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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

16. Sep. 07 - 24. Sonntag im Jahreskreis / 15. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Lk 17, 5-6

Ex 32, 7-11.13-14

1 Tim 1, 12-17

Lk 15, 1-32 oder
Lk 15, 1-10

Die Autorin betrachtet alle Predigtperikopen des Sonntags. Stichworte: Reicht ein (senfkorngroßer) Glaube für die Herausforderungen unserer Zeit? Vertrauen in die Wirkmacht kleiner Schritte (Lk 17); Menschen (wieder) auf den richtigen Weg bringen, Praxis des Langmuts im Sinne von „Zornverzögerung“, erkennen und überwinden zu vordergründiger, gegenwartsorientierter Leitbilder ( Ex 32); Geduld, Abwarten, Ausdauer und Beharrlichkeit als Voraussetzungen für nachhaltiges Handeln, Praxis in der Gemeinde und global (1 Tim 1); Umkehr und Wiedereinbindung als Kriterium für „Leben“ und „Tod“ (Chance geben), es geht um jede(n) Einzelnen und jede einzelne Tat oder Einstellung, zielführende Freude der Erfüllung (Lk 15); PISA-Debatte und Nachhaltigkeit

 

 

 

Ev. Reihe V: Lk 17, 5-6

 

 

 

Text

 

Die Botschaft der Perikope Lk 17, 5-6 – der senfkorngroße Glaube, der imstande ist, eine Sykomore ins Meer zu versetzen – entspricht der Aussage des breit bezeugten Jesuslogions vom Glauben, der Berge versetzen kann (s. auch Mk 11, 23; Mt 17, 20; Mt 21, 21 und 1 Kor 13, 2); der inhaltliche Kern ist trotz der offensichtlich späteren Interpolation ins Lk-Evangelium (αποστολοι V5) sehr alt und geht wohl unmittelbar auf den Aufruf und die Ermutigung Jesu zu einem Glauben zurück, "der in seiner Radikalit weit über das hinausgeht, was zeitgenössische Theologie zum Glauben zu sagen wusste“ (G. Barth). In Lk 17 steht er im Kontext von ethischen Ermahnungen an die Jünger: der Warnung vor Verführung (Vv 1-4) und der Mahnung zu Glaube und Dienst (Vv 7-9). Im breiten Wortklang von πιστισ klingen in diesem Kontext „Glaubensgehorsam“ und „Bindung an Jesus Christus“ hervor.

 

 

 

Auffällig ist, dass die im Text beschriebene Wirkung des Glaubens weder in Zusammenhang mit biblischen oder traditionellen Glaubensinhalten steht, noch einen Sinnzusammenhang in sich trägt. Mit Jesu Bildwort geht es also nicht um den Zusammenhang von Glaube und spezifischer Wirkung, sondern um die Kraft des Glaubens an sich als Gehorsam und vertrauende Teilhabe an der verborgenen Macht Gottes.

 

 

 

Nachhaltigkeit

 

Die Bezüge zum Thema Nachhaltigkeit sind eher allgemeiner Natur, insofern für Christinnen und Christen nachhaltiges Handeln Gottes Gebot entspricht und damit Ausdruck ihres Glaubens ist. Auch ist glauben selbst nachhaltiges Tun, insofern es bedeutet, in lebendiger Hoffnung und Erwartung auf das Reich Gottes hinzuleben – manchmal gegen eigene Fragen und Zweifel, die oft auch dem/der nachhaltig Handelnden kommen mögen.

 

 

 

So könnte eine Predigt die hinter dem Predigttext hörbare Frage der Jünger aufnehmen: Ist nicht unser Glaube angesichts der Größe der Aufgabe viel zu klein? Ähnlich ließe sich im Blick auf alle Bezüge nachhaltigen Handelns fragen: Ist es nicht viel zu wenig oder gar sinnlos, was wir angesichts der ökologischen Ausbeutung, der globalen Wirtschaftsordnung, der welt- und gesellschaftspolitischen Strukturen tun können? Oder: Brauchen wir nicht einen viel stärkeren Glauben, um hier Veränderungsmöglichkeiten auch nur zu sehen?

 

 

 

Jesus verheißt dem senfkorngroßen Glauben eine immense und wunderbare Wirkmächtigkeit. Geschehen unsere kleinen Schritte in solchem Glauben, ist auch ihnen eine wunderbare Wirkung verheißen. Dementsprechend müssten wir uns fragen lassen:

 

 

 

  • Vertrauen wir tatsächlich auf die Wirkmächtigkeit unserer kleinen Schritte, oder gehen wir sie nur, „um überhaupt etwas zu machen“? bzw. versuchen ständig, ihre Wirkung zu überpr
  • Spüren wir in unserem Tun so etwas wie Einklang mit Gottes verborgenem Wirken in der Welt?
  • Gibt es – analog zu V5 – eine Rückbindung unseres Tuns im Gebet?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kath. Lesungstexte C: Ex 32, 7-11.13-14; 1 Tim 1, 12-17; Lk 17, 1-32

 

 

 

Allgemeine Überlegungen:

 

Alle drei Texte kreisen um die pädagogische Aufgabe, Menschen, die vom Weg abgewichen sind oder sich auf falschem Weg befinden, auf – oder wieder auf – den richtigen Weg zu bringen. Darüber diskutiert Mose mit Gott angesichts der Abkehr des Volkes Israel von seinem Befreier zu einem selbstgemachten Götzenbild, dafür preist der bekehrte Apostel seinen Gott, das zeigt beispielhaft der Vater im Umgang mit seinem nach Unabhängigkeit strebenden Sohn. Die einzelnen, in den Texten geforderten oder beschriebenen Verhaltensweisen lassen sich unter den Oberbegriff μακροθυμια (Geduld, Langmut, Ausdauer) fassen, der auch der Schlüsselbegriff des 2. Lesungstextes, 1 Tim 1, 12-17 ist. In der LXX wird μακροθυμια synonym für die Verzögerung des göttlichen Zorns verwendet – dem Verhalten also, das Mose im ersten Lesungstext Ex 32, 7-11.13-14 von Gott fordert; μακροθυμια kennzeichnet in Lk 15, 11-32 das Verhalten des Vaters gegenüber dem „verlorenen“ Sohn. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit geht es also um eine der grundlegenden Eigenschaften für nachhaltiges Handeln, die in den drei Texten in ihren verschiedenen Facetten entfaltet wird.

 

 

 

Ex 32, 7-11.13-14 steht im Kontext der Sinaiperikope und schließt sich an die Erzählung vom Goldenen Kalb an, einem selbstgegossenen Götzenbild, das das Volk Israel während der langen Abwesenheit Moses und der damit verbundenen Unsicherheit und Zukunftsangst anfertigt, als „Ersatzgott“ verehrt und damit von seinem Gott abfällt. Ordnet man diesen Bruch des Ersten Gebots dem priesterschriftlichen Gedankengut als „Ausdruck einer Theologie (…), die eine verborgene, gottgesetzte Lebensordnung der Welt und der Geschichte instituieren will“ (Zenger) zu, kann man so weit gehen, den in Israels Anbetung des selbstgefertigten Götzen liegenden Beziehungsabbruch zu seinem Gott als Gefährdung menschlicher Existenz im Bund mit Gott und damit letztlich des Lebens überhaupt anzusehen. Das Gottesvolk l sich aus dem lebensnotwendigen Gleichgewicht von Erwählung und Gebot, von Beschenkt-werden und Verantwortlich-sein heraus.

 

 

 

Mose kann Gottes tödlichen Zorn darüber jedoch dadurch abwenden, dass er Gott in seiner Fürbitte auf die Grundzüge seines Bundes mit Israel verhaftet und Gott sowohl an die Kraft und Wohltat, die er bisher in die Geschichte seines Volkes investiert hat (V 11), wie auch an seine Selbstbindung an sein Volk und seine Verheißung – und damit letztlich an seine eigene Zukunft (V 13) – erinnert.

 

 

 

In V 8 fällt die Verbdopplung: סרו מהר aus dem Erzählstil heraus. Die Schuld Israels liegt nicht allein im Abfall von Gott, sondern in der Ungeduld und Eile, mit der der verlässliche und lebenssichernde Weg mit seinem Retter aufgegeben wird. Mose setzt Gottes vernichtendem Zorn die Aufforderung „Gedenke an deine Knechte…, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast“ (V 13), entgegen. Dadurch werden menschliches und (erbetenes) göttliches Handeln hier durch die Verben זכר und מהר charakterisiert und einander entgegengesetzt.

 

 

 

An diesem Gegensatz lassen sich die stärksten Bezüge zum Thema Nachhaltigkeit entfalten: Sünde gegen Gott wird gleichgesetzt mit der eiligen und oberflächlichen Reaktion auf die aktuelle Befindlichkeit, die zum Leitbild erhebt, was ihr gerade opportun erscheint. In solche Handlungszusammenhänge lassen sich alle Handlungsweisen einbeziehen, die ihrem Prinzip nach dem Nachhaltigkeitsgedanken widersprechen:

 

  • der wachsende Energieverbrauch und die damit verbundene Ausbeutung der Rohstoffressourcen im Dienst eines angeblich segensreichen Wirtschaftswachstums – insbesondere in den Schwellenländern –, ohne Rücksicht auf die Versorgung kommender Generationen und die katastrophalen Folgen der Erderwärmung;
  • eine immer mehr Arbeitskräfte freisetzende Wirtschaftspolitik im Dienste der globalen Wettbewerbsfähigkeit ohne Rücksicht auf die Auswirkungen in der Bevölkerung und dem Konsumrückgang auf den lokalen Märkten;
  • eine immer intensivere und wasserverbrauchende Landwirtschaft im Dienste gesteigerter Ertragsfähigkeiten ohne Rücksicht auf Folgen der Wasserverknappung für das Erdklima und die Ausbreitung der Hunger- und Dürregürtel;
  • eine immer extensivere Fischerei ohne Rücksicht auf das Nachwachsen der Fischbestände im Dienst der eigenen Landesinteressen;
  • eine immer stärkere und ungedeckte Verschuldung der Industrienationen im Dienst der Erhaltung des gegenwärtige Lebensstandards ohne Rücksicht auf die Schuldenlast kommender Generationen; …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dem setzt Mose Gottes rückblickendes, erinnerndes und die ursprünglichen Ziele vergegenwärtigendes Handeln entgegen: Gottes Geschichte mit den Menschen ist – auch über Spannungen und Brüche hinweg – auf Zukunft angelegt. Sie hält an der Bundespartnerschaft auch über Zerwürfnisse und Brüche hin fest. In diese Handlungszusammenhänge lassen sich nachhaltige Handlungsweisen einbeziehen, Handlungsweisen, die sich an den gesetzten Zielen orientieren und die Balance zwischen Verbrauch und Regeneration aufrechterhalten.

 

 

 

1. Tim 1, 12-17 ist ein Paulus in den Mund gelegter, aber wohl aus der deuteropaulinischen Schule stammender und auf die Bekehrung des Paulus vor Damaskus (Apg 9) anspielender Hymnus, der Gott für seine Langmut (μακροθυμια) preist, mit der er den Widerstand des Apostels gegen die christliche Gemeinde und gegen Gott selbst überwunden hat. Diese rechtfertigende und menschlichen Eigensinn überwindende Liebe ist konstitutiv sowohl für das gemeindliche als auch das gemeindeleitende Handeln; dementsprechend ist der Hymnus im 1 Tim am Beginn den Ausführungen über die Gemeindestruktur und die einzelnen Ämter vor- und übergeordnet.

 

 

 

Der Begriff μακροθυμια beschreibt eine Grundlinie in Gottes Beziehung zu dem immer wieder von ihm abfallenden und eigenwillig gegen ihn aufbegehrenden Menschen. Das schließt den Gedanken der Selbstbindung Gottes an sein Volk in Bund und Verheißung (זכר Ex. 32, 13) ein und universalisiert diesen Gedanken zu einem verbindlichen Wesenszug Gottes. Geduld, Abwarten, Ausdauer und Beharrlichkeit als Voraussetzungen für nachhaltiges Handeln, das nicht auf rasche Erfolge und Ergebnisse drängt, sondern einen langen Weg vorhersieht und auch isserfolge hinweg begleitet und eben darin auf Zukunft angelegt ist (Beispiele s.o.), ist dementsprechend auf der menschlichen Ebene ein Spiegel des göttlichen Handelns und hat an seinem Handeln Anteil.

 

 

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit

 

Da die göttliche μακροθυμια auch für das Gemeindeleben und die Gemeindeleitung konstitutiv ist, legt eine Predigt über 1 Tim 1, 12-17 die Frage nahe, wie die Gemeinde vor Ort Ausdauer und Geduld in Analogie zum göttlichen Vorbild umsetzen und leben kann. Dabei stehen die kleinen Schritte nachhaltigen Handelns im Vordergrund:

 

  • Ist das Thema Nachhaltigkeit überhaupt ein Thema der Gemeinde?
  • Wo in der Gemeinde leiden Menschen oder Arbeitszusammenhänge ganz deutlich sichtbar unter einem „Raubbau“ an Ressourcen, Arbeitskräften?
  • Wo spürt die Gemeinde besonders schmerzhaft auch die fehlende Balance zwischen Arbeit und Ruhe, Aktion und Spiritualität?
  • Wo ist Raum, Gottes μακροθυμια lobpreisend zu vergegenwärtigen, wo brauchen wir Christinnen und Christen sie in unserem eigenen Leben, wo können wir sie umsetzen?
  • Auch in unseren Gemeinden lassen sich zahlreiche Ansätze finden, ausdauernd und geduldig Zeichen zu setzen gegen eigenmächtige und zerstörerische Lebenszusammenhänge, unter denen Menschen leiden: Initiativgruppen (Flüchtlingshilfe, fairer Handel, Friedenskreis) treffen sich und agieren über lange Zeit ohne großen Zulauf oder spürbare Resonanz in der Gemeinde… Menschen werden auch in schwierigen Lebenszusammenhängen begleitet und durchgetragen… Vermögendere Gemeinden finden Finanzierungskonzepte, mittels einer Photovoltaikanlage Strom zu erzeugen und zur Steigerung erneuerbarer Energien beizutragen, auch wenn sich diese erst nach einer gewissen Zeit rechnet, oder ihr Brauchwasser über eine Regenwasserzisterne zu sammeln…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Solche kleinen Schritte sind zum Scheitern verurteilt, wo nach kurzfristigen Erfolgen gefragt wird, über längere Zeiträume hinweg sind sie aber u.U. sehr effizient.

 

 

 

Die Parabeln vom verlorenen Schaf, dem verlorenen Groschen und dem verlorenen Sohn Lk 15, 1-32 thematisieren wiederum Einzelaspekte der μακροθυμια als Grundzug nachhaltigen Handelns. Hintergrund dieser dem lkn. Sondergut zugehörigen Gleichnisse ist möglicherweise die Frage der Gemeinde nach dem Umgang mit den unter den römischen Repressionen von der Gemeinde und vom Glauben Abgefallenen. Oberstes Ziel aller drei Gleichnisse ist die Wiedereinbindung des Verlorenen oder Verirrten in seine alten Lebenszusammenhänge. Nachgehen („πορευωμαι“ V 4), suchen („ζητεω“ V 8) und sich über das Wiedergefundene freuen („χαιρω“ V 9; „ευφραινεω“ V 23) kennzeichnen diesen Weg. Dabei geht es dem Verfasser aber um mehr als um eine bloße Unterscheidung von richtigen oder falschen Verhaltensmustern. Wie auch in Ex 32 geht es Lk um die Frage von Tod oder Leben. (Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden V 24).

 

 

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit

 

Lk 15, 1-7 betont auf diesem Weg die Bedeutung des Einzelnen für das Gesamte. Das eine Schaf ist dem Hirten so wichtig, dass er bereit ist, 99 Schafe um des einen willen im Stich zu lassen. Damit durchbricht er das eingespielte menschliche Verhaltensmuster, Verluste an den Rändern hinzunehmen oder gar zu kalkulieren: „Ein bisschen Schwund ist immer“. Sein Ziel ist es, die Herde als einen lebendigen Organismus insgesamt zu erhalten, wobei es auf jeden Einzelnen und jedes Detail ankommt. Hieraus ergeben sich wiederum zahlreiche Bezüge zu nachhaltigem Handel in Ökologie, Wirtschaft und Politik, die von kleinen Anfängen ins ganz Große gehen.

 

 

 

Ich selbst erinnere mich aus meiner Ausbildungszeit im Hauptschulzweig einer Giessener Gesamtschule an einen Deutschlehrer, der seinen Schülern und Schülerinnen z.T. bis ins Rotlichtviertel nachging. Er hatte morgens in seinem Unterricht ein Arbeitsklima, das tatsächlichen Unterricht ermöglichte und die Jugendlichen hatten auch zu seinen pädagogischen Maßnahmen Vertrauen – er legte großem Wert auf Pünktlichkeit, Höflichkeit und ordentliche Kleidung und ahndete Verst auch hart. Aus seiner Abgangsklasse bekamen überdurchschnittlich viele Jugendliche Lehrstellen.

 

 

 

Lk 15, 8-10 legt Wert auf die ansteckende Freude als Zielzustand eines solchen, dem einzelnen nachgehenden Handelns, die über die Handelnde selbst auch ihr Lebensumfeld (Nachbarinnen, Freundinnen) einschließt. Handeln, dass sich am Erhalt des Gesamtbestandes orientiert, führt zu einem allgemeinen Gefühl von Zufriedenheit und Erfüllung.

 

  • In einem Betrieb, in dem auf die Befindlichkeit der Einzelnen geachtet wird und sich niemand Sorgen um den Erhalt seines Arbeitsplatzes machen muss, ist das Betriebsklima gut, wird in der Regel auch erfolgreich gearbeitet und Engpässe eher überwunden.
  • In einer Kita-Gruppe, in der die Kinder von Anfang an lernen, auf die Gefühle der einzelnen, insbesondere der Kleineren zu achten, sind die Kinder ausgeglichener und fröhlicher.
  • Im näheren Umfeld lassen sich hier sicher eine Reihe von Beispielen finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lk 15, 11-32 (fakultativ) macht den Aspekt der vergebenden Liebe stark, der selbst über den totalen Beziehungsabbruch hinweg an seinem Sohn festhält. Insofern handelt der Vater so, wie Mose es in Ex 32 von Gott fordert.

 

 

 

Weitere Predigtideen:

 

Unabhängig von den oben genannten Beispielen aus den großen Zusammenhängen von Ökologie, Wirtschaft und Gesellschaft, die sich an vielen Stellen in den Handlungszusammenhang von göttlichem Handeln und menschlichem Handeln wie auch in die Gegenüberstellungen von Traurigkeit und Freude oder Tod und Leben eintragen lassen, finde ich es reizvoll, den pädagogischen Grundimpuls der Texte aufzunehmen und in der Predigt nach den pädagogischen Paradigmen für eine Erziehung und Bildung im Sinn der Nachhaltigkeit zu fragen. Das Thema ist durch die Diskussion um die PISA-Studie und die Frage der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund aktuell.

 

 

 

Die heutige Schulpädagogik ist an Fragen der Nachhaltigkeit wenig interessiert. Das beginnt bei der Unterrichtsstruktur. Lernen ist zumeist in segmentierten Schulfächern und dort in einzelnen, ergebnis- und lernzielorientierten Unterrichtseinheiten organisiert; Wissen wird im Blick auf die Verfügbarkeit in Tests und Klausuren, weniger im Blick auf die Anwendungsrelevanz, vermittelt und angeeignet. Die Bewertung Einzelner orientiert sich am Ergebnis dieser Tests. Die Schule bietet inzwischen zwar mehr, insgesamt aber doch zu wenig Raum für kritische und kreative Fähigkeiten und Begabungen. Die PISA-Debatte hat diese Fokussierung auf Einzelleistungen noch verschärft. Auch Lehrerinnern und Lehrer finden unter den gesteigerten Erwartungen und der rigiden Sparpolitik der Schulen immer weniger Möglichkeiten, ihren Schülerinnen und Schülern begleitend nachzugehen.

 

 

 

Die Wertschätzung immer mehr spezialisierter Fähigkeiten setzt sich in den beruflichen Anforderungen fort. Die Vertiefung von Fachwissen gegenüber allgemeiner Bildung ermöglicht dabei einerseits eine hohe Professionalisierung, die in den komplexer gewordenen Produktionsvorgängen notwendig ist, sie führt umgekehrt aber auch dazu, dass Gesamtzusammenhänge aus dem Blickfeld des Einzelnen geraten.

 

 

 

Die Folge davon ist, dass langfristige und Schwankungen unterworfene Entwicklungsprozesse aus dem Blickfeld geraten und vielfach nicht mehr durchgehalten werden. Rasch (מהר) muss Erfolg sichtbar werden, m Bedürfnisse befriedigt werden.

 

 

 

Vorbildhaft könnte dem eine Pädagogik entgegenwirken, die Kindern und Jugendlichen neue Denkansätze vermittelt. Fachübergreifender Unterricht an einzelnen Themen (wie z. B. in den „Unterrichtsepochen“ der Waldorfschulen) lehrt Jugendliche, Fähigkeiten anzuwenden und aufeinander zu beziehen, von einem Ganzen her zu denken und – analog zu Lk 15, 1-7 – auch die Kleinigkeiten in den Blick zu nehmen. Auf der sozialen Ebene wird solches Verhalten dadurch gefestigt, dass die Kinder und Jugendlichen als Individuen mit ihren speziellen Begabungen stärker in den Blick genommen und diese Begabungen nicht in ein Werteranking gestellt werden, dass intellektuelle Fähigkeiten überbewertet oder gar allein gelten lässt. Auch eine solche Bildung wird sich in beruflichen Anforderungen fortsetzen und dort eher jener Langmut und Ausdauer Vorschub leisten, die nötig ist, um mit nachwachsenden Ressourcen zu planen, vernetzt und in Regelkreisen zu denken.

 

 

 

 

 

Zitierte Literatur:

 

Gerhard Barth: Art. „πιστισ / πιστευω“ in: Horst Balz/Gerhard Schneider (Hrsg.): Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd.3, 2. Aufl. 1992, 215-231.

 

Erich Zenger: Art. „Priesterschrift“ in: TRE3 Bd. 27, 435-446.

 

Dr. Susanne Bei der Wieden, Frankfurt am Main

 

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