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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14. Okt. 07 - 28. Sonntag im Jahreskreis / 19. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Joh 5, 1-16

2 Kön 5, 14-17

2 Tim 2, 8-13

Lk 17, 11-19

 

 

Der Verfasser betrachtet den Predigttext der ev. Reihe V. Stichworte: Umfeld und Umwelt des Gesundseins und –werdens, Sinn und Zweck von Gesetzen, Gesetz der Liebe, sozialer Zwang, individuelle Auslegung und Interpretation, Freiheit

 

 

Johannes 5, 1-16 - Die Heilung am Teich Bethesda

 

Der Text kreist um zwei Fragen:

 

 

 

Zum einen: Wie kann dieser Kranke wieder gesund werden? Sein Problem ist vor allem, dass er keinen Menschen hat, der ihm hilft. – Was ich bei Kranken oft erlebe, ist, dass das Verhältnis zur eigenen Krankheit zumindest mitbestimmt wird von dem Verhältnis des Kranken zu den Menschen in seiner Umgebung. Wer sich in Fürsorge und Begleitung anderer geborgen fühlen kann, der kann seine Krankheit akzeptieren und aktiv mit ihr umgehen. Wer „keinen Menschen hat“, ist der Krankheit viel stärker schicksalhaft ausgeliefert. So klingt in der Antwort des Kranken am Teich Resignation, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit als „innere Lähmung“ an. Zum Begriff „gesund“ noch ein kurzes Zitat aus einem mit Konfirmanden unserer Gemeinde entwickelten Sprechstück zum Text:

 

 

 

Ob er gesund werden will? -
Was ist das - ‘gesund’? schießt es ihm durch den Kopf.
Arbeiten und rennen von früh bis spät - so sieht er es bei den andern. Ist das „gesund“?
Hätte er überhaupt die Kraft dazu? -
Und - würden sie ihm denn Arbeit geben? Er hat ja nichts gelernt.
Und - wo soll er denn hin?
Seine Matte hier ist sein Zuhause.
Er hat doch alles, was er braucht... -
Oder ist das noch mehr - gesund sein?
Ob er wirklich gesund werden will? -
Achtunddreißig Jahre krank und gelähmt - da wird auch die Seele lahm...

Die Zuwendung Jesu zu dem Kranken und sein Vertrauen in das Wort Jesu verändern seine Situation. Mit seinem „Bett“ kann er jetzt selbst in die Hand nehmen, worin er bisher gefangen war. Er kann sein Leben wieder selbst gestalten. In der Predigt könnte u. a. bedacht werden, wie wir mit Krankheit umgehen, ob wir sie ins Leben integrieren, sie miteinander tragen und ertragen – oder sie nur als Störung empfinden, die uns im Weg steht, uns Pläne zunichte macht etc. Entsprechend könnte dabei auch der Begriff von „Gesundheit“ als „reibungsloses Funktionieren“ eine Rolle spielen.

 

 

 

Zum andern taucht im zweiten Teil des Textes (V. 9b-16) mit der Frage nach dem Sabbat der Konflikt zwischen Gesetz und Liebe auf, innerhalb der johanneischen Theologie der Gegensatz zwischen der Gegenwart Jesu in Herrlichkeit und dem Unverständnis und Ungehorsam der „Welt“ ihm gegenüber. Auch hier ein Zitat aus dem genannten Sprechstück:

 

 

 

„Es war aber an dem Tag Sabbat.“

 

 

 

Schau, da kommen sie schon, die Hüter der Ordnung.
Überall sind sie, nichts entgeht ihnen.
„Es ist heute Feiertag. Du darfst dein Bett nicht tragen!“
Du darfst nicht! - Du musst! - Du sollst! - Tu das! Mach jenes nicht!
Für alles haben sie ein Gesetz, die Ordnungshüter der Welt.
Nur Verbote und Anordnungen, Schranken und Grenzen.
Wo bleibt da der Mensch? - Ihn seht ihr nicht vor lauter Paragraphen.
Achtunddreißig Jahre festgelegt auf diese erbärmliche Matte -
da kommt einer und befreit ihn von dieser Fessel -
und ihr? - Euch fällt nur ein, dass Feiertag ist!
Was ist der Sabbat? - Was ist der Feiertag, der Sonntag?
Was sind Gesetz und Ordnung?
Fessel oder Richtschnur? - Schutzmauer oder Gefängnis?
Ist das recht? - Wem hilft das? - Wo bleibt da der Mensch? -
Wo bleibt das Leben, die Freude, die Freiheit?
Von Liebe ganz zu schweigen!

 

 

 

Welchen Stellenwert geben wir in unserem menschlichen Miteinander Gesetz und Ordnung? Wovon sind sie bestimmt? Welches Ziel haben sie? Worauf gründen sie sich? Wer bestimmt sie? Wie finden wir heraus aus unseren selbstverordneten „Sachzwängen“ und Gesetzmäßigkeiten in eine von Liebe, Vertrauen und gegenseitiger Achtung getragene und begrenzte Freiheit?

 

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt

 

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