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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

23. Dez. 07. - 4. Adventssonntag

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Jes 52, 7-10 Jes 7, 10-14 Röm 1, 1-7 Mt 1, 18-24

Die Autorin betrachtet alle vier Predigttexte. Gemeinsames Merkmal ist, dass sie Zukunftsansagen sind. Stichworte: durchhalten, nicht aufgeben, Ziel (Nachhaltigkeit) praxisnah definieren, Fairer Handel (Jes 52); Immanuel wird in den Krieg hineingeboren, Positives sehen, darauf aufbauen (Jes 7); Visitenkarte eines Christen – wer ist er, woran erkennt man ihn? (Röm 1); Konsum, Lebnensplanung: Gott hilft bei Entscheidungen (Mt 1)

Predigtsituation – Kirchenjahreszeit

Advent ist die Zeit der Ankündigungen.

Menschen hören Zukunftsansagen und warten darauf, dass sie sich erfüllen. Alle vier Texte des 4. Advents sind solche Ankündigungen. Sie erreichen die Menschen in Zeiten der Hoffnungslosigkeit und zeigen ihnen neue aktuelle Perspektiven.

Jes 7: Ankündigung der Geburt des Immanuel

Jes 52: Freude über die bevorstehende Erlösung des Volkes Israel aus der babylonischen Gefangenschaft

Mt 1: Ankündigung der Geburt Jesu

Röm 1: Ankündigung des Evangeliums durch Paulus

Der Name Immanuel („Gott mit uns“) kann Programm des 4. Advents sein. Gott ist mit seinen Menschen auch und gerade in der dunkelsten Zeit. Die Wartezeit bis zu einer Veränderung der bestehenden Verhältnisse kann zwar lange werden, aber sie führt letztendlich zum Ziel, das Gott bestimmt hat.

Langfristiges Denken und Handeln im Bewusstsein des dahinter liegenden Handelns Gottes lässt sich durch die Texte des 4. Advent motivieren. Nachhaltigkeit ist hier nicht auf spezielle Bereiche oder Themen bezogen, sondern sieht die Gesamtheit von Schöpfung, Erlösung und Vollendung.

Ev. Predigttext: Jesaja 52, 7-10

Exegetische Hinweise

Deuterojesaja spricht nicht nur in die Gegenwartssituation des Volkes Israel in der babylonischen Gefangenschaft (ca. 550-540 v. Chr.; Spätzeit des Exils). Er lehnt sich an die sog. Thronbesteigungspsalmen (Ps 47; 93; 96-99) an und entfacht ein wahres Freudenfeuerwerk über die Rückkehr Gottes nach Zion. Er sieht gewissermaßen eine neue Ladeprozession, bei deren Einzug in das Jerusalemer Heiligtum Gott als König akklamiert wird (vgl. Ps 24).

Zentrales Thema: Freude über Gottes bevorstehende Offenbarung

Assoziationen

- Das Volk Israel braucht einen langen Atem, um mitten in der Katastrophe an Gott festzuhalten. Ein langer Atem will trainiert sein - wie bei einem Abnoe-Taucher (Tieftaucher, der ohne extra Sauerstoffzufuhr weit über 100 m tief tauchen kann.) Dafür braucht es eine Menge Ehrgeiz.

- Gott gibt offensichtlich nicht auf mit seiner Welt. Daraus folgt: Wir sollen auch nicht aufgeben, sondern in Gott unser Heil sehen und uns daran freuen. Der Text ist eine euphorische Anstiftung zur Freude an Gott.

Bezug zu Nachhaltigkeit

Wenn ich durchhalten soll, dann brauche ich ein klares Ziel vor Augen. Deuterojesaja malt eine solch wunderbare Vision, dass ich daraus immer wieder neue Kraft schöpfen soll.

Dies zeigt, wie Nachhaltigkeit umgesetzt werden kann: Das Ziel muss klar beschrieben sein und eine so deutliche Vision ergeben, dass die Menschen wie von alleine darauf zusteuern und ihr Handeln entsprechend danach ausrichten wollen.

Beispiel: Fairer Handel

Im Supermarkt motivieren mich gewöhnlich der Preis und die Qualität, nach einem bestimmten Produkt zu greifen. Mich motiviert selten die Frage nach der Befindlichkeit des Produzenten.

Ich brauche ein genaues Bild davon, wie ein Kaffeebauer in Peru oder Äthiopien lebt, je nachdem für welchen Kaffee ich mich hier in Deutschland entscheide.

„Pedro steht morgens gerne auf. Seine Frau und seine drei Kinder haben Kleidung, Essen und einen Platz zum Wohnen. Das Geld reicht auch noch für Medikamente und Schulhefte. Pedro arbeitet auf einer Kaffeeplantage, die zu einer „Transfair“ Organisation gehört. Er ist unendlich dankbar, dass er für die harte Arbeit, die er tut, einen fairen Lohn bekommt. Er freut sich über jeden, der in Deutschland seinen Kaffee kauft.“

Oder: „Pedro hatte mal vier Kinder. Mittlerweile ist eines gestorben und die zwei halbwüchsigen Mädchen sind kurz davor, in die Prostitution abzurutschen. Das jüngste Kind hat kaum genug Nahrung zum Wachsen, und in den Augen von Pedros Frau steht das pure Leid. Pedro ist noch jung und kräftig, aber auch mit 16 Stunden Arbeit bleibt nicht genug zum Leben. Pedro versteht nicht, wieso Menschen in einem reichen Land wie Deutschland ihren Kaffee zu Spottpreisen kaufen müssen.“

Hier geht es nicht um Mitleid, sondern um die Verantwortung jedes Einzelnen. Und das Argument, dass man ja doch nichts bewirken kann, zieht nicht mehr. Denn an der Einführung von „Transfair“ bei einer Ladenkette wie Lidl z.B. sieht man, dass das Kaufverhalten durchaus von Bedeutung ist. Lidl will sein schlechtes Image aufbessern und hat erkannt, dass „Transfair“ bei den Käufern gut ankommt.

Wenn ich vor meinem inneren Auge sehe, wie es Menschen durch mein Kaufverhalten gut geht, dann zahle ich mit Freuden den Preis, der dafür nötig ist. Deuterojesaja motiviert die Israeliten zum Durchhalten und Weitermachen - und uns auch.

Zentrale Frage: Was kann ich zur Freude an Gottes Welt beitragen?

Kath. 1. Lesung: Jesaja 7, 10-14

Exegetische Hinweise

Jesaja ist der erste Schriftprophet im Südreich. Er wendet sich zwar auch gegen das Nordreich (Drohworte vor 722 v. Chr.), aber in der Regel spricht er zu „Jerusalem und Juda“.

Jesaja hat Zugang zum König und zu höheren Beamtenkreisen und kennt die politischen, sozialen und kultischen Verhältnisse in Jerusalem. In einer Zeit, als Syrien und das Nordreich den Jerusalemer König Ahas zu einer antiassyrischen Koalition zwingen wollen, mahnt Jesaja zur Furchtlosigkeit, Ruhe und Einsicht. Doch als Jesaja Ahas nicht zum Glauben an Jahwe bringen kann, schlägt sein Reden um in eine unbedingte Gerichtsankündigung gegen König und Volk. Die Immanuelweissagung ist eine Zeitansage für die bevorstehende Zerstörung des Landes.

Zentrales Thema: Die Rettung kommt, aber die Zerstörung kommt zuerst.

Assoziationen

- Menschen machen Gott müde. Immer wieder reden sie Unsinn und machen ihre Geschenke kaputt. Gott hätte allen Grund, die Welt einfach sein zu lassen. Sollen sie sich doch die Köpfe einschlagen.

- So viel negative Energie. Das Positive wird kaum gesehen.

- Immanuel mitten in den Krieg hinein geboren: Das ist keine einfache Verheißung. Da ist wenig Motivation, dieser Verheißung zu vertrauen. Aber der Name ist Programm: Immanuel = „Gott mit uns“. Mitten in der Verzweiflung - Gott mit uns. Mitten in der Dunkelheit - Gott mit uns. Mitten in der Angst - Gott mit uns.

- Menschen verhindern positive Energien. Gott lässt sich aber letztendlich nicht verhindern.

Bezug zu Nachhaltigkeit

Es gibt vieles, das mich als Menschen schon müde macht - und Gott erst recht.

Müdigkeitsbeispiele:

- Vorschriften und Formulare (Versuchen Sie mal, mit einem Hartz VI Empfänger dessen Formulare auszufüllen.)

- Menschen, die sich hinter Gesetze zurückziehen

- Dumpingpreise in der Wirtschaft

- volle Schaufenster und Kinderarmut

- viele Reden und Forderungen

- wenig Rosen

Die Ankündigung des Immanuel zeigt, dass Gott sich nicht müde machen lässt. Ein Blickwechsel, ein Perspektivwechsel ist nötig, um von den müden Gegebenheiten zu den hoffnungsvollen Bildern zu finden. „Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart.“

Zentrale Frage: Wie kann die Lebensenergie - der Segen Gott - in der Welt spürbar werden?

Kath 2. Lesung: Römer 1, 1-7

Exegetische Hinweise

Das Evangelium ist vermutlich nicht durch einen bestimmten Apostel, sondern auf den Bahnen des Weltverkehrs frühzeitig durch Vermittlung der großen jüdischen Diaspora Roms in die Hauptstadt des Reiches gekommen. Das Christentum in Rom hat also schon ein Stück Geschichte hinter sich, als Paulus seinen Brief im Frühjahr 55 oder 56 n. Chr. von Korinth aus an die Gemeinde schreibt.

Im ersten Abschnitt legt er seine Legitimation dar. Er gibt der Gemeinde in Rom gewissermaßen seine Visitenkarte. Das Fundament seines Lebens und Wirkens wird genannt mit der Auferstehung Jesu Christi als Zentrum. Und Paulus beschreibt seine Aufgaben als Apostel.

Zentrales Thema: Ich bin berufen, weil Christus auferstanden ist.

Assoziationen

- Stichwort Visitenkarte:

Was auf der Visitenkarte eines Christen stehen könnte:

Name:

Ivonne Heinrich

von Gott beim Namen gerufen

Firma:

EKHN

Gemeinschaft der Glaubenden an die Auferstehung Jesu Christi
oder: Evangelisch aus gutem Grund
oder: Arbeiterin in Gottes Weinberg

Straße:

Wilhelmstraße

dort, wo Gottes Geist mich einen Weg führt.

Ort:

Westerburg

dort, wo das Evangelium verkündet werden soll.

Tel:

02663-968228

in der Hoffnung, dass Gottes Geist mich erreicht

Mit einer Visitenkarte kündige ich meine Person und mein Tun an. Was hätte ich konkret anzukündigen? Wie weit reichen meine Ziele?

- Paulus wünscht den Lesern Gottes Gnade und Frieden. Ein Text von Carl Friedrich von Weizsäcker dazu:

„Die tiefste Erfahrung von sich selbst, zu der der Mensch in seiner Natur und in der Gesellschaft vordringt, lautet nicht Freiheit, sondern Ohnmacht. Die tiefste Erfahrung vom Gelingen menschlichen Lebens ist nicht eine Erfahrung von eigener Macht, sondern von Gnade. die tiefste Erfahrung des Menschen ist nicht der Mensch, sondern Gott.“ (in: Spuren des Lebens, Hrsg: Wolfhart Koeppen u.a., Neukirchen-Vluyn 1994)

Bezug zu Nachhaltigkeit

Eine Zielbeschreibung für das eigene Leben kann manchmal heilsam sein. Wenn ich benennen kann, worin ich Lebensgrund und Halt finde, wo mein Platz in dieser Welt ist, welche Talente ich habe und worin ich meine Aufgaben und Handlungsspielräume sehe, dann lebe ich in einem neuen Bewusstsein - von Gott getragen. Dann messe ich meine Taten an dieser Lebenszielbeschreibung, und an meinen Taten wird man mich erkennen.

Zentrale Frage: Wer bin ich und wer könnte ich sein?

Evangelium (kath.): Matthäus 1, 18-24

Exegetische Hinweise

Im ersten Kapitel des Matthäus-Evangeliums wird die Gesamtintention des Schreibers deutlich: Es geht um den Nachweis, dass Jesus der von Gott seit jeher verheißene Messias ist, der sein Volk von ihren Sünden erretten wird.

Zentrales Thema: Gott wird seinen Sohn schicken - als Rettung.

Assoziationen

- Josef steht vor einer schweren Entscheidung. Erst mit Gottes Hilfe - durch den Engel - erkennt er, was zu tun ist. Diese Entscheidung ist schwer und unbequem. In einer Umbruchszeit kann ich kurzfristige und langfristige Entscheidungen treffen. Oftmals ist der unbequeme Weg langfristig der richtige.

- Was ich auch tue, Gottes Engel steht mir zur Seite.

- Gott spricht: „Fürchte dich nicht.“ (vor der ungewissen Zukunft)

Relevanz zur Nachhaltigkeit

Kurzfristige schnelle Entscheidungen z. B. im Kaufverhalten können dazu führen, dass ich langfristig meine eigene Nahrungsgrundlage ruiniere. Wenn ich Milch kaufe, die so billig ist, dass die kleineren Bauern langfristig ihre Betriebe nicht halten können, dann fördere ich eine Ausbeutung von Arbeitskraft und muss mich nicht wundern, wenn es irgendwann nur noch H-Milch von einem Hersteller gibt - dafür aber hunderte zusätzliche Arbeitslose.

Solche Beispiele lassen sich für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens anführen. Und meistens sind die unbequemeren Entscheidungen die richtigen.

Zentrale Frage: Wie finde ich mit Gottes Hilfe die richtigen Entscheidungen?

Verantwortung übernehmen als Christ bzw. Christin in dieser Welt heißt, vor Gott für die Welt zu handeln – ohne sich von der Welt abhängig zu machen. Der 4. Advent kündigt an, dass Gott uns mit seinem ganzen Sein bei unseren Lebensentscheidungen beistehen wird.

Ivonne Heinrich, Westerburg

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