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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

4. Nov. 07 - 31. Sonntag im Jahreskreis / 22. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Mich 6, 6-8

Weish 11, 22 - 12, 2

2 Thess 1, 11 - 2, 2

Lk 19, 1-10

 

Der Autor geht auf den Predigttext der ev. Reihe V und den Text der kath. 1. Lesung ein. Stichworte: soziale, globale Gerechtigkeit, Unterernährung, Kinderarbeit, Ausbeutung, Heiligkeit als „Gestalten nach Gottes Plan“ (Mich 6); unreflektierter Konsum als Angriff auf die Zukunft des Lebens, Energieverbrauch, mit Gott „Freund des Lebens“ sein (Weish 11)

 

 

 

Mögliche Aussagen über Nachhaltigkeit

 

Im Michatext geht es um das, was Gott vom Menschen erwartet, nicht Opfer, sondern Recht tun. Im Buch der Weisheit wird Gott als „Freund des Lebens“ bezeichnet. Beide Texte sollen weiter bearbeitet werden.

 

 

 

Auslegung zu Micha 6, 6-8

 

Exegese

 

Über den Prophet Micha ist wenig bekannt. Er stammt nach der Überschrift des Buches aus Moreschet, einer kleinen Ackerbürgerstadt im Südwesten von Jerusalem. Manche seiner Worte sind in Jerusalem gesprochen worden. Weil er wohl aus der Reihe der Bauern stammte, kritisierte er den Luxus. Er ging einen ähnlichen Weg wie Amos. Er fühlt sich erfüllt mit dem Geiste Jahves, verstand sich aber nicht der Gruppe der so genannten Berufspropheten zugehörig. Er war eher ein Unheilsprophet, der sich aber zum Heilspropheten entwickelte. Micha wirkte unter den Königen Jotham (756-741) bis Ezechias (725-697).und war Zeitgenosse Isajas. Im Buch erscheint Jahve als Weltenrichter. Die Zerstreuten werden am Tempelberg gesammelt. Er kritisiert die sozialen Missstände.

 

Der Opferkult wurde immer mehr an Jerusalem gebunden. Heidnischer Boden war dafür unrein. Deshalb galten in der Diaspora Beten, Fasten und Almosengeben als Ersatz für den Kult. Die Propheten übten intensive Kultkritik: Die Armen zu unterdrücken und gleichzeitig zu opfern ist Gott nicht wohlgefällig. Dies macht auch Micha immer wieder deutlich. Außerdem geißelt er den Rückfall in heidnische Opferkulte.

 

In den Versen zuvor erinnerte er das Volk an die Heilstaten Gottes. In dem hier vorliegenden Text macht er die Größe Gottes deutlich. Er weiß, dass er gefehlt hat. Können aber immer größere Opfer Gott als Sühne angeboten werden, zum Schluss sogar die Erstgeburt? Nein, Gott hat am Sinai schon längst gesagt, was gut ist. Im Gottesbund ist dies geklärt. Der Kult hat seine Entsprechung in der sittlichen Haltung. Ohne diese ist er wertlos. Jegliche Form von übersteigertem Kult kann das Rechttun nicht ersetzen. Die Gerechtigkeit ist die entscheidende Grundlage des Zusammenlebens im Volke Gottes, diese gilt es zu wahren. Es ist aber nicht eine eiskalte Gerechtigkeit, sondern eine Gerechtigkeit in Güte und Liebe. So wandelt der Mensch mit Gott, wohl wissend in aller Demut, dass der Mensch Mensch und Gott Gott ist.

 

Gerechtigkeit in der Bibel

 

"Gerechtigkeit und Frieden küssen sich" steht im Psalm 85. Die Gerechtigkeit wird zum Begriff für Leben in Fülle. Der König soll im Auftrag Gottes der Garant dafür sein. In Israel darf nicht das Prinzip gelten, dass nur wenige im Luxus leben. Die Ausbeutung der Schwachen ist nicht im Sinne der Gerechtigkeit Gottes.

 

Im Jubeljahr wird so etwas wie eine egalitäre Gesellschaft gefordert: Jeder soll zu seinem ursprünglichen Grundbesitz zurückkehren. Es geht darum, dass die ursprüngliche Verteilung nach dem Auszug aus Ägypten und dem Einzug in das gelobte Land wiederhergestellt wird. Besitzgleichheit ist angezielt.

 

Den Einsatz für die Schwachen mahnen die Propheten an. Gottes Gerechtigkeit soll nicht nur in Israel herrschen, sie gilt für alle Völker. In den späteren Schriften wird Gerechtigkeit zum Kern des künftigen Heilshandelns Gottes. Gerechtigkeit und Frieden sind die Elemente seiner Herrschaft.

 

Jesus greift die Anliegen der Propheten auf und stellt sich an die Seite der Armen. Er verkündet die Botschaft von dem in Jesus angekommenen Reich Gottes. In seinem Reich soll sogar eine größere Gerechtigkeit (Mt 5, 20) herrschen, die letztlich vom Gebot der Liebe getragen ist. Seine Jüngerinnen und Jünger sind aufgerufen, Zeugnis dafür abzulegen, dass das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens schon verborgen da ist. Dazu sind sie erlöst, also befreit. Durch diese Befreiung wird der Mensch frei zur Liebe und damit zum solidarischen Einsatz für eine gerechtere Welt. Der erhöhte Jesus fragt als Gerichtsherr nach dem Einsatz für die, die im Leben auf der Schattenseite gestanden haben (Mt 25, 31-40).

 

Elemente für die Ansprache

 

Am schlimmsten vom Elend in der dritten Welt sind die Kinder betroffen. Sie werden von unterernährten Müttern geboren, sind auch in den ersten Lebensjahren unterernährt und haben so kaum Chancen zur normalen körperlichen und geistigen Entwicklung. Hinzu kommt die Kinderarbeit als moderne Form der Sklaverei. Etwa 20-30% der Kinder zwischen 6-15 Jahren in der Dritten Welt sind erwerbstätig. In Indien sollen 44 Millionen Kinder arbeiten, teilweise in der schlimmsten Form der Ausbeutung, der lebenslangen Schuldknechtschaft. Nur 38% der arbeitenden Kinder werden in Indien entlohnt. In Afrika südlich der Sahara können z. B. nur 48% der Kinder eingeschult werden, davon verlassen 2/3 die Schule vorzeitig ohne solide Kenntnisse und ohne Abschluss. Es gibt so viele Straßenkinder auf der Welt, wie Deutschland Einwohner hat, nämlich 80 Millionen. Unter den arbeitenden Kindern sind die Mädchen noch einmal mehr benachteiligt. Rund vier Millionen Säuglinge sterben jährlich weltweit kurz nach der Geburt. 10,6 Millionen Kinder erleben nicht mal das fünfte Lebensjahr.

 

Auch Deutschland ist inzwischen von Kinderarmut wieder sehr betroffen. Die neuen gesetzlichen Regelungen führen dazu, dass „die Kinderarmut in Deutschland sich weiter manifestiert“, wie die Sprecherin einer karitativen Organisation kürzlich ausführte (März 06).

 

Der Prophet macht deutlich, dass die Opfer nicht genügen; das Rechttun ist gefordert. Eine römische Bischofssynode formulierte 1987 den Zusammenhang von christlicher Spiritualität und Gerechtigkeit wie folgt: Der Heilige Geist lässt uns immer klarer erkennen, dass Heiligkeit heute den Einsatz für Gerechtigkeit und die Solidarität mit den Armen und Unterdrückten erfordert. Die Umgestaltung der Gesellschaft nach dem Plan Gottes gehört zur wahren Heiligkeit der Christgläubigen. Frömmigkeit und Einsatz für Gerechtigkeit sind kein Gegensatz, sondern sie gehören eng zusammen, ja sind eins.

 

 

 

Auslegung zu Buch der Weisheit 11, 22-12, 2

 

Exegese

 

Das Buch der Weisheit ist in griechischer Sprache wohl im 1. Jahrhundert in der jüdisch-hellenistischen Diaspora entstanden. Die Kapitel 1-5 schildern die Rolle der Weisheit für das Leben der Menschen. Bis zu Kapitel 10 wird dann das Wirken der Weisheit Gottes beschrieben. Ab Kapitel 10 wird das Wirken der Weisheit in der Geschichte dargestellt. Die Aussagen des Buches werden Salomo in den Mund gelegt.

 

Der Text spricht die Allmacht Gottes an. Der Mensch ist dagegen winzig. Gott spielt aber seine Allmacht gegenüber dem Menschen nicht aus, denn er liebt seine Geschöpfe. So bekommt sogar der Sünder noch eine Chance, denn er ist „ein Freund des Lebens“.

 

Das Leben

 

Das „Leben“ in der Bibel

 

Leben muss in der Bibel auf dem Hintergrund des Todes gesehen werden. Leben ist eine Gabe Gottes, er hat es gewollt, geschaffen und gesegnet. Durch seinen Odem entsteht das Leben. Das gilt insbesondere für den Menschen. Der Mensch muss zwischen Leben und Tod wählen, er wählt das Leben, wenn er die Wege Gottes geht. Das Leben entzieht sich der Willkür des Menschen, er darf damit nicht machen, was er will. Der Mensch muss aber auch um die Begrenztheit geschaffenen Lebens wissen. Das Neue Testament zeigt auf, wie Gott bei Jesus das Leben durch den Tod hindurch bewahrt.

 

Ein Dokument der Kirchen

 

„Gott ist ein Freund des Lebens“ ist eine gemeinsame Erklärung, die durch die Deutsche Bischofskonferenz und den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland 1991 herausgegeben wurde. Darin steht unter anderem:

 

„Die Erfahrung der Störungen und Entfremdungen des Lebens kann sich in bedrängender Weise zuspitzen. Für die individuelle Existenz ergeben sich daraus Zweifel am Sinn des Lebens, Lebensüberdruss und Entfremdung von Gott. Die massiven Gefährdungen des Lebens in der Gegenwart haben bei vielen Menschen darüber hinaus die Frage wach werden lassen, ob die Bedrohungen des Lebens auf dem Planeten Erde nicht übermächtig werden, ob darum das kreatürliche Leben auf längere Sicht überhaupt noch eine Zukunft hat.

Zahlreiche Störungen des Lebens bleiben unerklärlich und rätselhaft. In anderen Fällen lassen sie sich aber auch als unmittelbare oder als über mehrere Zwischenglieder vermittelte Folgen böser menschlicher Taten erklären und verstehen. Die zerstörerische Macht der Sünde zeigt sich beim Menschen in Lebensverneinung und Gleichgültigkeit, Hass und Feindseligkeit, vermessener Selbstüberschätzung und Egoismus, letztlich in der Orientierung an selbsterdachten und -bestimmten Maßstäben statt an Gott und seinem Wort des Lebens.“

 

Elemente für die Ansprache

 

Der weltweite zu hohe und weiter steigende Verbrauch von fossilen Brennstoffen und der dadurch verursachte Treibhauseffekt ist ein Angriff auf die Zukunft des Lebens auf der Welt.

 

„Gott ist ein Freund des Lebens“, das haben wir in der Lesung gehört. Wir wollen mit ihm wandeln, das heißt, dass auch wir zu Freunden des Lebens werden. Wir setzen uns ein dafür, dass Leben auch in kommenden Generationen möglich ist. Nachhaltigkeit ist ein unverzichtbares Prinzip christlichen Handelns. Wir wissen um die vielfältigen Gefährdungen des Lebens, aber wir wissen Gott in unserem Handeln auf unserer Seite. Die Kirchen sagen. „Bei jeder umweltpolitisch relevanten Entscheidung ist zwischen dem Nutzungsinteresse des Menschen und dem Eigenwert des betroffenen außermenschlichen Lebens abzuwägen; gerade auf die Nötigung zu dieser Abwägung kommt es an.“

 

Uns Menschen ist die Schöpfung anvertraut, wir sind Mitgeschöpfe und tragen Verantwortung für die Schöpfung. Dies betrifft den Einzelnen, die Verbände und Organisationen, die Völker und die ganze Welt. Auch die Kirche hat dies zu realisieren. Nötig ist eine neue Solidarität, die weltweit ist und auch kommende Generationen mit einbezieht. Diese Solidarität kann für die ganze Schöpfung eingefordert werden, denn Solidarität heißt letztlich Verantwortung für das Ganze: In der Ökologie kommt das Ganze der Schöpfung, damit auch das Ganze des Lebens, in den Blick. Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt, dass wir die Schöpfung in unsere Liebe einbeziehen müssen. Aus dieser Liebe heraus erwächst das ständige Bemühen um die je zukunftsfähigere Lösung.

 

Wir Menschen verwalten im Auftrag Gottes die Schöpfung. Wir sind da, um sie im Sinne der Schrift zu bewahren und zu behüten. Uns ist auch das nicht-menschliche Leben anvertraut, um es ungeschmälert für die nächsten Generationen zu erhalten. Gehen wir pfleglich genug mit der uns anvertrauten Energie um? Vermeiden wir nicht notwendige Autofahrten? Sichern wir unser Haus gegen zu starken Energieverlust? Bemühen wir und um den Einsatz von erneuerbaren Energien? Das sind einige Fragen, die wir uns stellen müssen, wenn wir mit Gott „Freunde des Lebens“ sein wollen.

 

Literatur

 

Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

 

Engel, Helmut, Das Buch der Weisheit, Stuttgart 1998

 

Haag, Heribert, Bibellexikon, Zürich³ 1982

 

Neues Testament Deutsch (NTD), CD Göttingen 2001

 

Dr. Ernst Leuninger, Limburg

 

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