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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

7. Jun. 07 - Fronleichnam

 

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

 

Gen 14, 18-20

1 Kor 11, 23-26

Lk 9, 11b-17

 

 

Die Autorin betrachtet alle drei Perikopen des kath. Feiertags. Stichworte: Jesus in den Alltag tragen, kleine Gesten des Friedens und der Gerechtigkeit, Alltag des Überbrückens sozialer „Unterschiede“, eigene Bedürfnisse und Bedürftigkeiten vergessen können, durch unser (ressourcen-)bewußtes Leben Körbe füllen für andere (intra- / intergenerationelle Gerechtigkeit des Alltags)

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Wenn man das Fest Fronleichnam isoliert betrachtet, erscheint es eher fremd und abstrakt – es hat z.B. mit dem Leben Jesu nichts mehr zu tun. Als letztes in der langen Festreihe von Leiden, Tod und Auferstehung, Himmelfahrt, Geistsendung und Dreifaltigkeit erweckt es den Eindruck, als ob man, des liturgischen Feierns nicht müde geworden, nun eben ein Motiv für ein weiteres Fest sucht, um das Feiern noch ein wenig fortzusetzen.

 

 

 

Andererseits kann es als eine Brücke zwischen der Auferstehung Jesu und der Geistsendung in unseren Alltag hinüber verstanden werden: wir brauchen Zeichen, etwas, das wir anfassen und be – greifen können, um das Leben Jesu in unserer Leben hinein zu übersetzen. Wir werden also nach den Hoch – zeiten von Ostern und Pfingsten in unseren Alltag und die „grüne Alltagsfarbe“ im Kirchenjahr entlassen mit etwas Greifbarem in der Hand. Bezeichnender Weise steht das Brot in vielen Teilen der Welt für ein Hauptnahrungsmittel und das gemeinsame Mahl, in dem das Brot verzehrt wird, ist ein Sinnbild für Gemeinschaft. Im biblischen Sinne ist das Mahl die Vorwegnahme endzeitlicher Fülle.

 

 

 

Wenn wir an Fronleichnam mit der Monstranz durch die Strassen ziehen bzw. die Gegenwart Jesu Christi im Brot feiern, ist das noch einmal wie eine Zusage, dass er unverrückbar in den Strassen unserer Städte und Dörfer, auf den geraden und ungeraden Wegen unseres persönlichen Lebens mit uns geht. Das Fest der Gegenwart Gottes geht weiter - bis in den letzten Winkel von Raum und Zeit hinein.

 

 

 

Hinweise zu den Texten

 

 

Gen 14, 18 - 20

 

Diese Erzählung von Melchisedek ist eingeschoben in den Text über den mühevollen Kampf Abrams um die Befreiung seines Bruders Lot, der Gefangener der Könige Kanaans geworden war. Die edelsten Gaben der Erde, Brot und Wein, werden zu greifbaren Zeichen der Kommunion zwischen Abram und dem König von (Jeru) Salem und sind Teil einer leben- und segenspendenden Begegnung. Sie ist wie ein erneuter Einbruch Gottes in das Leben Abrams. Gott war es, der ihm die Feinde ausgeliefert hat, und Gott ist es nun, der ihn in der Gestalt des Melchisedek segnet. Dieser Einbruch Gottes wirkt in das Tun und den Alltag Abrams hinein: er, der selber gesegnet wurde, kann segensreich im Umgang mit anderen weiter wirken: Er gibt Melchisedek den Zehnten von allem was er besitzt. Im Anschluss daran handelt er grossmütig am König von Sodom, dessen Leute, Hab und Gut er vorher im Kampf gewonnen hat. Er gibt ihm alles zurück, um sich nicht an dem zu bereichern, was einem andern gehört.

 

 

1 Kor 11, 23 – 26

 

In den Versammlungen der Gemeinde von Korinth wurde das geschwisterliche Miteinander missachtet (11, 17 – 21). Die Reichen und Mächtigen teilten im Mahl, welches der Eucharistie voranging, ihre feinen Speisen nicht mit den Armen und Bedeutungslosen und beschämten sie dadurch. Paulus klagt dieses Verhalten an und erinnert an die Tradition der Eucharistie, die er selber empfangen hat. Will sie authentisch gefeiert werden, muss sie uns dem Bruder und der Schwester näher bringen, besonders denen, die in Not sind. Jesus selbst hat dies so getan (Mk 5, 23 - 24). Paulus vertieft das Thema und verkündet, dass die Eucharistie gelebt werden muss, in der Radikalität der Hingabe, nach dem Beispiel Jesu (11, 27 – 29). Der Gottesdienst vollzieht sich nicht nur in der Feier des eucharistischen Leibes, sondern auch im Dienst am Leib Christi, der Gemeinde.

 

 

Lk 9, 11b – 17

 

Die Perikope über die Rückkehr der Jünger und die Speisung der 5000 ist eine der letzten in der Reihe der Aktivitäten Jesu in Galiläa vor der Reise nach Jerusalem. Unmittelbar vorher steht die Frage des Antipas (9, 9b) und im Anschluss daran das Christusbekenntnis des Petrus (9, 20). Mehr Raum als die eigentliche Speisung (9, 16-17) nimmt die erzählerische Vorbereitung ein und die Interaktion zwischen Jesus und den Jüngern (9, 12 – 15). Offensichtlich sind die Jünger genervt (9, 12) und warten nach einem langen Tag und der schon verzögerten Ruhepause (9, 10-11) darauf, endlich die vielen Menschen los zu werden (9, 12). Das eine Unterfangen, sie wegzuschicken, damit sie sich etwas zu essen kaufen, ist genau so unmöglich wie das andere, ihnen etwas zu essen zu besorgen oder die wenigen Brote und Fische mit ihnen zu teilen. Als die Jünger beginnen zu tun, was Jesus ihnen sagt, (Joh 2, 5) nimmt das Ereignis einen konstruktiven Lauf: Sie fordern alle auf, sich zu setzen und der Segen Jesu scheint die Vermehrung der Brote und Fische bewirkt zu haben. Nachdem alle sich gesättigt haben, werden 12 Körbe wieder eingesammelt. Eine Reaktion darauf, etwa ein Dank des Volkes, bleibt aus. Der Blick bleibt weiterhin auf die Jünger gelenkt: Die zwölf Körbe, entsprechend der Zahl der Apostel, deuten an, dass von der Gabe Jesu noch genug übrig ist, auch für die junge Gemeinde, damit sie es den Menschen reichen kann.

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

In allen drei Lesungen finden wir das Brot, bzw. Brot und Wein im Zentrum der Aussagen. Da, wo es geschwisterlich geteilt wird, wird es zum Symbol für Gemeinschaft und Feier. Jesus wählt dieses Medium um bleibend gegenwärtig zu sein. Die Menschen, die sich in Lk 9, 11b - 17 um Jesus versammelt haben, um seine Worte über das Reich Gottes zu hören, haben offensichtlich nicht die Sorge der Jünger um das Essen und die Unterkunft verspürt. Obwohl es Abend wird und sie wahrscheinlich lange nichts gegessen haben, wird nicht berichtet, dass sie aufbrechen und beginnen, sich um ihr leibliches Wohl zu sorgen. Kennen wir nicht auch diese Erfahrung, dass etwas mich so sehr fasziniert, dass alles andere dahinter zurückbleibt? Sogar der Hunger und die Sorge, wo man am Abend schläft, wird für eine Zeit lang zweitrangig. Vielleicht ist eine bisher ungekannte Sehnsucht wach geworden nach einem erfüllteren Leben, das über die kleinliche Gesetzeserfüllung hinausgeht? Vielleicht haben die Worte Jesu eine Ahnung von Gott vermittelt, ein Leben-aus-Beschenktsein, und das Ja zur eigenen Endlichkeit und Offenheit auf die Unendlichkeit hin aufscheinen lassen?

 

 

 

Ich stelle mir vor, dass die Worte Jesu und die Erfahrung der Heilung (9, 11) absolut einzigartig waren: Reich Gottes wurde erfahrbar, Echtes und Scheinbares in seinen ursprünglichen Zusammenhang gerückt, Fragen und Probleme schienen in einem neuen Licht auf. Vor einem solchen Hintergrund sind Brot und Fisch - einfache Nahrungsmittel und kein Festmahl – völlig ausreichend um den Hunger des Leibes zu stillen. In diesem Kontext von der Erfahrung Gottes auf einer tieferen Ebene der menschlichen Existenz, der Erfahrung von Sinn und „Stimmigkeit“ im Leben, bekommen auch die materiellen Güter und Bedürfnisse wieder den Platz, der ihnen zusteht: sie sollen dem Menschen dienen und ihm helfen, nach dem Willen Gottes zu leben und sich zu entfalten.

 

 

 

Da, wo der Mensch mit dem Schöpfer und der Schöpfung in Verbindung steht, sich als Teil eines grossen Ganzen erfährt, als Geschöpf, da bekommen die materiellen Güter den ihnen gebührenden Platz im Ganzen. Sie brauchen nicht mehr als Ersatz für Vergnügen, Genuss, Zeitvertreib und Befriedigung zu fungieren. Die Ressourcen der Erde können so genutzt werden, dass sie uns das geben, was wir zum Leben benötigen. Sie brauchen nicht ausgebeutet werden, um sich zu verselbständigen in dem sie Konsum als Ersatz für Sinn vortäuschen, sich in Götzen verwandeln und scheinbares Glück vorgaukeln. Der unsinnige Raubbau von Energien und Gütern, um Sinn zu heucheln und Leere zu füllen, wird überflüssig. Wo der Mensch sich im Einklang erfährt mit Gott, der Schöpfung, den Mitmenschen und sich selbst, werden Ruhe und Glück erfahrbar, die von innen heraus kommen und unseren tiefsten Hunger stillen.

 

 

 

Da wo wir den Blick für die ganze Welt als unseren Lebensraum gewinnen, können wir uns verantwortlich verhalten gegenüber all dem, was sie uns zum Leben zur Verfügung stellt. Alle Bewohner der Erde haben das gleiche Recht auf Lebensraum. Wir können lernen, Menschen, die in Afrika leben und bessere Lebensbedingung hinter dem Stacheldraht der Exklaven suchen, als Brüder und Schwestern zu sehen, die das gleiche Recht auf die Ressourcen unseres Planeten haben, auch wenn sie einige Tausend km weiter südlich geboren wurden. Wir sind aufgefordert, nur so viel zu nehmen, wie wir brauchen, die nicht aus dem Blick zu verlieren, die gar nichts haben und mit ihnen zu teilen. Wenn wir in diesem Bewusstsein die Ressourcen und Energie unserer Erde gebrauchen, können alle satt werden und es bleibt noch übrig, um Körbe zu füllen für die kommenden Generationen (9, 17).

 

 

Meditativer Text

 

Ihr könnt mich nicht verstehen, ihr Satten, . . .
Dass ich unendlich hungrig vor einem Stückchen Brot knie.
Dass ich ein kleines Stück Brot innig anschaue.
Dass dieses kleine Stück Brot mehr sättigt als die grossen Mahlzeiten.
Dass ich niemals satt werde nach diesem Brot.
Dass ich wie ein/e Verliebte/r Zwiesprache halte mit dem Stückchen Brot.
Dass ich ein kleines Stückchen Brot mit Ehrfurcht umgebe.
Dass ich das Stück Brot verehre, weil es mich erinnert an den, der sagte: Ich bin das Brot.
Dass an diesem Brot mein Leben hängt, meine ganze Hoffnung.
Weil ihr zu schnell zufrieden seid.
Weil ihr gesättigte Satte seid.
Weil ihr den Hunger nach Leben verloren habt.
Weil euer Leben ohne Hunger kein Leben ist.

 

(Quelle unbekannt)

 

 

 

Quellen:

 

Gerhard Schneider, Das Evangelium nach Lukas, Gütersloh, 1977
Biblia de America, Madrid, 1994
Exerzitien im Alltag 2006, Willi Lambert, Annemarie Kneissl-Metz

 

 

 

Sr. Annette Fleischhauer, Mainz

 

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