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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

29. Jul. 07 - 17. Sonntag im Jahreskreis / 8. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Joh 9, 1-7

Gen 18, 20-32

Kol 2, 12-14

Lk 11, 1-13

Die Autorin geht auf die Texte der kath. Leseordnung ein. Stichworte: Kollektivdenken, Leben als Schicksalsgemeinschaft, in schwierigen Situationen (global!) Verantwortung als Rädchen im Getriebe wahrnehmen (Gen 18), Umgang mit Unheilsbotschaften, zuversichtliche Ausrichtung auf die Zukunft mit Jesus (Kol 2), „wer bittet, der empfängt ...“ – die Bitten der Anderen hören / erhören, aber auch selbst bitten (Lk 11)

 

 

 

Zu Gen 18, 20 – 32

 

Textzusammenhang

 

Drei Männer suchen Abraham bei den Eichen von Mamre auf. Zuvor hat Gott dem Abraham verheißen: „Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen... Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.“ (Gen 12, 2.3b). Er hat einen Bund mit ihm geschlossen, der den Nachkommen Abrahams eine große Zukunft verspricht. Nun bewirtet Abraham die drei Männer. Als sie sich verabschieden, weiht der Herr ihn in seine nächsten Schritte ein. Er wird nach Sodom gehen und dort den Klagen über das zügellose Treiben der Bewohner nachgehen. Abraham beginnt mit Gott zu rechten, appelliert an Gottes Erbarmen. Geradezu unverschämt feilscht er – will er doch nicht einsehen, dass der Herr alle für die Sünden einzelner vernichten will.

 

Der Jahwist hat diesen Handel Abrahams in die alte Mamre-Sodom-Erzählung eingefügt. Denn er will die Segensverheißung an Abraham in Gen 12, 3b betonen. Abrahams Größe zeichnet sich auch dadurch aus, dass er über den Horizont der eigenen Sippe hinausdenkt.

 

Abrahams inständiges Bitten für Sodom bleibt allerdings fast erfolglos. Lediglich Lot und seine Familie werden gerettet, mit ihnen hat der Herr Mitleid. Weitere Gerechte waren nicht aufzufinden. Die anderen Bewohner von Sodom gehen deshalb mit ihrer Stadt unter. Für Abrahams Sippe aber beginnt die versprochene Zukunft.

 

 

 

Leben in Schicksalsgemeinschaften

 

Familie, Sippe und Stamm wurden als Schicksalsgemeinschaften erlebt. Das ergibt sich aus der Lebensweise als Nomaden. In dieser Lebensform sind alle voneinander abhängig. Was einer tut, wirkt sich unmittelbar auf alle aus – im Guten wie im Schlechten. Kollektivdenken ist in einem solchen Lebensumfeld auch im religiösen Sinn naheliegend. Die Schuld eines Einzelnen vor Gott betrifft alle und muss von allen gesühnt werden. Vor diesem Hintergrund ist die allen Bewohnern Sodoms angedrohte Strafe des Herrn konsequent. Abraham löst dieses Denken nicht auf, aber er kehrt es um. Er argumentiert sehr steil: „Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?“ (18, 25 c) Wenn die Schuld eines Einzelnen ausreicht, alle zu bestrafen – so gilt das vielleicht auch umgekehrt: Nur wenige Gerechte könnten doch ausreichen, viele zu retten. Der Herr lässt sich auf diesen Handel ein. Hier zeigt sich ein neuer Blick auf Gottes Erbarmen.

 

 

Die große Frage

 

Krankheit und Leid als Gottes Strafe für Ungehorsam und Sünde – diese archaische Vorstellung wird immer wieder lebendig. Kaum passieren Naturkatastrophen, treten selbsternannte Propheten auf den Plan, die genau zu wissen scheinen, dass dies eine Strafe Gottes ist. Die Frage nach dem „Warum“ von menschlichem Leid scheint solche unverantwortlichen Antworten immer wieder zu provozieren. Denn nichts ist schlimmer, als hilflos zu sein, keine Antwort zu wissen und mit dieser ungeklärten Last leben zu müssen.

 

Nun ist die Frage nach dem „Warum“ durchaus wichtig. Aber nicht als Rückfrage an Gottes Absichten, sondern an menschliches Verhalten. Welchen Anteil haben menschliche Verhaltensweisen an einer Katastrophe, an Krankheiten? Gibt es Ursachen, die beseitigt werden können? Können Hilfsmöglichkeiten entwickelt und eingesetzt werden? Umweltkatastrophen sind oft die Folgen von industriellem Raubbau, rücksichtslosem Verbrauch von Ressourcen und politischem Desinteresse. Extreme klimatische Bedingungen begünstigen katastrophale Folgen. Niemand kann sich von Mitverantwortung freisprechen. Wer glaubt, auf ihn selbst als kleines Rädchen im Getriebe der Welt käme es nicht an, versündigt sich an Gottes Welt. Verantwortlich mit der Schöpfung umgehen ist Christen-Pflicht. Dennoch können wir Menschen vieles nicht beeinflussen. Die Erde leidet unter unserer Lebensweise, aber sie folgt auch ihren eigenen Gesetzen.

 

 

Trotzdem: Heil für alle

 

Gott will unser Heil, nicht unsere Vernichtung. Von dieser Heilsgeschichte berichten die Bücher des Alten Testamentes. Sie beginnt intensiv mit der Erwählung des Abraham, mit der Segenszusage. Abraham macht eine Menge neuer Erfahrungen mit dem Herrn als einem Gott, der Heil bringt. Er geht durch eine intensive Glaubensschule. Jahwe verlangt Gehorsam, aber er bringt Segen. Er verlangt die Beachtung neuer Regeln, aber damit verspricht er Zukunft. Und: Er ist nicht durch Opfer bezwingbar. Die Menschen dürfen ihm frei gegenüber stehen und in einen Dialog treten. Das allein ist schon für viele heilend.

 

 

 

Das Heil gilt für alle, das ist ganz besonders mit Jesus deutlich geworden. Aber dieses Heil ist in einem umfassenden Sinn gemeint. Es gibt kein Anrecht auf ein unversehrtes Leben. Krankheit, Leid und irdische Sorgen sind immer möglich. Aber auch der leidende Mensch kann Gott an seiner Seite haben, dafür steht Jesus Christus mit seinem eigenen Leiden. Dass ein verzweifelter Mensch sich Gott anvertrauen darf, dass Gott sein mitleidiges Herz öffnet, darin kann Trost liegen, selbst wenn dieser Trost unvollkommen, nie dauerhaft und nie umfassend genug sein mag. In diesem Spannungsfeld von „Schon“ und „Noch nicht“ bewegen sich vor allem die Gedanken des Paulus.

 

 

 

Zu Kol 2, 12-14

 

Zum Inhalt

 

Paulus schreibt an die Gemeinde von Kolossä, aus der beunruhigende Nachrichten zu ihm gelangt sind. Dort haben sich geistige Strömungen entwickelt, die nicht mehr Jesus Christus, sondern magische und esoterische Praktiken zum Zentrum haben. Daher wiederholt und betont Paulus in seinem Schreiben die Kernbotschaften des Christentums: Es gibt nur Heil in Christus. Dieses Heil hat schon begonnen durch die Taufe, wird aber erst im Tod vollendet. Das wahre Leben ist Leben in Christus. Er hat das Heil gebracht durch seinen Tod. Er macht neues Leben möglich. Er versöhnt die Sünder mit Gott. Von ihm kommt Heil.

 

 

Gegen die Vergänglichkeit

 

Paulus ist kein Träumer. Er kennt das Leben. Unheiles erlebt er genug. Umso mehr strahlt auf diesem Lebenshintergrund sein Glauben: Jesus Christus ist heilswirksam durch alle Zeiten hindurch. Christen dürfen kraft der Taufe die Vergänglichkeit überwinden, können zukunftsgerichtet leben. Weil Jesus Christus ihre Zukunft ist. Dies gilt auch und besonders angesichts der bedrohten Schöpfung.

 

 

Wider die Unheilsbotschaften

 

Bedrohliche Szenarien, schlechte Nachrichten, Unheilsbotschaften. Damit wird Leser- und Zuschauerinteresse geweckt. Auch viele Prediger und Kirchenmänner verstehen sich auf diese düstere Kunst. Munter wird der Untergang von Land, Erde, Nation oder Kirche proklamiert: Wenn die Menschen die Wasserprobleme nicht in den Griff bekommen. Wenn die Emissionen weiter ansteigen. Wenn die ungleiche Verteilung von Gütern kein Ende findet. Wenn nicht genügend Kinder geboren werden. Wenn nicht weniger Menschen geboren werden. Wenn die Menschen nicht mehr glauben. Wenn... Es gibt tausende „Wenn’s“, die uns beschäftigen. Keine Frage, dass sie alle auch ernsthaft diskutiert werden müssen, dass nach Lösungen gesucht wird. Aber: Hat in all dem auch Gott eine Chance?

 

Wie das geht, hat Jesus uns vorgelebt. Zugewandt den irdischen Sorgen, immer um Lösungen bemüht. Und gleichzeitig immer in enger Verbindung mit Gott. Beides gehört zusammen, lehrt er die Zuhörenden. Ohne Gott würde sich nichts zum Guten wenden. So bittet er ihn immer um die Kraft, in seinem Namen tätig werden zu können.

 

 

 

Zu Lk 11,1-13

 

Zum Inhalt

 

Nicht Opfer, Sündenbekenntnis und Buße stehen bei Jesus im Vordergrund. Bitten ist das Gebet Jesu. Bitten können und bitten dürfen ist die Haltung der Glaubenden: Bitten ums tägliche Brot, um Vergebung der Sünden, um ein Leben im Geist. Die Bitte um Heil und ein gelingendes Leben prägt die Gottesbeziehung. Dass jeder leben kann, ist Gottes Wunsch für den Menschen. In seinem Beispiel stellt Jesus deshalb Fisch und Schlange (Heil und Unheil), sowie Ei und Skorpion (Leben und Tod) einander gegenüber.

 

 

 

Selbst Menschen geben anderen in der Regel Gutes, so sagt Jesus, wenn einer nur ernsthaft und nachdrücklich genug bittet. Umso mehr wird Gott das Gute, Heilbringende geben. Denn „wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ (Lk 11, 10)

 

 

 

Bitte um den Heiligen Geist

 

Für Lukas ist Heilsgeschichte das Wirken des Heiligen Geistes. Er ist es, der bleibt und Menschen verändert. Und das ist die Erfahrung, die Jesus weitergeben will. Wer Gott hineinnimmt in seine täglichen Sorgen, wer ihn Anteil nehmen lässt und ihn um Mithilfe bittet, der hat eine Chance. Wer den Geist Gottes zulässt, kann über sich hinauswachsen. Wer aus dem Geist Gottes lebt, wird an der Heilsgeschichte mitbauen. Das eigene Leben, die Mitmenschen, globale Fragen: Gott hat Heil versprochen. Er hat sein Volk im Lauf der Zeiten geleitet. Er hat uns Jesus Christus gegeben. Und er hat uns die Taufe geschenkt, damit wir uns ganz fest an Christus binden können. In seinem Geist dürfen Christen leben. Einfach ist das deshalb noch lange nicht. Es gibt keine einfachen Lösungen, und es gibt keine Erfolgsgarantien. Trotzdem!

 

 

 

Es ist Aufgabe der Christen, sich für die Welt einzusetzen. Für die Umwelt. Für Gerechtigkeit. Für neue Hoffnung. Darum dürfen und müssen wir beten. Und darum dürfen und müssen wir uns kümmern. Entlassen von dieser Pflicht füreinander wird niemand. Aber auch nicht alleingelassen. Gott vollendet, was wir aus eigener Kraft nicht schaffen können.

 

Martina Patenge, Mainz

 

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