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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. Nov. 07 - Allerheiligen

 

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Offb 7, 2-4.9-14

1 Joh 3, 1-3

Mt 5, 1-12a

 

 

Der Autor verfasst nach der exegetischen Betrachtung aller drei Perikopen eine Predigtanregung zu 1 Joh 3: was Heiligkeit ist in Bezug zur Nachhaltigkeit; Heiligkeit als das Licht, das wir sein können und das Anderen Orientierung gibt

 

 

 

Exegetische Betrachtung

 

 

 

Offb 7,2-4.9-14

 

Kapitel 7 ist ein Einschub zwischen dem sechsten (6, 12-17) und siebten (8, 1) Siegel und beantwortet die Fragen, die sich am Ende von Kap. 6 stellten. Zwei verschiedene Gruppen werden den Zorn Gottes überleben:

 

 

 

1.) Die Versiegelung der 144.000: 7, 1-8

 

144.000 aus jedem Stamm Israels (Symbol oder tatsächl. Israel hier?). Wahrscheinlich sind hier die Zeugnisträger der Endzeit aus dem Volk Israel gemeint. So werden sich die Christen der jungen Kirche gefragt haben: Ob Gott tatsächlich aufgeräumt hat mit seinem alttestamentlichen Volk? Geht es jetzt nur noch um Menschen aus den Völkern? Was geschieht mit Israel? Hier finden wir eine Antwort auf diese Frage, Gott zeigt: Ich werde bis zuletzt meine Treuen in diesem Volk haben, ich werde sie ganz genau zählen!

 

 

 

und

 

2.) die unzählbare Schar (V. 9-17).

 

Jesus Christus hat gesiegt. Er hat diese unzählbare Schar vor den Thron hingestellt; das war ja das Ziel: Gott ist mit uns: Eph 1, 4-5. Wir sind gemeint, das ist der Sinn und das Ziel der Schöpfung, dass auch wir als seine Kinder vor ihm stehen! Dieser Einschub ist Gott sehr wichtig. Wir sollen getröstet werden und den Blick auf das Ziel nicht verlieren!

 

 

 

1 Joh 3,1-3

 

Die Perikope ist außerordentlich kurz gehalten. Wenngleich der Eingang sehr markant ist, sehen doch die meisten Ausleger diese Verse als begründende Erklärung der vorausgehenden an.

 

 

 

Diese Verse bleiben zwar im Gesamttenor des Briefes, der paränetisch ist, aber man kann ihnen doch einen gewissen kerygmatischen Eigencharakter zuerkennen; darin sind sie einigen wenigen Stücken des Briefes verwandt: den Eingangsversen (1, 1-4); dem Schluss (5, 18-20) und der Mitte (4, 9-10). Diese Verse können als kürzeste der johanneischen Lehre von der Gotteskindschaft verstanden werden. In dieser Auslegung sind sie Röm 8, 15-17a vergleichbar.

 

 

 

In der Passivform klēthōmen sind nicht Menschen Subjekt, sondern dem hebräischem Sprachgebrauch und der 7. Seligpreisung der Bergpredigt entsprechend: Gott. Er nennt uns seine Kinder, und damit macht er uns dazu. Und darin liegt der Erweis der alle Erwartung übersteigenden Liebe Gottes. Wenn nämlich im nächsten Satz das Stichwort »kennen« oder »erkennen« auftaucht, so geschieht das zwar in negativer Wendung: »Die Welt kennt uns nicht, weil sie ihn nicht kennt«; dahinter liegt aber der johanneische Gedanke, dass wir Gott erkennen, wie er uns erkennt. Dies ist ein Ausdruck der Liebe. Gottes Liebe hat uns so sehr ber dass sie uns nun gehört.

 

 

 

Mt 5,1-12a

 

Die Perikope ist die psalmartige Eröffnung der Bergpredigt. Die Seligpreisungen beginnen neunmal mit „selig (sind)...“ (μακαριος/makarios). Die neunte Seligpreisung nimmt dabei eine Sonderstellung ein, weil sie sich den Jüngern in der 2. Ps. Pl. direkt zuwendet, während die vorigen acht in der 3. Ps. formuliert sind. Es scheint sich in der neunten um eine unmittelbare Anwendung der achten Seligpreisung auf die J Jesu zu handeln (darum: 8+1 Seligpreisungen).

 

 

 

Die erste und die achte Seligpreisung schließen jeweils mit der Verheißung des „Himmelreiches“ (basileia ton ouranon), für das Matthäusevangelium ein zentraler Begriff. Auffallend ist auch, dass nach der 4. und nach der 8. Zeile jeweils die „Gerechtigkeit Gottes“ (dikaiosyne tou theou) genannt wird, ebenfalls ein Schlüsselbegriff des Matthäusevangeliums, wodurch die ersten acht Seligpreisungen wiederum in 4+4 untergliedert werden können. Dies wird auch durch die Beobachtung unterst dass die ersten vier Seligpreisungen als π-Alliteration formuliert sind (Arme: πτωχοι/ptochoi; Trauernde: πενθουντες/penthountes, Sanftmütige: πραεις/praeis; Hungernde: πεινωντες/peinontes).

 

 

 

Es werden die Menschen selig gepriesen, die in der gewöhnlichen Gesellschaft wenig gelten, der Maßstab Gottes ist ein anderer als unserer und er findet hier seine Anwendung.

 

 

 

 

 

Nachhaltigkeit in der Frage nach der Heiligkeit!

 

 

 

Predigt zu 1 Joh 3, 3 („Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.“): Berufen zum heilig sein

 

 

 

Wer möchte heilig sein?

 

„Möchten Sie eine Heilige sein?“ so lautet eine Umfrage.
„Ich habe nicht die Seele einer Heiligen“, antwortete eine Gefragte;
„und wenn ich ehrlich sein soll: ich möchte auch keine Heilige sein;
denn ein Heiliger hört auf, Mensch zu sein.“
Wahrscheinlich denken viele Christen so.
Heilige sind von der Erde abgehoben, unnahbar entrückt.
Da müssen seltsame, wunderbare Dinge geschehen.
Ein Heiliger lebt asketisch und versteht nichts von den Freuden und dem Glück der Menschen.
Ängstlich betrachtet er sein Leben, damit er nicht in Sünde fällt;
den ganzen Tag hindurch denkt er nur an Gott, er betet und meditiert.
Im letzten ist der Heilige in der Vorstellung Vieler ein Mensch, der unendlich viel leisten muss.
Wer so Heilige sieht, sagt bestimmt: So möchte ich nicht sein; ich habe eine andere Vorstellung vom Leben.
Heiligkeit hat aber gerade nichts mit Leistung zu tun, sondern ganz viel mit Gnade.
Heiligkeit ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk.


Heilige sind die Boten der Liebe Gottes.


Jeder Heilige ist ein Lobgesang auf die Kraft Gottes, der auch aus schwachen Menschen Wegzeichen für die Welt machen kann. Die großen Heiligen - seien sie von der Kirche heiliggesprochen oder mitten unter uns im Alltag - sind nicht wegen ihrer Leistungen heilig, sondern wegen ihrer Liebe, ihres Dienstes, ihres Lebens für andere. Es handelt sich um Menschen, die in ihrer Zeit den Anruf Gottes gehört und darauf richtig reagiert haben.

 

Sind die vielen großen Heiligen - Franziskus, Thomas Morus, Johannes XXIII., Therese von Lisieux, Mutter Theresa, u. v. a. m. - nicht wirklich Geschenke Gottes an die Welt? Der Dichter Friedrich Nietzsche sagt: „Die Natur macht keine Spr aber wenn ein echter Heiliger auftaucht, dann macht sie einen Freudensprung.“

 

Das andere Missverständnis ist die Vermutung, ein Heiliger würde kein Mensch mehr sein. Genau umgekehrt ist es richtig: Der Heilige ist der wahre Mensch. Er möchte frei sein von falschen Bindungen, er möchte tanzen und springen, lieben und geliebt werden, glücklich sein und glücklich machen, seine Fähigkeiten und Begabungen, soweit es eben geht, entfalten; er möchte vor allem sinnvoll leben.

In allen diesen Sehnsüchten weiß sich der Heilige von Gott getragen und gehalten; das Vertrauen auf seine Güte ist grenzenlos. Er lebt in Frieden: in Frieden mit sich selber, mit Gott, mit den anderen Menschen und mit der Natur. Diese Lebensweise bringt den Menschen auf die Spur Jesu, der der vollkommene und ganze Mensch war. So konnte das letzte Konzil formulieren: „Wer Jesus Christus, dem wahren Menschen folgt, wird selbst mehr Mensch.“

 

Die vielen ungezählten Heiligen begegnen mir jeden Tag.

 

Am Fest Allerheiligen geht es nicht nur um die von der Kirche Heiliggesprochenen, eben nicht nur um die offiziellen Heiligen, die haben jeder einen eigenen Festtag, heute geht es um all die vielen anderen.

 

Vielleicht kann man es mit einem Licht vergleichen, das Gott angezündet hat, damit wir unseren Weg finden, wenn wir diesem Licht folgen. Ein Licht, das die Nacht heller macht, und da gibt es einige ganz helle Lichter, aber da sind eben auch unzählige kleine Lichter, und oft hoffe ich, dass ich ein solches kleines Licht sein kann, das dem ein- oder anderen den Weg etwas heller machen kann. Aber ich bin nicht das einzige Licht, jedem von uns ist dieses Licht in der Taufe anvertraut worden. Wir sollen Licht sein in dieser Welt. Und auch die Lichtpunkte in unserem Leben, denen wir folgen, sind nicht immer die großen Lichter, die sind oft so hell, dass sie uns blenden, und dann wissen wir nicht, wo wir unseren Fuß hinsetzen können; oft sind es die kleinen Lichter die uns helfen, unseren Weg zu finden, die kleinen Heiligen, die uns in unserem Leben helfen, die uns Helfer zu Gott sein können, und von denen der evangelische Theologe Walter Nigg gesagt hat: „Die Heiligen kommen wieder.“

 

Bei der Umfrage, als die Passanten gefragt wurden: „Sind Sie ein Heiliger?“ lächelte der eine von oben herab, der andere machte sich über diese Frage lustig, wieder ein anderer überhörte sie vornehm. Die meisten meinten, sie seien ganz sicher keine Heilige. Nur ein junges Mädchen antwortete nach einigem Zögern: „Ja, es könnte sein, dass ich eine Heilige bin.“

 

 

 

Passend zu den Texten und zur Predigt:

 

 

 

Was ein Heiliger ist (von Heinrich Engel)

 

Günter ging mit seiner Mutter einkaufen. Auf dem Weg zum Markt kamen sie an einer großen Kirche vorbei. Günter schaute an der Kirche hoch und sagte: „Mutti, guck mal, die großen Fenster sind ja ganz schön schmutzig, die sehen aber gar nicht schön aus.“

 

Die Mutter sagte nichts, sondern nahm Günter an der Hand und ging mit ihm in die Kirche hinein. Hier waren die Fenster, die von außen ganz grau und schmutzig aussahen, plötzlich strahlend bunt und leuchteten in den hellsten Farben. Da staunte Günter, und er schaute sich die Fenster genau an. Vorne über dem Altar war ein auffallend schönes Fenster zu sehen - mit vielen Heiligenfiguren. Und durch eine Figur strahlte gerade die Sonne hindurch, so dass sie besonders hell war. Günter fragte: „Mutti, wer ist das?“ - „Da vorne“, antwortete die Mutter, „das ist ein Heiliger, der heilige Martin“.

 

Das hatte sich Günter gut gemerkt.

 

Ein paar Tage später hatte die Klasse Religionsunterricht. Plötzlich fragte der Lehrer: „Wer von euch kann mir sagen, was ein Heiliger ist?“ Da war großes Schweigen in der Klasse. Nur G zeigte auf und sagte: „Ich wei es; ein Heiliger, das ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint!“

 

 

 

Sehr lesenwert zur Bergpredigt ist das Buch „Haben oder Sein“ von Erich Fromm.

 

Bruno Nebel, Altenkirchen

 

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