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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

6. Mai. 07 - 5. Sonntag der Osterzeit / 4. So. n. Ostern (Kantate)

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jes 12

Apg 14, 21b-27

Offb 21, 1-5a

Joh 13, 31-33a.34-35

Der Autor betrachtet den Predigttext der ev. Reihe V sowie aus der kath. Leseordnung die. 2. Lesung und das Evangelium. Stichworte: idealer Herrscher, umfassende Gerechtigkeit, paradiesischer Friede (Jes 12); Überwindung des Bösen (Offb 21); Jenseits- / Diesseits-Vertröstung, Spaß- / Liebeskultur, gerechtes und friedliches Leben in Würde statt in konsumistischer Reduktion, verändernde Kraft aus der Berührung mit Gott

 

 

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr:

 

Nachdem an den ersten Ostersonntagen das Geschehen der Auferstehung selbst im Mittelpunkt steht, gewissermaßen der Blick in das leere Grab, bzw. auf den Auferstandenen, geben die folgenden Sonntage der Osterzeit Raum, zu reflektieren, was das Geschehen der Auferstehung für uns bedeutet.

 

 

 

Tatsächlich fordern die Eröffnungsverse dieser Sonntage ja geradezu auf, jubelnd und jauchzend auf die Osterbotschaft zu antworten. Dies wird in der evangelischen Tradition gut deutlich, da diese Sonntage dort die entsprechenden lateinischen Imperative (Jubilate, Cantate, Rogate) als Namen tragen. Und gerade der Sonntag „Kantate“ wird ja in vielen ev. Gemeinden bei reicher kirchenmusikalischer Gestaltung mit besonderer Sorgfalt gefeiert.

 

 

 

Im Rahmen des österlichen Festkreises der Pentecoste wird der Blick am 5. Ostersonntag aber auch langsam auf das Geschehen der Himmelfahrt Christi hingelenkt, deren Feier bevorsteht.

 

 

 

Jesaja 12:

 

Der Text der EKD-Leseordnung scheint uns zunächst recht weit vom Osterereignis wegzuführen, ins 8. Jh. v. Chr., die Berufungs- und Wirkungszeit des (Proto-)Jesaja. Innerhalb der recht geschlossenen Einheit der ersten elf bzw. zwölf Kapitel des Prophetenbuches stehen Gerichtsworten, die sich an Israel richten, Heilsworte an Gottes auserwähltes Volk gegenüber. Dazwischen steht die Geschichte der Berufung Jesajas.

 

 

 

Die Gerichtsworte (gegen Assur) des 10. Kapitels werden kontrastiert von den messianischen Ankündigungen des zukünftigen idealen Herrschers in Kapitel 11, eine Heilsbotschaft in poetischer Form, die wir oft im Advent hören und in christlicher und christologischer Deutung als Verheißung des Kommens Jesu, des Christus, verstehen. Der Messias kommt aus dem Stamm Isais (also auch Davids). Er ist mehr als ein Prophet, als ein Bote Gottes. Mit seinem Kommen verbindet sich die Erwartung eines zukünftigen Reiches, in dem er eine umfassende, göttliche Gerechtigkeit walten lässt und paradiesischer Friede herrschen wird, wie in zahlreichen aussagekräftigen Bildern illustiert wird: „Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, …“ (Jes 11, 5-7a)

 

 

 

Auf die Unheils- und Heilsworte der ersten elf Kapitel, die sich in den Kapiteln 10 und 11 noch einmal verdichten, antwortet das Kapitel 12 in Form eines Psalmes, den W. H. Schmidt als „eschatologisches Danklied“ bezeichnet. C. Westermann sieht darin das „Responsorium“, also die Antwort der Gemeinde auf die Worte Jesajas. Sind die ersten zehn Kapitel des Jesajabuches heilsgeschichtlich wohl richtig im Lichte der messianischen Visionen des Kapitels 11 zu sehen, so können die lobreichen Psalmverse des 12. Kapitels als plausible Reaktion hierauf verstanden werden. Die Visionen des 11. Kapitels verbinden sich auch für Christen mit dem Kommen des Gottessohnes, und, vielleicht noch einmal verdichtet, mit der Wiederkunft Christi.

 

 

 

Somit darf Jesaja 11 als ein christologischer Kerntext des AT gelten, der vom Kommen Jesu Christi spricht, dessen Messianität sich ja gerade in seiner Verherrlichung, im Osterereignis offenbart, womit Jesaja 11, aus der christlichen, nachösterlichen Perspektive gelesen, zu einem quasi österlichen Schrifttext wird, Jesaja 12 zu einem Lobgesang, dem sich auch die christliche Gemeinde aus vollem Herzen anschließen kann.

 

 

 

Offenbarung 21, 1-5a:

 

Mit der Offenbarung wendet die zweite Lesung der kath. Leseordnung ihren Blick in die Zukunft. Die ersten Christen und jungen Gemeinden lebten aus der Erfahrung bzw. dem Glauben der Auferstehung heraus. Doch durch die nächsten Generationen hindurch mussten die frühen Christen erleben, wie ihr Glaube auf erbitterten Widerstand stieß und Christenverfolgungen die Apostel und weitere wichtige Zeugen der Frohen Botschaft das Leben kosteten. Im Kontext dieser Verfolgungen steht der Seher Johannes, selbst auf die Insel Patmos verbannt, mit seiner Apokalypse.

 

 

 

Nach den Schreckensszenen des Gerichts, mit denen die Apokalypse oft assoziiert wird, erweist sich die Offenbarung mit dem Blick auf das „Neue Jerusalem“ letztlich als ein trost- und hoffnungsvolles Buch, das eine von Gott kommende Zeit des Heils ankündigt.

 

 

 

In dieser neuen Wirklichkeit, die ganz aus der Gegenwart Gottes lebt, sind alle Übel und Erscheinungsformen des Bösen überwunden. Gott offenbart, nach einer Art neuem Schöpfungsakt, die Welt „wie Er sie gemeint hat“, und jene Menschen, die in ihrem Glauben auf Ihn gesetzt haben, dürfen hoffen, diese neue, letztendliche Realität zu schauen.

 

 

 

Johannes, 13, 31-33a,34-35:

 

Die im Kontext der Offenbarung angesprochene Erfahrung der Verfolgung von Christen und Christentum für die ersten (nach-)christlichen Generationen mag auch bei der Abfassung des Johannes-Evangeliums mitgeschwungen haben. Die johanneische Gemeinde lebt also in schon erheblichen Abstand zur Zeit Jesu und mit eben dieser Erfahrung der Verfolgung. Sie besinnt sich an dieser Stelle auf Jesu Testament, unmittelbar vor seinem Leiden und Sterben, wie es in den sogenannten „Abschiedsreden“ wiedergegeben wird. Ein johanneischer Hang zum Dualismus zwischen „Licht“ und „Finsternis“, Gut und Böse mag durchscheinen, wenn Jesus sein „Testament“ seinen „redlichen Jüngern“ anvertraut, nachdem Judas, der Verräter, unmittelbar zuvor in die finstere Nacht hinausgegangen ist.

 

 

 

Jesus hat seinen Auftrag, den Menschen mit göttlicher Vollmacht die Botschaft vom Reich Gottes zu bringen, erfüllt. „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht“ und tritt den Weg zu Leiden, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt an. Was Jesus seinen Jüngern erwiesen hat, was nochmals in der Symbolik der Fußwaschung verdichtet aufscheint, hinterlässt Er ihnen als Zusammenfassung seiner Botschaft: Liebe.

 

 

 

Predigt-Aspekte zu Nachhaltigkeit:

 

 

 

Eschatologische Dimension

 

Die drei angesprochenen Texte haben, jeder auf seine Weise, eine deutliche eschatologische Dimension, bei Jesaja und der Offenbarung ganz offensichtlich, im Johannes-Evangelium zumindest implizit:

 

 

 

a) Jesaja 12 als lobender Antwortgesang auf die Taten Gottes und besonders auf die Ankündigung des Messias. Der Trieb aus dem Stamm Isais, auf dem der Geist des Herrn ruht, wird eine ganz andere Herrschaft errichten, nicht mit irdischer Macht und Schwert, sondern durch Gerechtigkeit. Wenn sein Reich gekommen ist, werden andere Maßstäbe als die dieser Welt (Macht, Gewalt, Profit, Image) gelten, Frieden und Gerechtigkeit werden walten und das Miteinander der Geschöpfe neu definieren. Das ist ein tiefer Grund zum Gotteslob, der in Vers 3 durch eine Metapher quasi ökologischer Dimension umschrieben wird: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen“.

 

 

 

b) Als endzeitliches Reich Gottes interpretiert spricht hiervon auch, aus ganz anderem Zusammenhang, die Offenbarung. Der neue Himmel und die neue Erde leben ganz aus der Gegenwart Gottes heraus. Gottes Schöpfung, die ihrer Vollendung entgegengegangen ist, erfährt Gott als „Quelle“, elementar lebensspendend wie das frische Wasser. Die materialistische Orientierung und die kurzsichtigen Maßstäbe unserer Welt sind überwunden und erweisen sich spätestens im Lichte der Vollendung als haltlos und hohl. Wenn die Menschen Gottes Gegenwart in Fülle erfahren, wird ihnen geschenkt, was sie wirklich ersehnen und nötig haben.

 

 

 

c) Das Reich Gottes, das Jesus verkündigt hat, wirft schon seine Schatten voraus, will schon in dieser Welt beginnen. Mit der Entfaltung der Botschaft Jesu Christi ereignet sich ein Stück Antizipation des Eschatons. Gottes Reich wird sich in der Zukunft vollenden, beginnen will es schon heute auf Erden. Sein oberstes Gesetz ist die Liebe, eine selbstlose, nachhaltige Liebe, die nicht auf das berechnende Erreichen verzweckter, materieller, irdischer Ziele von Erfolg, Profit und (vordergründiger, kurzsichtiger) Effizienz orientiert ist.

 

 

 

„Diesseits-Vertröstung“

 

Man hat dem Mittelalter (oder der Kirche allgemein) immer wieder den Vorwurf der Jenseitsvertröstung gemacht. Es gibt wohl gute Gründe, unserer Zeit und Gesellschaft, mit ihrer Vorherrschaft von Konsum und Kapital, Wellness-Wahn und Freizeit-Stress, den Vorwurf der „Diesseits-Vertröstung“ zu machen, wenn vieles darauf angelegt ist, aus dieser Welt und diesem Leben das Letzte „herauszuholen“, wenn Werbe-Slogans und Spaß-Doktrin den Rang religiöser Überzeugungen einzunehmen drohen.

 

 

 

Falls mit dem Tod alles aus sein sollte, liegt es dann nicht nahe, im Hier und Jetzt ein Maximum an Besitz, Macht und Vergnügen zu erstreben, im Zweifelsfall auch missbräuchlich zulasten der Mitmenschen, der Natur und letztlich zulasten seiner eigenen Identität?

 

 

 

„Spaß-Gesellschaft“

 

Das Problem ist nicht so neu. Auch die antiken Römer waren eine „Spaß-Gesellschaft“, bei der Besitz, Macht, Vergnügen im Vordergrund standen („panem et circensis“). In ökologischer Dimension zeigt sich dies z.B. an ihrer Abholzung weiter Teile des Mittelmeerraumes wegen militärischer und kommerzieller Interessen. Die Folgen sind bis heute zu spüren (sozusagen ein Beispiel „destruktiver Nachhaltigkeit“).

 

 

 

„Gegenkultur“ und Liebesgebot

 

Bemerkenswerterweise waren es die Auswirkungen der Christenverfolgungen dieser Römer, die unsere neutestamentlichen Texte mit beeinflusst haben (s.o.). Neben den jeweiligen binnengeschichtlichen Anlässen der Christenverfolgungen steht das Faktum, dass das Christentum (und gerade im frühen Christentum war das wohl zu spüren), eine Art „Gegenkultur“ zur römischen Gesellschaft und ihren „Werten“ darstellte.

 

 

 

Im Zentrum dieser Gegenkultur stand und steht das Liebesgebot, das das Evangelium als Testament Jesu Christi versteht. Charakteristikum dieses christlichen Liebesideals ist, das sein Wertecodex eben nicht auf eine diesseitige Dimension beschränkt ist, sondern sozusagen darauf, „Schätze im Himmel zu sammeln“, wobei dies nicht im Sinne einer vordergründigen „Werkgerechtigkeit“ verstanden werden darf, nur um sich einen „Fensterplatz im Himmel“ zu sichern. Vielmehr geht es wohl um eine tiefe ethische „Wahrheit“ des Liebesgebotes, deren Sinn sich vielleicht erst in eschatologischer Perspektive erschließt. Freilich sind die Verheißungen aus Jesaja 11, auf die der Dankpsalm Jesaja 12 antwortet, und die Visionen der Offenbarung nicht nur auf die Zukunft hin angelegt. Sie wirken zurück in die Gegenwart, indem sie den Horizont weiten.

 

 

 

Reduziertes Leben / produzieren und konsumieren

 

Gerade in den letzten zwei Jahrzehnten wird deutlich, dass wir Menschen in den westlichen Industriegesellschaften Gefahr laufen, das Leben nur auf Produzieren und Konsumieren zu reduzieren. Mehr noch als in der Notwendigkeit des Produzierens und dem selbstverständlichen Hang zum Konsumieren zeigt sich dies in einer geradezu ideologisch erscheinenden Verengung auf diese beiden Aspekte des Lebens, wie sie die „öffentliche Meinung“ unserer Zeit in einem erheblichen Maße prägt. Das hat nicht nur ethisch und religiös verheerende Folgen. Insbesondere untergräbt es die Würde des Menschen, ihn auf die Rolle des Produzenten und Konsumenten zu reduzieren. Die Würde der übrigen Schöpfung wird als Gegenstand rücksichtsloser Ausbeutung ebenfalls preisgegeben.

 

 

 

Gottes Reich in Würde – Gerechtigkeit und Frieden

 

Im messianischen Reich des neuen Himmels und der neuen Erde können alle Geschöpfe ihre volle Würde entfalten. Das christliche Liebesgebot fordert dazu auf, die Würde des Menschen (und, ökologisch interpretiert, auch der übrigen Geschöpfe) schon heute ernst zu nehmen, zur Geltung zu bringen und auf die Vollendung hinzuleben.

 

 

 

Wenn wir auf einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ hin leben, wenn wir versuchen, uns an Dem zu orientieren, der gekommen ist und kommen wird, um Gottes Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu errichten, wenn wir an Den glauben, Der die Liebe Gottes mit Vollmacht repräsentiert und mit seinen Jüngern auch uns das Liebesgebot anvertraut hat, dann müssen wir unser Heil nicht in der Maximierung von Besitz, Macht, Ansehen, Konsum und Vergnügen suchen, dann dürfen und brauchen wir nicht nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ leben. Jesu Liebesgebot weist uns einen anderen Weg zu Leben in Fülle. Im Friedensreich, das die Visionen Jesajas zeigen, ist das Gesetz der Natur nicht mehr „Fressen“ und „Gefressen-werden“, sondern eine harmonische Eintracht der Geschöpfe. Auf das Verhältnis der Menschen untereinander und das Verhältnis der Menschen zur übrigen Schöpfung übertragen bedeutet das, dass dieses Verhältnis durch eine faire Balance gekennzeichnet ist, nicht mehr durch Ausbeutung.

 

 

 

Der Kontext des Liebesgebotes in der johanneischen Schilderung des Gründonnerstags gibt ihm eine besondere Authentizität, wenn der Jesus, der seinen Jüngern das Gebot einer unverzweckten und bisweilen unverständlichen Liebe als Testament hinterlässt, denselben Jüngern (und dazu Judas, dem Verräter) soeben die Füße gewaschen und dabei gefragt hatte: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“. Vielleicht haben die Jünger zunächst nicht begriffen. Aber eine verändernde Kraft geht von dieser Liebe Gottes aus, die sie in Jesus kennengelernt haben.

 

 

 

Gott ist die Liebe. Und wo die Liebe Gottes einen Menschen berührt hat, beginnt sie, ihn zu verändern, Himmel und Erde berühren sich. Wo Menschen sich im Sinne der Liebe Gottes zu verändern beginnen, beginnt „die Welt“ sich konstruktiv zu verändern.

 

 

 

Gegenentwurf einer Kultur der Liebe: Was ist daraus geworden?

 

Formal betrachtet hat das Christentum, trotz schwieriger Startbedingungen, einen Siegeszug von beeindruckender Nachhaltigkeit angetreten, indem es sich im Laufe von 2000 Jahren über den ganzen Erdkreis zur Weltreligion ausbreitete. Seine Substanz scheint sich dabei nicht gerade immer in befriedigender Weise durchgesetzt zu haben. In einem berühmt gewordenen Zitat des Schriftstellers Heinrich Böll wirft dieser die Frage auf, wie die 2000-jährige Geschichte des Christentums eine von Macht- und Besitzstreben dominierte Welt so wenig verändern konnte. Sicher eine berechtigte und bohrende Frage, auch angesichts einiger wenig ruhmreichen Kapitel der Geschichte des Christentums. Doch Böll gibt selbst eine Art Antwort in der gegenübergestellten Frage: Wie hätte diese Welt erst ausgesehen, „hätte sich die nackte Walze einer Geschichte ohne Christus über sie hinweggeschoben…? (…) Nirgendwo im Evangelium finde ich eine Rechtfertigung für Unterdrückung, Mord, Gewalt. (…) Unter Christen ist Barmherzigkeit wenigstens möglich, und hin und wieder gibt es sie“ (H. Böll). Als Böll diese Gedanken formulierte, war das Bewusstsein für die ökologischen Zusammenhänge wohl noch nicht so ausgeprägt. Doch sicher verstehen wir seine auf die mitmenschliche Ebene bezogenen Überlegungen nicht falsch, wenn wir sie auch im Sinne einer „Barmherzigkeit für die Schöpfung“ interpretieren.

 

 

 

Die Botschaft Jesu trägt in sich den Entwurf einer „Gegenkultur“ zur Macht-, Profit- und Spaßdoktrin dieser Welt, die alles im Hier und Jetzt erreichen will (s.o.). Diese „potentielle Gegenkultur“ impliziert einen liebe-, verantwortungs- und rücksichtsvollen Umgang mit den Mitmenschen und der ganzen Schöpfung. Jeden Tag spüren wir vielleicht an vielen Stellen schmerzvoll, wie sehr wir immer wieder hinter den Idealen dieser Liebeskultur zurückbleiben, aber wir haben auch jeden Tag, jede Stunde immer wieder die Chance und sind eingeladen, uns im Liebesgebot einzuüben und hier und da auch zu leben, was wir als richtig, ja als „wahr“ erkannt haben, weil Gottes Reich mehr ist als Macht, Besitz und Vergnügen, weil wir auf die „richtige Karte setzen“, den neuen Himmel und die neue Erde, die ganz aufgehen in der Gegenwart Gottes, die Liebe ist, und auf die wir in unserer Welt hier und da schon einen kleinen Vorgeschmack kosten dürfen.

 

 

 

Literatur:

 

- Haag, Herbert: Biblisches Wörterbuch, Freiburg/Basel/Wien 1994/2003

 

- Lohfink, Gerhard u.a.: Die Feier des Sonntags, Auslegungen der Schrifttexte (C), Bad Tölz 2003

 

- Schmidt, Werner H.: Einführung in das Alte Testament, 4. Aufl., Berlin/New York 1989

 

- Stertenbrink, Rudolf: Lichtsekunden, Dominik. Predigten (C), Freiburg/Basel/Wien 1994

 

- Westermann, Claus: Abriss der Bibelkunde, 13. Aufl., Stuttgart 1991

 

- Wilckens, Ulrich: Das Neue Testament, übersetzt und kommentiert von U. Wilckens, 8. Aufl., Zürich/Gütersloh 1991

 

- Zulehner, Paul M.: Pastoraltheologie, Bd. 4 Pastorale Futurologie, Düsseldorf 1990

 

Erik Wehner, Dreieich

 

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