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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18. Nov. 07 - 33. Sonntag im Jahreskreis / vorl. Sonntag des Kirchenj.

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Jer 8, 4-7

Mal 3, 19-20b

2 Thess 3, 7-12

Lk 21, 5-19

Die Autorin betrachtet als Schwerpunkt den kath. Evangeliumstext, geht aber auch kurz auf den ersten Lesungstext und den Predigttext der ev. Reihe ein. Stichworte: Schein und Sein, Bündnisse von Macht und Lüge durchschauen, eine klare Sprache sprechen (Lk 21), Arroganz der Macht, Unrecht ist gottfernes Verhalten (Mal 3), Götzendienste / Opfer – soziale Ungerechtigkeiten, menschlich verordnet – durchschauen, Verdrehung der göttlichen Ordnung (Jer 8)

 

 

 

Lk 21, 5-19

 

Dieser Text ist ein Auszug aus der einzigen längeren Rede, die Jesus in Jerusalem hält. Es ist ein eschatologischer Text, der stark von apokalyptischen Bildern geprägt ist: Die geschilderten Schrecknisse, die Zeichen am Himmel, die Verfolgungen.

 

 

 

Einordnung des Textes:

 

Lukas schließt diese Rede Jesu an eine gerade stattgefundenen Begebenheit an: Jesus hat beobachtet, wie eine erkennbar verarmte Witwe zwei Lepta in den Opferkasten des Tempels eingeworfen hat. Das löst in ihm Protest aus, denn für ihn wird an dieser Witwe deutlich, wie weit die Ideologisierung des Volkes durch die Tempelbürokratie gediehen ist.

 

 

 

Vor seiner Zerstörung galt der Tempel als die Perle im vorderen Orient, weiß strahlend mit Marmor verkleidet, weithin sichtbar in der gleißenden Sonne, ein beeindruckendes Bauwerk.

 

 

 

Aber Jesus lässt sich von diesem Bauwerk nicht blenden: Er weiß, dass es nur Fassade ist, hinter der sich Korruption und die Ausbeutung des Volkes verbergen. Denn der Tempel zurzeit Jesu war zu einem Handelszentrum verkommen, weil die Opfergaben nur hier gekauft werden durften und zwar zu den von den Tempelbeamten festgelegten Preisen. Außerdem durfte die Tempelsteuer, die jeder Jude abliefern musste, nur in syrischen Silberschekeln bezahlt werden, die zwar das Bild des Götzen Melkart trugen, allerdings einen besonders hohen Silbergehalt aufwiesen. Sie mussten aber erst eingetauscht werden, wobei der Kurswert wieder von der Tempelbehörde festgelegt wurde, was hohe Einkommen versprach. Gleichzeitig war der Tempel der größte öffentliche Arbeitgeber: Tausende von Leviten und Priestern versahen dort ihren Dienst, es gab eine riesige Tempelbürokratie. Der Tempel war außerdem die Staatsbank – die reiche Oberschicht hatte dort ihre Goldreserven deponiert. Um sich eine Vorstellung von der Größenordnung des Tempelvermögens machen zu können: Als die Römer nach der Eroberung der Stadt und der Zerstörung des Tempels das Tempelgold in Umlauf brachten, sank der Goldpreis um die Hälfte wegen des Überangebots!

 

 

 

Im Tempel waren also politische, wirtschaftliche und religiöse Macht auf das Engste miteinander verknüpft. Die Oberschicht, die mit der römischen Besatzungsmacht kooperierte, hatte die Opferideologie des Tempels so fest im Volk verankert, dass selbst arme Leute ihr letztes Geld gaben, um den Tempel und seine Priesterkaste zu erhalten. Das alles schwingt mit wenn Jesus, ausgelöst durch einige Tempelbewunderer, seine zornige eschatologische Rede hält.

 

 

 

Die dahinter stehende lukanische Gemeindeerfahrung: Der Tempel ist bereits zerstört, die Judenheit in ihrer Existenz und Identität bedroht. Es geht in der Gemeinde um die Erfahrung von Ausgrenzung und Verfolgung. Dabei geht es auch um die Erfahrung, dass man auf Verblendung hereinfallen könnte, die einen dazu verführt, sich von der Gemeinde loszusagen und eine bequemere und gesichertere Existenz vorzuziehen. Trotz der Beschreibung von Verfolgung und Not, hinter der die konkrete Erfahrung von Bedrohung und Verrat stehen, versucht der Text, Zuversicht zuzusprechen. Apokalyptische Sprache ist aufdeckende Sprache, die vor allem auf politische und wirtschaftliche Zusammenhänge verweisen will. Damit ist sie aber auch gleichzeitig Hoffnungssprache, denn sie beschreibt nicht nur die Not, sondern eröffnet die Perspektive für das Kommen eines Endes der Not.

 

 

 

Bezug zu Nachhaltigkeit:

 

  • Unterscheidung zwischen Wesen und Schein einer Sache, eines Produktes, einer politischen Entscheidung

     

  • Verblendungszusammenhänge und Ideologisierungen durchschauen
  • aufdeckende und klare Sprache gebrauchen, wo es um Unrecht und Betrug geht
  • das unheilvolle Bündnis von Macht und Lüge entlarven
  • die Zuversicht weitergeben, dass Handeln in Gerechtigkeit der richtige Weg ist

 

 

 

 

 

 

 

Mal 3, 19-20b:

 

Im Textzusammenhang steht die Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Unrecht im Mittelpunkt, was gleichzeitig eine Unterscheidung zwischen gottdienlichem und gottfernem Verhalten bedeutet. Weil Menschen sich nur schwer gegen Unrecht wehren können, vor allem, wenn es sich mit Macht verbindet, sollten sie aus der Hoffnung leben, dass Gott sein Urteil spricht.

 

 

 

Der apokalyptische Charakter des Textes verweist auf seine Herkunft aus der nachexilischen Unterschicht, die die Folgen der Arroganz der Macht zu spüren bekam und ihr wehrlos ausgeliefert war. Die offizielle Prophetie entpuppte sich immer stärker als mit der Macht verbündet und von ihr abhängig – so entwickelte sich in Unterschichtskreisen mit einer entstehenden apokalyptischen Sprache die Möglichkeit des Durchblicks, des Widerspruchs und des Protests.

 

 

 

 

 

Jer 8, 4-7:

 

Dieser Text steht im Zusammenhang mit der prophetischen Anklage des Götzendienstes, dem Israel verfallen ist. Es ist aus heutiger Sicht nicht mehr zu entscheiden, ob die Verehrung des Baal tatsächlich das Feueropfer von Söhnen und Töchtern verlangte oder ob es sich um prophetische Polemik handelt. (Interessant in diesem Zusammenhang: Der Gott Israels verlangt solche Menschenopfer gerade nicht: Abrahams Gehorsam Gott gegenüber besteht darin, das Sohnesopfer als Götzendienst zu durchschauen und seinen Sohn dadurch Gott zu geben, dass er ihn am leben lässt! Abraham kann nach diesem Tabubruch nicht wieder in seinen Kulturkreis zurück und lässt sich in Beerscheba nieder. Gen 22) Sicher ist nur – und das ist sehr aktuell gesprochen – dass die Verehrung eines Götzen, die im Interesse von Großgrundbesitzern aufrechterhalten wird, Opfer fordert. Sei es das Opfer der Hungerlöhne unterbezahlter Landarbeiter, sei es das Opfer verarmter Kleinbauern, sei es das Opfer von Mädchen, die in die Sklaverei gezwungen werden. Dieses ungerechte Wirtschaftsgebaren wird mit der Verehrung des Baal religiös verklärt und damit unhinterfragbar gemacht.

 

 

 

Die Kritik des Propheten richtet sich gegen die Unfähigkeit des Volkes, diese Ideologisierung zu durchschauen. Dabei benutzt er in Vers 7 ein Bild aus der Natur: Unwissende Tiere leben nach dem ihnen innewohnenden Schöpfungsplan, nach der Ordnung Gottes – aber die Menschen, die die Gerechtigkeitsordnung verinnerlicht haben müssten, weil ihnen die Erkenntnis ermöglich wurde, haben diese Ordnung vergessen und verraten.

 

 

 

Die anschließenden Verse greifen dann einen Grundgedanken auf, der in den katholischen Lesungen im Vordergrund steht: Die Lüge, das Umbiegen der Weisung Gottes in Unordnung und Unrecht und den Ruf danach, das endlich zu durchschauen.

 

Jutta Lehnert, Bendorf

 

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