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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

8. Apr. 07 - Osternacht/Ostersonntag

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

(Na.:) Joh 5, 19-21
(So.:) Joh 20, 11-18

(Na.:) 7 Lesungen, s. Leseordn.
(So.:) Apg 10, 34a.37-43

(7 Lesungen)
Kol 3, 1-4 od. 1 Kor 5, 6b-8

Lk 24, 1-12
Joh 20, 1-9

Der Autor betrachtet eine Auswahl aus den kath. Lesungen sowie den kath. Evangeliumstext zur Osternacht. Stichworte: unterwerfen oder behüten und bewahren, Sabbatgebot, Umkehr und Umdenken schließt Strenge nicht aus, das Leben nicht bei Totem suchen; auf der Seite des Lebens stehen, das „neue Herz“ in uns annehmen

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Die Osternacht ist für katholische Christen das höchste Fest und der feierlichste Gottesdienst des Kirchenjahres. Es ist das Fest unserer Erlösung, das mit vielen Symbolen versehen ist (Osterfeuer, Osterkerze, Exsultet, Taufwasser…). Auch in den evangelischen Gemeinden gewinnt die Osternacht zunehmend an Bedeutung und Osterfeuer sowie Osterkerzen sind selbstverständlich geworden. Christus ist das neue wahre Osterlamm. Er hat uns durch seinen Tod erlöst. Er führt uns in die Freiheit der Kinder Gottes. Die Befreiung Israels aus Ägypten war dafür Vorbild und Verheißung.

 

 

 

Reflexionen zu den Perikopen

 

 

 

Gen 1, 1 – 2,2

 

Der Schöpfungsbericht ist nicht als kosmologische, biologische wissenschaftliche Abhandlung, sondern als Glaubensaussage über Gott und die Welt, die er erschaffen hat, zu verstehen. Den Menschen hat er als sein Ebenbild geschaffen. Die Schöpfung soll er in der Ordnung Gottes verwalten. Dass es eigentlich zwei Schöpfungsberichte sind (Gen 1, 1 – Gen 2, 2 und Gen 2, 3 – 2, 25 ist allen Predigern bekannt. Interessant für uns ist, dass in Gen 1 (Vers 28) von herrschen und unterwerfen die Rede ist, während in Gen 2 (Vers 9) von bebauen und behüten gesprochen wird. Das unterwerfen und beherrschen haben wir westlichen Menschen in den letzten Jahrhunderten übermäßig verwirklicht und dabei viele Tierarten ausgerottet, Urwälder vernichtet, Gewässer, Boden und Luft und vergiftet. Es wird nun höchste Zeit, das Bebauen und Behüten ernster zu nehmen! Jörg Zink hat zum Sechstagewerk Gottes einen nachdenklichen Antitext geschrieben, der analog die Zerstörung der Schöpfung durch die Menschen in sechs Schritten beschreibt.

 

 

 

Ex 14, 15 – 15, 1

 

Der Bericht über den Durchzug der Israeliten durch das Schilfmeer (Rote Meer) ist für die katholische Osternachtfeier verpflichtend. Für Israel ist es das grundlegende Heilsereignis des Anfangs, das jedes Jahr in der Pessachfeier in Erinnerung gerufen und gefeiert wird. Die ganze Exodusgeschichte zeigt Jahwe als einen befreienden und rettenden Gott, der sein Volk aus der Sklaverei herausführt und auf dem langen Weg durch die Wüste begleitet. Hier hat die „Theologie der Befreiung“ ihre biblische Grundlage. Und weil Gott sein Volk nicht befreit, damit es später wieder in die Knechtschaft anderer Götzen gerät, gibt er ihm durch Mose die 10 Weisungen, die beginnen mit den Worten: „Ich bin Jahwe, der dich aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat.“ Durch diese Gebote, die auf Steintafeln geschrieben sind (Symbol der Nachhaltigkeit) will Gott seinem Volk Zukunft geben. Das gilt auch für uns Menschen des 21. Jahrhunderts. Wenn wir z. B. das Sabbatgebot beachten, gehen wir mit unseren Kräften achtsam um, wenn wir aber den Sonntag um des Konsumierens und des Profits willen zum Werktag machen, dann richten wir unsere Gesundheit, unsere Familien und unsere Kultur allmählich zugrunde. Das Lob Gottes und die Beachtung seiner Weisungen schützen den Menschen davor, zur Maschine, zum Arbeitstier, zum Sklaven zu werden.

 

 

 

Ez 36, 16 – 17a.18 – 28

 

Nach der Zerstörung Jerusalems ergeht das Wort des Herrn an den Propheten. Es deutet das Geschehene und enthüllt die Zukunft. Der Zorn Gottes ist nichts anderes als die Kehrseite seiner Liebe. Er will Israel auf seinen Weg zurück rufen, auch mit Härte. Die Rettung Israels besteht nicht einfach nur in der Rückkehr in die Heimat, auch innere Erneuerung und Umkehr sind notwendig. Auch heute ist die Welt nicht nur durch technische Neuerungen und Strukturreformen zu retten, sondern die Umkehr, das Umdenken und das andere Verhalten der Menschen ist notwendig. Durch die Auferstehung Christi aus der Angst vor dem Tod befreit und aus der Angst im Leben zu kurz zu kommen, können sich die Erlösten auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Schöpfung und einen gerechten und solidarischen Umgang mit den Mitmenschen besinnen. Die 10 Gebote, die Weisungen Gottes, die Bergpredigt und andere brauchen nicht mehr auf Steintafeln geschrieben werden. Gott schreibt sie in die Herzen der Gläubigen. Dann können sie dem Rat des Augustinus folgen: „Liebe und dann tu, was du willst!“

 

 

 

Röm 6, 3 – 11

 

In der Taufe wurden wir mit dem Tod und der Auferstehung Christi verbunden. Uns wurde sein Heiliger Geist geschenkt, der uns zu einem neuen Leben (in der neuen Wirklichkeit der österlichen Welt) in der Nachfolge Christi befähigt. Was wir empfangen haben, gilt es nun zu verwirklichen:

 

 

 

Von der Angst um sich selbst hin zum Vertrauen in Gott.

 

Vom ichhaften Denken und Handeln hin zur Nächstenliebe und Solidarität.

 

Von der Gedankenlosigkeit hin zum bewussteren Leben in der Liebe zur Schöpfung.

 

 

 

Das Lied im Gotteslob Nr. 993 „Wenn das Brot, das wir teilen...“ drückt dieses neue Leben in treffenden Bildern aus.

 

 

 

Lk 24, 1 – 12

 

Der Kernsatz dieser Perikope ist für mich Vers 5b: “Was sucht ihr den, der lebt, bei den Toten?“ Suchen wir nicht auch manchmal das Leben da, wo der Tod ist? Wir vergötzen Kräfte, die Tod bringen, anstatt den Gott des Lebens zu suchen. Ich nenne als Beispiele die Rüstung, die Sucht in ihren vielfältigen Erscheinungsformen, die Machtkämpfe, das Haben-Wollen usw. Interessant ist auch, dass die Frauen zuerst die Nachricht von der Auferstehung Christi erfahren, dann erst die Apostel.

 

 

 

 

 

Bezug zur Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden

 

In der Genesis wird deutlich, dass der Mensch Abbild ist und die Vollmacht hat, den Geschöpfen Gottes einen Namen zu geben, was auch eine gewisse Herrschaft bedeutet. Aber er soll auch in der Beherrschung der Natur seine Gottähnlichkeit zeigen, indem er weise mit ihr umgeht, das heißt, sie bebaut und behütet. Er soll sich bewusst bleiben, dass er Verwalter Gottes ist, der Rechenschaft abzulegen hat. Er soll in der neuen Wirklichkeit des österlichen Menschen leben. Er soll auf der Seite des Lebens stehen wie Jesus Christus selbst.

 

 

 

Im Buch Exodus sehe ich schon die „österliche“ Verheißung, dass Gott sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit, aus dem Dunkel ins Licht, aus der Todesverfallenheit in das Leben, aus der Angst in die Hoffnung führt. Österlich leben heißt, sich selbst um Befreiung bemühen und anderen Menschen helfen zur Befreiung. Befreiung und Erlösung sind ganz verwandte Begriffe. Ursprüngliche Bedeutungen waren Befreiung aus Straf- oder Kriegsgefangenschaft oder Unterdrückung durch Tyrannen und Erlösung durch Zahlung eines Lösegeldes für Sklaven, um sie frei zu kaufen. Heute kann Befreiung aus Zwängen, Süchten und auch aus Schuld viel subtiler erfolgen.

 

 

 

In der Ezechiel–Perikope leuchtet auf, dass wir nicht nur äußere Reformen in unserer Gesellschaft brauchen, sondern dass wir auch alle ein neues Herz brauchen. Das haben wir in der Taufe geschenkt bekommen, aber der alte Leib stößt in einer Art Immunreaktion das neue Herz immer wieder ab. Wir müssen uns anstrengen, dass das neue Herz, das liebende Herz ähnlich dem Herzen Jesu, wirklich immer mehr unser Herz wird. Martin Luther drückte es einmal so aus: „Wir müssen immer wieder unter unsere Taufe kriechen“, d. h. sie immer wieder neu erinnern und leben.

 

 

 

Der Römerbrief lebt aus dem Gedanken des Paulus: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Das meint die Taufe, dass wir dem alten Leben abgestorben sind und mit Christus ein neues Leben führen. Dieses neue Leben wird gespeist aus der Erlösung durch Christus im Heiligen Geist. Wer aus dem Heiligen Geist lebt, wird zur sprudelnden Quelle, die auch anderen Leben gibt. Der Heilige Geist, den der Auferstandene an Ostern seinen Jüngern geschenkt hat, ist der Geist des Friedens, der Solidarität, der Gerechtigkeit und Wahrheit. Er hilft zu diesem neuen Leben im Einklang mit der Schöpfung und den Menschen.

 

 

 

Predigtgedanken: „In seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.“

 

(Präfation für die Osterzeit II)

 

 

 

  1. Gottes Schöpfung ist gut
    Gottes Schöpfung wird im Bild eines 6-Tagewerkes geschildert. Am Ende jedes Tages heißt es: Es war gut. Aber durch die Ursünde des Menschen ist Unheil in die Welt gekommen. Dieses Unheil hat Jesus in seinem Tod am Kreuz auf sich genommen und damit im Kern schon geheilt. Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung. Gott hat die Welt wunderbar geschaffen, aber im Erlösungswerk Jesu Christi noch wunderbarer erneuert. Wir sind eingeladen, in Gemeinschaft mit Christus und in seiner Nachfolge auch heilend, fördernd und schützend in die Schöpfung und in die zwischenmenschlichen Beziehungen hineinzuwirken und nicht zerstörerisch, krankmachend und ausbeutend. Wo wir dem Leben dienen, da stellen wir uns hinter Christus, den Anführer des Lebens. Da beginnt Ostern!
  2. Gott ist ein befreiender Gott
    Wie er damals das Volk Israel aus Ägypten befreit hat, so will Gott auch heute befreiend wirken, nicht zuletzt durch uns. Wie Jesus am Kreuz für uns das Lösegeld für unsere Schuld bezahlt hat, so können wir in der gegenseitigen Vergebung einander befreien aus dem Unfrieden, der Schuldverhaftetheit und dem Vergeltungsdenken. Wir können Landarbeiter in der einen Welt befreien aus Not und Unfreiheit in der Knechtschaft der Großgrundbesitzer und Handelskonzerne durch gerechte Preise im fairen Handeln, wir können uns einsetzen gegen versklavende Kinderarbeit, Menschenhandel und Zwangsprostitution. Wenn es gelingt, einem Jugendlichen, der schon über 100 Bewerbungsschreiben vergeblich verschickt hat, zu einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu verhelfen, dann befreien wir ihn aus Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit und Angst um seine Zukunft. Wo wir der Freiheit des Menschen dienen, da beginnt Ostern!
  3. Gott gibt uns ein neues, ein österliches Herz
    Wer im Gottesdienst, oder besser und wirkungsvoller noch in Bibelkreis oder Glaubenskurs sich bemüht, seinen Herrn und Meister noch besser kennen zu lernen, der tut etwas dafür, dass sein alter Adam vom neuen Herzen wirkungsvoll durchpulst wird. Wer in Gebet und Meditation sich dem Wehen des Gottesgeistes öffnet, der macht sein neues Herz stark und sorgt dafür, dass es zur sprudelnden Quelle der Liebe wird. An Ostern hat die Liebe das Böse besiegt. Wo wir uns dem Wirken des Geistes Jesu öffnen, da haben wir Anteil an seinem Ostersieg!
  4. Wir sind getauft auf Christi Tod und auferweckt mit ihm zu Gott.
    "Uns ist geschenkt sein Heilger Geist, ein Leben, das kein Tod entreißt“ (GL 22O, 3): Dieses Lied bringt auf den Punkt, wie Ostern unsere Wirklichkeit verändert. Darum sagt der Zelebrant auch bei der Beerdigung: „Im Wasser und im Heiligen Geist wurdest du getauft. Der Herr vollende an dir, was er in der Taufe begonnen hat.“ Und im Requiem betet der Priester: „Erbarme dich unseres Bruders / unserer Schwester, den / die du aus dieser Welt zu dir gerufen hast. Durch die Taufe gehört er / sie Christus an, ihm ist er / sie gleich geworden im Tod: lass ihn / sie mit Christus zum Leben auferstehen.“ Weil wir die Hoffnung auf dieses ewige Leben haben, ist uns die „Heidenangst“ vor dem Tod genommen und wir leben in der Freude der Erlösten. Das Licht von Ostern leuchtet auch über den Gräbern auf!
  5. „Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt!“
    Dieses Wort des von den Nazis hingerichteten Jesuiten Alfred Delp kann uns vom Osterfest in den Alltag geleiten. Da fällt es uns manchmal schwer, dem Leben zu trauen, und wir suchen es an der falschen Stelle, wie die Frauen am Ostermorgen. Die beiden Emmausjünger haben erfahren, dass Jesus mit ihnen unterwegs war. Auch mit uns will er den Weg des Lebens gehen. Darum können wir auch manchmal mitten im Tag ein Fest der Auferstehung feiern, wie es ein zeitgenössisches Lied besingt. Wo wir die Osterfreude mit in den Alltag nehmen und den Alltag im Licht von Ostern zu leben versuchen, da kann auch auf jeden Tag ein Strahl des Osterlichtes fallen.

 

 

 

Albert Seelbach, Frankfurt

 

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