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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

8. Jul. 07 - 14. Sonntag im Jahreskreis / 5. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Lk 14, 25-33

Jes 66, 10-14c

Gal 6, 14-18

Lk 10, 1-12.17-20
oder Lk 10, 1-9

 

 

 

 

Der Autor betrachtet die Predigtperikope der ev. Reihe V und den Text der kath. Leseordnung zur 2. Lesung. Stichworte: Nachhaltigkeit der Nachfolge bzw. deren Bedingungen, vorausschauend und überlegt handeln / “öko-logisch“ handeln (Lk 14); die weltlichen Maßstäbe sind durch Christus "durchkreuzt", ein neues Denken hält Einzug (Gal 6)

 

 

 

Lk 14, 25-33

 

Mit dieser Perikope kann die Rede von der „Nachhaltigkeit“ eine ganz neue Bedeutung gewinnen. Es geht nicht mehr nur um den Anspruch eines nachhaltigen Lebensstils und nachhaltigen Konsums, sondern hier geht es in erster Linie um die Nachhaltigkeit der Nachfolge. Jesu Jüngerin oder Jünger zu sein, ist kein variabler Zustand, sondern erwartet eine wohl überlegte und nachhaltige Entscheidung für Jesus.

 

Lk leitet in V. 25 einen neuen Abschnitt ein: Jesus war zu Gast bei einem Oberen der Pharisäer, heilte einen Wassersüchtigen am Sabbat und sprach anschließend in zwei Gleichnissen über Gastfreundschaft im Reiche Gottes. Nun ist Jesus nach einer Ruhezeit (14, 1-24) wieder auf Wanderschaft, bevor er sich dann in Ruhe mit Zöllnern und Sündern unterhält (15, 1-32). Während des Unterwegsseins, das in V. 25 deutlich hervorgehoben wird, spricht Jesus zu einer großen Menge, die ihm folgt. Es geht dabei letztlich um die Nachhaltigkeit der Nachfolge. Wie die beiden Gleichnisse verdeutlichen sollen, will es wohl überlegt sein, wenn man in die Nachfolge Jesu treten möchte.

 

Die Perikope gliedert sich in eine Situationsbeschreibung (V. 25), die beiden radikalen Nachfolgebedingungen (Vv. 26-27), die beiden Gleichnisse (Vv. 28-32) und schließlich die Unterstreichung der Nachfolgebedingungen (V. 33).

 

Die Radikalität der Nachfolgebedingungen findet sich auch bei Mk und Mt. Da sie dort an verschiedenen Stellen stehen (Mk 10, 29; Mk 8, 34 bzw. Mt 19, 29; Mt 16, 24), darf davon ausgegangen werden, dass Lk sie hier redaktionell zusammengefügt hat. Dass Lk auch auf Q zurückgegriffen hat, ist hier von untergeordneter Bedeutung.

 

Ebenso unabhängig voneinander sind die beiden Gleichnisse vom Turmbauen und vom (Nicht-)Krieg führen entstanden (Vv. 28-32). Da die Gleichnisse erst einmal ohne konkrete Anwendung existieren, hat Lk V. 33 angefügt. Erst durch diesen redaktionellen Eingriff legt sich die Interpretation nahe, dass Jesus die Nachfolge als wohl überlegt verstanden haben will. Gleichzeitig unterstreicht er in V. 33 noch einmal die in den Vv 26-27 beschriebene Radikalität.

 

V. 25 rückt die Aufmerksamkeit des Lesers und der Leserin weg von den Gegnern Jesu hin auf die Menge derer, die sich noch nicht ganz durchringen konnten Jesus nachzufolgen, weil sie noch nicht wissen, was das für sie bedeutet.

 

V. 26-27 macht die Bedeutung der Nachfolge deutlich. Sie verlangt den radikalen Bruch mit der Vergangenheit. Es stellt sicherlich für die Predigt eine besondere Herausforderung dar, der Ernsthaftigkeit des Textes zu entsprechen und nicht durch „rhetorisches Weichspülen“ die Radikalität zu verwässern – nur weil man meint, das sei heutigen Predigthörerinnen und -hörern nicht zuzumuten. Dem gegenüber könnte unterstrichen werden, dass nun mal ein Mensch wirklich nicht alles auf einmal lieben kann.

 

In Bezug auf die Nachfolge soll an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass der Text nicht von einem „Jüngerwerden“ spricht, sondern von einem „Jüngersein“. „Jüngersein“ ist das Angenommensein durch Jesus und schließt somit andere Bindungen aus. Lk unterstreicht, dass es ein „bisschen Jüngersein“ nicht geben kann.

 

Durch den Hinweis auf das Kreuz (V. 27) wird ganz klar deutlich gemacht, wozu ein Jünger Jesu bereit sein muss. Ob nun dieses Wort vom historischen Jesus stammen kann, wie Bovon meint, soll einmal dahin gestellt sein lassen. Auf jeden Fall ist durch Karfreitag in der weiteren Überlieferung die Bedeutung dieses Verses unterstrichen.

 

Verständlich, dass dargelegt werden muss, warum ein so radikaler Schritt wohl überlegt sein muss. Die beiden ursprünglich selbstständigen Gleichnisse beschreiben die Überlegungen für ein sehr anspruchsvolles Vorhaben und unterstreichen damit noch einmal, dass etwas so Anspruchsvolles wie die Nachfolge bis ins Detail überlegt werden will. Sollen die beiden Gleichnisse für die Predigt aus dem Zusammenhang gelöst werden und darauf (oder auf eines der beiden Gleichnisse) der Schwerpunkt gelegt werden, bietet es sich an, die Nachhaltigkeit unter ökologischen Aspekten zu bedenken. Dann könnte das Gleichnis vom Turmbau als Beispiel herangezogen werden, dass ökologisch nachhaltiges Handeln grundsätzliche Überlegungen erfordert. Von „Anfang an“ soll man sich hinsetzen und die Kosten überschlagen, d.h. die Konsequenzen des eigenen Handelns gründlich zu bedenken.

 

Losgelöst von der lukanischen Einbettung in die Bedingungen und Konsequenzen der Nachfolge gibt das Gleichnis den weisheitlichen Rat, vor dem Beginn des eigenen Handelns einen Augenblick Vorausschau zu halten und sich dabei zu fragen, welche Mittel ich habe und was ich damit bezwecken kann. Eine sicherlich nicht schlechte Vorgehensweise bei allen ökonomischen Vorhaben.

 

Das zweite Gleichnis (Vv. 31-32) verlagert den Akzent nur unwesentlich. Während dem Erbauer eines Turmes der Rat gegeben wird, vor seinem Vorhaben alles zu prüfen, wird dem König der Rat gegeben, auch während seiner Unternehmung immer wieder zu überlegen, um die richtigen Anordnungen zu treffen. Auch hierbei lässt sich die Intention leicht auf nachhaltiges ökonomisches und ökologisches Handeln übertragen.

 

Literatur:

 

Schweitzer, E., Das Evangelium nach Lukas. NTD 3. Göttingen 1982

 

Bovon, F., Das Evangelium nach Lukas. EKK II/2. Zürich, Düsseldorf 1996

 

 

 

Gal 6, 14-18

 

Der Briefschluss beginnt in V. 11 nach dem paränetischen Teil, der stark dualistisch argumentiert und zu einem Leben im Geist statt im Fleisch auffordert. Es ist umstritten, ob aus den paulinischen Ausführungen auf die konkrete Situation geschlossen werden kann, in die die Mahnungen gesprochen werden.

 

In den Vv. 12-13 grenzt sich Paulus noch einmal deutlich von seinen judaistischen Gegnern ab. Damit wird die im Briefanfang geöffnete Klammer geschlossen. Wie er in Gal 1, 6 seine Gegner als diejenigen beschreibt, die die Galater verwirren wollen, so beschreibt er im vorliegenden V. 13 konkret, dass seine Gegner sich an ihre eigenen Maßstäbe nicht halten.

 

Während zu Beginn des Briefes die Gegner verflucht werden, wird am Ende des Briefes allen Segen verheißen, die Christus vertrauen. Und da ist dann auch Israel mit eingeschlossen (V. 16).

 

Abgrenzend gegen seine judaistischen Gegner, denen Paulus vorwirft, dass sie die Beschneidung verlangen, um sich zum einen Ansehen zu verschaffen und zum anderen nicht wegen des Kreuzes Christi verfolgt zu werden, hebt er selbst als seinen alleinigen Grund des Rühmens gerade das Kreuz hervor. Das Kreuz ist für ihn der Maßstab seines Handelns.

 

Im gesamten Brief versucht Paulus deutlich zu machen, dass das Gesetz, das seine Gegner so hoch ansetzen, nicht der Maßstab sein kann, denn es kann nicht vollkommen gehalten werden und damit kann es auch nicht zum Heil führen.

 

Mit V. 14 ist wieder einmal das Zentrum paulinischer Theologie angesprochen (vgl. auch 1Kor 1, 18, Phil 2, 8): Das Kreuz Christi als alleiniger Heilsweg, aber das ist kein Grund zum Rühmen. Für Paulus sind in der leidenden Schwachheit und der Verfolgung die wesentlichen Merkmale der Kreuzesnachfolge zu sehen, denn darin wird die Stärke Gottes und das Leben Christi offenbar.

 

Das Kreuz in seiner theologischen Bedeutung wird von Paulus geschaffen. Zwar kennen die Evangelien natürlich die Tatsache, dass Jesus gekreuzigt worden ist; oder auch die spöttische Bemerkung, dass er vom Kreuz herabsteigen soll. Aber nur bei Paulus ist das Kreuz die Spitze des Christusgeschehens, weil es das Sterben eines Gehorsamen war (Phil 2, 8f) und weil der Gekreuzigte wieder auferweckt worden ist (1Kor 15, 17-22). Das Wort „Kreuz“ war zur Zeit des Paulus ähnlich anstößig wie für uns heute das Wort „Galgen“.

 

Wenn Paulus in polemisierender Weise vom Kreuz redet, dann wehrt er damit auch die judaistische Verharmlosung des Sterbens Jesu ab. Denn die Judaisten in Galatien wollten Gesetztesgerechtigkeit, einen moralischen Jesus und einen moralischen Menschen, weil sie sich dem Kreuz entziehen wollten, denn es ist das Zeichen des Versagens des Menschen und seiner Verurteilung durch Gott. Das Kreuz ist das Zeichen, an dem das „Aus-sich-selbstsein- Wollen“ (Goppelt) des Menschen scheitert; durch das aber andererseits auch für Gott Raum geschaffen wird, damit er der Gott sein kann, der alles geschaffen hat und auch der Neuschaffende ist.

 

Paulus kommt es darauf an, sich mit seinem ganzen Leben unter das Kreuz zu stellen, das paradoxerweise (1Kor 1, 18) eine neue Lebensmöglichkeit eröffnet. All jenen soll der Segen Gottes gelten. Sie sind schon hinein genommen in die Neuschöpfung Gottes. Frieden hat Gott schon mit denen geschlossen, die an Christus glauben.

 

Der Schwerpunkt der Predigt kann sicherlich auf Vers 14 gelegt werden. Es kann in Bezug auf die Nachhaltigkeit deutlich gemacht werden, dass die Maßstäbe dieser Welt durchkreuzt sind. Gut paulinisch kann argumentiert werden, dass wir nicht mehr unter den Spielregeln der Welt leiden müssen, sondern dass wir in Jesus Christus eine neue Kreatur geworden sind. Neues Denken hat bei uns Einzug gehalten. Unsere Entscheidungen werden nach dem Maßstab des Gekreuzigten und Auferstandenen getroffen. Dabei darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass die alte Welt immer wieder einmal nach uns greift; dass sich unsere christliche Existenz in diesem Spannungsfeld bewegt.

 

Literatur:

 

Becker, J., Conzelmann, H., Friedrich, G., Die Briefe an die Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, Thessalonicher und Philemon. NTD 8. Göttingen 1985

 

Goppelt, L., Theologie des Neuen Testaments. Zweiter Teil – Vielfalt und Einheit des apostolischen Christuszeugnisses. Göttingen 1976

 

Hans-Jörg Ott, Birnbach

 

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