Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

15. Apr. 07 - 2. Sonntag der Osterzeit / 1. So. n. Ostern (Quasimod.)

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Mk 16, 9-14 (15-20)

Apg 5, 12-16

Offb 1, 9-11a.12-13.17-19

Joh 20, 19-31

 
Der Autor betrachtet den Predigttext der ev. Reihe V sowie die beiden Lesungstexte der kath. Leseordnung. Stichworte: ein „offenes Ende“ – der Zusammenhang von Osterglaube und nachhaltigem Leben (Mk 16); christliches Leben ist Leben
in Gütergemeinschaft, die nachhaltige, globale (?) Gemeinde ist möglich (Apg 5); nicht abfallen und nicht wanken, keinem „Kult“ unterwerfen, den richtigen Zielen treu bleiben, sie konsequent verfolgen (Offb 1)

 

 

 

Predigtsituation

 

Zu predigen ist am Sonntag nach Ostern. Das Thema Auferstehung / Aufbruch ist also noch aktuell: Wir haben die Botschaft gehört, - und nun? Bewirkt sie etwas, setzt sie uns in Schwung? Ausgangsempfindung kann auch je nach Wetterlage das Sehnen nach Aufblühen, Wärme, Frühlingserwachen sein.

 

 

 

Zum Text Markus 16, 9-20

 

Markus gilt als Verfasser des ältesten, griechisch geschriebenen Evangeliums (um 70 n. Chr. vermutlich in Rom), Mitarbeiter des Paulus und später des Petrus. Er sammelte Überlieferungen über Jesus, vor allem Wundererzählungen, Gleichnisse, Einzelworte und Passionsberichte, ordnete sie zeitlich und sachlich und verarbeitete sie so zu seinem Evangelium. Der Predigttext bildet den Abschluss des Evangeliums, wobei die Verse 16-20 wie ein Anhängsel wirken.

 

 

 

Gedanken zur Predigt und zum Aspekt „Nachhaltigkeit“

 

Der Regisseur hat einen an sich guten Film gedreht nach einem guten Drehbuch. Nur mit dem Ende war er nicht einverstanden, weil es laut Drehbuch ein „Ende-offen-Ende“ gewesen wäre. Also hängte er noch ein kleines „Happyend“ an. Gut für den Film? Gut für das Markus-Evangelium, das mit „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ beginnt und nicht mit dem „offenen Ende“ Vers 15 endet?? Das offene Ende, verkörpert durch die Mehrzahl der Anhänger Jesu, die ihre Hoffnungen und Erwartungen begraben. Ihnen gegenüber die zaghaften Visionärinnen, die das Grab offen sehen und sich fürchten. Grab offen – Ende offen. Offen auch noch, nachdem der Auferstandene sich einigen aus der Jüngerschaft gezeigt hat, - Ergebnis: Und sie glaubten ihnen nicht. Dann das Auftreten des Auferstandenen vor der versammelten MANNschaft mit dem Auftrag „Gehet hin“. Ende. (K)Ein gutes Ende? Muss da jetzt noch das Happyend folgen, dass sie tatsächlich gehen und Zeichen und Wunder vollbringen? Ist es nicht zum eigenen An- und Nachdenken förderlicher, beim offenen Ende anzusetzen und die Festigkeit unseres Auferstehungsglaubens zu befragen – und seines Wirkens? Gerade eine Woche nach Ostern, nach all den Feiern und Festgottesdiensten und grandiosen Fernsehberichten wäre es wohl angebracht. Und das möglicherweise in Beziehung gesetzt zur so oft und gern gebrauchten Proklamation der Nachhaltigkeit. Keine Wahlkampfparole, keine Politikerrede ohne die Forderung bzw das Versprechen von Nachhaltigkeit. Geradezu inflationär wird der Begriff gebraucht – wie das österliche „Jesus lebt!“?!? Welcher Ernst steckt dahinter, welche Wahrhaftigkeit der Überzeugung, welche hand- und fußfeste Entsprechung zu dem Glauben, dass Gottes Wort Fleisch geworden ist, also Hand und Fuß hat? Der Zusammenhang vom Befragen des nachhaltigen Glaubens mit dem des nachhaltigen Lebens wäre gewiss nicht an den Haaren herbei gezogen.

 

 

 

kath. Lesung: Apg 5, 12-16

 

Der Text ist eigentlich ein Pfingst-Text, jedoch ebenso gut geeignet am Sonntag nach Ostern unter der Thematik: Folgen des Osterglaubens (nachhaltiger Glaube)

 

 

 

Zum Text: Das Buch Apostelgeschichte trägt in den griech. Textausgaben seit dem 2. Jh. den Titel „Taten der Apostel“. Berichtet wird in erster Linie vom missionarischen Wirken des Apostels Paulus sowie von der Tätigkeit der Apostel Petrus und Johannes. Verfasser ist der Evangelist Lukas, und er schreibt eher eine Missionschronik als eine Geschichte der Urkirche. Der Lesungstext Apg 5 könnte allerdings gut in die zweite Kategorie gerechnet werden. Lukas greift auf Quellen zurück, deren Umfang und Inhalt schwer zu bestimmen sind. Theologische Kernaussage: Jetzt ist die Zeit der Kirche, die Zeit des Heiligen Geistes, die die Zeit des Alten Bundes abgelöst hat.

 

 

 

Predigtgedanken:

 

„Staunen erregende Wunder“ lässt sich dieser Textabschnitt überschreiben, der berichtet, wie das Wirken Jesu durch die Apostel in Wort und Tat, mit Hand und Fuß also, nachhaltig fortgeführt wird. Die Menschen im weiten Umkreis horchen auf, und die Gemeinde wächst stetig. Zu den Kennzeichen dieser frühen Gemeinde gehört die Gütergemeinschaft, oft auch als „Liebeskommunismus“ bezeichnet. Ein Idealzustand, der jedoch, wie die vorausgehende Perikope zeigt, nicht ungefährdet ist: Einige Gemeindeglieder verletzen die Gesetze der Gütergemeinschaft und müssen hart bestraft werden. Fazit: Das „Programm“ Jesu ist in konkretes Leben umsetzbar, jedoch nicht unangreifbar. Der Theologe Helmut Gollwitzer hat einmal ein Drei-Stufen-Modell angedacht: Das Reich Gottes ist die absolute Utopie, wobei Utopie etwas ganz anderes ist als Illusion, sie ist wahr. Da ihre Verwirklichung den Menschen nicht möglich ist, leiten sie von der absoluten Utopie eine relative Utopie ab als ihr Ziel. Zu ihrer Verwirklichung führen die „sozial-revolutionären Einzelschritte“. Nach diesem einfachen Modell wäre die Urgemeinde dieser Verwirklichung sehr nahe gekommen und hätte ein gutes Beispiel für einen NACHHALTIG GELEBTEN Glauben gegeben. Bei allen Vorbehalten in Blick auf mögliche orientalische Übertreibungen der biblischen Berichterstatter: Das Beispiel der Urgemeinde zeigt: Es geht, - es ist möglich, das „Programm Jesu“ konkret, nachhaltig zu leben. Und die Erinnerung an diese Möglichkeit kann und soll heute zugleich Ermutigung und Auftrag sein.

 

 

 

2. kath. Lesung: Offb 1, 9-13

 

Predigtsituation: Wie oben, vielleicht mit dem Focus: Der Alltag hat uns wieder, Ostern vergessen?

 

 

 

Zum Text: Die Offenbarung (Apokalypse) ist das letzte Buch des NT. Apokalypsen gab es schon in alttestamentlicher Zeit, die bekannteste stellt das Buch Daniel dar, zur Zeit der Religionsverfolgung durch Syrerkönig Antiochus IV. geschrieben, als Aufruf an die Israeliten, treu am Bundesgott und seinem Gesetz festzuhalten. Ähnlich die ntl. Apokalypse, verfasst am Ende des 1. Jh. in Furcht und Erwartung, dass der Zwang zur göttlichen Verehrung des römischen Kaisers zu einer schweren Verfolgung der Kirche führen wird. Besonders in der römischen Provinz Asien wurde der Kaiserkult mit Eifer betrieben. Sieben Gemeinden dieser Provinz, die zugleich die ganze Kirche repräsentieren, sind die Adressaten des Buches.

 

 

 

Die Offenbarung will nicht den Gang der Welt- und Kirchengeschichte voraussagen, auch nicht die Geschehnisse bei der Wiederkunft Christi beschreiben, sondern als großes Trost- und Mahnbuch den Glauben an den Sieg Christi und seiner Getreuen stärken und zur Beständigkeit aufrufen, ggf. auch zur Bereitschaft zum Martyrium.

 

 

 

Predigtgedanken

 

Das österliche Hallelujah ist verklungen, der Segen urbi et orbi verhallt, der Alltag hat uns wieder mit seinen Sorgen, mit seinem Stress, seiner Resignation und immer neuen Negativschlagzeilen. Da hören wir nun von den sieben Sendschreiben - und hören vielleicht in der Erinnerung jenes Kultlied aus der DDR-Zeit von der Gruppe Karat, später nachgesungen von Peter Maffay „Über sieben Brücken musst Du gehen“. Ob es nun gedacht war als Hohn- und Spottlied - in der Tat war es auch ein Lied der Ermutigung, eine Durchhalteparole für die, die nicht aufhörten zu hoffen, die sich oft wie Asche fühlten und doch wussten, dass sie eines Tages, wenn die sieben Brücken überschritten waren, der helle Schein sein würden. Woher die Zahl sieben? In 7 Tagen ist die Welt entstanden, 7 Planeten machen den Kosmos aus. Die göttliche Dreifalt und die 4 Himmelsrichtungen ergeben 7, und 7 Geißlein und Zwerge... Die 7 ist eine alte, mit magischer Bedeutung versehene Zahl. So auch für den Verfasser der Apokalypse: sieben Leuchter, sieben Sterne und in der Mitte aller Zeichen der Christus im Gewand des Hohepriesters. In der Märchenwelt magische, in der Welt des Glaubens heilige Zeichen haben – von Ausnahmen abgesehen – ihre Bedeutung verloren. Aber es gibt Zeichen, die millionenfach Aufsehen erregen, wie z.B. der österliche Segen „urbi et orbi“. Frage: Wie nachhaltig sind solche Zeichen, ist der Osterglaube? In ihrer Mitte – so der Predigttext – steht der Christus und sein Wort: „Ich bin der Erste und der Letzte ... von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Keine Zeiterscheinung also, sondern der Alles Umfassende von den 7 Tagen der Schöpfung bis zu den 7 Himmeln, Anfang, Mitte und Ende der Geschichte. Ohne den Rückbezug und zugleich Ziel gerichteten Blick auf diese Mitte blieben alle Zeichen bloße Show, Spekulation und Traumgebilde, würden die Wege über die 7 Brücken ins Leere führen. Wer nach nachhaltigem Leben fragt, gegründet auf nachhaltigem Glauben, wird die Mahnung und den Trost des Verfassers der Offenbarung wahr- und ernst nehmen, nicht abzufallen, nicht zu wanken, sondern beständig und dem treu zu bleiben, der Anfang, Mitte und Ende ist. Wer so fragt, wird dem Gebet eines Gemeindepfarrers zustimmen, in dem es heißt: Wenn wir versuchen, zurecht zu kommen ohne dich, Gott, unser Leben zu ordnen ohne dich, dann erfahren wir in so vielen Versuchen unser Scheitern. So kommen wir zu dir mit leeren, aber offenen Händen und bitten: Gib uns dein Wort, lass uns hören und empfangen, weitersagen und weitergeben, von deinem Wort her und auf dein Wort antwortend leben und so unseren Weg und unser Ziel finden. Leuchte in die Tiefen unseres Lebens und bring Licht in unsere Gedanken und Pläne. Amen.

 

Wilfried Stender, Essen

 

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz