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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

10. Jun. 07 - 10. Sonntag im Jahreskreis / 1. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Mt 9, 35-38; 10, 1(2-4)5-7

1 Kön 17, 17-24

Gal 1, 11-19

Lk 7, 11-17

 

Der Verfasser geht schwerpunktmäßig auf den Text der Evang. Predigtreihe ein und betrachtet außerdem die Texte der kath. Leseordnung. „Stichworte“: Die genannten Bibelstellen des Sonntags könnten so zusammengefasst werden: in der Nachfolge Jesu leben heißt dem Leben dienen. Es geht dabei um die Themen: Vergänglichkeit der Schöpfung, Krankheit und Tod, Heil und Heilung. Es geht um Macht im Sinne von Vollmacht; Vollmacht als Wohltat für das Leben. Vollmacht als dem Leben dienlich steht im krassen Gegensatz zu einer weithin spürbaren Orientierungslosigkeit bei ethischen Fragestellungen in unserer Gesellschaft. Nicht jammern, sondern den Blick schärfen (Mt 9), unsere Rolle als Lebensretter (1 Kön 17), Ende des Zerstörungshandelns, Besinnung (Gal 1), den Zug des Todes wahrnehmen, nicht einfach „vorbeiziehen lassen“ (Lk 7)

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

 

 

Mit diesem Sonntag beginnt die lange Reihe der Sonntage nach Trinitatis bzw. des Jahreskreises. Kalendarisch hängen sie vom Ostertermin ab, inhaltlich entfalten sie das Evangelium auf vielfältige und unterschiedliche Weise. Der 1. Sonntag nach Trinitatis in der evang. Leseordnung hat die Apostel und Propheten zum Thema. Gott sendet und wählt einzelne Personen, die er mit einem Auftrag ausstattet. Diese Personen sollen Gottes Botschaft weiter tragen. Insbesondere geht es dabei um die Frage, wie die christliche Gemeinde den Glauben an den dreieinigen Gott im Alltag umsetzt. Die liturgische Farbe ist grün. Grün ist die Farbe des Lebens und der aufgehenden Saat. Damit lassen sich vielfältige Anknüpfungen zum „nachhaltigen Predigen“ finden.

 

 

 

1.) Mt. 9, 35-38; 10, 1 (2-4) 5-7: Berufung und Sendung der Jünger

 

 

 

Anmerkungen zum Text:

 

Wird unser Predigtext in einem größeren Kontext betrachtet, ist festzustellen, dass in Mt. 4, 23 eine fast wortgleiche Formulierung vorkommt wie in Mt. 9, 35. Die dazwischen liegenden Perikopen enthalten in den Kapiteln 5-7 Jesus-Reden und die Kapiteln 8-9 Wunder- und Heilungsgeschichten. Für Eduard Schweizer bilden die Verse 4, 23 und 9, 35 die Klammer um die Darstellung Jesu als dem „Messias des Wortes und der Tat“. Schlüsselvers und Mitte dieser Gliederung wäre Mt. 7, 29: „Jesus lehrte mit Macht („Exousia“ = Vollmacht, guter Einfluß, dem Leben dienlich) und nicht wie die Schriftgelehrten“. Im Zusammenhang mit der Berufung der Jünger verwendet Mt. in Kap.10, 1 ebenfalls den Begriff Exousia.

 

 

 

Vers 35 beginnt mit der Feststellung, dass Jesus in „Dörfer und Städte ging, lehrte, predigte und heilte“. In Vers 10, 8a konkretisiert Mt. und fügt noch hinzu: „Kranke gesund zu machen, Tote aufzuwecken, Aussätzige rein zu machen und böse Geister auszutreiben“. Wie mit der Übertreibung umzugehen ist, dass Jesus angeblich „alle“ Krankheiten heilte, wäre noch zu klären; jedenfalls lehrt uns die Realität, dass Krankheiten und der Tod ganz selbstverständlich auch zum Dasein der Christen gehört. Die Feststellung darüber, was Jesus tat, endet in 10, 7 mit der Aufforderung an seine Jünger, dasselbe zu tun, nämlich: „hinzugehen und zu predigen“.

 

 

 

Vers 36 „Jesus sah das Volk und es jammerte ihn …“ könnte auch so übersetzt werden, dass es Jesus an die Nieren ging, als er die Menschen in all ihrer notvollen Situation, in ihrer Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit wahrgenommen und erkannt hat.

 

 

 

Die Verse 37-38 beschreiben zuerst eine Notlage: Der großen Ernte und vielen Arbeit, steht eine kleine Zahl von Arbeitern gegenüber. Diese Notlage sollte jedoch nicht mit Aktionismus bekämpft werden. Am Anfang des Jüngerseins steht nicht die Predigt, auch nicht Heilung und Lehre, sondern das Gebet. Der erste Auftrag an die Jünger heißt: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende!“ Beten als Bitte, die aus denken entsteht. Ernte dient der Nahrungsbeschaffung. Die Menschen, die Jesus vor sich sieht, brauchen Nahrung, brauchen Heilung und Orientierung.

 

 

 

Wenn Mt. nun in 10, 1 ff. die Sendung der Jünger einschiebt, will er deutlich machen, dass die Vollmacht Jesu Wunder zu tun, auch seinen Nachfolgern, der christlichen Gemeinde gegeben ist.

 

 

 

Und selbst wenn Mt.10, 2-4 nicht zum eigentlichen Predigttext zählt, könnte in diesem Zusammenhang durchaus beachtet werden, dass bei der Nennung der Zwölf jeweils die Namen paarweise erfolgen und dass z.B. Matthäus mit dem Zusatz „Zöllner“ und dass Judas Iskariot „der Verräter“ auch genannt sind. Diese Hinweise könnten so interpretiert werden, dass Nachfolge immer etwas zu tun hat mit einer Gemeinschaftsaufgabe und dass die, die in der Nachfolge Jesu stehen, keine Perfektionisten sein müssen und darüber hinaus sogar „fehlerhaft“ sein dürfen.

 

 

 

Die Aufforderung in Mt.10, 5 f.: „Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter“ ist matthäisches Sondergut. Diese Einschränkung ist nicht zu erklären, steht sie doch konträr zum so genannten „Missionsbefehl“ (Mt. 28, 19), der die Jünger auffordert „bis ans Ende der Erde“ zu gehen.

 

 

 

Die eigentliche Sendung der Jünger zielt auf „die verlorenen Schafe des Hauses Israel“ d.h. den Mitgliedern der eigenen Religionsgemeinschaft (Vers 6). Und der Auftrag lautet: „Israel zu predigen, dass das Himmelreich Gottes nahe ist, ja sogar bereits angefangen hat.“ (Vers 7). Jesus predigt hier nicht die heile und gesunde Welt, sondern die heilende und die gesundende Welt. Und er macht deutlich, dass die Jünger an diesem zentralen Projekt mitwirken sollen.

 

 

 

Anmerkungen zur Predigt:

 

Unser Predigttext hat die Jünger Jesu und ihren Auftrag zum Inhalt. Dabei muss gleich gefragt werden, ob mit den Jüngern nicht auch wir, die heute hörende Gemeinde, gemeint sind. Darüber hinaus bietet unser Text eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten für eine Predigt zu Themen des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung: Heil und Heilung, Krankheit und Tod, Macht und Ohnmacht, das Bild von der Herde, die orientierungslos umherirrt, das Bild einer „großen Ernte und der fehlender Erntearbeiter“ u.a.m.

 

 

 

Das Reden und Handeln Jesu setzt Maßstäbe, die sich an der Gesundung und am Heilwerden der Menschen orientiert: „er lehrte, predigte und heilte in Vollmacht“. Die höchste Steigerung des heilenden Handelns ist offensichtlich in der „Totenerweckung“ zu sehen, wie sie etwa durch Jesus in Lukas 7, 11-17 oder auch in dem alttestamentlichen Text durch Elija in 1 Kön 17, 17-24 (s. kath. Texte) geschildert wird. Indem Jesus die Beauftragung an seine Jünger weitergibt, dasselbe zu tun (Kap. 10, 1 ff.) stellt sich die Frage: Wie überzeugend und glaubwürdig leben wir Christen unseren Auftrag, der die Gesundung und das Heilwerden der Menschheit und der Welt zum Ziel hat?

 

 

 

In Anlehnung an die Feststellung Jesu in 9, 36 („…sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben“) könnte auf die Orientierungslosigkeit in unserer Gesellschaft, etwa bei friedensethischen Fragestellungen eingegangen werden. Jesus ging es an die Nieren (es jammerte ihn), als er die orientierungslosen Menschen sah. Das Erbarmen Jesu über Menschen in Not und Elend steht im Gegensatz zu dem täglichen, kläglichen, lamentieren und jammern über allerlei Problemchen in unseren westlichen Industriestaaten. Sicherlich dürfen wir die Probleme in unserem Land nicht verharmlosen: die hohe Arbeitslosigkeit und die daraus erwachsende Armut, die Brutalisierung weiter Teile unserer Gesellschaft und die Zunahme von Gewaltdelikten im Alltag, das dramatische Anwachsen umweltbedingter Krankheiten, der Verlust erneuerbarer Energiequellen durch verantwortungslosen Umgang, und vieles mehr. Dennoch sollten wir uns auch stets den Blick für weltweite existentielle Nöte und Probleme vor Augen halten, die teilweise ganz andere Ausmaße annehmen als in unseren westlichen Industriestaaten. Es wird gelten, diese Probleme zu sehen und zu erkennen und den Blick dafür zu schärfen. Und es muss selbstverständlich auch darum gehen, dass Handlungsweisen aufgezeigt werden, wie aus einer kaputten und kranken Welt eine gute und gesunde Welt werden kann. Unter dem Titel „Einfach die Welt verändern – Zwanzig Schritte zu einer besseren Zukunft“ (siehe unten) hatte die katholische Wochen-Zeitschrift Publik-Forum im Juni 2006 ein Dossier herausgegeben, das m.E. zu zwanzig Problemfeldern – lokal und global – kurz, gut und verständlich Handlungsperspektiven für eine bessere Welt aufzeigt.

 

 

 

 

 

2.) 1 Kön 17, 17-24 Die Erweckung des toten Knaben

 

Anmerkungen zum Text:

 

Das Kapitel 17 erzählt die Geschichte vom Propheten Elija am Bach Krit und von der Witwe zu Zarpat. Elija wird von Jahwe aus seiner Heimat weggeschickt. Er sollte sich am Bach Krit niederlassen, dort wollte Jahwe ihn mit allen (lebens-)notwendigen Dingen versorgen. Bei den Versorgungstätigkeiten bedient sich Jahwe einer Witwe (V. 8-16). Obwohl unser Predigttext auch von einer Witwe spricht, ist zu vermuten, dass es sich bei unserem Text nicht um dieselbe Person handelt. Denn es ist eher davon auszugehen, schreibt Ernst Würthwein im ATD, dass es sich bei der Legende von der Auferweckung des toten Knaben um einen nachdeuterionomischen Einschub handelt. Die Frau, die Elija in V 17-24 gegenübertritt, ist nicht die „arme Witwe“ in den Versen (8-16) zuvor, sondern eine „reiche Hausbesitzerin“, die über den Luxus eines Obergemaches und eines Bettes verfügt.

 

 

 

Das Gebet, die Anrufung Jahwes, steht bei Elija im Mittelpunkt seines Handelns (V. 20-21). Und so geschieht die Wiederbelebung des Knaben aus dem Gebet heraus und nicht aus einem religiösen Aktionismus. Die Predigtperikope gipfelt im Vers 22: „Der Herr erhörte die Stimme Elias und das Leben kehrte in das Kind zurück und es wurde wieder lebendig.“

 

 

 

Anmerkungen zur Predigt:

 

Auch wenn letztlich Jahwe dem toten Jungen das Leben zurückgibt, wird erst durch das Handeln Elijas das Leben auf den toten Knaben übertragen. Elija wird also zum Handlanger Gottes. Bleibt die Frage an uns: Wo und wie können wir zum Handlanger Gottes werden, wo und wie können wir uns als „Lebensübertrager“ oder „Lebensübertragerin“ engagieren? Wo und wie investieren wir unsere Zeit, unsere Kraft und unser Geld – für das Leben? Thema einer Predigt über diesen Text könnte in Anlehnung an Vers 22 lauten: „Das Leben kehrt zurück!“

 

 

 

 

 

3.) Lk 7, 11-17 Der Jüngling zu Nain

 

Anmerkungen zum Text:

 

Wie in der alttestamentlichen Erzählung aus 1 Kön 17, 17-24 (Elija und die Witwe zu Zarpat) geht es in diesem Text um eine Totenerweckung. „Die Geschichte setzt mit einer gegenläufigen Bewegung ein: Der Leichenzug zieht aus der Stadt hinaus, der Zug Jesu kommt auf die Stadt zu. Und die Initiative von Jesus verhindert, dass sie aneinander vorbeiziehen. Die erbarmende, barmherzige Zuwendung Jesu zur Mutter in Wort und Tat (13.15b) rahmt die entscheidende Mitte: Jesu Geste und Wort an den Toten und dessen Reaktion und Demonstration des Wunders (14.15a). Die Wirkung wird beschrieben durch die Furcht des Volkes und das Lob des Gotteshandelns in Jesus (16) wie durch die Ausbreitung des Rufes Jesu (17). Nur Lukas erzählt diese Geschichte, die er wohl (mündlich oder eher schriftlich) in fester Form übernimmt. Die Geschichte ist dem Vorbild Elijas nacherzählt, der sich ebenfalls der Stadt und ihrem Tor nähert, dort einer Witwe begegnet, deren (einzigen?) Sohn er später erweckt und »ihn seiner Mutter zurückgibt« (wörtlich gleich), was ihn als Gottesmann (Prophet) ausweist (1 Kön 17, 8-24).“ (K.H. Rengstorf, NTD).

 

 

 

Anmerkungen zur Predigt:

 

Da die neutestamentliche Erzählung sich in weiten Teilen an die alttestamentliche anlehnt, könnte hier das Motto ebenso lauten: „Das Leben kehrt zurück!“

 

 

 

 

 

4.) Gal 1, 11-19 Die Berufung des Paulus zum Apostel

 

Anmerkungen zum Text:

 

Der Predigttext handelt von der Bekehrung des Paulus in die Berufung in die Nachfolge Jesu. Wir erhalten hier den einzigen, wörtlichen von Paulus stammenden Bericht über dieses Ereignis in seinem Leben. Allerdings ist der Bericht freilich viel zu knapp für das, was wir über diese entscheidende Stunde im Leben des Apostels und in der Geschichte der Kirche wissen möchten. Mit der Berufung in die Nachfolge beendet Paulus seine Verfolgungsaktivitäten und sein Zerstörungshandeln unter den jungen Christengemeinden (Vers 13 f.). Der Weg nach Arabien ist der Weg in die Wüste, in die Einsamkeit, in die Gott die Erwählten, wie zuletzt Johannes den Täufer, führt, damit von daher seine prophetische Stimme ertönen kann (Vers 17).

 

 

 

Anmerkungen zur Predigt:

 

Ansatzpunkt „Nachhaltigkeit“ für eine Predigt könnte sein: „Wie Paulus in seinem Zerstörungshandeln ausgebremst wurde!“

 

 

 

Quellen:

 

Eduard Schweizer, NTD, Bd.2, Das Evangelium nach Matthäus, Evangelische Verlagsanstalt Berlin

 

Ernst Würthwein, ATD, Bd. 11/1, Die Bücher der Könige, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen

 

Julius Schniewind, NTD, Bd.2, Das Evangelium nach Mattäus, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen

 

Karl H. Rengstorf, NTD, Bd. 3, Das Evangelium nach Lukas, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen

 

Paul Althaus, NTD, Bd. 8, Die kl. Briefe des Apostel Paulus, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen

 

Gottfried Voigt, Die bessere Gerechtigkeit, Predigtexte, Reihe V, Evang. Verlagsanstalt Berlin

 

Einfach die Welt verändern - 20 Schritte zu einer besseren Welt, „Publik-Forum“-Dossier, Juni 2006

 

 

 

 

Einfach die Welt verändern - Zwanzig Schritte zu einer besseren Welt *

 

Und es geht doch – 10 Schritte, mit denen die Politik die Welt verändern könnte

 

1. Sonne, Schulen, faire Steuern

 

2. Vorrang für die Beschäftigten

 

3. Wenn sich Umweltschutz lohnt

 

4. Alle Menschen absichern

 

5. Die Vision vom Sozialmodell Europa

 

6. Für das Recht, sich selbst zu ernähren

 

7. Mehr Demokratie wagen

 

8. Keine falsche Scheu vor großem Geld

 

9. Ohne Krieg zum Frieden

 

10. Ein Marshallplan gegen die Armut

 

 

 

 

Die Macht der kleinen Leute – 10 Schritte, mit denen wir die Welt verändern können

 

11. Sich und die Welt fairwöhnen

 

12. Tue Gutes und verdiene daran

 

13. Im Einklang mit uns und der Natur

 

14. Sonne aus der Steckdose

 

15. Regionales Geld

 

16. Fit, entspannt und ökologisch

 

17. Mehrfach nutzen, statt einfach besitzen

 

18. Mit Giraffenohren hören

 

19. Freunde gewinnen beim Engagement

 

20. Gelassen gegen die Resignation

 

 

 

*(aus: Publik-Forum-Dossier, Juni 2006)

 

Eberhard Dittus, Speyer

 

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