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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Nov. 07 - Christkönigssonntag / Ewigkeits- o. Totensonntag

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

(Ew.:) Mk 13, 31-35
(To.:) Mt 22, 23-33

2 Sam 5, 1-3

Kol 1, 12-20

Lk 23, 35-43

Die Autorin geht auf den Totensonntagstext der ev. Reihe V und den Text zur 2. kath. Lesung ein. Stichworte: Diskriminierung und Abwertung von Mitgeschöpfen, weltlich-kulturell reduzierte Wertmaßstäbe, Tierschutz, Schöpfungsgemeinschaft, Gottes Verheißung für alle Geschöpfe (Mt 22), Gott in der Welt finden, Welt gestalten, Biobutter aus Koster Andechs (Kol 1)

 

 

 

Predigttext zum Totensonntag: Mt 22, 23-33

 

 

 

Gedanken zum Text:

 

Der Text – ein Streitgespräch – stammt aus der Markustradition und wurde von Matthäus und Lukas übernommen. Die Sadduzäer wollen den pharisäischen Auferstehungsglauben Jesu lächerlich machen. Das Beispiel von der nacheinander mit sieben Brüdern verheirateten Frau soll die Absurdität der Situation illustrieren. Denn ein Weiter- und Zusammenleben nach den mosaischen Gesetzen wäre in dieser Konstellation unmöglich.

 

 

 

Jesus bringt folgende Gegenargumente:

 

  1. Die Auferstandenen werden weder heiraten noch in irgendwelchen anderen irdischen, diesseitigen Strukturen leben. Sie werden im Himmel sein „wie die Engel“ – das heißt: völlig anders, völlig unvergleichlich. Als nicht dem Tod verfallene Wesen werden sie nicht in den Strukturen unserer endlichen Welt, unserer Gesellschaft und unserer begrenzten Vorstellungskraft leben.
  2. Gott, der ein Gott der Lebenden ist, hat sich schon Mose als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs offenbart. Gott, der die Stammväter Israels nicht dem Tod überließ, wird auch ihre Nachkommen nicht der Vernichtung anheim fallen lassen.

 

 

 

 

 

Folgerungen für die Predigt:

 

 

 

Der Himmel ist „anders“:

 

Einerseits ist jedem klar, dass es naiv wäre, uns ein Jenseits, ein Leben nach dem Tod einfach als ein Weiterleben wie bisher vorzustellen, andererseits erliegen Menschen immer wieder der Versuchung, den Himmel mit ihren Welt- und Wertvorstellungen zu füllen. Christen lächeln über naive muslimische Bilder vom Paradies, in dem gottesfürchtige Männer von hübschen Jungfrauen umsorgt werden. Wir sehen sie – zu Recht – als unzulässige Übertragung männlicher Wünsche in einer patriarchalischen Gesellschaft auf das Reich Gottes und kritisieren die Diskriminierung der Frauen.

 

 

 

Ich finde, wir sollten uns dringend Gedanken darüber machen, wo WIR abwerten, wen wir vom Himmel ausschließen wollen, wem wir Seele und Seligkeit absprechen, nur weil dies unseren Traditionen und Vorstellungen entspricht. Wo sind auch christliche Menschen oft unfähig oder nicht bereit, gedankliche Grenzüberschreitungen zu wagen und das völlige Anders-Sein des Himmels ernst zu nehmen? – Dies geschieht m. E. im Verhältnis zu nicht-menschlichen Lebewesen. Dem Menschen die Seele und das Himmelreich – dem Tier und der Pflanze Kompostierung, Verzehr und Tierkörperverwertung. Dem Menschen die Auferstehung der Toten – dem übrigen Leben völlige Vernichtung.

 

 

 

Aus der ethischen Sonderstellung des Menschen hat menschliches Wunschdenken eine biologistische gemacht. Gott hat dem Menschen eine besondere Verantwortung für das Leben als Ganzes gegeben. Menschen klinken sich jedoch aus der Gemeinschaft der Geschöpfe aus, halten sich selbst für die „ganz Anderen“ in der Schöpfung.

 

 

 

Menschen grenzen beispielsweise Tiere aus, indem sie – mit religiösen oder wissenschaftlichen Argumenten – alles abwerten, was sie uns – den Unvergleichlichen – vergleichbar machen könnte: Es besteht z.B. eine seltsame Einigkeit zwischen Naturwissenschaftlern einerseits und Theologen und Philosophen andererseits, dass Tiere unzulässig vermenschlicht werden, wenn man ihnen ein echtes Gefühlsleben mit Trauer und Glück, Wut und Leiden zugesteht. Wer dies tut, wird schnell als sentimental belächelt. Dies ging schon Albert Schweitzer so. Auf diese Weise entledigt man sich unliebsamer, unangenehmer Denkansätze, die ja Konsequenzen haben könnten für unser konkretes irdisches Leben. In Wirklichkeit liegt hier meiner Meinung nach ein (völlig unwissenschaftliches) emotionales Problem vor: Die Angst vor der Vorstellung, Gott könne das Huhn in der Legebatterie, das litauische Pferd auf dem langen Weg in einen italienischen Schlachthof, den nach Bayern eingewanderten und zum Abschuss frei gegebenen Braunbären ebenso sympathisch und wertvoll finden wie mich, den unvergleichlichen, einmaligen Menschen.

 

 

 

Im Himmel werden sie nicht heiraten, weil all dies unsere Vorstellungskraft übersteigt. Warum wagen wir nicht, diesen gewaltigen Gedanken bis zum Ende zu denken? Unsere Einteilung in Wertvolles und Wertloses, zu Liebendes und zu Verbrauchendes, Nötiges und Unnötiges, Schönes und Hässliches, Beseeltes und Unbeseeltes – sie gelten dort nicht mehr. Wenn wir schon jetzt zum Reich Gottes gehören, sollten sie auch schon jetzt für uns keine Rolle mehr spielen. Dies muss sich in unserem konkreten Umgang mit der Kreatur spiegeln. Deshalb darf uns auch das Leiden der Hühner und Puten nicht egal sein. Oft wird argumentiert, es würden so viele Menschen leiden und sterben. Das sei viel schlimmer. Dem ist zu entgegnen: Leid kann man nicht gegeneinander abwägen. Keinem Kind in Afrika hilft es, wenn wir unsere Hühner schlecht behandeln.

 

 

Die Verheißung gilt

 

Jesus entgegnet den Sadduzäern, dass Gott ein einmal gegebenes Versprechen nicht bricht, dass er zu seiner Verheißung steht. Mose kann sich darauf berufen, dass Gottes Zusage an Abraham, Isaak und Jakob auch weiterhin gilt. Auch Israel kann sich auf die alten Zusagen verlassen. Wir Christen vertrauen darauf, dass Gott auch zu seinem Bund steht, den er mit uns in Jesus Christus geschlossen hat. Vergessen wir nicht: Gott steht auch zu seinem Wort, das er der ganzen Schöpfung gegeben hat. Auch seinen Segen für die gesamte Schöpfung nimmt er nicht zurück.

 

 

 

Quellen:

 

Das leider zur Zeit vergriffene Buch „Da Tiere eine Seele haben... Stimmen aus zwei Jahrtausenden“, herausgegeben von Gotthard M. Teutsch, erschienen im Kreuz Verlag 1987, ist eine gelungene Sammlung von Texten zu diesem Thema, die so kurz und prägnant sind, dass sie in einer Predigt gut Verwendung finden können. Es sind dies z.B.:

 

 

 

- Jeremy Bentham, Befreiung der Tiere, deutsch nach Peter Singer, Befreiung der Tiere, Hirthammer Verlag, München 1982

 

 

 

- Jesus und das Lasttier, aus den Apokryphen, zitiert nach „Schöpfung am Kreuz“, hrg. Von Heidemarie Baier u.a., Jugenddienst Verlag, Wuppertal, 1985, S. 27

 

 

 

- Albert Schweitzer, Das Tier in der Ethik, aus: Aus meiner Kindheit und Jugendzeit“, Gesammelte Werke Band 2, Verlag C.H. Beck, München, Seite 362 f.

 

 

 

- Martin Luther, Klageschrift der Vögel, Luthers Werke, Weimarer Ausgabe Band 38, S. 292

 

 

 

- Peter Rosegger, Über die Unsterblichkeit aller Geschöpfe, aus: Mein Himmelreich, l. Staackmann Verlag, Dietramszell, S. 65

 

 

 

 

 

Texte des katholischen Lesejahrs C

 

 

 

Anmerkung der Autorin: Den 1. kath. Lesungstext (David wird zum König gesalbt) könnte man m.E. nur mit "Verbiegungen" auf Nachhaltigkeit „trimmen“. Das möchte ich nicht tun. Gleiches gilt für die katholische Evangelienlesung (Kreuzigung). Der 2. kath. Lesungstext eignet sich wunderbar.

 

 

 

Gedanken zur katholischen 2. Lesung (Kolosser 1, 12-20)

 

Meine Überlegungen gehen davon aus, dass der gesamte Abschnitt bis einschließlich Vers 23 gelesen wird. Er eignet sich übrigens nicht nur für den letzten Sonntag im Kirchenjahr im kalten November sondern auch wunderbar für einen Gottesdienst im Grünen – am besten einen Gottesdienst mit vielen Liedern. Denn der Text ist ebenfalls ein Lied - ein Lied aus der Anfangszeit des Christentums.

 

 

 

Als einleitender Impuls eignet sich Hermann van Veens „Geschichte von Gott“. (In der kleinen Geschichte wird die Kirche als ein Ort beschrieben, der so wenig einladend ist, dass auch Gott lieber nach draußen in die Sonne geht. Sie ist halbdunkel, nasskalt und riecht modrig.)

 

 

 

Ich habe bei einem Ausflug mit einem Presbyterium zwei Kirchen besucht. Die waren nicht modrig und dunkel. Dennoch verspürte ich ziemlich schnell den Drang, es zu machen, wie Gott in der Geschichte. Warum? Weil die Fenster zwar künstlerisch ansprechend gestaltet waren, aber den Blick nach draußen verstellten. Man konnte sie weder öffnen noch hindurch sehen. Es gab keine Verbindung von diesen menschengemachten Häusern Gottes zu Gottes Haus der Schöpfung. – Am selben Tag besuchten wir das Römermuseum in Schwarzenacker (Saarland). Auf den Fundamenten einer römischen Siedlung wird dort der Alltag, das Leben der Einwohner dieser Siedlung, lebendig veranschaulicht. Zwei Kinder aus unserer Gruppe hörte ich sagen „Das ist aber viel interessanter als die Kirchen!“ – Warum? Weil hier erfolgreich eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen wurde. Wir waren mittendrin in der Geschichte, ein Teil von ihr, mittendrin in der Welt. Kinder wollen die Welt entdecken, die Welt Gottes finden. Unsere Kinder zeigen uns den Weg: Gott finden wir IN der Welt. – Luther fand Erfüllung und Seelenfrieden nicht im Kloster. Zwingli, Calvin, Bucer – sie alle fanden Gott IN der Welt. – Von den vielen Ordensgemeinschaften, die es in der katholischen Kirche gibt, ist mir der Benediktinerorden am liebsten. Ora et labora – bete und arbeite – ihr gutes Lebensmotto. Benediktiner gestalten – aus dem Kloster heraus – verantwortlich Welt. So ist Kloster Andechs der größte organisch-biologisch wirtschaftende landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland – und dies erfolgreich. Biobutter aus Andechs gibt’s auch bei Real.

 

 

 

Der Kolosserbrief sagt etwas Ungeheuerliches: Weicht nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das gepredigt ist aller Kreatur. Kein Vergraben in frommen Zirkeln, keine Beschränkung auf die Menschheit – die gute Botschaft Christi, sie gilt ALLEN – und wir sind seine Zeugen. Die gute Nachricht gilt ALLEN – und wir sind ihre Botschafter. In Christus umarmt Gott quasi die ganze Schöpfung – davon ist der Dichter überzeugt. Und dies singt er einfach hinaus. Er fragt nicht: Glaubst du auch richtig? Betest du auch richtig? Liegt hier eine gültige Weihe vor? – Hier ist ALLES geweiht, hier ist alles heilig; denn alles ist von Gott geschaffen. Das muss reichen. Ich habe schon einige Gottesdienste für Menschen mit Tieren gehalten. Die da kommen sind keine Revoluzzer und Spontis, es sind viele verwitwete alte Frauen mit kleinen Hunden, die sie vor Einsamkeit bewahren, Kinder mit Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen, Familien mit Kindern und großen Hunden, ein Brieftaubenzüchter war schon dabei und zwei ältere Damen aus dem Tierschutzverein mit zahmen Frettchen. Für diese Menschen sind ihre Tiere wichtig, sind Gefährten, Freunde, Familienmitglieder. Für sie ist es wichtig, dass ihre Gefährten auch Gott wichtig sind. In Christus umarmt Gott Himmel und Erde, den Kosmos, seine Schöpfung mit allem, was darin ist.

 

 

 

Quelle:

 

Hermann van Veen, "Geschichte von Gott", erschienen u.a. auf CD-ROM (ders.) "Inzwischen alles Gute", Polydor

 

Heike Krebs, Bellheim

 

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