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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

12. Aug. 07 - 19. Sonntag im Jahreskreis / 10. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Joh 4, 19-26

Weish 18, 6-9

Hebr 11, 1-2.8-19 oder
Hebr 11, 1-2.8-12

Lk 12, 32-48 oder
Lk 12, 35-40

Die Autorin geht auf alle Predigttexte des Sonntags ein. Stichworte: das „wie“ eines christlich(-kulturell-)en Miteinanders (Joh 4); Mut haben, auch wenn die Erfolge nicht offensichtlich erscheinen; Hoffen als eigenständige verändernde Kraft zum Guten (kath. Texte)

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Es handelt sich um einen normalen Sonntag in der Lesejahrreihe. Das gemeinsame Thema der Texte des katholischen Lesejahres ist wach zu sein für das, was kommen wird. Im weisheitlichen Text geht es um die Nacht vor dem Auszug aus Ägypten, im Hebräerbrief um die Kraft des Glaubens und im Lukasevangelium um die kleine Herde, die auf die Ankunft des Herrn wartet. Der Text der evangelischen Leseordnung ist ein Auszug aus der Erzählung über die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Brunnen. Jesus gibt sich ihr gegenüber als der Messias zu erkennen.

 

 

 

Exegetische Hinweise

 

Der Ausschnitt aus dem 4. Kapitel des Johannesevangeliums beginnt mit dem Hinweis der Frau, dass sie Jesus als Prophet versteht (V 19). Deshalb legt sie ihm auch den Streitpunkt zwischen Juden und Samaritern um den rechten Kultort vor (V 20). Jesus macht ihr daraufhin deutlich, dass es nicht um den rechten Ort der Anbetung, sondern um die rechte Weise der Anbetung geht (V 21-24). Die Frau versteht die Antwort Jesu als Aussage über den kommenden Messias (V 25). Jesus aber macht in V 26 deutlich, dass er selbst dieser Messias ist.

 

 

 

Im Textabschnitt aus dem 19. Kapitel des Buches der Weisheit geht es um die Höhepunkte des Auszugs aus Ägypten, das Pessachfest und die Rettung aus der Hand der Ägypter. „Die Nacht der Befreiung“ in V 5 ist die Nacht vor dem Auszug aus Ex 12, 42, die zum Beginn der Befreiung wurde. In V 8 werden durch den Schwenk zum „uns“ die aktuellen Leser in das Exodusgeschehen einbezogen. Die Feier des Festes stiftet Gemeinschaft und Identität, was auch durch die Bezeichnung „fromme Söhne der Guten“ in V 9 unterstrichen wird. Diese Verbindung zum Pessachfest und zur Befreiungstat Gottes aus der Knechtschaft in Ägypten ist in den Versen jedoch nur sehr verschlüsselt erkennbar, so dass dieser Text wohl nach innen, an die eigene Gemeinde gerichtet war.

 

 

 

Der Text aus Hebräer 11 ist eine Mahnrede an die Gemeinde, in der es um zwei Aspekte des Glaubens geht: „Glaube ist: feststehen in dem, was man erhofft“ (V 1). Hier ist allerdings das griechische Wort „hypostasis“ mit „feststehen“ nur sehr unzureichend übersetzt. Hypostasis ist mehrdeutig: Grundlage, Substanz, Wirklichkeit, aber auch Zuversicht und festes Vertrauen. Deshalb könnte man auch übersetzen: „Glaube aber ist Verwirklichung von Erhofftem.“ Der zweite Gesichtspunkt ist, ebenfalls in Vers 1, „Glaube ist: überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht“. Auch hier müsste man genauer übersetzen. „Elenchos“ ist nicht nur Überzeugung sondern auch Beweis, Garantie, Bürgschaft. In den folgenden Versen werden Abraham und Sara als die Personen vorgestellt, die in ihrem Leben diesen Glauben gelebt haben. Denn Abraham hat sich mehrfach in das Ungewisse hinein auf Gott verlassen. Und durch die Mutterschaft Saras wird deutlich, welch Wunder des Lebens der Glauben hervorzubringen vermag.

 

 

 

Die Rede Jesu an seine Jünger in Lk 12, 35-40 stammt aus der Logienquelle (vgl. Mt 24, 43-51 und Mk 13, 33-37). Sie ruft die Jünger zur Wachsamkeit auf, da die Stunde der Rückkehr des Herrn nicht bekannt ist. Stete Dienstbereitschaft ist angesagt: immer gegürtet, stets brennende Lampen, immer bereit, zu öffnen (V 35-36). Der Herr selbst aber wird sich bei seiner Wiederkunft als der Knecht aller erweisen (V 37b). V 38 deutet eine Verzögerung dieser Ankunft des Herrn an, denn es werden die selig gepriesen, die durchhalten. Denn so, wie der Herr des Hauses nicht weiß, wann der Dieb kommt, kennen auch wir die Stunde der Wiederkunft des Herrn nicht (V 39). So wird noch einmal die ständige Wachsamkeit betont (V 40).

 

 

 

Nachhaltigkeitsbezug

 

Im Auszug aus dem Johannesevangelium geht es auch um das Verhältnis zwischen Juden und Samaritern, um ihren Streit über den rechten Ort der Gottesanbetung. Die Antwort Jesu auf das Anliegen der Samariterin gibt auch für heute wichtige Hinweise auf das Verhältnis zwischen den Religionen und das friedliche Miteinander: Es kommt nicht auf den Ort der Anbetung, sondern auf die Art und Weise, auf den Glauben und die innere Haltung dazu an. Wenn wir uns hierin gegenseitig achten und akzeptieren, dann ist „der Messias bereits angekommen“.

 

 

 

Die drei Texte der katholischen Leseordnung haben einen gewissen roten Faden, der sie miteinander verbindet: Es geht in allen dreien um die Frage, wie Menschen glauben können trotz gegenteiliger Erfahrungen.

 

 

 

An einen Gott zu glauben, der aus der Unterdrückung und dem Sklavenhaus in Ägypten befreit, fällt vor allem dann nicht leicht, wenn ich konkrete Unterdrückung, Not und Leid erlebe.

 

 

 

An einen Gott zu glauben, den ich nicht sehen kann und dessen Verheißungen sich scheinbar nicht einstellen, ist auch sehr schwer.

 

 

 

Und eine Gemeinde, die die nahe Wiederkunft des Messias erwartet, diese aber nicht erlebt, verliert leicht Glaube und Hoffnung.

 

 

 

„Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen“ sagt Dietrich Bonhoeffer. Der Glaube an diesen Gott fällt auch uns heute nicht leicht. Auch wir erleben Unterdrückung, Not, unendliches Leid von Mensch und Schöpfung. Auch wir rackern uns ab für die gute Sache, auch wir hoffen auf Veränderung und Verbesserung dieser Welt. Auch wir wünschen uns, dass das Reich Gottes, dass die Vollendung der Welt doch möglichst bald kommen möge.

 

 

 

Aber es dauert an und jeder kleine Fortschritt scheint durch tausend Rückschläge wieder in Frage gestellt zu sein. Da passiert es oft, dass der Mut verloren geht, dass die Hoffnung stirbt. Die Texte des 19. Sonntags im Jahreskreis wollen Mut machen, wollen den langen Atem stärken, wollen die Hoffnung verkünden. Walter Dirks, der große Vertreter des Frankfurter Sozialkatholizismus, hat einmal gesagt: „Hoffnung ist nicht Optimismus, nämlich die Abschätzung der Chancen des Guten. Hoffen heißt, auf die gute Karte setzen, ob Ihre Aussichten groß sind oder ob sie gering zu sein scheinen. Die Hoffnung ist nicht eine Vorausberechnung der Zukunft, sondern selber eine Kraft, welche die Welt verändert.“

 

Pia Arnold-Rammé, Frankfurt

 

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