Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18. Mrz. 07 - 4. Fastensonntag (Laetare)

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Joh 6, 47-51

Jos 5, 9a.10-12

2 Kor 5, 17-21

Lk 15, 1-3.11-32

Der Autor betrachtet alle Predigtperikopen des Sonntags. Stichworte: soziale-globale Gerechtigkeit (Joh 6); Kultivierung von Landschaft ist auch Übernahme von Verantwortung, Braunbär Bruno (Jos 5); christliche Solidaritätserklärung nach Gottes Beispiel: denen eine Stimme geben, die keine Lobby oder keine hörbare Stimme (mehr) haben (2 Kor 5); nicht auf Gedeih’ und Verderb’ zum einmal eingeschlagenen, falschen Weg stehen, Umkehr ist kein Gesichtsverlust, auch nicht bei Nachhaltigkeit (Lk 15)

 

 

 

Überlegungen zu Johannes 6, 47 – 51

 

Der Text ist für den Sonntag Lätare (4. Sonntag der Passionszeit) als Predigtext vorgeschlagen. Leitbild des Sonntags ist „Das Brot des Lebens“ (Für uns dahingegeben).

 

 

 

Exegetische Überlegungen:

 

Der Textabschnitt ist Ausschnitt der „Brotrede“ Jesu (Berger, 310). Diese wiederum ist in einem größeren erzählerischen Zusammenhang zu betrachten, der von der Speisung der 5000 (Joh 6, 1 ff.) und dem Wunder des Seewandels (Joh 6, 16 ff.) über die „Brotrede“ zum Bekenntnis des Petrus führt: „Du bist der Heilige Gottes.“ (Joh. 6, 69) Dieses Bekenntnis korrespondiert mit dem theologischen Thema des ganzen Johannesevangeliums, das in 1, 14 angegeben ist: „Wir sahen seine Herrlichkeit.“ In Jesus wird die Gegenwart Gottes offenbar. Er ist sein Gesandter, der durch sein Handeln und Reden Glauben herausfordert. Dies trifft auch auf die sog. Brotrede zu. Von der Menge aufgefordert, sich durch ein Zeichen auszuweisen, das den Glauben wirkt, stellt Jesus zunächst klar, was „das Werk Gottes“ ist: an den zu glauben, den Gott gesandt hat (Joh 6, 29). Dies erläutert er im Folgenden anhand der Opposition vom Brot, das verdirbt, und dem Brot des Lebens, das er selbst ist. Dieses „Brot des Lebens“ qualifiziert vom eschatologischen Ende her (Joh 6, 51) alles, was hier und jetzt als „Lebensbrot“ angepriesen wird, letztendlich aber doch zum Tod führt (Joh 6, 49). Wirkliches Leben, Heil in seiner ganzen Fülle ist nur in und durch Jesus zu haben. Anteil daran gewinnt man durch den Glauben. Dass es nach Joh 6, 44 Gott selbst ist, der zu Jesus führt (bzw. „zieht“), kann nicht als Entschuldigung dafür sein, keine Entscheidung zu treffen oder den Glauben an Jesus als dem Gesandten Gottes gar abzulehnen. Vielmehr ist durch und in der direkten Gottesbegegnung, die sich in Jesus und seinem Offenbarungswort „Ich bin das Brot des Lebens“ vollzieht, die Entscheidung gefordert und angelegt.

 

 

 

Indem Jesus seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit seiner Botschaft konfrontiert, strebt er zugleich einen Wandel weg von alten Vorstellungen und Maßstäben hin zu neuen Einstellungen und Einsichten an. Vom Ende und vom Heil her zu denken, das Gott in Jesus verheißt, das fordert solch einen Wandel geradezu heraus und zieht ihn zwangsläufig nach sich.

 

 

 

Homiletische Überlegungen:

 

Vom Ende her die Gegenwart zu betrachten, vom verheißenen Heil die in unserer Welt gültigen Maßstäbe und Verhaltensmuster zu beurteilen, das ist für mich das Spannende an diesem Predigttext. Dabei möchte ich nicht vorschnell das – zugegebenermaßen – reizvolle Bild vom „Brot des Lebens“ überstrapazieren. Ich meine, erst wenn deutlich gemacht wurde, was Jesus hier mit „Brot“ wirklich meint (also kein einfaches Indentifizieren mit dem Brot des Abendmahls!) kann man in die praktischen Überlegungen einsteigen.

 

 

 

Wer für sich in Anspruch nimmt zu glauben, der weiß zwischen dem Brot des Lebens und Mitteln zum Leben zu unterscheiden, die wichtig sind und auch schön sein können, jedoch nicht die Qualität dessen besitzen, was uns in Jesus zuteil wird. Der moderne Götzendienst eines „immer mehr, immer größer, immer schneller, immer schöner…“ kann von hieraus in Frage gestellt und unser Umgang z.B. mit den natürlichen Ressourcen unserer Erde thematisiert werden. Jesus will bis heute die Bereitschaft, Einstellungen, Gewohnheiten und Maßstäbe zu verändern, provozieren. Dies ist nach wie vor eine Konsequenz aus dem Bekenntnis christlichen Glaubens.

 

 

 

Andererseits sollte man sich m.E. davor hüten, unser irdisches Leben gegen die Verheißung des ewigen Lebens einfach auszuspielen. Dies hatte eine ohnehin schon zu lange Tradition in der kirchlichen Auslegung und wäre schlichtweg zynisch gegenüber den Menschen in den armen Ländern unserer Welt. Wer glaubt, für den gilt auch und zuerst das Liebesgebot Jesu, das die Liebe zu Gott mit der Liebe zu sich selbst und zum Nächsten untrennbar verknüpft. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man auch den Umgang der Industriestaaten mit den Ländern der Südhalbkugel beleuchten und das Thema „Gerechtigkeit“ ins Spiel bringen. Auch die Zusammenhänge von Armut und Umweltzerstörung könnten hier einen Platz in der Predigt finden. Beispiele für die genannten Themenbereiche haben die Meisten sicherlich vor Augen und werden sich sicherlich bis zum Gebrauch des Buchs aktuell benennen lassen. Konkret steht mir derzeit der nicht erklärte Krieg im Kongo vor Augen, bei dem es um die Ausbeutung des Rohstoffs geht, den die Industriestaaten zur Herstellung von Handy-Komponenten brauchen. Unser Hang, sich möglichst jedes Jahr ein neues Gerät mit immer neuen (meist nutzlosen) Fähigkeiten zu beschaffen, gewinnt vor diesem Hintergrund recht makabre Züge.

 

 

 

 

 

Liturgische Hinweise:

 

Unser Predigttext ist in der Evangelischen Kirche für den Sonntag Lätare, also den 4. Sonntag der Passionszeit, vorgeschlagen. Als Psalmlesung wähle ich daher Psalm 84 (EG 745) aus, der ja einige Bilder aus dem Bereich der Schöpfung verwendet. Liedvorschläge wären EG 98 (Korn, das in die Erde – vor der Predigt) und EG 419 (Hilf, Herr meines Lebens – nach der Predigt).

 

 

 

 

 

Anmerkungen zu den Texten der katholischen Perikopenreihe:

 

 

 

Josua 5, 9a.10 – 12:

 

Dieser Text spiegelt die Situation des Übergangs des Volkes Israel von den Jahren der Wüstenwanderung hin zum Einzug in das Land Kanaan. Vor allem Jos 5, 11 und 12a machen dies deutlich. Sobald Israel von den Früchten des Landes essen kann, endet die Versorgung mit Manna. Man verlässt die Naturlandschaft Wüste mit ihrer Gabe, die man täglich einsammeln konnte, und betritt eine Kulturlandschaft, in der man sich die Erträge des Landes in Zukunft wird selbst erarbeiten müssen.

 

 

 

Vielen Menschen ist heute kaum noch bewusst, dass das, was wir landläufig Natur nennen (z.B. unsere Wälder, Landschaften etc.) Ergebnis eines langen Kultivierungsprozesses ist, an dessen vorläufigem Ende wir stehen. Ursprüngliche Natur gibt es in Deutschland nur noch auf knapp 3% der unbebauten Fläche. Wichtig wäre mir, vor diesem Hintergrund zu erläutern, dass Kultivierung einer Landschaft etwas mit der Übernahme von Verantwortung zu tun hat. Diese Überlegung schließt an 1 Mose 2, 15 an, der das menschliche Recht zur Kultivierung des Landes mit der Pflicht zum Erhalt der von Gott gewollten Vielfalt des Lebens und der Lebensformen verbindet. Die Erde ist eben nicht nur für uns Menschen da, sondern auch für den ganzen Rest von Gottes Schöpfung. Wie wir dies in der Praxis umsetzen und damit unserer Verantwortung gerecht werden, das sollte in dieser Predigt zur Sprache kommen.

 

 

 

Illustrieren könnte man das Ganze schön an dem Medienrummel rund um den Braunbären Bruno. Jahrelang hatte man sich gerade im schönen Bayern dafür stark gemacht, dass ehemals heimische Tierarten wie Wolf und Bär ein Rückkehrrecht in unsere Landschaften haben sollten. Doch kaum wurde aus dem Wunsch Wirklichkeit, sah die Welt anders aus. Unfähig und unwillig, sich auf Seiten der Menschen auf die neue Situation einzustellen, wurde das Tier flugs zum Problemtier ernannt und wieder aus der freien Wildbahn genommen, sprich erschossen. Dass man in Ländern, in denen Bären niemals ausgestorben waren, dieses Tier noch nicht einmal als „Risikotier“ eingestuft hatte, interessierte bei uns niemanden.

 

 

 

Die Frage ist nicht: Brauchen wir Tiere wie den Bär oder den Wolf bei uns? Die Frage ist: Sind wir bereit, sie bei uns und mit uns als Geschöpfe Gottes leben zu lassen, die nicht neu in ein Gebiet einwandern, sondern die dorthin zurückkehren, wo sie einst ausgerottet wurden? Hier könnte man die Nagelprobe machen, wie ernst es uns wirklich ist mit unserer Verantwortung, Schöpfung eben nicht nur zu bebauen, zu kultivieren, sondern auch zu bewahren und uns selbst auch einmal zugunsten der Schöpfung zurückzunehmen. Dieser Gedanke des bewussten Verzichts auf Privilegien könnte natürlich auch anhand ganz anderer Beispiele besprochen werden.

 

 

 

Lukas 15, 1 – 3.11 – 32:

 

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist vielleicht der klassische Text, der verdeutlicht, wie sehr Gott sich freut, wenn Menschen von einmal eingeschlagenen, falschen Wegen umkehren und auf Wege des Lebens zurückkehren. Mut zu solcher Umkehr zu machen, das sollte Thema der Predigt sein. Die Beispiele im Bereich Ökologie und Nachhaltigkeit sind so vielfältig, dass wohl jeder „sein“ Thema finden wird. Ich persönlich kann mir vorstellen, eine Predigt zu diesem Text unter das Motto „Weniger kann mehr sein“ zu stellen. Beispiele könnten aus den Bereichen Energieverbrauch oder auch Landschaftsverbrauch ausgeführt werden. Dabei soll deutlich werden, dass Umkehr möglich ist und nicht zwangsläufig etwas mit freudloser Askese und bloßem Verzicht zu tun hat. Darüber hinaus könnte anhand dieses Textes auch die Frage nach dem Sinn unseres Lebens thematisiert werden. Die Person des jüngeren Sohnes aus dem Gleichnis bietet hier sehr konkrete Anknüpfungspunkte. Erkennen wir uns in ihm nicht wieder? In seinem fast verzweifelten Bemühen, „Spass“ zu haben, ohne Rücksicht auf Verluste? Haben „wir“ als Industriegesellschaften nicht lange genug so gelebt, bzw. tun es immer noch? Umkehr ist nicht nur möglich, sie ist auch nötig – vielleicht nötiger denn je.

 

 

 

2 Kor 5, 17 – 21:

 

In Christus ist die neue Schöpfung Gottes schon jetzt Wirklichkeit geworden. In und durch Christus hat Gott die Welt mit sich versöhnt, so dass Neues Platz greifen kann. Wir Menschen erhalten Anteil an diesem Geschehen durch die Taufe (vgl. Röm 6, 4 ff.) und werden so selbst zu neuen Geschöpfen. Aufgabe der Apostel (und nachfolgend der christlichen Kirche) ist es, dieses Angebot der Versöhnung und dieses neuen Weges an alle Menschen weiter zu sagen. Ziel von allem ist ein Leben im Dienst Christi, dessen Inhalt Liebe (vgl. Doppelgebot der Liebe) und Gerechtigkeit sind (vgl. V. 21).

 

 

 

Gerade in der Passionszeit kann immer wieder einmal daran erinnert werden, dass das Leiden und Sterben Jesu eine einzigartige Solidaritätserklärung Gottes mit uns Menschen ist, die bis heute auf eine Antwort aus dem Glauben heraus wartet. Diese Antwort aber kann nur im Dienst und im Einsatz für diejenigen bestehen, die keine Lobby oder keine hörbare Stimme (mehr) haben, um ihr Lebensrecht einzufordern oder zu verteidigen. In der Predigt könnten die Bedingungen für eine nachhaltige, lebensfördernde Entwicklung z.B. auf dem afrikanischen Kontinent in ökologischer (Ausbreitung der Wüsten, Wasserproblematik) und / oder sozialer Hinsicht (Bildung, Bekämpfung von Aids und seinen Folgen, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung für möglichst alle…) zur Sprache gebracht werden. Vielleicht ist es ja möglich, zu diesen Themenbereichen nicht nur zu predigen, sondern einen Aktionstag zu organisieren. Dabei könnten konkrete Unterstützungsprokjekte vorgestellt und angegangen werden, z.B. im Bereich einer Partnerkirche (im Falle der Pfalz wäre das u.a. die Presbyterian Church of Ghana). Wieso nicht in der einen oder anderen Gemeinde Partnerschaftsmodelle initiieren, die Hilfe zur Selbsthilfe für die Menschen mit dem Schutz ihrer natürlichen Umgebung und Ressourcen verbindet? Die entsprechenden übergemeindlichen Pfarrämter können hier sicherlich die nötigen Informationen zur Verfügung stellen oder sogar persönliche Kontakte vermitteln.

 

 

 

Wie Gott mit uns solidarisch war und ist, so sollen wir untereinander solidarisch sein. Das ist das Resümee aus diesem Paulustext.

 

Andreas Gutting, Albersweiler

 

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz