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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. Apr. 07 - Palmsonntag

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Joh 17, 1 (2-5) 6-8

Jes 50, 4-7

Phil 2, 6-11

Lk 19, 28-40

 
Die Autorin betrachtet alle Predigtperikopen des Tages unter dem Aspekt „Nachhaltigkeit“. Stichworte: Alles ist von Gott
– wie gehe ich damit um, „nehme“ ich das Geschenk? (Joh 17); Gottes Geschenke und menschliche Wahrnehmung, Reichtum und soziale, politisch institutionalisierte Ungerechtigkeiten (Jes 50); Gewaltlosigkeit und Frieden, Verzicht hat seinen Preis, aber es lohnt sich, ihn zu zahlen (Phil2); Verantwortung in der und für die Welt übernehmen, mit Gott unabhängig bleiben (Lk 19)

 

 

 

Predigtsituation – Kirchenjahreszeit

 

 

 

Mit Palmsonntag beginnt die Karwoche. Der Name erinnert an den Einzug Jesu nach Jerusalem, als dieser auf einem Esel ritt und die Menschen mit Palmzweigen ihm zujubelten (siehe Evangelium). Die Palme ist von alters her das Symbol für die Unabhängigkeit Israels und war für die Römer eine besondere Provokation. Im Orient ehrte man siegreiche Soldaten mit Palmzweigen. Der Esel war – in Anlehnung an den Propheten Sacharia – das Symbol des gewaltfreien Friedenskönigs und ein Bekenntnis zur Niedrigkeit.

 

 

 

Gewaltfreiheit, Frieden, Unabhängigkeit und Niedrigkeit (vor Gott) sind auch die umfassenden Themen des Sonntags. Und sie können nur mit Nachhaltigkeit gedacht und umgesetzt werden. Die gesamten Texte des Sonntags legen die Grundlage, aus der heraus ein Leben in Frieden, Gerechtigkeit und bewahrter Schöpfung möglich ist:

 

 

 

Joh 17:

Lk 19:

Jes 50 / Phil 2:

Joh 17:

Jes 50:

Phil 2:

Lk 19:

 

Gott gibt der Welt viel. Er gibt seinen Sohn.

Die Jünger erkennen Gott in Jesus Christus. Sie loben Gott, sie beten Gott an.

Jesus gibt in seinem Leben viel: Gehorsam und Anbetung Gott gegenüber.

Jesus bittet um Verherrlichung.

Gott hilft.

Gott erhöht den Sohn.

Das alles geschieht in der „Mitte der Zeit“.

 

 

 

 

 

Predigttext (ev.): Johannes 17, 1 (2-5) 6-8

 

 

 

Exegetische Hinweise

 

Der Evangelist Johannes schreibt zwischen 90 und 100 n. Chr. die Zeichen Jesu auf, damit die Leser glauben, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, und damit sie als Glaubende das Leben haben (Joh 20, 30 f.). Die größeren Redekompositionen unterscheiden das Johannes-Evangelium von den Synoptikern und sollen den Glauben der Christen fördern. Es wird vor allem gezeigt, was die Christen an Jesus haben, nicht, wer Jesus war.

 

 

 

Zentrales Thema: Alles ist von Gott gegeben.

 

 

 

Assoziationen

 

„Gott, alles in meinem Leben kommt von dir.“ Wenn ich einen solchen Satz sage (und damit den Predigttext in meine Sprache übersetze), dann spüre ich das Geschenk und den Anspruch darin. Das Geschenk des Lebens mit einer relativ großen Selbständigkeit (und dem Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit Gott gegenüber) und gleichzeitig der Anspruch Gottes an mich, dieses Geschenk zu nutzen.

 

 

 

„Was mache ich mit meinem Leben?“ Eine grundlegende Antwort könnte sein, sich am Leben Jesu zu orientieren. Er hat das Leben als Geschenk Gottes erkannt und dazu genutzt, Gott zu verherrlichen. Jesus redet mit Gott. „Wann habe ich das letzte Mal mit Gott gesprochen?“

 

 

 

Relevanz zur Nachhaltigkeit

 

„Alles ist von Gott gegeben.“ Wenn ich dieses Predigtthema ernst nehme, dann frage ich nach dem Umgang mit diesem Geschenk.

 

 

 

Ein Beispiel: Jemand schenkt mir eine Orchidee (mit Topf). Was tue ich? Möglichkeiten sind: Ich sage danke. Ich nehme sie. Ich gebe ihr die nötige Menge Wasser und Licht. Ich freue mich über die Blüten und denke an den Geber. Ich kann aber auch die Blume in den Keller stellen und vertrocknen lassen, weil ich zu bequem bin, mich darum zu kümmern. Schade, dass ich dann die wundervollen Blüten nicht sehe und nichts Neues über das Leben lerne.

 

 

 

Ökologie

 

Fragen dazu könnten sein: Was braucht die Natur zum Leben? Was braucht sie nicht? Was ist zu wenig? Was ist zuviel des Guten?

 

Die Sichtweise verändert sich, wenn ich die Schöpfung als von Gott gegeben und mir anvertraut betrachte. Ich frage nach dem Notwendigen - nach dem, was die Not wendet - und darüber hinaus danach, was die Erde zum Blühen bringt.

 

 

 

Sinnliche Elemente passen gut zu diesem Thema: Blumen, Samen, Erde, Brot, Palmzweige.

 

 

 

Anderer Zugang: Einen „Alltag“ skizzieren und in jeder Phase des Tagesablaufs nach den Entscheidungsmöglichkeiten im Hinblick auf die Schöpfung zu fragen. Dabei geht es nicht darum, starre Regeln aufzustellen, sondern nach möglichen Richtlinien zu suchen.
Morgenwäsche: Giftstoffe in den Kosmetika, Herstellung mit Tierversuchen?
Kleidung: Waschmittelbelastung der Umwelt, Herstellung, Material?
Essen: Inhaltsstoffe, Gesundheit, Herstellung, Verkauf, Ausbeutung oder fairer Handel?
Termine: Fortbewegungsmittel, Zeitmanagement, Spielräume, Werte?
Freizeit: Fernsehen, Menschen begegnen, Bücher, Entspannung, Sport?
Ziel ist es, mit den Geschenken Gottes so verantwortungsbewusst wie möglich umzugehen. Aber natürlich stoße ich dabei an meine Grenzen und bin auf Gottes Gnade angewiesen.

 

 

 

Zentrale Frage: Was ist gut für die Welt – und gut für mich?

 

 

 

 

 

1. Lesung (kath.): Jesaja 50, 4-7

 

 

 

Exegetische Hinweise

 

Das Ebed-Jahwe Lied ist das dritte der vier Gottesknechtslieder des Deuterojesaja (42, 1 ff.; 49, 1 ff.; 50, 4 ff.; 52, 13 - 53, 12). Dabei handelt es sich um eine selbständige Schicht, die den Knecht Gottes von seiner Amtseinsetzung bis zu seinem Tod beschreibt. Die Lieder sind keine Weissagungen, sondern sprechen direkt in die Gegenwartssituation des Volkes Israel in der babylonischen Gefangenschaft (ca. 550 - 540 v. Chr.; Spätzeit des Exils). Deuterojesaja redet zu den Opfern der Katastrophe. Er zeigt auf, dass Gott sein Volk nicht verlassen hat, sondern dass die Schuld beim Volk lag. Er kündigt Gottes Heil im sog. Heilsorakel Jes 43, 1 ff. an.

 

 

 

Zentrales Thema: Gott gibt dem Menschen viel. Der Mensch gibt in seinem Leben viel (zurück).

 

 

 

Assoziationen

 

Gottes Geschenk ist das Hören / Verstehen und das rechte Reden, das nicht ohne Wirkung bleibt. Aber es hat seinen Preis. Es ist leidvoll und schmerzhaft, damit zu leben. Doch Gott gibt seinen Beistand, das Leiden zu tragen. „Womit habe ich das verdient?“ ist eine häufig gestellte Frage. Seltener ist die Frage: „Womit haben andere Menschen ihr Leid verdient? oder „Womit habe ich meinen Wohlstand verdient?“ Dahinter steckt für mich die Frage nach der Verantwortung. Wo bin ich mit meinem Handeln verantwortlich, wo sind es andere, wo ist es Gott?

 

 

 

Nenne drei Dinge, die du als Geschenk Gottes in deinem Leben ansiehst? Welche Freude und welches Leid verbindest du mit diesen Geschenken?

 

 

 

Relevanz zur Nachhaltigkeit

 

„Gott gibt …“

 

Ich frage mich, was Gott gibt. Meine erste Antwort ist: Lebensenergie – oder biblisch gesprochen: Ruach. Jeden Tag bekomme ich eine Fülle von Kraft durch die Luft, die Sonne, die Nahrung, die Begegnung mit anderen Lebewesen. Ca. 12 Atemzüge pro Minute, ca. 2500 Kalorien Nahrung pro Tag, 37 Grad Körpertemperatur, Berührungen und Gefühle.

 

 

 

Wozu?

 

Zum Hören, Reden, Handeln. Mit meinem eigenen Leben gebe ich Energie für die verschiedensten Tätigkeiten und Ereignisse. Ich gebe viel. Wozu?

 

 

 

Gerechtigkeit

 

„Das ist nicht zu schaffen. Gerechtigkeit hat noch nie funktioniert.“ Das Gottesknechtslied macht Mut, nicht aufzugeben, auch im Leiden nicht aufzugeben. Max Weber hat es für die Politik so formuliert: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ (in: Politik als Beruf, 1919)

 

 

 

Gott gibt die Leidenschaft, doch für das Augenmaß braucht man offene Augen und ebenfalls offene Ohren. In unserer Zeit würde man sagen, dass wir Informationen brauchen, um Ungerechtigkeiten überhaupt zu erkennen.

 

 

 

Hier ein paar Zahlen zur aktuellen deutschen Steuerpolitik:

 

  • Die Steuerentlastung 2004 hat einem Menschen mit 20.000 ¤ Einkommen (brutto) im Jahr 340 ¤ Entlastung gebracht, ein Mensch mit 80.000 ¤ Einkommen bekam dagegen 1.794 ¤ geschenkt. Das ist ungerecht!
  • Das private Geldvermögen ist von 1991 bis 2001 um über 50% auf 3.700 Mrd. DM gestiegen, gleichzeitig hat sich die Staatsverschuldung verdoppelt auf 1.200 Mrd. DM. Die reichsten 10% der deutschen Bevölkerung haben über 50% des Geldvermögens, während die ärmsten 25% weniger als 0% haben, d.h. immer höhere Schulden. Und der Staat ist pleite und kann die Härten nicht auffangen. Dies ist kein „Sozialstaat“!
  •  1960 wurden Bruttolöhne und -gehälter mit 6,3% besteuert und Vermögen mit 20%. Im Jahr 2000 wurden Löhne und Gehälter mit 19,4% besteuert und Vermögen nur noch mit 6,7%. Wer also arbeitet, muss zahlen, wer Vermögen hat (ohne etwas dafür zu tun), darf es behalten. Schöne Gerechtigkeit!

 

 

 

 

 

 

Reichtum ist ein Segen, ein Segen von Gott. Ein Geschenk, das für alle Menschen gedacht ist, und nur dann auch zum Segen wird. „Wer sich auf seinen Reichtum verlässt, der wird untergehen; aber die Gerechten werden grünen wie das Laub.“ (Sprüche 11, 28)

 

 

 

Zentrale Frage: Wie kann Reichtum - als Segen von Gott - in der Welt spürbar werden?

 

 

 

 

 

2. Lesung (kath.): Philipper 2, 6-11

 

 

 

Exegetische Hinweise

 

Der sog. Christuspsalm ist eingefügt. Er steht im Anschluss an Mahnungen zum tapferen Ausharren im Kampf für den Glauben. Der Psalm ist ein Lobpreis Jesu Christi in Anlehnung an den Gottesknecht des Alten Testaments. Damit begründet Paulus eine Gesinnung, die zum selbstvergessenen Verzicht bereit ist bis zum Tod. Bei seiner 2. Missionsreise (48 / 49 n. Chr.) hat Paulus die Gemeinde in Philippi gegründet und 55 oder 56 n. Chr. zum letzten Mal besucht. Der Brief beinhaltet den Dank für die Geldgabe der Gemeinde, einen Bericht des Paulus über sein Ergehen (Paulus schreibt als Gefangener mit der Hoffnung auf Freispruch) und die Erinnerung an die Pflicht der Eintracht.

 

 

 

Zentrales Thema: Der Weg geht durch den Tod ins Leben.

 

 

 

Assoziationen

 

Ohne Leben kein Tod. Und ohne Tod kein Leben.

 

 

 

Zitate:

 

„Ich bin tausend Tode gestorben.“ / „So ist das Leben: hart und ungerecht und endet meistens mit dem Tod.“ / „Christen sind Protestleute gegen den Tod.“ (Christoph Blumhardt) / „Sie hat das Zeitliche gesegnet.“ / „Das Leiden muss getragen werden, damit es vorübergeht.“ (Dietrich Bonhoeffer) / „Jesus Christus hat Trost für alle deine Müdigkeit und Licht für deine dunkelsten Stunden.“ (Friedrich v. Bodelschwingh)

 

 

 

 

 

Relevanz zur Nachhaltigkeit

 

Der Tod steht im Christuspsalm in Verbindung mit Knechtschaft, Niedrigkeit und Gewaltlosigkeit.

 

 

 

Gewaltlosigkeit und Frieden

 

Gewaltlosigkeit ist ein immer wieder aktuelles Thema. Nachhaltiger Frieden ist eine noch darüber hinaus gehende Stufe. Beides ist nicht zu haben ohne eigenen Verzicht. Verzicht auf Macht, Verzicht auf Luxus, Verzicht auf Freiheit. Nicht vollständig, aber doch teilweise. Der Lohn ist eine Welt mit mehr Lebenswert und die Erhöhung durch Gott – anstatt durch die Menschen. Das Leben hat seinen Preis, aber es lohnt sich letztendlich, ihn zu zahlen.

 

 

 

 

 

Evangelium (kath.): Lukas 19, 28-40

 

 

 

Exegetische Hinweise

 

Der Einzug nach Jerusalem ist der erste Text nach dem sog. Reisebericht. Die Geschichte Jesu geschieht in der Mitte der Zeit. Sie wird bei Lukas nicht als das eschatologische Ereignis geschildert, sonders als der Anfang der Heilsgeschichte. Entstehung: ca. 70 -90 n. Chr. Im Evangeliumstext sind die Jünger die Akteure des Geschehens. Sie geben Gott die Ehre. Sie loben Gott mit Freude.

 

 

 

Zentrales Thema: Handeln vor Gott – für die Welt

 

 

 

Assoziationen

 

„Na, haben Sie Gott heute schon gelobt?“ „Hosianna!“ und „Kreuziget ihn!“ Weitere Gedanken zum Palmsonntag: siehe oben

 

 

 

Relevanz zur Nachhaltigkeit

 

Verantwortung übernehmen als Christ bzw. Christin in dieser Welt heißt, vor Gott für die Welt zu handeln – ohne sich von der Welt abhängig zu machen. „Gott spricht: Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ (1 Mose 12, 2)

 

Ivonne Heinrich, Westerburg

 

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