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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Nov. 07 - 32. Sonntag im Jahreskreis / drittletzt. So. des Kirchenj.

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Lk 18, 1-8

2 Makk 7, 1-2.7a.9-14

2 Thess 2, 16 - 3, 5

Lk 20, 27-38

Der Verfasser betrachtet den Text der ev. Reihe. Stichworte: (nachhaltig) Glauben an die eigene Sache, Recht schaffen / rechtschaffen, zum Recht verhelfen, die Herstellung, Wiederherstellung von Recht und Gerechtigkeit; Konsumverhalten

 

 

 

1. Kirchenjahres– und Jahresbezug

 

Der drittletzte Sonntag im Kirchenjahr ( 32. So. im Jk. ) hat mit den nachfolgenden Sonntagen, „Volkstrauertag“ und Ewigkeits-, bzw. Totensonntag, schon deutlich das Ende des Kirchenjahres im Blick. Auch in den Gemeinden ist die innere und äußere Stimmung des Monats November und seiner Mitte (So., 11.11.) schon mitbeeinflusst von trüben Tagen, dunklen, traurigen Gedanken und Gedenken (09.11. – Reichspogromnacht) und vom Totengedenken. Dies greifen, wenn auch in noch anderen Zusammenhängen, die Lesung auf aus 2. Makkabäer 7, bewusstes Glaubensmartyrium und Auferweckungsverheißung, und das Evangelium Lukas 20, 27–38, Frage der Sadduzäer nach der Auferstehung („Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen, denn ihm leben sie alle.“, V. 38). Dabei hat das Datum des 11.11., auf das 2007 der drittletzte Sonntag fällt, ja auch noch zwei weitere Komponenten: zumindest im Rheinland, im Saarland, aber auch in anderen Regionen beginnt um 11 Uhr 11 die so genannte fünfte Jahreszeit, Fasching, mit ersten einstimmenden Elferrats- und Narrensitzungen und Veranstaltungen. Und schließlich belegt der St. Martinstag mit Martinsumzügen, vielfach von katholischen und evangelischen Kindertageseinrichtungen in den Gemeinden organisiert, die Tagesordnung. In dieses vielschichtige, auch von den Emotionen und Stimmungen her weit gespannte Umfeld sollen die Texte zur Sprache und zu Gehör kommen.

 

 

 

Ich konzentriere mich im Folgenden allein auf das Evangelium Lukas 18, 1-8.

 

 

 

 

 

2. Exegetische Hinweise zu Lukasevangelium 18, 1 – 8

 

2.1. Der Text mit dem bekannten Gleichnis von der bittenden Witwe, dem gottlosen Richter, der ihr endlich doch noch Recht schafft, - lukanisches Sondergut – lässt sich schnell und leicht gliedern: Verse 2–5 bilden die Parabel, die Verse 6, 7 und 8a geben Deutungen Raum, die Einleitung Vers 1 gibt eine Vorwegdeutung der Parabel mit einer Akzentverschiebung hin zum nicht Nachlassen im Gebet, Vers 8b stellt wiederum einen neuen Zusammenhang her zur Wiederkunft des Menschensohns und der Frage, ob er Glauben finden wird.

 

 

 

2.2. Die Vorwegdeutung der Parabel in Vers 1 mit dem Imperativ: „Ihr sollt allezeit beten und nicht nachlassen“ gibt dem Gleichnis die Deutung: anhaltendes, nicht nachlassendes, nicht aufgebendes Beten / Bitten (wie die Witwe es praktiziert) führt schließlich zum Erfolg, zur Erhörung. In der Parabel selbst geht es dann aber nur vordergründig um die Erhörung, um den Erfolg des penetranten, lästig werdenden Bittens, Betens, das damit ans Ziel kommt. Vielmehr rückt in der Parabel das Recht Schaffen, zum Recht Verhelfen, die Herstellung, Wiederherstellung von Recht und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Genau darauf zielt dann auch die Deutung der Parabel in den Versen 6 und 7 ab, wobei nun der Zeitfaktor des Recht Schaffens zusätzlich Bedeutung gewinnt, mit Vers 8a noch verstärkt wird und in 8b mit dem Kommen des Menschensohns verknüpft wird. Eine letzte Wendung nimmt die Perikope mit der Fragestellung nach dem Finden des Glaubens in Vers 8b, mit dem eine Verbindung von Beten (Bitten), Recht Schaffen, Kommen des Menschensohns und Glauben hergestellt wird.

 

 

 

2.3. Die unmittelbaren Kontexte zu Lukas 8, 1–8 nehmen Themenstichworte der Perikope auf: Fragen nach dem Kommen des Reiches Gottes und angemessenes Verhalten dazu in Kapitel 17, Verse 20–37, und rechtes Beten, Bitten, Selbstrechtfertigung und Rechtfertigung, Pharisäer und Zöllner, im Anschluss Lukas 8, 9–14.

 

 

 

2.4. Zu den exegetischen Hinweisen gehört der Hinweis auf die ursprüngliche Gemeindesituation, in die hinein Lukas schreibt: Die Gemeinden stehen in Anfechtung, fühlen sich verloren, Erfahrungen der Gottesferne, möglicherweise von Martyrium, bringen die Frage nach der Schaffung des Rechts für die Glaubenden, nach der (endzeitlichen) Gerechtigkeit hervor; von der ausbleibenden Parusie völlig verunsichert, fragen sie, wann mit Gottes Eingreifen zur Schaffung des Rechts zu rechnen sei, und ob unter den Umständen, unter denen die Glaubenden leiden, Beten, Bitten noch Sinn macht, ob Beten noch Erhörung findet, und Erhörung bedeutet in diesem Zusammenhang : Gott schafft den Gemeinden, den Glaubenden, den Auserwählten Recht, ihre glaubende Existenz wird gewürdigt und ist nicht umsonst.

 

 

 

2.5. Reiner Stuhlmann in den Göttinger Predigtmeditationen[1] folgend lassen sich in der Perikope vier Themenfelder ausmachen. Dazu kommt die Parabel, die herausgelöst aus dem jetzigen Kontext ein Gleichnis von der Gottesherrschaft, vom Reich Gottes, vom Kommen der Gerechtigkeit sein könnte: „Wie eine Welt voller Ungerechtigkeit auch einmal Recht hervorbringt.“ - „ Wie einer vor lauter Unrecht einmal Recht schafft.“ [2] „Die Hörerschaft Jesu wird sich vor Vergnügen auf die Schenkel geklopft haben, weil der ungerechte Richter vor lauter Ungerechtigkeit Recht spricht, weil das Recht das Unrecht überlistet hat.“[3]

 

 

 

Die vier Themenfelder: [4]

 

  1. „Warum die Gerechtigkeit auf sich warten lässt“ (V. 6 und 7)

    Zwei Gründe: Wenn schon der sich auch selbst als Gott und die Menschen nicht fürchtende, d. h. gottlose und rücksichtslose Richter schließlich der unaufhörlich bittenden, fordernden Witwe (und nicht, weil sie ihm mit „Gewalt“ droht, V. 5 – Übersetzung statt „und mir ins Gesicht schlage“, doch eher: „damit sie nicht ewig quengeln komme“ [5]) Recht schafft, wie viel mehr wird Gott als der himmlische, endzeitliche Richter seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, Recht schaffen.

    Die Makrothymia (V. 7) Gottes ist nicht nur Langmut, langer Atem, sondern Gott „gewährt zusammen mit der Verheißung Zeit“. [6] „Er lässt sich Zeit, und damit lässt er den Verheißungsempfängern Zeit“.[7]
  2.  „Wann die verheißene Gerechtigkeit kommt“ (V. 8a)

    Entsprechend der wohl besonders bedrückenden Gemeindesituation (s. o.) wird die Frage nach dem Recht Schaffen durch Gott jetzt zu einer Zeitfrage: Wann wird Gott Recht schaffen? – „trotzig und apologetisch“ [8] und dennoch völlig unbestimmt lautet die Antwort des Lukas aus dem Munde Jesu: „In Kürze.“ Erzählung, Deuter und Autor (Jesus, der Christus, der Herr) werden so verknüpft, dass der Autor der Garant dieses „in Kürze“ wird, und das heißt zugleich: Erfüllung der verheißenen Gerechtigkeit geschieht auch und schon jetzt immer wieder, wenn auch nicht abschließend und vollkommen.
  3. „Wie der kommenden Gerechtigkeit heute schon zu entsprechen ist“ (V. 8b)

    Der nachhängende Vers 8b wird zum Schlüssel: pistis, der Glaube ist die angemessene Entsprechung der auf jeden Fall (und in Kürze) kommenden Gerechtigkeit, der Glaube, der Anteil hat in Teilgabe und Teilhabe an Gottes Macht und Ohnmacht [9], „an der Kampfgeschichte Gottes“, „die noch nicht zu Ende ist, solange Gott noch nicht alles in allem ist, der aber ganz gewiß der Sieg gehört.“ [10] Und dieser Glaube ist nicht nur Beten, er ist Beten und Tun, und beides, Beten und Tun, sind Teilnahme an der Kampfgeschichte Gottes gegen die Ungerechtigkeiten.[11]
  4. „Im Gebet die Verheißungen Gottes einklagen“, einfordern (V. 1)

    Von der Parabel und vom Ende der Perikope her bekommt die Aufforderung von Vers 1 einen anderen Sinn. Es geht beim Beten / Bitten nicht vordergründig, vorrangig um eine den Bitten entsprechende Gebetserhörung, sondern „die Frage nach der Erhörung der persönlichen Gebete wird eingebunden in die Frage nach Gottes universalem und eschatologischem Heil angesichts nicht nur privater, sondern umfassender Unheilserfahrungen“.[12] Das Problem unerhörter Gebete wird in Gottes Langmut, Zeit Lassen aufgehoben, dem das Tun und Beten des Menschen als Mitwirken an der Kampfgeschichte Gottes entspricht. So ist das Beten, Bitten nicht sinnlos oder „ohne Erfolg“, sondern gehört konstitutiv in diese Kampfgeschichte Gottes mit hinein.

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Assoziationen zur „ Nachhaltigkeit“ für die Predigt dieses Textes

 

 

 

3.1. „nachhaltig“

 

In der genannten Perikope ist Nachhaltigkeit im zunächst wörtlichen Sinn das Thema: Zum nachhaltigen, nicht nachlassenden Beten wird von Jesus aufgefordert und dazu – zum nicht Nachlassen – erzählt er ein Gleichnis (V.1). Nachhaltig etwas tun, dauerhaft, mit der immer gleichen Anstrengung, Konzentration, Geduld und Ausdauer durch alle Rückschläge und Enttäuschungen hindurch, das fällt ungemein schwer. Das nachhaltige Tun bedarf, siehe die Witwe in der Parabel, eines langen, langen Atems, ausdauernden Mutes, Courage und des Glaubens an die (eigene) Sache. Dabei ist nachhaltig nicht zu verwechseln mit einem schon gewohnheitsmäßigen Trott oder wiederkehrenden Ritual, das regelmäßig, dauerhaft und das heißt auch nicht nachlassend vollzogen wird. Beten, auch das Beten im kirchlich-gottesdienstlichen Raum steht immer in dieser Gefahr. Bewusst nachhaltiges Tun zeigt seine Wirkung selbst dann, wenn keine „Erfüllung“, „Erhörung“, ein Gelingen, ein Erfolg sich einstellen. Aus meinen Erfahrungen in einer mehrjährigen Bürgerinitiative gegen eine Müllverbrennungsanlage („Thermische Abfallverwertungsanlage“) ist mir noch in guter Erinnerung, dass zum einen manche Bürgerinnen und Bürger aus Enttäuschung und anderen Gründen sich nach Anfängen nicht nachhaltig engagieren wollten, konnten. Andere wiederum hielten, selbst als nach allen Phasen des Widerstandes bis zu den einschlägigen Gerichtsverfahren die Müllverbrennungsanlage gebaut wurde, ihre Beteiligung und die dabei gemachten tiefgehenden Erfahrungen, auch mit demokratischen Prozessen und Bündnissen über Grenzen hinweg, für eine große Erfüllung.

 

 

 

In den Tagen, in denen dieser Text entsteht (Anfang Mai 2006), sind im Irak zwei deutsche Ingenieure aus Leipzig nach 100 Tagen Geiselhaft frei gekommen. In Leipzig haben sich in diesen drei Monaten Woche für Woche Menschen in der Nicolaikirche zum Gebet für die beiden Geiseln und ihre Familien versammelt. Was wäre, wenn die Geiseln nicht frei gekommen wären, mit den Betenden? Auch ohne „Erhörung“ sind die Betenden im Prozess des nachhaltigen Betens Veränderte, Verwandelte. Nach jetziger Lage der Dinge werden manche Betende die Freilassung der Geiseln auch den nachhaltigen, nicht nachlassenden Gebeten zuschreiben – und das wohl auch mit guten Gründen.

 

 

 

Zugleich werden Beten und Bitten häufig, und das nicht nur im religiösen, bzw. Glaubensbereich, sondern auch im gesellschaftlichen, politischen, sozialen Umfeld (z. B. in dem ganz schlichten: es wird um etwas gebeten, z. B. nicht zu rauchen) als zwecklos, überflüssig und sinnlos erlebt. Selbst die schärfere Variante des Forderns lässt viele Menschen angesichts festgefügter Strukturen, Sachzwänge, mangelnder Einfluss- und Entscheidungs- oder Alternativmöglichkeiten kaum Erfolge erleben. Hier kann der Lukastext zum Mutmachen, zur Nachhaltigkeit, zum langen Atem einladend werden – auch weil eine für den Glauben verlässliche Perspektive geboten wird.

 

 

 

3.2. „Recht schaffen - rechtschaffen, ein Mensch ist rechtschaffen.“

 

Einige rechtschaffene Mitbürgerinnen und Mitbürger kennen wir hoffentlich noch. Aber nicht nur das Wort „rechtschaffen“ ist weitgehend aus der Mode gekommen, es hat still und heimlich auch eine Abwertung erfahren: Wer rechtschaffen (im Saarland wird das Verb „schaffen“ synonym für „arbeiten“ gebraucht, „schaffen gehen“) ist, verhält sich anständig, ordentlich, im Rahmen der Gesetze und Konventionen, zahlt ohne Tricks, kleine Unwahrheiten oder Betrügereien seine Steuern, feiert nicht grundlos krank, sorgt für die Familie und größere Gemeinschaften, tritt zurückhaltend und bescheiden auf, was aber nicht zugleich heißt, dass dieser Mensch auch daran interessiert ist, anderen Recht zu schaffen, zu ihrem Recht zu verhelfen. In einer Gesellschaft aber, in der Menschen mit allen Wassern gewaschen sein müssen, jeden Vorteil nutzend, ja ihn schaffend, um vorwärts, nach oben, bzw. zu etwas zu kommen, in der dies geradezu zum Lebensprinzip geworden ist, da ist der Rechtschaffene nicht nur der Einfältige, der Dumme, sondern geradezu der offen Belächelte, Verspottete, ja der Störende.

 

 

 

Mit Lukas 18, 1–8, könnten die Rechtschaffenen aufgewertet, ermutigt werden, ohne dass das in Selbstgerechtigkeit oder eigene Rechtfertigung mündet, aber mit dem Wort „recht-schaffen“ in vielen Varianten zu „spielen“, ist gerade an diesem Text reizvoll.

 

 

 

3.3. „Recht schaffen im Lande“

 

Unrecht, Ungerechtigkeit, gravierende Störungen der sozialen Symmetrie werden von Vielen in unserer Gesellschaft zunehmend und fast täglich erfahren: Zum einen im sozialpolitischen Bereich als immer weiter auseinander gehende Schere zwischen Reichen und Armen. Reiche werden immer mehr und reicher, Arme werden immer zahlreicher, Armut wächst überproportional. Den gesetzgebenden, Recht setzenden, Recht schaffenden Organen gelingt der soziale Ausgleich nicht mehr, bzw. er ist scheinbar nicht gewollt. Wer schafft dem Armen, den Armen Recht? Und zwar für ihn, sie und nicht gegen ihn, sie. Die unsoziale Hartz IV-Gesetzgebung, die nur dann annähernd gerechtfertigt wäre, wenn ausreichend Arbeitsplätze den Arbeitssuchenden auch angeboten werden könnten, die unsoziale Verpflichtung zu 1,- ¤-Jobs mit unzureichenden, mangelhaften Fördermaßnahmen, das Gefälle der Bildungschancen in Parallele zum sozialen und Einkommensstatus, die seit Jahren vernachlässigte Integration von Migrantinnen und Migranten sowie ausländischen Mitbürgern in wechselseitigem Respekt und tolerierender Anerkennung, die bis heute nicht erfolgte Altfallregelung für langjährig geduldete, ansässige Flüchtlinge, ein Zuwanderungshinderungsgesetz, der Ausschluss großer und größer werdender Bevölkerungsanteile von der sozialen, kulturellen und auch konsumierenden Teilhabe an den Möglichkeiten und Erträgen dieser Gesellschaft, die Herausbildung von Parallelgesellschaften und von Gettos - politisch gewollt? -, unwürdige Pflegebedingungen in der Langzeit- und Altenpflege auf Grund der „Kostenfaktoren“, all dies lässt bei Vielen den Ruf laut werden: Wer schafft Recht? – Wer schafft mir Recht zu einem menschenwürdigen, chancenreichen, auskömmlichen, eigenverantwortbaren, von der Gemeinschaft getragenen und ihr wiederum dienenden Leben?

 

 

 

Lukas 8, 1–8 bietet die Möglichkeit, die Gemeinde wie jeden einzelnen Menschen in die Kampfgeschichte Gottes (Teilgabe und Teilhabe an seiner Macht und Ohnmacht[13]) gegen die Ungerechtigkeit und gegen ungerechte Strukturen einzubeziehen und zum Mitkämpfen zu ermutigen, denn gerade weil es die Kampfgeschichte Gottes ist, sind wir als Mitkämpfende vom abschließenden „Erfolg“, der von Gott kommen wird und immer schon kommt, entlastet. Viele kleine und größere Initiativen und Projekte – auch nachhaltige, nicht nachlassende – gerade aus dem kirchlichen Bereich, aus Caritas und Diakonie, aber auch weit darüber hinaus machen Mut, langfristig und nachhaltig auch bei verschärften Rückschlägen und gegen verständliche Resignation Menschen ihr Recht zu schaffen und die gesetzgebenden Organe, d. h. auch die Abgeordneten persönlich, an ihre Rechtsetzung zu erinnern und zu gemahnen.

 

 

 

3.4. „Recht schaffen – weltweit“

 

Im weltweiten Horizont werden neben den positiven Auswirkungen der Globalisierung immer stärker und häufiger auch der Missbrauch und die negativen Auswirkungen, die auch Folge mangelnder Kontrolle sind, von vielen Menschen, gerade in den Ländern des Südens und in der Oekumene wahrgenommen. Recht schaffen würde hier bedeuten: Die Globalisierung gestalten im Dienst des Lebens.[14]

 

 

 

In diesem Sinne ist es nicht gleichgültig und erst recht nicht umsonst, nachhaltig daran zu arbeiten („schaffen“), wie ich, wie wir als Gemeinde uns als Konsumenten verhalten, welche Produkte, Waren, Lebensmittel, Kleidung wir wo kaufen, wohin wir wie reisen, bei wem wir Geld anlegen, wem wir damit nützen, wem wir schaden, wo wir mit welchen Interessen und zu wessen Gunsten unser gesamtes Konsumverhalten, einschließlich des Energiesektors, gestalten. Dabei geht es erneut auch um die Frage: Welches Recht schafft der Gesetzgeber, bzw. welches Recht wollen wir vom Gesetzgeber geschaffen sehen? Denn es kann doch auf Dauer – auch für das Rechtsbewusstsein und –empfinden – nicht dabei bleiben, dass der kleine Ladendiebstahl strafrechtlich sanktoniert wird, während der Firmenzukauf eines Konkurrenten mit anschließender Entlassung tausender Beschäftigter strafrechtlich irrelevant und für die Kapitalanleger zudem noch gewinnträchtig bleibt. Wer schafft hier im wahrsten Sinn des Wortes Recht? D. h. wer traut es sich zu, in diesem und anderen Bereichen eine Gesetzgebung und d. h. Rechtssetzung im Dienst des Lebens, für die Armen, die Besitzlosen, die Marginalisierten, für Schöpfung und Mitwelt auf den Weg zu bringen? Welche rechtschaffene, Recht schaffende, zum Recht verhelfende Gruppe, Institution, Gemeinde, Kirche, Parlament wagt sich daran – nachhaltig, nicht nachlassend, bittend, betend, glaubend?

 

 

 

3.5. „Ermutigung der Gemeinde“

 

Gegen alle Resignation, gegen die Erfahrungen und Gefühle von Vergeblichkeit, Misserfolgen, Scheitern, auf verlorenem Posten Stehen werden mit Lukas 18, 1-8 keine Durchhalteparolen, aber auch keine falschen Versprechungen angeboten. Der Wunsch und die Sehnsucht nach Recht und Gerechtigkeit in Vollkommenheit werden ernst genommen. Nachhaltigkeit mit der Aussicht auf Erfolg wird lebbar, in der Parabel nach-erlebbar. Weil Gott Recht schafft, zum Recht verhilft, Gerechtigkeit schafft, jetzt, in Kürze und in Zukunft vollkommen und uns Menschen daran beteiligt, kann der Glaube der Gemeinde in Bitten, Beten und Tun nachhaltig bleiben und wirksam werden.

 

Georg Martin Diening, Großrosseln

 

[1] R.Stuhlmann, Göttinger Predigtmeditationen, 49. Jg., 1995, S. 415 ff
[2] a.a.O., S. 419
[3] Ebd.
[4] a.a.O., S. 416, 417,418
[5] E.Linnemann, Gleichnisse Jesu, 1966, S. 126
[6] R.Stuhlmann, a.a.O., S.417
[7] a.a.O., S. 417
[8] a.a.O., S. 417
[9] Ebd.
[10] Ebd.
[11] So nach Stuhlmann,a.a.O., S. 418
[12] Ebd.
[13] Vgl. Stuhlmann, a.a.O., S. 418
[14] vgl. Soesterberg – Brief, Ev. Kirche von Westfalen 2004: Globalisierung: Wirtschaft im Dienst des Lebens.

 

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