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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

23. Sep. 07 - 25. Sonntag im Jahreskreis / 16. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Lk 7, 11-16

Am 8, 4-7

1 Tim 2, 1-8

Lk 16, 1-13 oder
Lk 16, 10-13

Der Autor geht auf den Text der ev. Reihe V sowie den Text zur 1. kath. Lesung ein. Stichworte: wirtschaftlicher Aufschwung nur für die Reichen, Menschen als Ware, soziale Gerechtigkeit global und regional herstellen (Am 8); wie Jesus dem Sterben entgegen treten, Krankheit ist keine Strafe für die Sünden der Vorfahren, AIDS, Patentierung von Medikamenten, Hilfeleistung der Mächtigen nicht nur durch Geld, sondern Veränderung der Strukturen (Lk 7)

 

 

 

Auslegung zu Amos 8, 4-7

 

Exegese

 

Der Prophet Amos (Amasja=Jahve trägt) lebte in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts vor Christus im Nordreich. Er war aus Tekoa und Viehzüchter und Maulbeerfeigenanbauer. Öffentlich trat er auf zwischen 760 und 750 vor Christus. Er ist der älteste Schriftprophet. Er wehrte sich gegen die Ausbeutung der Armen durch die Oberschicht, deren Wohlleben ihn das Ende des Nordreiches erahnen ließ. Das Buch gehört im Alten (Ersten) Testament zum Zwölfprophetenbuch, in der vorliegenden Form hat es einen langen Überarbeitungsprozess mitgemacht.

 

In den Versen geht es um die planmäßige Vernichtung der Armen (4). Das Drohwort ist an die Reichen im Land gerichtet. Es herrschte im Land ein wirtschaftlicher Aufschwung, an dem nur die Reichen partizipierten, von dem die Armen aber nichts hatten. Ganz im Gegenteil; er entstand auf ihre Kosten. An einer anderen Stelle geißelt Amos den Lebensstil (4.1)der Reichen. Reger Handel, Bautätigkeit, Weinbau und Viehzucht waren die Grundlagen, die Reichen ergingen sich in rauschenden Festen. Das Ende von Sabbat und Neumondfest (wohl monatlich, inhaltlich nicht bekannt) wurden herbeigesehnt, um mit den Betrügereien weiter machen zu können. Geplant war dann der Getreideverkauf, Maß und Gewichte sollten gefälscht, der Preis erhöht werden. Die Hilflosen, die kein Geld mehr hatten, sollten gekauft werden, für den Wert von einem Paar Schlappen konnte ein Armer in die Hände der Händler geraten und dienst- oder abgabepflichtig werden. Sogar aus dem Abfall des Getreides wurde noch Geld gemacht. Auch Micha geißelt erbittert diesen Betrug an den Armen (Mich 6, 9 ff.). Die Armen werden systematisch zu einer Ware gemacht, deren Wert äußerst gering ist. Der Schwur Gottes „beim Stolz Jakobs“ bekräftigt, dass Gott diese Schandtaten nie vergessen wird. Der Stolz Jakobs meint die Hoheit Jakobs, die angezielte Weltherrschaft, die sich hier in Hochmut verkehrt und deshalb zum Gericht führt.

 

Viele dieser Aussagen klingen auch in unsere Zeit übertragen sehr aktuell.

 

 

 

Zum Verhältnis von Reichtum und Armut

 

a) allgemein

 

Dieses Verhältnis von arm und reich begleitet die Menschheit durch ihre Geschichte. Zuerst ging es darum, wer das größere Jagdgebiet hatte, dann war die Landverteilung maßgebend, die Landlosen waren die Armen. Nachher kamen Handwerk und Handel dazu. In der Industrialisierung entstand die Anhäufung von Kapital und die Verfügung über die Ressourcen. Das Kapital beherrschte die Arbeit. Heute ist es dabei, diese immer mehr überflüssig zu machen. Wir sind in Deutschland Meister in diesem Vorgang. Die hohe Arbeitslosigkeit spricht Bände. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer zahlreicher. Außer in Spanien gibt es in keinem Land im westlichen Europa so geringe reale Lohnzuwächse wie in Deutschland (2000-2005 in Deutschland 1%, in Großbritannien 12,6%), aber im Export sind wir Weltmeister. Relative Armut bedeutet lt. Definition der EU: Diejenigen, die weniger als 60% des mittleren Einkommens haben, sind arm. Nach dieser Definition waren 2003 in Deutschland 13,5% der Bevölkerung arm, 1998 waren es 12,1%. Gleichzeitig gibt es 1,6 Millionen Bürger, die mehr als fünfhunderttausend Euro besitzen; eine halbe Million mehr, als 1998. Mehr als ein Drittel der Armen sind Alleinerziehende und ihre Kinder. 19 Prozent sind Paare mit mehr als drei Kindern. Nach dem Kinderhilfswerk Unicef wächst die Armut von Kindern in Deutschland stärker als in den meisten anderen Industrieländern. Das hat auch großen Einfluss auf die Bildungschancen.

 

Weltweit gilt: Verdiente noch 1960 das reichste Fünftel der Menschheit 30 mal mehr als das ärmste, hat sich diese Relation heute auf etwa 75 : 1 erhöht. Nicht selten wird gefolgert, dass die sich öffnende Kluft zwischen Arm und Reich den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährde. Drohen die inzwischen wieder vielfältigen Gesichter der Armut die bundesrepublikanische Gesellschaft zu spalten?

 

 

 

b) in der Bibel

 

Eigentlich sollte es im Volk Gottes keine Armen geben (Dtn 15, 4). In der Landverteilung bekam jeder den gleichen Anteil, das sollte auch im Jubeljahr immer wieder ausgeglichen werden (3 Mos 25). Gott lässt das Geschrei der Armen an sich heran (Ijob 34, 28). Die Armen im Alten Testament dürfen sich der besonderen Zuwendung Gottes sicher sein (Ps 113, 79 und 140, 139). Jes 58 macht den Einsatz für die Armen und Gebeugten zum eigentlichen Weg des Heiles. Der Gesalbte ist gesandt, den Armen eine frohe Botschaft zu bringen (Jes 61, 1). Reichtum ist ein Geschenk Gottes. Jeremia prangert an, wenn der Reichtum durch Unrecht erworben wird (Jer 5, 27). Das ist vor allem die Botschaft der Propheten. Jesus greift dies auf. Er bringt den Armen eine frohe Botschaft (Mt 11, 5). Mit ihm ist das Reich Gottes gekommen (Lk 4, 16 ff.), das Reich, in dem es Gerechtigkeit und keine Armut mehr gibt. Gott hat eine Option für die Armen. Wer den Armen hilft, hilft Jesus (Mt 25). Mit Reichtum ist Jesus sehr kritisch (Reicher, Kamel, Nadelöhr; Mt 19, 23 ff.). Er hat das Kreuz für alle getragen, er erfährt Auferstehung für Menschen und auch besonders für alle Gekreuzigten dieser Welt.

 

 

 

Gedanken zur Ansprache

 

Die Armut in unserem Land nimmt zu, während gleichzeitig der Reichtum wächst. Betroffen von der Armut sind vor allem Kinder, aber auch auf die Alten werden schwere Zeiten zukommen. Was hier gilt, gilt auch fast noch dramatischer weltweit. Unter dem Druck der Globalisierung ist die Armut weltweit gewachsen. Es hungern etwa 800.000 Millionen Menschen auf der Welt. Fast alle 3,5 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen von Hunger und Unterernährung - das sind rund 25.000 Menschen am Tag, etwa 10 Millionen Menschen pro Jahr. Das ist unfassbar.

 

Das ist die Situation, die Amos geißelt: Frauen werden in die Prostitution verkauft, Sklaverei ist ein blühendes Geschäft (26 Millionen Sklaven soll es heute weltweit geben), Kinder werden aus purer Armut zu Kindersoldaten.

 

Deshalb wird unser Kampf für Gerechtigkeit auf der Welt und gegen die Armut überall zu einer immer größeren Aufgabe. Christen haben dies erkannt. In den Werken von „Brot für die Welt“ und „Misereor“ stellen sie Hilfen zur Verfügung. Aber Staat und Wirtschaft müssen noch mehr tun für eine gerechtere Welt.

 

Literatur

 

Calwer Bibellexikon, Band 1, Stuttgart 2003, (Armut, Jobeljahr, Reichtum)
Jeremias, Jörg, Der Prophet Amos, ATD 24,2, Göttingen 1995

 

 

 

Auslegung zu Lukas 7, 11-16

 

Exegese

 

Diese Textstelle gehört neben dem „Töchterlein des Jairus“, (Mt, 9,18-26parr), Lazarus (Joh 11), Tabitha durch Petrus in Joppe (Apg 9, 16-43) und Paulus in Troas (Apg 20, 9-12) zu den fünf berichteten Totenerweckungen im Neuen Testament. Es handelt sich bei Lukas 7, 11-16 um Sondergut, das nicht in der Logienquelle steht. Am Vorbild der Totenerweckungen z. B. durch Elija (1 Kön 17, 17-24), Elischa (2 Kön 4, 18-37) wird deutlich gemacht, dass in Jesu der endzeitliche Prophet gekommen ist. Jesus berührt die Bahre und befiehlt dem Toten auszustehen, dieser tut es. Hier wird sichtbar, dass Jesus im Auftrag des Vaters der „Herr über das Leben“ ist. Gott hat sein Volk heimgesucht, dieser Gott ist ein Gott des Lebens, das er auch in Kreuz und Auferstehung seines Sohnes bekräftigt. Dies Zeichen der Erweckung des Toten will die Menschen zum Glauben bewegen.

 

 

 

Krankheit und Leben am Beispiel von AIDS

 

Es ist zu kurz gegriffen zu sagen, Tote erwecken können wir nicht, also steckt in dem Text keine Herausforderung für uns. Wir können aber auf vielfältige Weise Tod verhindern und Kranke heilen. Das hat das Christentum in seiner Geschichte fast immer getan.

 

Hier sei auf AIDS hingewiesen und die Herausforderung, die diese Seuche an die Christen stellt. Es gibt 2006 über 40 Millionen AIDS-Kranke auf der Welt. Die meisten (über 28 Millionen) davon leben in Subsahara-Afrika, einer wirtschaftlich äußerst schwachen Region. Jährlich sterben etwa 3 Millionen daran. 10 Millionen sind unter 25 Jahren. In Sambia wird die Zahl der AIDS-Waisen von 800.000 im Jahr 2005 auf 2 Millionen im Jahr 2010 wachsen. Über 16 Millionen sind weltweit seid Ausbruch der Krankheit schon daran gestorben.

 

Gerade die Kirchen leiten in diesen Ländern eine umfangreiche Hilfe, aber ohne Mittel aus den reicheren Ländern können sie wenig bewegen.

 

Die Medikamente für die Behandlung der Krankheit sind für die armen Länder zu teuer. Deshalb fordert das Aktionsbündnis gegen AIDS: Originalpräparate zum Produktionskostenpreis an ärmere Länder zu verkaufen, die Kosten für die Forschung und Entwicklung von Aidsmedikamenten transparent darzustellen, zeitnah Medikamentendosierungen bereitzustellen, die zur Behandlung von Kindern geeignet sind und in ärmeren Ländern generell auf die Durchsetzung von Patenten auf Aidsmedikamente zu verzichten.

 

 

 

Gedanken zur Ansprache

 

Eine eindringliche Szene da am Stadttor von Naim. Jesus, seine Jünger und eine Menge, die ihm folgte. Am Stadttor begegnen sie einer Beerdigung, der Tote ist der einzige Sohn seiner Mutter, als ihr Versorger, wenn sie alt wird, und auch sie begleitet eine große Menge. Ähnlich wie in der Erweckung des Lazarus wird Jesus innerlich von dieser Situation ergriffen, die Frau jammert ihn. Die Menschen erkennen, dass in Jesu Gott sein Volk besucht.

 

Was hat das aber mit uns zu tun? Tote erwecken können wir nicht. Jesus beweist sich in dieser Erweckung auch als der Herr über das Leben. Er will dem Leben der Menschen dienen, damit sie es in Fülle haben, dafür stirbt er und dafür wird er zu neuem Leben vom Tod erweckt. Er bricht auch mit der verbreiteten Meinung, dass Krankheit und früher Tod Strafe für Sünden, auch der Väter sei.

 

Wir glauben daran, dass mit Jesus die Herrschaft des Todes gebrochen ist. Das haben Christen zu vielen Zeiten so erkannt und sich in besonderer Weise für das Leben eingesetzt, durch Hospitäler, in Krankenpflegeorden und vor allem seit 19. Jahrhundert durch Diakonissinnen und Schwestergemeinschaften. Viele Einrichtungen wurden durch die Christen ins Leben gerufen.

 

Heute stellt AIDS auch eine große Herausforderung für die Christen dar. (Situation kurz schildern) Gerade in unseren Ländern sind sie zur Hilfeleistung herausgerufen und auch bereit. Sie bekennen in ihrem Einsatz für die Kranken, dass sie an Jesus, den Herrn des Lebens, glauben.

 

 

 

Literatur

 

Haag, Heribert, Bibellexikon, Zürich³ 1982 (Totenerweckung)
Müller, Paul-Gerhard, Lukasevangelium, Stuttgart 1984
Neues Testament Deutsch (NTD) CD Göttingen 2001
Schürmann, Heinz, das Lukasevangelium, 1. Teil, Freiburg² 1982

 

Dr. Ernst Leuninger, Limburg

 

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