herrlichkeit des Herrn offenbart werden und alles Fleisch miteinander es sehen wird.

Ich träume noch immer davon, dass wir mit diesem Glauben imstande sein werden, den Rat der Hoffnungslosigkeit zu vertagen und neues Licht in die Dunkelkammern des Pessimismus zu bringen. Mit diesem Glauben wird es uns gelingen, den Tag schneller herbeizuführen, an dem Frieden auf Erden ist. Es wird ein ruhmvoller Tag sein, die Morgensterne werden miteinander singen und alle Kinder Gottes vor Freude jauchzen.“ (Martin Luther King)

Die Türklinke

Ein Maler hatte ein "Haus des Friedens" gemalt. Groß und stabil, fest wie eine Arche. Die Farben freundlich und harmonisch. Eine friedliche Stimmung lag in dem Bild. Ein kleiner Junge betrachtete das Bild ganz aufmerksam. Plötzlich fragte er: "Vater, auf diesem Bild fehlt etwas. Es fehlt die Klinke an der Haustür. Wie soll denn da Friede ins Haus kommen?" Der Vater, nicht wenig erstaunt, antwortete: "Die Türklinke hat der Maler bestimmt nicht vergessen, er hat sie einfach weggelassen. Der Friede kann nur ins Haus kommen, wenn wir ihm von innen die Tür öffnen und ihn bei uns wohnen lassen."

Ganz besonders möchte ich auf die Tradition der Pfadfinder hinweisen, die am 3. Advent das Friedenslicht aus Bethlehem in ganz Europa verteilen: www.friedenslicht.de

Irischer Segen zum Frieden
Ich wünsche dir den Frieden der Meeresdünung,
den Frieden einer sanften Brise,
den Frieden der schweigsamen Erde,
den Frieden der klaren Sternennacht.
Ich wünsche dir den Frieden Jesu Christi,
der unser Friede ist für alle Zeit.

Bruno Nebel, Altenkirchen

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