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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

2. Dez. 07. - 1. Adventssonntag

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Hebr 10, (19-22)23-25 Jes 2, 1-5 Röm 13, 11-14a Mt 24, 37-44 od.
Mt 24, 29-44

Der Autor betrachtet die Bibelstelle zur ersten Lesung (kath. Leseordnung). Stichworte: De-Eskalation statt Waffen und Gewalt, den Weg zum Zion beschreiten statt Spannungen austragen, Schwerter umschmieden (Jes 2)

Stellung im Kirchenjahr

Der Text steht am Beginn der Adventszeit und enthält eines der großen Verheißungsworte im Alten Testament. Durch diese Stellung im Kirchenjahr steht diese göttliche Verheißung mit der anderen großen Verheißung, der Geburt des Menschensohnes an Weihnachten, in einem zeitlichen Zusammenhang, der jedoch nicht vorschnell inhaltlich interpretiert werden darf.

Exegetische Hinweise

Jesajas Wirken fällt in eine politisch bewegte Zeit, in der die assyrischen Könige versuchen, die beiden Königreiche Juda und (Nord-)Israel zu erobern. Eine Vernichtung der staatlichen Existenz Israels droht. Die prägende Frage angesichts solch einer Situation ist: Wie soll sich Israel gegenüber der äußeren Bedrohung verhalten? Bündnisse mit anderen Staaten schließen, um sich besser militärisch verteidigen zu können? Oder mit den Assyrern ein Bündnis schlissen, wie es der judäische König Ahas plante? Jesaja wendet sich gegen diese politisch-militärischen Überlegungen. Er setzt dagegen die beiden starken Bilder von der Völkerwallfahrt zum Zion und dem Umschmieden der Schwerter zu Pflugscharen. Das Bild der Völkerwallfahrt wird von manchen Autoren auch als nachexilisch betrachtet, da es von einem Heilsuniversalismus und einem eschatologischen Duktus geprägt ist.

Zielpunkt beider Bilder ist die Forderung nach dem Vertrauen in Jahwes Weisung und Verheißung. Sie sind das Rüstzeug für das Volk Israel, um die anstehenden Herausforderung zu bestehen. Zion steht für den Offenbarungsort der Herrlichkeit Jahwes. Die Völker ziehen demnach zum Zion, um dort die Wege Jahwes zu erfahren. Jahwe tut allen Völkern kund, wie sie ihr zwischenmenschliches und zwischenstaatliches Miteinander gestalten sollen.

Das Bild von den umgeschmiedeten Schwertern ist weiterhin ein besonders deutliche Stelle für die veränderte Erfahrung Gottes im Volk Israel. Der Gott der Vorväterreligion war ein kriegerischer Gott. Der im Buch Jesaja geoffenbarte Gott setzt sich weiterhin kämpferisch insbesondere für die Rechte der Schwachen und Rechtlosen ein, aber nicht mit gewaltsamen Mitteln. Sein Wille ist es vielmehr, dass sein Volk nicht auf Rüstung und Waffenbündnisse vertraut, sondern auf seine Weisung. Jesaja steht hier in der Tradition einer prophetischen Polemik gegen falsches Vertrauen auf militärische Macht und Bündnisse. Die Völker anerkennen die Verbindlichkeit des göttlichen Wortes, wenn sie die Waffen zerbrechen, umschmieden und auf Krieg verzichten. Dieser universale Frieden wird freilich erst für die eschatologische Zukunft angekündigt und gleichzeitig im Prophetenwort als Zielvorstellung für das politische Handeln des Volkes Gottes in der Gegenwart eingefordert.

Bezug zur Nachhaltigkeit:

Die scheinbare Sicherheit militärischer Macht steht seit einigen Jahren wieder hoch im Kurs. Friede kann angeblich nur durch Militär und Krieg hergestellt werden, so lautet die Botschaft der Kriege im Irak, Afghanistan und zwischen Israel und den Palästinensern. Gewalt muss demnach sofort mit Gewalt beantwortet werden. Ein kritischer Blick auf diese Konflikte zeigt aber immer deutlicher, dass Gewalt keine Lösung bringt, sondern die Gewalt zwischen den Konfliktparteien immer mehr steigert.

Diese Tendenz zur Eskalation bei Gewalteinsatz benannten die deutschen Bischöfe bereits deutlich in ihrem Wort zur Friedensfrage von 2000. Aber nicht nur die Gewalt zwischen den Kontrahenten nimmt zu, auch die innergesellschaftliche Gewalt nimmt immer schlimmere Formen an und zerstört allmählich jede Ordnung menschlichen Zusammenlebens. Die Palästinensergebiete und der Irak bilden dafür ein schreckliches Anschauungsbeispiel: Die genannten Gesellschaften versinken in immer mehr Gewalt. Jesajas Worte – über 2500 Jahre alt und in eine konkrete Situation damals prophetisch gesprochen, klagen auch heute an und verheißen dem Umkehrenden eine bessere Zukunft: nicht Untergang und Niederlage steht bevor, sondern die Völkerwallfahrt zum Zion ist uns verheißen. Als Zeichen für diesen Glauben sollen wir auch heute die Waffen einschmelzen und nützliche Dinge daraus produzieren. Auf Gottes Frieden zu vertrauen, so wie er ihn uns gibt, ist die Weisung Gottes auch für die Menschen im 21. Jahrhundert. Auf falsche Sicherheiten vertraut dagegen derjenige, der auf Waffen und Militärbündnisse seine Sicherheit setzt.

Und das gilt nicht nur für die zwischenstaatlichen Kriege, sondern auch für die zwischenmenschlichen Kriege und Konflikte. Abrüstung ist in beiden Fällen angesagt, um aus der Eskalationsspirale heraus zu kommen. Beispiele von Friedensarbeit in den letzten Jahren geben da gute Beispiele, wie solche Entfeindungsprozesse durch Vermittlung von Mediatoren aussehen können und gute Erfolge zeigen. Im Kleinen kann man da z.B. die StreitschlichterInnen in vielen Schulen nennen, wo ältere MitschülerInnen zwischen Streitenden vermitteln. Für den Bereich der militärischen Konflikte ist das erfolgreiche Engagement der geistlichen Gemeinschaft San’t Egidio beispielhaft, die durch ihre beharrliche Vermittlung den Frieden in Mozambique möglich machte.

Thomas Kupczik, Trier

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