Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

19. Aug. 07 - 20. Sonntag im Jahreskreis / 11. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Lk 7, 36-50

Jer 38, 4-6.8-10

Hebr 12, 1-4

Lk 12, 49-53

Der Verfasser geht auf den evangelischen Predigttext und die katholischen Lesungstexte ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Was ist Sünde bzw. eine sündige Einstellung, Gentechnik und Interessenkonflikte (Lk 7); Abhängigkeit von der Meinung Anderer, eine eigene Meinung bilden, Zusammenhänge z. B. in Umweltschutz, Frieden und Gerechtigkeit, selbst durchdenken (Jer 38); gegen die Sünde, d. h. Ungerechtigkeiten unserer Zeit, kämpfen – gemäß Jesu Beispiel (Hebr 12)

 

 

 

Lk 7, 36 - 50 (Jesu Salbung durch die Sünderin)

 

 

 

Jesus ist im Haus des Pharisäers Simon zum Essen eingeladen. Eine Sünderin aus der Stadt, die davon gehört hat, kommt und salbt seine Füße. Simon weist Jesus darauf hin, dass es sich um eine Sünderin handelt. Jesus erläutert Simon an einem Beispiel, dass derjenige, dessen Schuld am größten ist, sich auch am dankbarsten erweist, wenn die Schuld von ihm genommen wird. Umgekehrt führt die Liebe zu dankbarem Dienst ohne Erwartungen. Anschließend vergibt er der Frau ihre Sünden.

 

 

 

Sünde wird verstanden als eine Störung im Verhältnis zu Gott, die auch allgemein als Entfremdung aufgefasst werden kann. Im alten Testament wird vor allem die kollektive Verletzung des Bundes mit Gott durch das Volk betont, im neuen Testament stärker die Sünde des Einzelnen. Historisch erfuhr der Begriff mehrere Umdeutungen. Die Lehre der Erbsünde stellt mit der Ursünde Adams die Unmöglichkeit sündenfreien Handelns in den Vordergrund. Die Todsünde bei Übertretung eines Gottesgebotes unter vollem Bewusstsein und freiem Willen führt zum Verlust der Gnade und kann nur durch vollkommene Reue wiedererlangt werden. In der neueren Moraltheologie werden die sieben Hauptsünden als eher grundsätzliche schlechte ethisch-sittliche Haltung aufgefasst. In der evangelischen Theologie wird Sünde als Widerspruch des Menschen gegen Gottes Willen und Allmacht interpretiert, in jüngerer Zeit auch als Versagen bei persönlicher Verantwortung gegenüber Gott, den Mitmenschen und Mitgeschöpfen.

 

 

 

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, so ist damit auch konkretes Handeln gemeint. Dies kann sich als richtig oder falsch herausstellen, möglicherweise erst nach langer Zeit. Die Diskussion um die Gentechnik soll dafür als Beispiel dienen. Alle ernsthaften Kritiker und Befürworter treten mit ethischen Zielen an. Der Hunger in der Welt soll besiegt werden, Krankheiten ausgemerzt und eine verbesserte Lebensqualität soll erreicht werden. Dem gegenüber gilt es, nicht unzulässig in Gottes Schöpfung einzugreifen, das menschliche Leben von Anfang an zu schützen und die menschliche Fehlerhaftigkeit und Sterblichkeit anzuerkennen.

 

 

 

Was ist in diesem Zusammenhang Sünde? Welcher Standpunkt, welches Handeln ist richtig? „Nach augenblicklichem Wissensstand“ - so heißt es häufig, wenn die eigene Argumentation erläutert wird. Dies beinhaltet aber auch, dass wir ständig an Grenzen des menschlichen Wissens stoßen, dass wir auf die Gnade Gottes angewiesen sind und uns nicht selbst frei von Sünde sprechen können. Bei den unterschiedlichen Argumenten gilt es allerdings, genau zu analysieren, ob sich nicht dahinter handfeste Interessen verbergen. In Fällen wie der Gentechnik beim Menschen, in denen uns auch die Wissenschaft keine oder noch keine klare Erkenntnis liefert, gilt es außerdem, besonders behutsam zu handeln, um den vorbeugenden Schutz des Lebens unbedingt zu gewährleisten. Auf der anderen Seite gibt uns Gottes Zuspruch den Mut und die Freiheit, uns für unsere Mitmenschen und alle Geschöpfe Gottes einzusetzen.

 

 

 

 

 

Jer 38, 4-6.8-10 (Jeremia in der Zisterne)

 

 

 

Nachdem Jeremia den König zur Aufgabe seiner Stadt aufgefordert hatte, veranlasst der König auf Anraten der Oberen, dass Jeremia in eine schlammige wasserlose Zisterne geworfen wird. Ebed-Melech, der Kämmerer des Königs, bittet für Jeremia, da dieser sonst in der Zisterne vor Hunger sterben müsse. Darauf befiehlt der König, Jeremia aus der Zisterne zu befreien.

 

 

 

Gnade und Barmherzigkeit sind auf der einen Seite Gedanken, die beim Lesen durch den Kopf gehen. Andererseits wird hier von einem König berichtet, der sich nach Beratung zu je unterschiedlichem Handeln entschließt, auch wenn er zu den Oberen sagt: ...der König vermag nichts wider euch. Er ist also von den Oberen - die nicht näher beschrieben werden - abhängig, so dass er deren Rat umsetzt, ohne über die Konsequenzen für Jeremia und für sich selbst weiter nachzudenken. Erst auf den dringenden Einwand des Kämmerers, Jeremia müsse sterben, ändert er seine Entscheidung, allerdings ebenso vorbehaltlos wie zuvor. Letztlich haben also Gnade und Barmherzigkeit doch die Entscheidung des Königs beeinflusst.

 

 

 

Wie wir uns in Fragen der Gerechtigkeit oder der Schöpfungsverantwortung verhalten wird häufig bestimmt durch Meinungen von Arbeitskollegen, im Freundeskreis oder in der Familie. Nur zu oft sind es die Oberen, sind es Politiker, Vorgesetzte oder die Medien, die unsere Sichtweisen vorschnell prägen, ohne dass wir uns unterschiedliche Meinungen anhören. Im Dschungel der Interessen ist es zwar verwirrend, die verschiedenen Argumente einzuholen, zu werten und eigene Entscheidungen darauf zu gründen, aber unerlässlich, um den differenzierten Problemen unserer Zeit gerechter werden zu können. Letztlich müssen unsere christlichen Werte aber den Ausschlag für unser Handeln geben. Der Grundgedanke der Barmherzigkeit sollte uns bei den entsprechenden Entscheidungen leiten, Anwaltschaft für die Schwachen zu übernehmen oder Diakonie an der Schöpfung.

 

 

 

 

 

Hebr 12, 1-4 (Der Glaubensweg der Christen)

 

 

 

In dem Textabschnitt werden wir aufgerufen zu kämpfen, zu kämpfen gegen die Sünde im Aufblicken auf Jesus, der das Kreuz erduldete und der Schande nicht achtete.

 

 

 

Dieser Aufruf kommt kompromisslos daher. Jesus wird uns als Vorbild in seiner eigenen Kompromisslosigkeit vor Augen geführt. In seiner Nachfolge sollen wir Mut haben und nicht aufgeben. Im Gegensatz zum oben beschriebenen Lukastext geht es hier nicht darum, einem Sünder bzw. einer Sünderin zu vergeben, sondern darum, die Sünde an sich zu bekämpfen und dies auch zu tun in dem Bewusstsein, dass Jesus das Kreuz erdulden musste.

 

 

 

Unsere eigenen Sünden erkennen wir oft nicht, häufig auch nicht die Anderer oder wir wissen nicht, ob unser Handeln richtig oder falsch ist. Wir sehen aber die großen Ungerechtigkeiten und bezeichnen sie auch als Sünde. Kinderarbeit in Bergwerken, Zwangsprostitution und moderner Sklavenhandel, Abholzung ganzer Landstriche, Kriegstreiberei und Völkermord, maximale Firmengewinne bei gleichzeitiger Entlassungswelle - dies sind nur einige Beispiele der großen Ungerechtigkeiten unserer Zeit. Wir sind aufgerufen, uns mit unseren Mitteln einzubringen, gegen diese Sünden zu kämpfen. Wir sollten uns allerdings davor hüten, nur die fernen Sünden anzuprangern und die der Anderen. Auch wenn es schwer fällt, die eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler auszumachen, sind sie es doch, gegen die wir zuerst zu Felde ziehen müssen.

 

Winfried Hoffmann, Düsseldorf

 

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz