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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

7. Okt. 07 - 27. Sonntag im Jahreskreis / 18. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

2. Mose 20, 1-17

Hab 1, 2-3; 2, 2-4

2 Tim 1, 6-8.13-14

Lk 17, 5-10

 

Der Autor gibt Anregungen, wie das Erntedankfest in der Predigt aufgegriffen werden kann. Dazu passen Aspekte der Tagestexte aus 2 Mose und Lk. Stichworte: Wir danken für das viele, was wir nicht der eigenen Leistung verdanken; Motivation des Glaubenden, seine begrenzten Kräfte einzusetzen, angesichts der Erfahrung von ausbleibendem Dank und der Sorge marginalen Nutzens; neue Gebote nachhaltigen Lebens

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Der erste Sonntag im Oktober ist in den deutschen Kirchen traditionell der Sonntag des Erntedankfestes. Damit ist vom Thema des Sonntags her eine privilegierte Möglichkeit gegeben, die Themen Schöpfung und Nachhaltigkeit zur Sprache zu bringen. In vielen Gemeinden werden Früchte aus Feld und Garten zu beeindruckenden Erntedankaltären aufgebaut, es werden Erntekronen erstellt oder die Kinder sind eingeladen, von den eigenen Gaben mitzubringen. In einer längst nicht mehr agrarisch geprägten Gesellschaft könnte manches der tradierten Gewohnheiten dieses Tages anachronistisch wirken – schließlich sind die Regale im Supermarkt voll und niemand muss, selbst in einem „schlechten Jahr“, existentiell um die eigene Versorgung fürchten; das Fest erweist sich aber im Gegenteil als hoch aktuell, wenn man die Akzente der veränderten Situation anpasst. Als Gedanken bieten sich (zur Auswahl!) an:

 

 

 

  • In weltweitem Maßstab liegt der Dank für die gelungene Ernte keineswegs fern – bzw. die Klage und Not angesichts des Ausbleibens und der Zerstörung durch Katastrophen: Hungerkatastrophen durch Dürre in mehreren afrikanischen Ländern oder die Zerstörung eines Großteils der Ernte in den Hochlandregionen Boliviens durch Unwetter und Überschwemmungen; die Liste der Beispiele ist fortsetzbar. P hätte darauf hinzuweisen, dass unser Dank, in einem reichen und auch klimatisch begünstigten Land der Erde zu leben, sich selbstverständlich mit einer Verantwortung für andere Länder verbinden muss. Außerdem wäre der Hinweis angebracht, dass viele der Katastrophen nicht gottgegeben sind, sondern von Menschen gemacht und dass wir durch unseren Lebensstil eine Mitschuld an klimatischen Veränderungen tragen, die uns zu Umkehr und Solidarität herausfordert. Wenn auch die Zusammenhänge von CO2-Anstieg in der Atmosphäre, Erderwärmung und klimatischen Veränderungen noch nicht bis ins Letzte erforscht sind, so sprechen doch die Statistiken der Versicherungsgesellschaften über die seit Jahren steigenden Zahlen von Schäden durch Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürreperioden eine deutlich warnende Sprache.
  • Die Selbstverständlichkeit der gefüllten Lebensmittelregale in unseren Läden gilt auch nicht für jede und jeden: In unserem Land steigt die Zahl der Armen, es gibt die Rede von der Zweidrittelgesellschaft, die Arbeitslosigkeit ist auf einem bedrückend hohen Niveau, betroffen sind zunehmend Kinder und Jugendliche, die keinen Einstieg in den Beruf finden. Die wachsende Zahl der sogenannten „Tafeln“ illustriert zum einen das Problem – in unserem Land muss niemand hungern, aber es gibt zunehmend Menschen, die an Lebensmitteln sparen müssen – , zum anderen ist sie ein ermutigendes Signal gelebter Solidarität der vielen ehrenamtlichen Helfer. P könnte den Gedanken des Dankes mit dem des Teilens verbinden: Was bedeutet es, wenn wir als Glaubende die Gaben der Erde als Gaben Gottes sehen, die allen gelten?
  • In den oft gutsituierten Gottesdienstgemeinden kann auch die Frage des Lebensstils thematisiert werden. Das hat zum einen eine ethische Komponente – leben wir z.B. in Fragen des Ressourcenverbrauchs so, dass es nicht zu Lasten anderer (heute lebender Menschen wie kommender Generationen) geht? Was sind wir bereit, für schonende Produktion und gesunde, regionale Produkte (mehr) zu zahlen? Zum anderen kann der Blick auf die Einfachheit der Früchte der Erde anregen, den eigenen Lebensstil auch im wohlverstandenen Eigeninteresse anzufragen: Statt der Jagd nach Mehr und immer Ausgefallenerem den Geschmack eines Apfels genießen, erfahren, dass die Früchte „zu ihrer Zeit“ tatsächlich am besten schmecken (und z.B. im Winter auf Erdbeeren zu verzichten). P könnte angesichts der Erfahrung vieler, mehr als genug zu haben, das Motto stark machen, gut zu leben statt viel zu haben. Die einfachen, guten Gaben der Erde können das „schmackhaft“ machen.
  • Die Früchte der Erde können anregen, den Blick zu weiten zu der Frage, was uns im weiteren Sinne nährt, was wir zum Leben brauchen (Lebens-Mittel). Sowohl das, wo wir uns von anderen beschenkt erfahren (Liebe, Anerkennung...) wie auch der Blick auf die eigenen Be-Gabungen wären Anlass genug für eine dankbare „Ernte“ im Sinne einer „Zwischenbilanz“ der guten Gaben unseres Lebens.

 

 

 

 

 

Die Texte: Exegetische Hinweise in ihrem Bezug zur Thematik:

 

Von den beiden Lesungstexten der katholischen Leseordnung her lässt sich nur schwer eine Verbindung zur Thematik Nachhaltigkeit herstellen.

 

 

 

In der Perikope aus dem Lk-Evangelium wird die Macht des Glaubens thematisiert, gefolgt vom Gleichnis vom unnützen Knecht. Der Vergleich Jesu in der Antwort auf die Bitte der Jünger, ihren Glauben zu stärken, macht deutlich, dass sie nicht auf die Ergänzung des eigenen schwachen Glaubens warten sollen, sondern mit dem Vorhandenen leben und handeln. Der Jünger „lebt von der Verheißung des Wunders, dass die Grenzen seines Könnens nicht mit den Grenzen seiner Kraft zusammenfallen, sondern mit der Grenzen der Kraft Gottes, die keine Grenzen hat.“ (H. Gollwitzer) Dies kann eine Ermutigung sein, auch angesichts der Größe der Aufgaben, die am Erntedanktag in den Blick kommen können, nicht zu verzagen, sondern in dankbarer Haltung die von Gott geschenkten Gaben einzusetzen (die Kraft sich einzusetzen hängt ja auch zusammen mit der Glaubenskraft, dass ein Einsatz etwas bewirken kann an Veränderung im Sinne Gottes).

 

 

 

Ähnlich kann man die Sinnspitze des anschließenden Gleichnisses darin sehen, dass es um eine Antwort auf eine auf Lohn schielende Frömmigkeit geht: Der Christ ist nach dem Bild des Evangeliums einer, der nicht mit Gott um seinen Lohn feilschen kann. Der eigentliche Lebens-Lohn der Knechte liegt darin, in Seinem Dienst stehen zu dürfen. Die Bezeichnung „unnütze“ Knechte ist dabei nicht im Sinne von „wertlos“ zu verstehen: Auch Jesus, der Meister, handelt in diesem Sinn un-nütz, denn er handelt aus Liebe, und Liebe kalkuliert nicht den Nutzen, sondern hat ihren Nutzen in sich selbst. Die Verbindung zum Erntedankfest kann P darin ziehen, dass es auch dort um Dank für das geht, was wir nicht der eigenen Leistung verdanken. Und er kann mit dem Gleichnis aufzeigen, was Christen motiviert, auch im Bereich Nachhaltigkeit ihren Einsatz zu leisten, auch da, wo Dank ausbleibt und die Frage im Raum steht, was das, was wir tun können, denn „nützt“.

 

 

 

Der evangelische Predigttext präsentiert den Dekalog in seiner heutigen Stellung als „Bundescharta“ (A. Deissler) am Berg Sinai, die er durch die deuteronomistische Schule erhalten hat. Nicht nur die Positionierung im Gesamt der Tora, sondern auch der Text selber hat eine Wachstumsgeschichte, die hier nicht näher problematisiert werden muss. Deutlich ist in dem Text, dass die Erwählung Israels (dem Volk in einzigartiger Weise erfahrbar im Herausgeführt-Werden aus der Sklaverei Ägyptens) zugleich eine Verpflichtung auf das mitmenschliche Ethos beinhaltet. Die Verbindung der vertikal ausgerichteten Gebote mit den horizontalen macht deutlich, dass im biblischen Offenbarungsraum die Rückbindung des Menschen an Gott nur verwirklicht ist, wenn sie zugleich über den Mitmenschen geht. Ein Gutteil des Dekalogs besteht in ethischen Gemeinschaftsverpflichtungen, wie sie in der damaligen Lebenssituation und Gesellschaftsform lebensnotwendig und gemeinschaftserhaltend waren (z.B. die Verpflichtung zur Sorge um die (alten) Eltern, das Verbot (gerichtlicher) Falschaussage). Natürlich kann P den Aussagewert einzelner Gebote in ihrer Übertragung auf Gedanken der Nachhaltigkeit beleuchten. Darüber hinaus ist der Gedanke der Fortschreibung der zehn Gebote auf eine geänderte Gesellschafts- und Weltsituation reizvoll. Wenn heute wie damals in den grundlegenden Regeln das solidarische Zusammenleben der Menschen gesichert werden soll, dann ist die Ergänzung des Gedankens der Nachhaltigkeit, der Verträglichkeit des eigenen Handelns mit den Bedürfnissen anderer heute lebender Menschen und kommender Generationen, notwendig. P könnte zu einer Suchbewegung nach solchen Fortschreibungen einladen, etwa: Du sollst nicht mehr in Anspruch nehmen, als du zum Leben brauchst. Oder: Du sollst deine Kinder achten und ihnen Lebenschancen bieten.

 

 

 

In der Gemeinde:

 

Für die Gestaltung des Erntedankfestes gibt es vielerorts gute, zu pflegende Traditionen. Je nach Auswahl der Aspekte, die ein Erntedankfest heute aktuell machen, kann überlegt werden, welche Aktionen ggf. darüber hinaus die Predigt unterstützen können: Z.B. könnten Kinder / Gläubige gebeten werden, Lebensmittel (Früchte aus dem eigenen Garten, aber auch Mehl u.a. haltbare Nahrungsmittel) mitzubringen, die im Gottesdienst (zur Gabenbereitung) nach vorn gebracht werden und anschließend an Bedürftige in der Gemeinde verteilt werden. Die Gläubigen könnten angeregt werden, an diesem Sonntag soweit möglich ohne Auto zur Kirche zu kommen. Es könnte einen Eine-Welt-Verkauf nach dem Gottesdienst ebenso geben wie die Einladung zu einem Gemeindetreff bei einem einfachen Mahl (wie wäre es mit Kürbissuppe mit selbstgebackenem Brot?).

 

 

 

Literatur:

 

A. Deissler: Die Grundbotschaft des Alten Testaments. Ein theologischer Durchblick, Freiburg 2-1972.
H. Gollwitzer: Die Freude Gottes. Einführung in das Lukasevangelium, Gelnhausen u.a. 9-1979.
J. Kremer: Die Sonntagsevangelien der Lesejahre A/B/C. Hilfen zu ihrem Verständnis, Regensburg 2002.

 

 

 

Thomas Köster, Remagen

 

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