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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. Jul. 07 - 13. Sonntag im Jahreskreis / 4. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Joh 8, 3-11

1 Kön 19, 16b.19-21

Gal 5, 1.13-18

Lk 9, 51-62

Der Autor betrachtet die Bibelstelle der kath. Leseordnung für die 2. Lesung. Stichworte: verantwortungsvoller Umgang mit der Natur, intergenerationelle Gerechtigkeit, die Versuchung erkennen, es sich zu leicht zu machen, Trink- und Eßgewohnheiten hinterfragen

 

 

 

Predigtsituation – Jahreszeit

 

Der 13. Sonntag im Lesejahr C der katholischen Leseordnung fällt im Jahr 2007 auf den 1. Juli. Es ist die Zeit, in der in einigen Bundesländern die Sommerferien schon begonnen haben, in anderen Ländern stehen sie kurz bevor. Eine äußerlich scheinbar „träge“ Zeit hat angefangen – auch für die Kirche: Die großen Hochfeste der ersten Jahreshälfte sind mit Pfingsten erst einmal vorbei; bis zu den nächsten Großereignissen der Advents- und Weihnachtszeit ist noch eine lange Durststrecke zu überwinden. Im Gegensatz zu dieser scheinbaren äußerlichen Trägheit verbinden viele Menschen mit dem „Sommer“ aber auch die Freiheit des Urlaubs nach einer langen Durststrecke des fast feiertagslosen Arbeitens.

 

 

 

Auch für die Natur hat eine Ruhezeit begonnen: Das Erholen und Aufatmen vom Wachstum des Frühlings und die Phase vor der Erntezeit. Nur selten wird sich in der brütenden Hitze ein Arbeiter aufs Feld wagen oder ein Jäger auf die freie Wiese – zumindest nicht ohne entsprechenden Sonnenschutz. Doch bei all dem darf man nicht die andere Seite vergessen: So schön die Sommererholungszeit ohne viel Stress für den Menschen auch sein mag, so gefährlich kann sie für die Natur sein: Auf der einen Seite die Trockenheit, die der Pflanze auch den letzten Rest verbliebener Feuchtigkeit aus der kleinsten Ader zu saugen scheint, aber der anderen Seite aber auch die Scharen von Urlaubern, die ohne Rücksicht auf die Belange der Natur die Überreste des letzten Picknicks, die Abfälle aus überfüllten Autos oder die Reste des letzten Grillplatzfestes einfach dort abladen, bzw. liegen lassen, wo sie selbst am wenigsten davon betroffen sind.

 

 

 

Exegetische Hinweise zu Gal 5, 1.13-18: (2. Lesung)

 

 

 

  1. In den ersten Versen des Galaterbriefes ruft Paulus die Galater zu einer Entscheidung auf: Entweder sie lassen sich vom Joch der Knechtschaft unterdrücken (Kontext: und damit beschneiden) oder sie bleiben in der von Christus geschenkten Freiheit.
  2. Dem Abschnitt Gal 5, 13-18 liegt die paulinische Lehre der Rechtfertigung aus dem Glauben zu Grunde. Es geht besonders ab V 16 um allgemeingültige Mahnungen zum christlichen Lebenswandel. In der Überzeugung des Paulus, dass der zur Freiheit berufene Mensch nicht alles selbst „schaffen“ und „machen“ muss (denn Jesus Christus hat bereits für ihn „geschafft“!), hat der Christ, der Christus in der Taufe als Gewand angelegt hat, nun selbst Anteil am göttlichen pneuma. Er ist damit befreit von der Sklaverei des Gesetzes und vor Gott gerechtfertigt aus dem Glauben, frei von allen anderen Heilswegen, die durch Christus überholt sind. So ist die Freiheit das Ziel der menschlichen Berufung, denn auch der Weg Christi führte durch Kreuzestod und Auferweckung zur Freiheit als Wirklichkeit für den Gläubigen.
  3. Diese Ansicht darf aber nun nicht zu dem Trugschluss führen, dass der Einzelne nicht mehr selbst tätig werden muss und sich einfach fallen lassen kann oder im Gegenteil zur Meinung, dass man handeln könne, wie immer man es wolle. Gerade dies ist nicht der Fall: Wenn auch das Gesetz als Rechtfertigungsprinzip durch das Kreuzesopfer und die daraus resultierende Gnade außer Kraft gesetzt worden ist, so gilt doch trotzdem und gerade deswegen die ethische Forderung, die den Christen erst zum wahren Christen macht. Aus der objektiven Heiligung des Gerechtfertigten muss sich auch die innere, die subjektive Heiligung ergeben, denn sonst bleibt der Glaube reines Lippenbekenntnis ohne Konsequenzen.
  4. Hieraus ergibt sich eine Änderung der Grundeinstellung: Nicht das ethische Verhalten führt zur Rechtfertigung vor Gott, sondern vielmehr: Die Rechtfertigung fordert ein entsprechendes Ethos vom Menschen! So handelt es sich beim Christentum nicht mehr um eine Nomos-Ethik, sondern um eine Pneuma-Ethik. Der Geistbesitz wird nun zum Grundmotiv ethischer Handlungen. Vom Geist soll man sich leiten lassen, gewissermaßen würdig des Pneumas handeln, dessen man in der Taufe teilhaftig wurde.
  5. Die Aufforderung und auch der indirekte Appell (V 18), sich vom Geist leiten zu lassen, eröffnen quasi die Möglichkeit, das Begehren des Fleisches nicht erfüllen zu müssen, sondern sogar ganz aus der Knechtschaft des Gesetzes zu entkommen. Nach paulinischer Theologie besteht zwischen Gesetz und Fleisch ein Zusammenhang. Der Mensch, der in seinen Trieben verhaftet ist, gerät unwillkürlich unter das Gesetz, das oft dem Begehren entgegensteht. Ist der Mensch aber vom Geist getrieben, so kann er die Herrschaft des Gesetzes hinter sich lassen, denn das Gesetz, das sich auf das Fleisch bezieht, kann ihn nicht mehr richten – das Pneuma selbst wird zum eigentlichen Gesetz – und nur die Triebkraft des Pneuma kann den Menschen in den Raum der christlichen Freiheit einlassen.

 

 

 

 

 

 

Persönliche Gedanken zur Predigtskizze unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit

 

 

 

  • Der Mensch ist zur Freiheit berufen: Heißt dies, dass er mit der Natur umspringen kann, wie er will? Dass er sich im Umgang mit den natürlichen Ressourcen an nichts halten muss? (Wenn die ethische Forderung gerade wegen der Rechtfertigung des Menschen gilt, dann sollte eigentlich ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur selbstverständlich sein!)
  • Ihr seid zur Freiheit „berufen“ – Eventuell auch Bezug zum „WWJD“ (= What would Jesus do?), dem Slogan mancher Amerikaner, die jede Handlung nach dem hinterfragen, ob Jesus das auch so getan hätte, was er jetzt tun würde. Würde Jesus nicht auch verantwortungsbewusst mit der Natur umgehen?
  • Wenn der Geist Gottes wirklich oberstes (einziges?) Handlungsprinzip des Christen ist, kann der Glaubende eigentlich nichts mehr tun, was dem Gesetz des Geistes widerspricht. Er wird sich also nach Kräften bemühen, einzig nach dem Gesetz des Geistes zu handeln und das Gesetz des Fleisches – z.B. die Versuchung, es sich einfach zu machen und den Abfall aus dem Fenster zu werden, - nicht befolgen.
  • Christ-Sein unter dem Gesetz des Geistes heißt doch auch, dass wir nicht nur an uns denken, sondern uns in die Gemeinschaft der Kirche eingebunden sehen. Dies schließt die Menschen, die vor uns kamen, und die Menschen, die nach uns kommen werden, mit ein. Das bedeutet auch, dass wir so handeln sollen, dass auch unsere Nachkommen, die in den selben Genuss des guten Lebens kommen möchten, eine solide Grundlage dazu haben – dafür müssen wir die Natur erhalten – aus dem christlichen Geist heraus.
  • Nicht dem Gesetz folgen, sondern dem Geist, bedeutet auch, sich zu entscheiden zwischen gut und böse. In dieser Situation sind wir als Christen immer. Der Geist hilft uns unserer Schwachheit auf, so steht es im Römerbrief. Der Geist hilft uns auch in schwierigen Entscheidungssituationen. Aber er zwingt uns nicht. Deshalb sind wir auch als Getaufte immer in einer Gefahr. Wir können uns dem Willen des Fleisches unterwerfen. Die Freiheit dazu wird uns nicht genommen. Daher immer wieder die Ermahnungen des Apostels Paulus, den Unheilmächten des Lebens keinen Raum zu geben. Das Gegenteil soll der Mensch anstreben: nach dem Geist Gottes zu handeln.
  • Worin zeigt sich das Begehren des Fleisches konkret? Es sind die Werke, die der Mensch vollbringt. In den weiteren Versen des 5. Kapitels (Verse 19 – 21) wird das konkreter ausgeführt. Die Spanne reicht von Götzendienst bis zu Trink- und Essgelagen und ähnlichem mehr. Auch wenn diese Stelle nicht mehr zur Lesung zugerechnet wird, kann die Predigt meiner Meinung nach doch auch Beispiele aus dem ökologischen Bereich benennen. Abgedeckt wäre dies durch die Formulierung des Paulus „und ähnliches mehr“ (Gal 5, 21). Zum Begehren des Fleisches gehören in unserem Jahrhundert und in unseren Breiten das immer mehr Haben- und Genießen wollen. Das fängt bei der Nahrung an. Obst und Gemüse wird nicht nur zu den Zeiten gegessen, wo es bei uns geerntet wird oder vom eigenen Markt geliefert werden kann. Es wird von weit her heran geflogen, damit wir möglichst frisch aus allen Erdteilen das Obst auf den Tisch bekommen. Wir machen uns keine Gedanken über den Energieverbrauch durch die langen Transportwege und die Umwelt- und Lärmbelastung beim Transportieren der Waren. Oft genug wird in Ländern, die von der Landwirtschaft abhängig sind, um die eigene Bevölkerung zu ernähren, für den Export von Lebensmitteln und Blumen wertvolles Land geopfert. Es werden die ohnehin begrenzten Wasservorräte verbraucht, damit wir in Europa alles an Obst, Gemüse und Blumen frisch auf den Tisch bekommen. Das geht dann oft zu Lasten der Bevölkerung in armen Ländern. Viele Beispiele ließen sich nennen, wo das Begehren des Fleisches stärker ist als die Vernunft und das Begehren des Geistes, von dem Paulus spricht.

 

 

 

 

 

 

Literaturangabe:

 

Franz Mußner, Der Galaterbrief, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, 3. Auflage, Freiburg 1977, S. 342 – 379

 

Michael Kohlhaas, Herschbach

 

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