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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

20. Mai. 07 - 7. Sonntag der Osterzeit / 6. So. n. Ostern (Exaudi)

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Joh 14, 15-19

Apg 7, 55-60

Offb 22, 12-14.16-17.20

Joh 17, 20-26

Der Autor betrachtet alle Predigttexte des Sonntags. Stichworte: die Gegenwart des auferstandenen Herren ist die Erfahrung der Jünger und wird bezeugt in der Solidarität zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West; „Eine Welt“ im Werden

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Nach Christi Himmelfahrt erfüllt die junge christliche Gemeinde nicht mehr Trauer, sondern Freude über die bleibende Nähe des erhöhten Herrn. Es ist die Freude darüber, dass sie die Zukunft nicht ohne den Freund und Bruder Jesus angehen müssen.

 

 

 

Meditationen zu den Texten

 

 

 

„Ich werde Euch nicht verwaist zurücklassen.“

 

Joh 14, 15-19: “Ich werde Euch nicht verwaist zurücklassen Ich komme zu Euch.” Und die Aufgabe wird auch schon angedeutet: Die Welt wird es schwer haben mit diesem neuen Weg, dem neuen Geist, der als der Geist der Wahrheit in ihnen ist. Darin liegt eine hohe Verantwortung und auch bleibende Herausforderung für die Zukunft. Gelegen oder ungelegen sollen sie die Werke Jesu weiterleben. Nicht einfach als Wunder, sondern als Zeichen sollen sie sie verwirklichen im Sinne des Evangeliums, ja, sie sollen noch größer sein als die Werke Jesu. Dabei geht es sicher nicht in der Hauptsache um die größeren Missionserfolge der Jünger. Es geht wohl zu allererst um eine größere und nachhaltigere Transparenz, dass die Lebenskräfte Gottes noch breiter in die Lebenswelt der Menschen einströmen. In all unseren Bemühungen wird er auch unser Gebet beim Vater ankommen lassen: Unsere großen Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Lebens der Menschen und unserer Erde.

 

 

 

„Ich sehe den Himmel offen.“

 

Apg 7, 55-60; Off 22, 12-14.16-17.20; Joh 17, 20–26: Die nachösterliche Freude, innere Kraft, erfüllt die Jünger Jesu auch dann, wenn sie den leiblichen Tod vor Augen sehen, ja, wenn sie das Todesurteil zu erwarten haben so wie Stephanus, der davon Zeugnis ablegt: “Ich sehe den Himmel offen...”

 

 

 

In dieser Lesung, aber auch im Evangelium dieses Sonntages begegnet uns das Wort „Herrlichkeit”. Für uns heute ist das ein sehr beschwerliches Wort. Aber in der 2. Lesung aus der Off. können wir heraushören, um was es sich handelt: Es ist ein Zustand, der durch eine Welt im Werden erreicht werden soll. Alle, die durstig sind, sollen „die Wasser des Lebens” umsonst erhalten. Immer wenn und wo das möglich wird und ist, ist es „herrlich”, gut, heilig, geheilte Welt. Etwas von der Fülle Gottes wird erfahrbar. Was wird da gerade für die Zukunft von uns gefordert: Wasser des Lebens. Ein sehr weiter und herausfordernder Weg. Ob Jesus oder auch Johannes gerade heute uns auffordern? “Alle sollen eins sein” oder besser: „werden“. Nur dann werden wir zukunftsorientiert leben und handeln.

 

 

 

Gerade in Jesus erfahren seine Freunde einen Menschen, der in vollkommener Harmonie mit Gott, seinem Vater, lebt. Darum geschehen Wunder: Heilungen, alle werden satt, Gefangenschaft und Fesseln zerbrechen, sogar der Tod ist überwunden. Da verwandelt sich Trauer in Freude. Da entsteht schon etwas von der Welt, die angesagt ist. Eine Vision wird angesagt, wo dieser Geist sich durchsetzt und ausbreitet: Keine Trauer, keine Klage mehr, der Tod wird nicht mehr sein. „Seht, ich mache alles neu.” – „Ja, ich komme bald.”

 

 

 

Die von Jesus zurückgelassene Gruppe muss sich inmitten der “Welt“, dieser fremden und ungläubig-feindlichen Welt zurecht finden. Sie muss ihr eigenes Selbstverständnis als Gemeinde Christi finden. Er ist gekommen, dass diese konkrete Welt das Leben findet in seiner ganzen Fülle. Darum wird ihr der Paraklet verheißen, nicht in erster Linie als Tröster, sondern als der Geist der Wahrheit. Dieser Geist bezeugt die Wahrheit zu jeder Zeit neu, und er scheidet die Gemeinde vom „Geist des Truges”. Er hat drei Funktionen, die aber noch nicht speziell genannt sind:

 

a) Lehre und Erinnerung

 

b) Zeugnis für Jesus

 

c) „Überführung” der Welt.

 

Die Gemeinden sollen in dieser Welt in ihrem Glauben gestärkt werden, bei ihren Aufgaben und in ihrem Sein. Jesus wird sie vom Himmel her stärken und ihr Wirken unterstützen, solange und wenn sie seine Gebote halten – ihn lieben. Die Welt hat kein Organ für diesen Parakleten. Die Jünger aber und die Gemeinden dürfen auf diese Gemeinschaft mit Gott vertrauen. Denn Beistand und Kraft kommen aus der bleibenden Gegenwart dieser Parakleten in der Gemeinschaft und in jedem einzelnen.

 

 

 

So kann Stephanus in unerhörter Kühnheit die Anklage auf die Kläger zurückwerfen. Sie beschuldigen ihn der Missachtung des mosaischen Gesetzes. Der Hohe Rat fühlt sich im Bewusstsein von Macht und Verantwortung für den Weg Gottes, der zur Herrlichkeit führen soll. Dieser Weg verleiht Zukunftsfähigkeit. „Von Geschlecht zu Geschlecht” - niemals nur für eine Generation. Generationenübergreifend besteht die Vision, die Gott dem Volk Israel am Sinai mitgibt: „Vergesst es nie! Ich allein bin der Herr, Euer Gott, der euch aus der Gefangenschaft in die Freiheit geführt hat. Ich kenne Euer Leid.“ Dieser Gott muss der letzte Beweggrund bleiben, damit der Weg in jeder Generation gelingt. Verrat und Mord an Jesus, der allein Sinn und Inhalt der Offenbarung ist, wirft Stephanus dem Hohen Rat und den Schriftgelehrten vor. So wird ihr Zorn verständlich, der auch schon Jesus in den Tod trieb.

 

 

 

Gott bekundet seine Nähe mit Stephanus: “Ich sehe den Himmel offen.” Da tut sich diese andere Welt aus dem Geist Gottes auf. Sicher spricht Stephanus von dieser Offenbarung in Anpassung an seine menschliche Weise zu denken, in diesem antiken und biblischen Bild von Himmel und Erde. Er sieht den, der sich ganz für diese werdende andere Welt engagierte, nun mit dem Vater zusammen in „Herrlichkeit”. Stephanus wendet seine letzten Worte fast identisch mit den Worten Jesu an seinen Vater – nun an Jesus selbst.

 

 

 

Stephanus, das Bild eines Visionärs: “voll des Hl. Geistes“, dabei schaut er die “Herrlichkeit Gottes” und sein Gesicht (Apg. 6, 15) spiegelt den Lichtglanz Gottes wider. Dadurch wird er vor den Augen seiner Ankläger als vom Himmel bestätigter Visionär dargestellt.

 

 

 

Wahrscheinlich bleibt es für Saulus ein Anstoß, diesen Menschen so voller Kraft sterben zu sehen, der seine ganze Hoffnung auf eine andere, neue Welt im Werden setzt, in der Gottes Geist das Geschehen bestimmt: Gerechtigkeit, Versöhnung, Vergebung, der Shalom Gottes.

 

 

 

„Alle sollen eins sein.“

 

Saulus wird auf seinem Weg wohl begleitet von der grundlegenden Bitte Jesu, die uns Johannes in diesem Evangelium mitteilt: der Gedanke der Einheit. Dieser Gedanke erfährt hier eine ganz besondere Eindringlichkeit. Die Gemeinschaft der Glaubenden (Glauben an eine Welt aus dem Geiste und im Sinne Gottes?) soll zu einer Einheit kommen wie zwischen dem Vater und dem Sohn. Und in diese Einheit soll die Gemeinschaft der Glaubenden einbezogen werden. Sicher geht es auch um die heutigen ökumenischen Bemühungen der Einheit. Aber die Intention des Johannes scheint mir weit darüber hinaus zu gehen. So wie das Gebot der Bruder(Geschwister)liebe der durch Jesus verwirklichten Liebe entspricht, so ist auch die gewünschte Einheit der Kinder Gottes zu verwirklichen, wie zwischen Vater und Sohn. Einheit und Liebe ist das Ziel der Schöpfung Gottes. Liebe ist dann in erster Linie nicht Leistung, sondern Geschenk: Weitergabe der von Gott geschenkten Liebe. Und die noch zweifelnden und ungläubigen Fernstehenden sollen durch das Zeugnis der mit Gott verbundenen Gemeinde zur Einheit in den Bemühungen um eine zukunftsorientierte (generationenübergreifende) Bewahrung der Schöpfung ermutigt werden. Darin ist die „Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast, ...” begründet. Diese Herrlichkeit hat er seiner Gemeinde gegeben, damit sie letztlich dort ist, wo auch er ist. Diese Herrlichkeit, die sie bei und an ihm erleben durften, ist nur der Vorgeschmack jener von Gott herbeigeführten Herrlichkeit. Obwohl Jesus diese Herrlichkeit schon hatte, erlangt er sie aber neu auf seinem Weg zum Kreuz. Die Fülle der göttlichen Herrlichkeit beginnt schon hier, gegenwärtig zu werden. “Glanz und Kraft der göttlichen Liebe” kann und soll sich in den Glaubenden vollenden. Der verherrlichte Jesus bleibt in und bei seiner Welt. Er vermittelt nicht nur die Liebe Gottes, sondern ist die ständige Gegenwart Gottes in dieser konkreten Welt.

 

 

 

 

 

Predigtgedanken:

 

”Die Zukunft der Nachhaltigkeit liegt noch in den Windeln” - Werbeslogan eines deutschen Industriekonzerns. Sie liegt in den Windeln. Sie muss wachsen und erwachsen werden in dem Geiste, zu dem diese Wirtschaftsunternehmen heute keinen Zugang mehr zu haben scheinen. Der Geist der Wahrheit befähigt uns, sich von diesem “Geist des Truges” zu scheiden. In der Kraft und Eindeutigkeit dieser Sonntagstexte ruft uns Gott heraus, den Götzen des Konsums und der Zerstörung der Zukunft entgegenzutreten, zu vertrauen, zu glauben, dass Gott und sein Handeln uns Zukunftsfähigkeit ermöglicht. Gott handelt nie für eine Generation, sondern von Geschlecht zu Geschlecht.

 

 

 

Herausforderung zur Mitarbeit an einer Sozialkultur, soziale Dimensionen als bestimmendes Element unserer christlichen Gemeinden und unserer globalen (Ökumene) Zusammenarbeit; Einheit mit allen, die guten Willens sind für die Zukunft der Erde; das führt zu sinnerfülltem Leben. Ohne diesen uns in Jesus geoffenbarten Gott wird Zukunftsfähigkeit in vollem Sinne nicht realisierbar sein. In ihm und in seinem Willen zum Leben für alle seine Geschöpfe bündeln sich die zentralen Zukunftsfragen. Er ermöglicht den langen Atem für diese Zukunft, die noch in Windeln liegt.

 

 

 

Überall auf unserer Erde sind Menschen unterschiedlicher Wertvorstellungen auf diesem Weg:

 

 

 

Millionen landloser Bauern in Brasilien singen und fordern: ”Wir wollen Land auf dieser Erde, im Himmel haben wir schon unser Land.“ Sie sehen den Himmel offen, nicht als billige Vertröstung, sondern als das Ziel. Der Weg aber entsteht im Gehen auf dieser Erde.

 

 

 

Wie das Kind in den Windeln schreit, wenn es ungemütlich wird oder der Hunger quält, so singen Menschen in Lateinamerika: ”Wir werden nicht schweigend sterben wie die Frösche unter den Hufen der Viehherden.“

 

 

 

In Mozambique traf ich junge Menschen, Ordensleute, Priester und Wissenschaftler aus Brasilien, die das Land bei seinem schweren Weg aus der portugiesischen Abhängigkeit und der schlimmen Erfahrung des Bürgerkrieges in eine neue Zukunft begleiten. Sie vertrauen auf diesen neuen Weg, den sie in einem ihrer Lieder besingen: Die Welt wird besser, wenn der Kleinste, der leidet, dem Kleinsten vertraut. Da ist das Nord-Südgefälle überwunden. Menschen sind auf dem Weg, selbst Subjekte zu werden.

 

 

 

In Rumänien traf ich bei einem Hilfstransport aus Deutschland, dem 17. aus unserer Gemeinde, in einer sehr armen und äußerst hilfsbedürftigen Kleinstadt einen jungen Pfarrer und Gemeindemitglieder, die uns baten, diese Art von Hilfe nicht weiterzuführen. “Wir sind sehr dankbar für all das Vergangene. Es hat uns gestärkt und die Augen geöffnet dafür, dass wir uns unseren Weg erkämpfen müssen. Daher brauchen wir Euch als Partner. Wir wollen einander besuchen und uns besser kennen lernen. Wir haben unseren Stolz als Menschen, denen Gott etwas zutraut. In unserer Stadt haben wir Menschen aufgefunden, die so krank und schwach sind, dass sie ganz auf andere angewiesen sind. Helft uns beim Aufbau einer Sozialstation.“

 

 

 

Herrlichkeit: Sich stark machen für eine heile Welt. Netzwerke herstellen bei uns und weltweit mit Menschen und Gemeinden, die dem Geist der Wahrheit und der Gerechtigkeit trauen; dem Gott, der uns vom Trug, den Götzen der Moderne scheidet, der in unseren Kirchen den Blick vom eigenen Überleben und die übertriebene Sorge um eigenes Prestige überwindet im Blick auf all die, die bei uns und anderswo vom Leben ausgeschlossen sind oder werden. Den Himmel offen sehen, Visionen entwickeln und zu Visionären uns machen lassen.

 

 

 

Literatur:

 

Herders Theologischer Kommentar zum neuen Testament

 

Helge Wulsdorf: Nachhaltigkeit, Ein christlicher Grundauftrag in einer globalisierten Welt, Regensburg 2005

 

Hans-Josef Wüst, Frankfurt

 

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