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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

2. Sep. 07 - 22. Sonntag im Jahreskreis / 13. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Mt 6, 1-4

Sir 3, 17-18.20.28-29 (19-21.30-31)

Hebr 12, 18-19.22-24a

Lk 14, 1.7-14

Die Autorin geht auf den Predigttext der ev. Reihe V sowie den kath. Text der 1. Lesung und des Evangeliums ein. Stichworte: Einsatz für wichtige Ziele auch ohne direkten Lohn oder Anerkennung (Mt 6); eigene Beiträge sind notwendig, einer davon heißt „Bescheidenheit“ (Sir 3); Gerechtigkeit erfordert, unsere Privilegiertheit wahrzunehmen (Lk 14)

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Der 13. Sonntag nach Trinitatis hat keinen besonderen Stellenwert im Kirchenjahr. Das Schuljahr und die Aktivitäten des Herbstes laufen langsam wieder an. Nach der erneuerten Agende der Evangelischen Kirche der Pfalz kann er als Sonntag der Diakonie gefeiert werden. Darauf weist der Wochenspruch in der Evangelischen Kirche hin:

 

„Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40)

 

 

 

Mt 6, 1-4 (Perikopenreihe V)

 

Exegetische Überlegungen

 

Die Frage nach dem Hintergrund des Matthäusevangeliums ist wichtig für dessen Auslegung. Vermutlich ist es in judenchristlichen Kreisen des 1. Jahrhunderts nach Christus entstanden, wahrscheinlich in Syrien. Es bildet dann innerjüdische Auseinandersetzungen und Diskussionen in den judenchristlichen Gemeinden ab. Die Frage der Gerechtigkeit im Widerstand gegen das übermächtige römische Reich spielt eine große Rolle. Mit Nachdruck wird Gebetsfrömmigkeit mit der Lebenspraxis verbunden. Glaube an Gott und Verhalten gegenüber den Mitmenschen gehören untrennbar zusammen.

 

Unser Text gehört mitten in die Bergpredigt in den Kontext des Vaterunsers und eröffnet den mittleren Abschnitt des Hauptteils mit einem allgemeinen Satz. (Vers 1) Almosen, Beten und Fasten sind die drei wichtigsten Verdienste der jüdischen und frühchristlichen Frömmigkeit. Durch sie soll sich die Liebe zu Gott zeigen und außerdem Gerechtigkeit verwirklicht werden. Sprachlich neigt der Text zu Übertreibung des Ausdrucks. Die Wendungen sind bei uns aber zu sprichwörtlichen Ausdrücken geworden: „ausposaunen“, „die Linke weiß nicht, was die Rechte tut“, „im stillen Kämmerlein“. Theoretisch könnten die starken Ausdrücke von Jesus stammen, sie können aber auch genauso gut in einer griechisch sprechenden judenchristlichen Gemeinde im Sinne Jesu formuliert worden sein.

 

 

 

Assoziationen

 

Bei den drei Werken gibt es große Parallelen zum Islam. Das wäre vielleicht eine Möglichkeit, im interreligiösen Dialog anzuknüpfen. Eine gute Beispielgeschichte ist das Märchen von der Goldmarie und der Pechmarie. Goldmarie hilft uneigennützig aus einem guten Herzen heraus und wird unerwartet reich belohnt, Pechmarie macht berechnend nur das Nötigste, weil sie den Lohn erhalten will, und wird letztendlich dafür bestraft.

 

 

 

Predigtthema

 

Gutes tun, weil es gut ist und notwendig, nicht, weil wir belohnt werden wollen.

 

Auch verborgenes Tun zeigt Wirkung.

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ist sinnvoll und notwendig, auch wenn nicht direkt von irgendwoher Lob und Anerkennung zu erwarten ist. Große Sprüche und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen bringt nicht weiter. Eindeutigkeit ist wichtig, auch wenn unsere Überzeugung vielleicht gerade nicht mehrheitsfähig ist.

 

Tu Gutes und sprich darüber – ist ein beliebtes Motto, das wir für kirchliches Fundraising und Sponsoring auch benutzen. In Sachen Umweltschutz sind die sinnvollen Entscheidungen aber nicht immer populär, weil sie meistens teurer sind (z. B. Photovoltaik auf dem Gemeindehaus) oder uns und anderen Opfer abverlangen (z. B. weniger Auto fahren). Kirchliche Amtsträgerinnen und –träger sowie Politiker und Politikerinnen wollen (wieder-)gewählt werden und niemandem auf die Füße treten.

 

 

 

Literatur:

 

Martina S. Gnadt in: Kompendium Feministische Bibelauslegung, hrsg. von Luise Schottroff und Marie-Theres Wacker, Chr. Kaiser, Gütersloh 1998, S. 483 ff.

 

Peter Weigandt in: Gottesdienstpraxis, hg. von Erhard Domay und Horst Nitschke, Gütersloh 1988

 

 

 

Sir 3, 17-18.20.28-29

 

Exegetische Überlegungen

 

Das Buch Jesus Sirach ist eine Weisheitsschrift, die keine Aufnahme in die Hebräische Bibel gefunden hat und deshalb als deuterokanonisch, bzw. als apokryph, bezeichnet wird. In der in der evangelischen Kirche gebräuchlichen Lutherbibel ist dieses Buch nicht enthalten. Seine Textgeschichte ist kompliziert, die Texte waren z. T. lange verschollen, deshalb ist die Textgrundlage unsicher. Vermutlich ist es zwischen 190 – 175 v. Chr. in Jerusalem von einem Menschen namens Simon Ben Jesus Ben Sira geschrieben worden. Spannungen zwischen Hellenismus und Judentum spiegeln sich darin. Weisheit und Gottesfurcht sind beherrschende Themen des Buches. Gott hat allen Lebewesen Weisheit gegeben, die vor allem darin besteht, Gottes Gebote zu halten. Andererseits tritt die Weisheit aber auch als selbstbewusste Lehrmeisterin auf und ist sozusagen ein Bild für Gott selbst. Der vorgeschlagene Text steht im Kontext eines Lehrgedichtes (3, 1-16), in dem es um eine Neuinterpretation des „Eltern-Gebotes“ geht.

 

 

 

Assoziationen

 

„Bescheidenheit ist eine Zier – doch weiter kommt man ohne ihr“ – das ist eigentlich eher heutige Auffassung. Das, was bei uns zählt, Ruhm, Ehre, Ansehen, ist vor Gott nicht wichtig. Gerechtigkeit und Leben für alle sollte unser Ziel sein.

 

 

 

Predigtthema

 

Bescheidenheit zahlt sich letztendlich aus – sie führt zu einer gerechteren Weltordnung und dient dadurch Gottes Willen.

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Wenn wir glauben, dass Gott allen Lebewesen auf der Erde Lebensmöglichkeiten eröffnen will, dann müssen wir unser Teil dazu beitragen, dass eine gerechte Verteilung der Güter möglich ist. Das hat Konsequenzen für das tägliche Leben. Wenn wir uns für Nachhaltigkeit einsetzen, dann hat das zur Folge, dass wir in unserem Konsumverhalten bescheidener werden (müssen). Wir schöpfen dann eben nicht alles aus, was machbar und erhältlich ist, sondern versuchen, einen bescheideneren Lebensstil zu finden. Dazu gehört für mich, fair gehandelte Produkte zu kaufen, die teurer sind, weswegen ich mich mehr einschränken muss. Ich kaufe regional ein und konsumiere eben nur das, was in dieser Jahreszeit bei uns erhältlich ist. Ich versuche, Müll zu vermeiden, indem ich weniger konsumiere.

 

 

 

Literatur

 

Angelika Strotmann, in: Kompendium Feministische Bibelauslegung, hrsg. von Luise Schottroff und Marie-Theres Wacker, Chr. Kaiser, Gütersloh 1998, Seite 429 ff

 

 

 

 

 

Lk 14, 1.7-14

 

Exegetische Überlegungen

 

Der vorliegende Text steht ganz in der Tradition jüdischen Denkens. Gottesliebe und Nächstenliebe gehören im jüdischen Glauben eng zusammen, genauso wie im christlichen. So wie im Judentum die Demut als Weg zur wahren Größe gesehen wird, so auch in der frühen christlichen Gemeinde. Es ist aber nicht ganz klar, ob diese Empfehlung zur Bescheidenheit wirklich uneigennützig ist und wirklichen Verzicht bedeutet, oder ob in ihr eher eine Berechnung steckt. Denn wer den obersten Platz wählt, riskiert die Blamage der Degradierung, während Bescheidenheit die Chance des Aufstiegs beinhaltet. Auch die Mahnung, Arme und Kranke einzuladen statt Freunde und Verwandte, ist nicht ganz frei von dem Verdacht der eigennützigen Lohnrechnung.

 

Jesus hat allerdings immer wieder deutlich gemacht, dass seine Forderungen über ein solches Lohndenken weit hinausgehen. Jesus predigt die Umkehrung der Verhältnisse, die alles auf den Kopf stellt, was menschlichem Denken so normal erscheint. Wer an Jesus glaubt und ihm nachfolgt, ist beschenkt mit der Gnade Gottes und hat keinen anderen Lohn nötig. Der Apostel Paulus führte das dann in seinen theologischen Überlegungen weiter aus (vgl. Brief an die Gemeinde in Rom), die die entscheidende Erkenntnis Martin Luthers zur Folge hatte, die besagt, dass wir Christen und Christinnen allein aus unserem Glauben heraus gerechtfertigt sind. Wir können Gott nicht mit guten Werken „beeindrucken“, sondern es verhält sich genau umgekehrt. Weil wir wissen, dass Gott uns liebt und verzeiht, weil wir allein aus Gnade gerechtfertigt sind, können wir die guten Werke vollbringen.

 

 

 

Assoziationen

 

Wer großspurig ist und Ruhm haben möchte, lebt meistens auf Kosten anderer. Andererseits ist es wohl typisch menschlich, sich den besten Platz am Tisch auszusuchen. Letztendlich wird den Bescheidenen jedoch der Lohn bei Gott verheißen.

 

 

 

Predigtthema

 

Sitzen wir auf dem richtigen Platz am Tisch?

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Wir haben uns unseren Platz am Tisch der Welt gar nicht ausgesucht, aber wir sitzen schon automatisch am oberen Ende. Denn wir sind ja auf der nördlichen Erdhalbkugel geboren. Durch unsere Art zu leben, leben wir ganz offensichtlich und unwillkürlich auf Kosten anderer. Das ist nicht gerecht und kann auch nicht gottgewollt sein. Hoffentlich müssen wir nicht eines Tages dafür bezahlen. Auch uns droht die Degradierung, wenn wir nicht alles tun, was in unserer Macht steht, die Gerechtigkeit zu vergrößern. Bescheidener zu leben heißt, sich selbst an einen Platz weiter unten am Tisch zu setzen. Das ist nicht leicht, denn wir sind ja daran gewöhnt, unseren Komfort zu haben. Ein Umdenken ist aber dringend erforderlich. Denn alle Menschen auf der Welt müssen Zugang zu den Ressourcen, zu sauberem Wasser, zu Gesundheitsvorsorge, zu gesunder Ernährung haben. Andernfalls drohen Verelendung und Kriege.

 

 

 

Literatur

 

Herbert Braun, Jesus – der Mann aus Nazareth und seine Zeit, Stuttgart 1984

 

Martina Horak-Werz, Gommersheim

 

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