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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

28. Okt. 07 - 30. Sonntag im Jahreskreis / 21. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Joh 15, 9-12 (13-17)

Sir 35, 15b-17.20-22a

2 Tim 4, 6-8.16-18

Lk 18, 9-14

Die Autorin betrachtet alle Predigttexte des Sonntags, ergänzt um Gedanken zu weiteren Tagesperikopen der Leseordnung. Stichworte: der ideale, gottebenbildliche Mensch sucht und findet Gott – auch überall in der Schöpfung (Joh 15 u.a.); Gerechtigkeit (überall und nicht nur bei uns), Gott sieht die Tränen und hört das Flehen (Sir 35); Indifferenz, den guten Kampf der Christen kämpfen (2 Tim 4); Zöllner sein, unser alltägliches Eingebundensein in ethische Katastrophen, Bitte um Vergebung (Lk 18)

 

 

 

Kath. Leseordnung

 

Vorbemerkung: Impulse und freie Assoziationen sollen helfen, die Predigttexte zu erschließen - Materialien, den Grundgedanken, die "Richtung" möglicher Verkündigung zu entfalten; über die gewohnte Exegese hinaus.

 

 

 

Evangelium: Lk 18, 9-14

 

Um wieviel einfacher scheint es zu Jesu Zeiten gewesen zu sein, sich einzuordnen unter "gut" oder "böse", unter "Heiliger" oder "Sünder". Man hatte sein Leben auszurichten nach den Geboten und mußte darüber hinaus Gutes tun und mit gesundem Nationalismus und religiösem Reinheitsverständnis sich fernhalten von der heidnischen Besatzungsmacht, um ein Gerechter zu werden wie die Pharisäer. Die Zöllner dagegen waren verstrickt ins Weltlich-Politische, Heidnische, mochten sie auch sonst noch so fromm und gut sein.

 

 

 

Und heute?

 

Selbst wenn das eigene Leben untadelig ist und gelingt, selbst wer sich bemüht, gut zu sein und Gutes zu tun - immer ist Jeder und Jede noch mehr als der Zöllner damals eingebunden in Zusammenhänge, die man als ethische Katastrophen apostrophieren könnte:

 

 

 

Wer Steuern zahlt, ist involviert in den Waffenhandel, als Vorbereitung womöglicher Kriege; er subventioniert die Vernichtung von Lebensmitteln, um Marktpreise zu halten, während immer noch Menschen verhungern; er bezahlt den allseits bekannten Skandal der Tiertransporte, finanziert die "vorbeugende Keulung" hunderttausender Tiere, um Seuchengefahren zu minimieren, deren Ursachen und leichte Verbreitung zu einem Gutteil in der Massentierhaltung begründet sind, die wiederum jeder von uns durch Subventionen und Konsum fördert. Wer Atomstrom ablehnt wegen völlig ungeklärter "Entsorgungs"fragen (sie machen Sorgen!) und möglicher "Rest"risiken (Tschernobyl), der bezahlt über Steuern doch alle Fördermittel mit, die diesem Bereich der Energiewirtschaft gewährt werden (das gleiche gilt für die umstrittenen Bereiche der grünen und roten Gentechnologie).

 

 

 

Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen und auf alle Themen heutiger gesellschaftlicher, ökologischer Probleme anwenden, deren Mitverursacher wir durch unsere Lebensweise auch immer sind.

 

 

 

Es drängt sich der Gedanke auf: wir sind Zöllner, - oft mit dem überheblichen Bewusstsein des Phasisäers, doch meist ohne dessen echte Frömmigkeit.

 

 

 

Wir sind Zöllner, wenn wir dessen demütige Größe uns zu eigen machen und hoffen auf Vergebung, die uns befreit zu neuem Handeln.

 

 

 

Gut oder böse, Sünder sein oder Gerechtfertigter - das ist das uralte Menschheitsthema. Die ganze Bibel ist voll davon. Wer ist der Mensch - der eine oder der andere - oder beides zugleich? Dabei "ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Recht üben und die Güte lieben und demütig wandeln vor deinem Gott." (u.a. Micha 6, 8).

 

 

 

Wenn das so einfach wäre. Die Menschen des Alten Testamentes hatten deshalb Gebote und Satzungen zu Hilfe, und für Christenmenschen wären wenigstens die 10 Gebote und die Bergpredigt Richtschnur und Wegweisung.

 

 

 

Wenn uns aber die Liebe ins Herz gegeben wäre (wir nicht ein Herz aus Stein hätten, wie es im AT oft beklagt wird), wie Paulus es denkt im Korintherbrief, wie Jesus es wollte in seinem Gebot, Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst - das Bösetun wäre ausgeschlossen, denn was man liebt, verletzt man nicht. Auch und schon gar nicht den Schöpfer, indem man seine Schöpfung als ganze oder ihre Teile missachtet oder stört und zerstört.

 

 

 

Was ist zu tun? Pecca fortiter - um Luther zu zitieren? Im Hinblick auf die Schöpfungsverantwortung angesichts heute möglichen Zerstörungspotentials wäre das tödlich. Die Erkenntnis der Verstrickung in sündhafte Zusammenhänge kann nur in die demütige Bitte um Vergebung führen, wenn Gottes Gnade zum verantwortungsvollen, liebevollen Handeln befreien soll.

 

 

 

Material:

 

"Woran erkennen wir wohl," fragte Rabbi Bunam seine Schüler "in diesem Zeitalter ohne Propheten, wann uns eine Sünde vergeben ist?" Die Schüler gaben mancherlei Antwort, aber keine gefiel dem Rabbi. "Wir erkennen es," sagte er, "daran, dass wir die Sünde nicht mehr tun." (Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim)

 

 

 

J. Sirach 35, 15b – 17.20 -22a

 

Es geht um Gerechtigkeit, um arm und reich, um Unterdrückung und Herrschaft in jeglicher Form, auch wenn "nur" Witwen und Waisen und Arme genannt sind. In unserem Lebensbereich ist es geglückt, Armut zu beseitigen, biblische, christliche Nächstenliebe und gerechter Ausgleich sind säkularisiert ausgewandert in den Sozialstaat, der allerdings heute an seine Grenzen stößt.

 

 

 

Weltweit sehen Gerechtigkeit, Armut und Reichtumsverteilung noch immer ganz anders aus. Da leben Menschen auf den Müllhalden, da haben Kinder nichts zu essen, da werden Menschen als Sklaven verkauft und gehalten, und es wird dauern, bis sich Vers 20 erfüllt: Die Nöte der Unterdrückten nehmen ein Ende, das Schreien des Elenden verstummt. (Und wie erst klingen diese Verse im Kontext des Tierschutzes!) Für einen gläubigen Menschen wird daran erinnert, dass keine Träne ungesehen (leider fehlen die in die Lesung nicht miteinbezogenen Verse 18 und 19) und kein Flehen der Armen (21) und Schreien der Elenden (20) ungehört bleiben von Gott.

 

 

 

Material:

 

Rabbi Michal sagte einmal zu seinen Söhnen: "Mein Leben war damit gesegnet, dass ich nie eines Dinges bedurfte, ehe ich es besaß."

 

 

 

Rabbi Mosche Löb sprach:" Wie leicht ist es für einen Mann, sich auf Gott zu verlassen - worauf sonst könnte er sich verlassen? Und wie schwer ist es für einen reichen Mann, sich auf Gott zu verlassen - alle seine Güter rufen ihm zu: Verlass dich auf mich!"

 

(M. Buber, Die Erzählungen der Chassidim)

 

 

 

 

 

2. Tim 4, 6-8.16-18

 

Auch hier kommt, wie in den beiden anderen Texten, das Leben des Menschen vor Gott in den Blick. Das nahe Ende wird geahnt, die Zeichen (Verteidigung vor Gericht, 16) richtig gedeutet: Paulus wird wohl Märtyrer in Rom (6), und er erwartet den Kranz der Gerechtigkeit (8), den erhält, wer den Glauben bewahrt (7) und wer Christus liebt (8).

 

 

 

Wie liest sich das in Zeiten von Gleichgültigkeit oder zumindest Indifferenz gegenüber eben diesem Herrn, in Zeiten langsamen Niedergangs des Christentums in Europa? Wo immer weniger Menschen von sich werden sagen können, sie hätten den guten Kampf gekämpft und den Glauben bewahrt (7)? Dennoch: Christen gibt es noch.

 

 

 

Material:

 

Rabbi Mosche Löb sprach: "Feuer suchst du? Du findest es in der Asche."

 

(M. Buber, Die Erzählungen der Chassidim)

 

 

 

 

 

Ev. Leseordnung

 

Auch hier freie Assoziationen und Impulse, um den Grundgedanken des Sonntags zu entfalten, der schon im Wochenspruch angelegt ist und sich in allen Lesungen und im Predigttext aus immer anderen Blickwinkeln wiederholt: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Röm 12, 21

 

 

 

So hat Mt 5, 38-48, (dieser kleine Teil der Bergpredigt) die Feindesliebe, die die Welt verändern kann, zum Schwerpunkt. Auch hier verschärft Jesus wie immer die alten Gebote radikal (ich aber sage euch), so dass, wer sie hielte, zum vollkommeneren Menschen und die Welt besser würde - so wie Er es haben will.

 

 

 

Im Epherserbrief (6, 10-17) wird gesagt, wie man das macht: im Kampf gegen das Böse hilft nur "die Waffenrüstung Gottes" mit dem "Schild des Glaubens" und dem "Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist ". Das sind Gedanken, die sich im Alltag bewähren müssen. Immer das "Ich aber sage euch" im Ohr, haben wir uns selbst und unser Tun eigentlich an Jesu Bergpredigt zu messen, zum allermindesten aber an den Geboten, die davorliegen. Oder? Dazu aber müssen wir beides kennen, - was bedeutet, dass Christen ums Bibellesen nicht herumkommen. Selbst wenn sie noch radikalere Forderungen Jesu darin zu finden scheinen wie in Mt 10, 34-39: widerspricht diese doch allem menschlichen Grundbefinden. Natürlich liebt man die Seinen, liebt seine Familie, und Er fordert Abwendung und Im-Stich-lassen? Wieviele Männer und Frauen sind mit diesem Bibeltext in die Klöster gegangen... Über allen menschlichen Bindungen und Verpflichtungen soll die Liebe zu Jesus stehen, gemäß dem Doppelgebot der Liebe, gemäß Seiner fast unhaltbaren Forderungen der Bergpredigt. Petrus versucht´s, er folgt Jesus nach, bleibt aber Schwiegersohn, folglich auch Ehemann. Einer aber, der dennoch alle Zeit Ihm widmet und auf Seine Frage:"Liebst du mich?" ganz unbedingt mit "ja" antwortet. Auch wenn es Opfer kosten sollte. Wie oft er versagt, krähen bis heute die Hähne von den Kirchtürmen, dennoch aber hat sich seine Liebe zu Jesus (kirchenbegründend) bewährt.

 

 

 

Im Alten Testament lesen wir Tröstliches. In Jer 29, 1.4-7, 10-14 wird dem von Gott geliebten Volk in der Verbannung gesagt, dass die Liebe bleibt. Und: In allem Unglück in der Fremde soll dennoch das Wohl des fremden Landes gesucht werden! Neuen Generationen wird die Rückkehr nach langer Zeit (70 Jahre) verheissen. Und in allem soll gelten: Gott hat Gedanken des Heils, nicht des Unheils. Er sagt hier für immer: Wenn ihr ruft, werde ich hören, wenn ihr von ganzem Herzen fragt nach mir, will ich mich finden lassen.

 

Wieviel Gelassenheit sollen wir Menschen wohl entwickeln, wieviel Gottvertrauen und Zukunftshoffnung? Der Gegenwart und allem Bösen zum Trotz.

 

 

 

1. Kor 12, 12-14, 26,27 entfaltet den Gedanken der Kirche als sichtbarem Leib Christi und die Hochachtung vor einem jeden Menschen als kostbarem Teil dieses Leibes. Wir sind also berufen und verpflichtet, Christus für Andere Gestalt werden zu lassen auf dieser Erde!

 

 

 

Material:

 

Glaube ist eine lebendige verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiss, dass er tausendmal dafür sterben würde. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen; das wirkt der heilige Geist in Glauben. (Martin Luther)

 

 

 

Rebbe Baruchs Enkel Jechiel kam in Tränen aufgelöst in die Lehrstube des Meisters gelaufen. "Jechiel, warum weinst du?" fragte der Rebbe. "Mein Freund ist gemein, er hat mich allein gelassen!" "Erzähle", sagte der Großvater, und der Enkel klagte:" Wir haben gespielt. Ich musste mich verstecken und er war dran, mich zu suchen. Aber er konnte mich nicht finden. Da hat er einfach aufgegeben, mich zu suchen, er hat einfach aufgehört zu suchen!" Reb Baruch begann, Jechiels Gesicht zu streicheln. Ihm selbst traten Tränen in die Augen. "So ist es," sagte er leise, "so ist es auch mit Gott. Stell dir seinen Schmerz vor, Jechiel, - er hat sich versteckt und die Menschen suchen ihn nicht. Verstehst du, Jechiel? Gott versteckt sich und die Menschen suchen ihn nicht einmal."

 

 

 

 

 

Joh 15, 9-12 (13-17)
Auf dem Hintergrund der Gedanken, Texte und Lesungen dieses Sonntags ist der Predigttext zu lesen. Alles kommt wieder vor: das Gebote-halten, die Liebe und - die Freude! Gottesliebe und Christusliebe sollen Bestand haben im Halten der Gebote Jesu. Muss hier also der sauertöpfischen Moral und der absoluten Überforderung durch die Bergpredigt das Wort geredet werden? Mitnichten. Dennoch aber geht es um den von Gott geträumten "idealen" Menschen. So wie er in den Schöpfungsberichten Gestalt hat als der friedvolle, in Gottunmittelbarkeit existierende Paradiesbewohner, der ein Freund der Tiere ist.

 

 

 

Franziskus fällt da spontan ein, der zu allem Geschaffenen Bruder und Schwester sagen kann, selbst zum Tod. Franziskus fällt ein, weil er diese Liebe zu Jesus zutiefst empfindet und lebt und daraus die vollkommene Lebensfreude zieht, die Jesus meint in V 11 und die Franziskus (schon krank und sterbend) in seinen Sonnengesang gießt. Wer solche Christusliebe in sich trägt. der weiss, dass sie alles andere Liebenkönnen (Mt 10) übersteigt. Der versteht Francois Mauriac, wenn er überlegt: "Ich glaube, dass das Geheimnis der Schöpfung ein Geheimnis der Liebe ist und dass die Liebe das letzte Wort sprechen wird." Der versteht, warum eine junge Frau nach Indien ging, um den Ärmsten der Armen und den Sterbenden Leben und Tod ein wenig zu erleichtern und als Mutter Theresa ein Beispiel gab.

 

 

 

Gottesliebe scheint also nahtlos überzugehen in Menschenliebe und notwendigerweise in die Liebe zur ganzen Schöpfung. Nicht der cartesianische Analytiker, dessen Erkenntnisstreben Opfer fordert, ist der Mensch, der in Jesu Liebe bleibt.(V 9b), sondern der zur Ich-Du-Beziehung Fähige im Sinne Martin Bubers, eine Fähigkeit, die nicht an Art- und sonstigen Grenzen haltmacht.

 

 

 

Die Welt ist anders unter den Augen Gottes! Dieser vieldeutige Satz fordert um der Liebe und unseres Menschseins willen auch manchen Verzicht, trägt aber alle Lebensfreude und alle Hoffnung in sich.

 

 

 

Materialien:

 

Es kommt nicht darauf an, was wir tun, sondern darauf, wieviel Liebe wir in das stecken, was wir tun. Kleine Dinge mit großer Liebe.

 

 

 

Lasse nie zu, dass sich in deinem Leben die Sorge so breit macht, dass du darüber die Freude über den auferstandenen Christus vergisst. Wir alle sehnen uns nach Gottes Himmel, doch schon jetzt dürfen wir bei Jesus sein und sein Glück teilen. Doch das heisst: Lieben wie er liebt, helfen wie er hilft, geben wie er gibt, dienen wie er dient, retten wie er rettet - 24 Stunden mit ihm sein und ihn in seiner elendesten Verkleidung berühren. (Mutter Theresa)

 

 

 

Rabbi Menachem Mendel sprach:" Ich weiss nicht, worin ich besser wäre als ein Wurm. Ich weiss nicht, dass ich so gut wäre wie er. Seht doch, er tut den Willen seines Schöpfers und verdirbt nichts." (M. Buber, Die Erzählungen der Chassisim)

 

 

 

Wenn Menschen gottlos werden, sind die Regierungen ratlos, die Lügen grenzenlos, die Schulden zahllos, die Besprechungen ergebnislos, die Aufklärung hirnlos, die Politik charakterlos, die Christen und Juden gebetslos, die Kirchen kraftlos, die Völker friedlos, die Verbrechen maßlos. (Antoine de St. Exupery)

 

 

 

Es sollte unter uns jeden Tag eine Klage weniger und dafür einen Lobgesang mehr geben. (Friedrich von Bodelschwingh)

 

 

 

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! (u.a. Ps 150)

 

Heidemarie Beier, Mainz

 

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