Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

17. Mai. 07 - Christi Himmelfahrt

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Joh 17, 20-26

Apg 1, 1-11

Eph 1, 17-23 oder
Hebr 9, 24-28; 10, 19-23

Lk 24, 46-53

 

 

Der Autor geht mit Ausnahme von Hebr 9 auf alle Predigttexte des Himmelfahrtstags ein. Zentrales Thema ist das Verbundensein von Himmel und Erde, das nach den 40 Tagen mit dem Auffahren in den Himmel signalisiert wird. Zusammengehörigkeit in der Schöpfung weist über Ökologische Netze bzw. Ökosysteme weit hinaus. Stichworte: Verbundenheit, Zusammengehörigkeit, Transzendenz der christlichen Nachhaltigkeit gegenüber bloßer Ökologie

 

 

 

Christi Himmelfahrt

 

Die einen haben am „Vatertag“ mit dem religiösen Sinn des Himmelfahrtstages nichts im Sinn, die anderen gebärden sich aufgeklärt und belächeln den Inhalt dieses Festes. Der Deutschlandsender der DDR strahlte im Jahr 1962 einen Himmelfahrtssong anlässlich des ersten Weltraumfluges des Kosmonauten Juri Gagarin aus:

 

 

 

„Die Bibel sagt: Vor langer Zeit flog Gottes eigner Sohn
bei Tagesanbruch himmelwärts zu seines Vaters Thron. -
Seit diesen Tagen erwartet man den Gottessohn zurück.
Doch wartet man noch heut darauf und hat damit kein Glück.

 

 

 

Mancher sucht ein Paradies im Himmel, weil er dabei vergisst,
dass ein Paradies auf Erden besser für die Menschen ist.
Heut flog zum 1. Mal eines Menschen Sohn
bei Tagesanbruch himmelwärts aus der Sowjetunion.

 

 

 

Sind wir mit dem Fest Christi Himmelfahrt hinterm Mond? Haben wir es mit der Welt der Weltraumstationen, der Außerirdischen und der Ufos zu tun? Gibt es in unserem Kosmos ein Oben und ein Unten? Wie ist das mit in und hinter der Wolke biblischer Erzählungen?

 

 

 

Zu den beiden Schrifttexten Lk 24, 46-53 und Apg 1, 1 - 11

 

Sie gehen, vom gleichen Verfasser Lukas geschrieben, nahtlos ineinander über. Lukas gestaltet Theologie in anschaulicher Erzählung und nutzt unser zeitliches und räumliches Nachempfinden und Konkretisieren und nutzt andere Entrückungstraditionen und Himmelfahrtserzählungen als Vorlage. Seinen Niederschlag findet die auch heute noch im überkormmenen Brauchtum, vielerorts und rund um die Erde.

 

Allerdings gilt, Spektakel abzuwehren und Auferstehungsbotschaft transparent zu machen. Die irdische Zeit Jesu, über die Lukas sein Evangelium schreibt, endet mit Jesu Aufnahme in den Himmel, nicht mit Jesu Tod am Kreuz. Der Auferstandene erscheint den Aposteln 40 Tage hindurch - 40, die bedeutende Zahl in der Geschichte Gottes mit seinem Volk - um sie „auf eigene Füße zu stellen" und sie zu begeistern, das Reich Gottes zu verkünden – nicht, wie man sich Jesu Himmelfahrt vorzustellen hat, sondern warum und wozu Jesus zu Gott heimkehrt und wie er uns nicht als Waisen zurücklässt.

 

 

 

Himmel und Erde sind in Jesus verbunden: „Ihr seid hierfür Zeugen" so sein Auftrag. In Jesus Christus sind Himmel und Erde auf nie da gewesene Weise einander nahe gekommen. „Himmel" verstehen wir - jenseits aller früheren und heutigen Weltbilder - als der „Ort", an dem Gott in nicht vorstellbarer Art und Weise alles in allem ist. Dorthin ist Jesus eingegangen und hier ist er das Ziel jeden menschlichen Ichs und Wirs als das Ziel der Erlösung und Neuschöpfung. Himmelfahrt hat somit ausschließlich mit Ostern zu tun. Die mythologische Vorstellung einer „Himmelfahrt“ ist der Versuch einer Antwort auf die alte Sehnsucht des unheilbar religiösen Menschen, dass das Leben weitergehen möge, ohne end-gültig sterben zu müssen, ohne in das Nichts zu versinken.

 

 

 

Eph 1, 17-23

 

Im Text des Epheserbriefes (nachpaul. Autor um 80-85 n. Chr.) liegt in dieser Stelle und am Himmelfahrtstag der Akzent auf folgender theologischer Aussage: Nicht Jesus Christus entschwindet nach oben (fährt in den Himmel auf) und inthronisiert sich selbst als Herr (setzt sich zur Rechten Gottes), sondern Gott selbst steht als Bezugspunkt und Mitte vor uns: „Er hat ihn von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben.“

 

 

 

Im Mittelpunkt steht das urchristliche Bekenntnis: Gott ist Schöpfer und Urgrund, hält alles in seinen Händen, und Er möge uns auf die Sprünge helfen, ihn zu erkennen aufgrund der Dinge, die er an Jesus Christus getan hat. Denn wir sind zu Christi Erben berufen - das war das Selbstbewusstsein der jungen Kirche - mit diesem Selbstbewusstsein konnte sie dem Weltherrscher und Weltenrichter gegenüber treten, der barmherzig und menschenfreundlich hier uns zur Seite steht und dort uns erwartet.

 

 

 

Zu Joh 17, 20-26

 

Unser Text löst das sog. „hohepriesterliche Gebet“ von der Bitte Jesus, für seine Jünger damals, ab, hin zur Bitte für die zukünftigen Jünger, für die Jesusjüngerbewegung, die Kirche: Fortführung und Verkündigung auf der Basis der Einheit derer, die an Jesus, den Christus, glauben - dies ist sein Vermächtnis. Einheit meint nicht Gleichheit, sondern Zusammengehörigkeit und Solidarität, und diese realisieren sich umso mehr, je näher wir Christus kommen.

 

 

 

Eine recht anschauliche Geschichte erzählt: „Eine Abt wurde von seinen Mönchen gefragt, ob sie trotz ihrer verschiedenen Herkunft, Veranlagung und Bildung doch die Einheit darstellen könnten. Statt eine theoretische Antwort zu geben, sagte der Abt: Stellt Euch ein Rad vor. Da sind die Felge, die Speichen und die Nabe. Zwei einander gegenüberliegende Punkte auf den Speichen kommen dann zusammen, wenn sie sich der Nabe zu bewegen. Die Nabe - in diesem Bild - ist Gott. Je mehr wir versuchen, näher zu Gott zu kommen, desto mehr nähern wir uns auch einander".

 

 

 

Zusammenfassung

 

Im Jahre 1961 umrundet der Russe Juri Gagarin als erster Mensch in einer Raumkapsel die Erde, nachdem seit Sputniks Zeiten sich auch der Weltraumschrott unerträglich angesammelt hat. Der Mensch überwindet in seiner Umwelt ihm zunächst gesetzte natürliche Grenzen – ein Triumph des technisch Machbaren und menschlicher Intelligenz.

 

 

 

Was droht auf der Strecke zu bleiben? Ein wachsender, geschärfter Blick auf des Menschen Sinnhaftigkeit und Bestimmung und seine Verwurzelung in Mit- und Umwelt tut not. Der Schutz allen Lebens und aller Natur, aus tiefem religiösem Empfinden einer Verantwortung nach „oben“ von „unten“ her ist angesagt. Himmelfahrtsfest spricht von der Verbindung „oben“ und „unten“ und gemeint sind auch die Vorgänge innerhalb und außerhalb dieses Planeten Erde. Anlass, sich einmal wieder Gedanken über den Zusammenhang von allem zu machen, bietet der Himmelfahrtstag und lädt uns dazu ein.

 

Josef Rottländer, Hamm (Sieg)

 

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz