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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

21. Okt. 07 - 29. Sonntag im Jahreskreis / 20. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Mk 2, 23-28

Ex 17, 8-13

2 Tim 3, 14 - 4, 2

Lk 18, 1-8

Die Autorin betrachtet der Predigttext der ev. Reihe V, den 1. Lesungstext und das Evangelium der kath. Leseordnung. Stichworte: Sklaverei des Alltags überwinden helfen, Arbeit ist nicht alles, Menschen in den Mittelpunkt des Sabbats stellen (Mk 2); Wege des Respekts und der Toleranz anderen gegenüber, trotz des Wissens um Gewalt (Ex 17), einsetzen für Benachteiligte, Schutzlose („Witwe“), global / lokal (Lk 18)

 

 

 

Evangelischer Predigttext: Markus 2, 23-28

 

 

 

Im Predigttext des heutigen Sonntags wird ein Streitgespräch Jesu mit den Pharisäern überliefert. Ausgangspunkt ist das Verhalten der Jünger Jesu, die am Sabbat Ähren rissen. Vordergründig geht es im Verlauf des Streitgespräches um die Frage: Was ist am Sabbat erlaubt und was ist verboten? Das Gespräch endet mit der berühmten Aussage Jesu: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“.

 

Der Text besteht aus verschiedenen Überlieferungsschichten. Die älteste Entstehungsschicht enthält das Streitgespräch Jesu mit den Pharisäern (Vv. 23, 24, 27). Eine zweite Schicht spiegelt wohl Auseinandersetzungen zwischen fortschrittlicheren und konservativeren Gruppen innerhalb der judenchristlichen Gemeinden wider (V. 25 f.). Eine dritte Schicht, die nicht mehr an der Frage interessiert war, was der Sabbat zu tun erlaubt, macht die Perikope zu einem Lehrstück über die Hoheit des Menschensohnes (V. 28).[1]

 

 

 

Unter dem Blickwinkel „nachhaltig predigen“ schlage ich vor, die älteste Tradition aufzugreifen und die Frage nach der Bedeutung des Sabbats für uns heute zum Thema der Predigt zu machen. Ergänzend zu Mk 2, 23-28 bietet es sich dann an, das Sabbatgebot (Ex 20, 8-11; Dtn 5, 12- 15) hinzuzuziehen.

 

 

 

Predigtidee:

 

Die Predigtidee steht unter dem Thema Freiheit und Würde des Menschen. In der Frage nach dem Sabbatgebot zeigt sich die entschiedene Haltung Jesu, die das Wohl des Menschen in den Vordergrund stellt: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“ Jesus schafft den Sabbat nicht ab. Im Gegenteil. Er rückt die Bedeutung des Sabbat als Wohl für den Menschen in den Mittelpunkt und betont damit seine ursprüngliche Bedeutung. Hier ist ein Blick auf das Sabbatgebot im Dekalog hilfreich, um in der Predigt die Bedeutung des Sabbats auch für uns heute neu zu erschließen. An dieser Stelle müssen kurze Andeutungen genügen. Zum Weiterlesen empfehle ich: Katholisches Bibelwerk e.V. (Hg.), entdecken: Lese- und Arbeitsbuch zur Bibel, zehn gebote, Stuttgart 2001.

 

 

 

Die 10 Gebote werden in der Bibel an zwei Stellen überliefert. Einmal im Buch Exodus und einmal im Buch Deuteronomium. An beiden Stellen steht das Gebot, den Sabbat zu heiligen. Es wird aber jeweils anders begründet.

 

 

 

Im 5. Buch Mose ist der Sabbat der Tag der Freiheit. Das hebräische Wort „Schabbat“ bedeutet ursprünglich „aufhören oder loslassen“. Der Sonntag ist also ein Tag, an dem der Mensch loslassen darf. Das bedeutet: Er kann seine Arbeit unterbrechen, kann Abstand gewinnen von seinem Alltag und all dem, was ihn alltäglich beherrscht. Den Sabbattag heiligen bedeutet, diesen Tag zu einem besonderen Tag zu machen, zu einem Tag, der nicht ist wie die übrigen Tage.

 

Der Sabbat ist ein Tag der Erinnerung an die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten und der Befreiung von der Unterdrückung durch den Pharao. Arbeit und Sklaverei werden im 5. Buch Mose sehr eng miteinander verbunden. Einmal in der Woche - am Sabbat oder für uns am Sonntag - soll der Mensch frei sein von niederdrückender Arbeit, die ihn im Alltag beherrscht; einmal in der Woche soll er aufatmen und sich dabei seiner Menschenwürde bewusst werden. Einmal in der Woche soll der Mensch sich daran erinnern, dass Gott ihn als freien Menschen geschaffen hat, ihm die Freiheit gegeben hat (vgl. die Einleitung der 10 Gebote: „Ich bin der Herr dein Gott, der dich aus Ägypten, aus dem Sklavenhaus befreit hat“.).

 

 

 

Im 2. Buch Mose lautet die Begründung für den Sabbat anders. Arbeit wird hier nicht als Sklaverei verstanden. Arbeit ist schöpferisches Tun und damit ausgesprochen positiv. Das 2. Buch Mose verbindet den Sabbat mit dem siebten Schöpfungstag. Im Schöpfungslied (Gen 1-2, 4a) ist der Sabbat die Vollendung der Schöpfung. Im 1. Buch Mose heißt es: „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.“

 

 

 

Arbeit ist schöpferisch und positiv, aber: Arbeit ist nicht alles. Die Schöpfung, die Welt mit all ihren Lebewesen ist nach sechs Tagen beendet, es fehlt nichts mehr, was durch Arbeit ergänzt werden kann. Dennoch bedarf es der Vollendung. Das geschieht in der Ruhe des siebten Tages. Wie aber kann in der Ruhe, im Ausruhen die Schöpfung vollendet werden? Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Bedeutung des hebräischen Wortes für „gut“. „Gut“ kann in der hebräischen Sprache bedeuten, dass etwas funktioniert. Und das stellt Gott nach seinem schöpferischen Tun fest: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ Alles funktioniert, wie Gott es sich vorgestellt hat. Alles erfüllt seinen Zweck. Das hebräische Wort „gut“ kann aber auch „schön“ bedeuten. Das Schöne aber ist zweckfrei. Es muss nicht funktionieren, es ist gut, einfach weil es da ist.

 

Auf diesen Aspekt könnte die Predigt einen Schwerpunkt legen: Der Sabbat, für uns Sonntag, ist ein Tag, an dem wir uns unserer Würde als freie Menschen wieder bewusst werden sollen. Gott sagt mir auf den Kopf zu: „Es ist gut, dass es dich gibt. Du musst vor mir nicht immer funktionieren. Du musst nicht immer deinen Zweck erfüllen. Es ist einfach schön, dass es dich gibt. Nicht nur sonntags.“ „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“

 

 

 

 

 

Kath. Leseordnung

 

Die biblischen Texte des 29. Sonntags fügen sich in die Reihe der Texte der vergangenen Wochen thematisch ein. Es geht um die Macht des Glaubens und des beharrlichen Gebets. Heute spricht Jesus in einem Gleichnis von der Kraft des Glaubens und des Gebetes. Wir sollen hartnäckig sein im Gebet. Nicht nachlassen, unsere Anliegen vor Gott zu bringen. So wie die Witwe im Gleichnis. Wenn schon der ungerechte Richter der Witwe zu ihrem Recht verhilft – und selbst wenn es nur darum ist, weil sie ihm mit ihrer Beharrlichkeit auf die Nerven geht –, dann wird erst recht Gott, der gerecht und barmherzig ist, auf das Gebet der Menschen, die zu ihm rufen, hören.

 

 

 

Auch die 1. Lesung des heutigen Tages spricht von der Macht des Gebetes. Sie wurde zum heutigen Evangelium ausgewählt, weil die erhobenen Hände des Mose ein Zeichen für seine Glaubenstreue sind. Das Volk Israel muss nach den Worten der Lesung gegen ein anderes Volk in den Krieg ziehen. Das Volk Israel reagiert damit auf eine Kriegserklärung durch ein anderes Volk. Sieg oder Niederlage des Volkes Israel sind nach diesem Text abhängig von der Glaubenstreue des Mose. Als Bild dafür werden die Hände des Mose gewählt. Hält er sie erhoben, so ist er stark im Glauben und sein Volk siegt. Lässt er die Hände sinken - verliert er also den Glauben -, dann unterliegt das Volk Israel seinem Feind. Hier ist die Verbindung zum heutigen Evangelium. Bleibt Mose so beharrlich im Glauben wie die Witwe, dann wird er sein Ziel - den Sieg über die Feinde - erreichen.

 

 

 

Ich halte es für sehr problematisch, einfach so einen biblischen Text zu lesen, in dem von Krieg im Auftrag Gottes oder mit dem Segen Gottes gesprochen wird, ohne, dass man erklärend darauf eingeht. Das Alte Testament erscheint dadurch wie ein Buch, dass Rache, Vergeltung und Krieg lehrt und von dem sich ein Christ distanzieren soll. Sollte diese Lesung für den Gottesdienst gewählt werden, muss meiner Meinung nach in der Predigt eine Erklärung zu dieser Lesung gegeben werden.

 

 

 

Hinweise für die Predigt[2]:

 

(Ich greife hier zurück auf einen Vortrag, den Norbert Lohfink (SJ) am 27. September 2001 gehalten hat (Angaben s. Fußnote). Die Nummerierung ist dem Vortrag von Norbert Lohfink entnommen. Die Aussagen sind weitgehend Zusammenfassungen des Vortrags. Wörtliche Zitat sind als solche markiert.)

 

 

 

1. Das Wort „Heiliger Krieg“ gibt es im AT nicht.

 

 

 

2. Im AT wird „bei vielen Gelegenheiten erzählt, dass die Israeliten in den Krieg gezogen sind und dass diese Kriege als gottgewollt“ bezeichnet werden. Es war in der Antike bei allen Völkern üblich: „bevor man einen Krieg begann, befragte man die Götter, rief man durch Gebete und Opfer die Hilfe der Götter herbei, und nach dem Sieg weihte man einen Teil der Kriegsbeute oder die gesamte Beute den Göttern als Dank für den Sieg.“ Da war das Volk Israel keine Ausnahme.

 

 

 

3. Sehr problematisch für uns heute ist die Darstellung der Eroberung des Heiligen Landes im Buch Josua. Nach Teilen der Bibel handelt es sich hier um eine gewalttätige kriegerische Einnahme des gelobten Landes auch im Auftrag Gottes. Es ist nicht leicht, solche gewalttätigen Texte der Bibel einzuordnen.

 

 

 

4. Z.B. Jos 11, 15 ff.: Wie der Herr es seinem Knecht Mose befohlen hatte, so hatte es Mose Josua befohlen, und so führte Josua es aus: Er unterließ nichts von all dem, was der Herr dem Mose befohlen hatte. So nahm Josua dieses ganze Land ein ... Es gab keine Stadt, die mit den Israeliten Frieden geschlossen hätte, außer den Hiwitern, die Gibeon bewohnten. Alle musste man im Kampf nehmen. Denn vom Herrn war beschlossen worden, ihr Herz angesichts des Kampfes mit Israel zu verhärten, um sie dem Untergang zu weihen; Israel sollte keine Gnade bei ihnen walten lassen, sondern sie ausrotten, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte. Oder auch die Eroberung der Stadt Jericho (Jos 6, 1-27): Die Israeliten sollen sieben Mal um die Stadtmauern ziehen. Dabei in Hörner blasen und lautes Kriegsgeschrei anstimmen. Das Buch Josua erzählt nun, dass die Stadtmauern daraufhin einstürzen und das Volk Israel die Stadt einnehmen kann. Wir wissen nun aber durch die Archäologie, dass die Stadt Jericho bereits eine Ruine war, als das Volk Israel dort hinkam. Die Eroberung Jerichos - wie sie beschrieben wird - hat also nie stattgefunden. Und wir wissen auch, dass die sogenannte Eroberung des Heiligen Landes weitgehend friedlich abgelaufen ist. Ohne Krieg.

 

 

 

Wie kommt es also zu solchen Aussagen in der Bibel?

 

 

 

Diese Texte sind erst viel später entstanden. Also nicht zur Zeit der Einwanderung in das gelobte Land. Sondern erst 500 Jahre später. 500 Jahre später etwa wird Israel durch die Assyrer bedroht. In dieser Zeit werden diese Texte als eine Art Propaganda verfasst. Kurz gefasst enthält das Buch Josua folgende Botschaft: „Was der Gott Assurs kann, kann unser Gott schon lange“, und um das zu belegen beschreibt man das Handeln Gottes nachträglich wie das Handeln eines Kriegsgottes. Denn der Gott der Assyrer war ein Kriegsgott. Dem musste man etwas entgegensetzen.

 

 

 

Den Bearbeitern und Redakteuren der Bibel waren diese Erzählungen von blutigen Eroberungskriegen ganz und gar nicht angenehm. Man hat sie aber aus Respekt vor den Verfassern und dem Glauben der früheren Generationen in der Bibel belassen. Allerdings versuchte man durch „Zusätze die Vernichtungskriege umzudeuten“. Texte, die später in die Bibel kamen z.B. die Propheten, sprechen auch nicht mehr von kriegerischer Eroberung. Sie erzählen von einem großen Wunder, das Gott gewirkt hat. Dass Gott ein barmherziger Gott ist, der den Menschen das ewige Heil schenken wird, ist die Botschaft des Alten Testamentes, die viel stärker und viel öfter in den Texten der Bibel auftaucht als die Rede von einem Krieg, den Gott führt. Die großen Visionen der Propheten von einem endzeitlichen Heil, das Gott allen Menschen schenken will und wird, sind die eigentliche Botschaft des Alten Testamentes. Diese Visionen klingen dann z.B. so wie sie der Prophet Micha beschreibt: „Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen die Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung, aus Jerusalem kommt das Wort des Herrn. Er spricht Recht im Streit vieler Völker, er weist mächtige Nationen zurecht [bis in die Ferne]. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg. Jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und niemand schreckt ihn auf. Ja, der Mund des Herrn der Heere hat gesprochen“ (Mi 4, 1-4). Das ist aber nicht nur eine einfach endzeitliche Vision, sondern Programm für die Gegenwart. Heute schon beginnt dieser Heil für alle Menschen. Und es soll ein Weg des Respekts und der Toleranz anderen gegenüber sein. Denn bei Micha heißt es weiter: „... alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, für immer und ewig.“ (4, 5)

 

 

 

Wenn man also alle Texte des Alten Testaments sieht und nicht einfach nur willkürlich einen Text völlig ohne Zusammenhang aus der Bibel herausnimmt, dann sieht man, dass die Botschaft des Alten Testamentes, wie sie heute in unserer Bibel steht und wie sie in der jüdischen Tradition schon seit Jahrhunderten ist, eine Botschaft des Friedens, der Toleranz und der Barmherzigkeit ist. „Das Alte Testament ist also in Sachen Gewalt nicht auf einen einzigen Satz zu bringen. Es kennt die Gewalt. Es redet von ihr - so deutlich, wie keine Kultur der damaligen Zeit. Es entlarvt die Gewalt als das, was sie ist. Und es stellt uns eine überwältigende Vision vom Weltfrieden vor Augen.“ (N. Lohfink a.a.O.) Nämlich eine Gesellschaft des Friedens, der Barmherzigkeit und der Toleranz. Diese Gesellschaft jetzt so gut es geht mit der Hilfe Gottes zu verwirklichen, das ist die Aufgabe, die das Alte Testament uns gibt.

 

 

 

 

 

Kath. Leseordnung: Evangelium Lk 18, 1‑8

 

Die Verbindung des Evangeliums mit der ersten Lesung legt das Gebet, die Beharrlichkeit im Gebet, als Predigtthema nahe. Das Evangelium bietet aber auch die Möglichkeit, auf die Situation der Witwen in biblischer Zeit einen Blick zu werfen und Gottes Zuwendung gerade zu den „Witwen und Weisen“, also zu denen, die einen besonderen Schutz brauchen, in den Vordergrund der Predigt zu stellen und eine Verbindung zu ziehen zu Menschen in unserer Gesellschaft, die nicht selbst für ihr Recht eintreten können.

 

 

 

Die Witwe ist in der Bibel Sinnbild für ein elendes und schutzloses Leben. Kinderlosigkeit, vor allem das Fehlen eines männlichen Nachkommen, verstärkte das Elend, denn so entfiel die Versorgung der Mutter durch den Sohn. Die Söhne waren verpflichtet, für die alten Eltern aufzukommen (vgl. 4. Gebot). Daher stellt die biblische Tradition Witwen (und Waisen) unter Gottes besonderen Schutz: „Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten. Er verachtet das Gebet der Waisen nicht noch der Witwe, wenn sie klagt. Die Tränen der Witwen fließen die Backen herab und schreien gegen den, der sie hervorgerufen hat ... Das Gebet der Elenden dringt durch die Wolken und lässt nicht ab, bis es vor Gott kommt, und hört nicht auf, bis der Höchste darauf achtet“ (Sir 35, 16‑21).

 

 

 

Auch die Armengesetzgebung der Bibel schützt Witwen (und Waisen) in besonderer Weise (z.B. Dtn 24, 17 ff., Dtn 25, 5 ff.). Vor diesem Hintergrund ist das Gleichnis Jesu in Lk 18, 1-8 zu verstehen. Die hartnäckige Witwe im Evangelium des 29. Sonntags (Lk 18, 1‑8) hat es mit einem Richter zu tun, der sich weigert, ihr zu ihrem Recht zu verhelfen. Er handelt damit gegen die Armengesetzgebung seiner Zeit und gegen den Willen Gottes, der in besonderer Weise für die Witwen einsteht (Ex 22, 21 f.). Dem ungerechten Handeln des Richters wird Gottes Gerechtigkeit gegenübergestellt, der den Elenden der Gesellschaft Recht verschafft (vgl. Sir 25, 26 ff.). Gottes Gerechtigkeit hat das letzte Wort.

 

Dr. Sabine Gahler, Weiterstadt

 

[1] Vgl. H. Kahlefeld, in: Unsere Hoffnung - Gottes Wort, Die Evangelien der Sonn- und Festtage Auslegung und Verkündigung, hrsg. v. Baumgartner, K. und Knoch, O., Frankfurt 21992, 440.

 

[2] Zu diesem Thema: Norbert Lohfink SJ, Mord im Namen Gottes? Zu den theologischen Hintergründen des 11. September, Vortrag im Mainzer Dom vom 27. September 2001.

 

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