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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Mrz. 07 - 3. Fastensonntag (Okuli)

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Jer 20, 7-11a (11b-13)

Ex 3, 1-8a.13-15

1 Kor 10, 1-6.10-12

Lk 13, 1-9

Der Verfasser geht auf den Predigttext der ev. Leseordnung und den Evangeliumstext der kath. Leseordnung ein. Stichworte: das Feuer in sich wahrnehmen, Identitätsfindung, seinen Weg gehen auch gegen Widerstände und bei Unbequemlichkeiten, für eine gerechte Gesellschaftordnung eintreten, globale Kreislaufwirtschaft(en) einführen, Erfassung aller ökologisch relevanten Daten in der Gemeinde (Jer 20); eine zweite Chance ermöglichen, für die Verbesserung aktiv werden, nicht nur abwarten, Grenzen setzen und setzen können, Wachstumsraten kritisch betrachten, ebenso Kernenergie, Gentechnik (Lk 13)

 

 

 

Jer 20, 7-11a (11b-13)

 

 

 

Bemerkungen zum Text:

 

In Jer 20 sind wesentliche Elemente für eine prophetische Existenz eingefangen. Jeremia, das an Versen umfangreichste prophetische Buch, gibt in den Klagen des Propheten einen Blick frei auf die Schwierigkeiten und Motivationen eines alttestamentlichen Propheten. Sie sind vor allem in den so genannten Konfessionen des Jeremia (Textstellen: Jer 11, 18-23; 12, 1-6; 15, 10-21; 17, 12-18; 18, 18-23; 20, 7-13) festgehalten. Man kann wohl nicht annehmen, einen Blick direkt auf die Person Jeremia zu werfen, der in einer der schwierigsten Situationen Israels – kurz vor und zu Beginn der Exilszeit - als Prophet wirkte. In dieser Zeit wurde der Tempel zerstört, die eigenständige staatliche Existenz Judas ausgelöscht und ein Teil Israels (vor allem wohl die Elite) nach Babylon deportiert. In dem Text zeigt sich exemplarisch, welche Schwierigkeiten, aber auch starken Impulse ein Leben in Ausrichtung auf den Willen Gottes mit sich bringen kann.

 

 

 

Überdeutlich wird an diesem Text, dass der Auftrag, den der Prophet als unausweichlich für sich empfindet, mit schmerzhaften Prozessen gekoppelt ist. Der Prophet ist aufgerufen, unangenehme Wahrheiten zur Sprache zu bringen: Auf Gewalt und Unterdrückung muss er hinweisen (V 8). Die entsprechenden Reaktionen lassen nicht auf sich warten: Die Menschen, denen er gegenübertritt, stehen in einem scharfen Kontrast zu ihm. Es führt dazu, dass ihm die Anderen nicht wohlwollend, sondern feindselig gesonnen sind. Dabei sind es Menschen, die zu seinem engsten Lebensumkreis gehören. Sie machen sich nicht nur lustig über ihn (V 7b), sie wollen ihm Böses, wollen ihn „betören“, um ihm zu schaden (V 10). Dasselbe Wort „betören“ verwendet Jeremia auch in der Anklage gegenüber Gott (V. 7), dem er diesen Schlamassel glaubt zu verdanken, der aber auch der Einzige ist, an den er sich mit seiner Not wenden kann. Er explodiert sozusagen im Gespräch mit Gott, den er heftig angreift. Der Auftrag, den Gott ihm übermittelt und zumutet, setzt ihn in einen scharfen Gegensatz zu den Menschen in seiner näheren Umgebung, den er fast nicht mehr aushält.

 

 

 

Ansatzpunkte für eine Predigt

 

Es ist eine Extremsituation, die in diesem Text begegnet. Sicherlich ist es nicht der Normalfall, dass wir uns in den heftigen Spannungen einer exemplarischen prophetischen Existenz bewegen. Aber die hier angesprochenen Situationen sind in unserem Leben ebenfalls vorhanden. Auf zwei mögliche Punkte möchte ich hinweisen:

 

 

 

a) Identitätsfindung

 

Jeder von uns muss seinen eigenen Weg entdecken und den ihm eigenen Auftrag in seinem Leben verwirklichen. Das geschieht immer wieder, ist aber in manchen Lebensphasen besonders gefordert.

 

Keinem von uns bleibt die Pubertät erspart. Dabei ist diese Lebensphase, die wichtig für die eigene Identitätsfindung ist, eine Lebensphase voll Spannungen und Widersprüchen. Neue Fronten tun sich auf. Insbesondere das Elternhaus steht auf dem Prüfstand. Da geht es meist nicht ohne Schwierigkeiten und Spannungen ab, manchmal auch nicht ohne Umwege. Viel Geduld von allen Seiten ist verlangt, um nicht an Abgründe zu geraten oder den richtigen Weg zu verfehlen.

 

Innere und äußere Widerstände müssen in dieser Zeit überwunden werden. Und es gehört auch dazu, dass schmerzhafte Grenzen sichtbar werden. Identitätsfindung ist ein oft schmerzhafter Prozess, dem man sich dennoch immer wieder stellen muss. In allen folgenden Lebensphasen stellen sich diese Probleme ebenso, wenngleich meist nicht so heftig. Aber nur in diesen Prozessen entwickelt sich unsere Eigenständigkeit, werden wir zu einer Person.

 

Ein Wegweiser dafür ist, das Feuer, das in unserem Herzen brennt (V 9), wahrzunehmen. In ihm zeigt sich unser Lebensauftrag, unsere Identität, in diesem Feuer zeigt sich die Stimme Gottes.

 

 

 

b) Im Dialog

 

Gerade solche Prozesse verleiten dazu, sich auf sich selbst zurückzuziehen und unangenehmen Entwicklungen, auch Personen, aus dem Weg zu gehen. Der Weg, der hier gewiesen wird, ist der, den Dialog zu suchen. Jeremia wirft nicht das Handtuch, aber er senkt auch nicht demütig das Haupt. Er schaut den Menschen ins Gesicht und greift auch Gott an. Er bleibt nicht stehen bei seinen negativen Erfahrungen, sondern er blickt auf Gott und im Dialog mit ihm wird ihm klar, dass es sein Weg ist, den er gehen soll und auch gehen will. Das zeigt ihm das Feuer in seinem Herzen (V 9).

 

 

 

Nachhaltigkeitsbezug

 

Überblickt man die Botschaft der alttestamentlichen Schriftpropheten, die in der Person des Propheten Jeremia sich exemplarisch verdichtet, so ist ein Schwerpunkt sicher Recht und Gerechtigkeit, der Hinweis auf Verantwortlichkeiten, die Vision einer Gesellschaft, die versucht, alle ihre Glieder zu integrieren, mit anderen Worten eine gerechte Gesellschaftsordnung herzustellen. Von daher ist die auf einer Selbst- und Gottesgewissheit aufbauende kritische Einrede gegen falsche Entwicklungen eine bleibende prophetische Aufgabe für Christinnen und Christen. Gewalt und Unterdrückung (Jer 20, 8), auch gegenüber der Natur und anderen Lebewesen, müssen benannt werden. Weichgespülte Umschreibungen helfen uns allen nicht weiter.

 

 

 

In dem regierungsoffiziellen Weissbuch zum Umweltschutz in China im Jahr 2006 wird deutlich, dass die Kosten der Umweltzerstörung durch die rasche Industrialisierung die Gewinne des Wirtschaftswachstums aufzehren. Die jährlichen Schäden durch Umweltzerstörung seien höher als die Steigerung des Bruttosozialproduktes, die Entwicklung zurzeit nicht unter Kontrolle. Die Rohstoffknappheit nähere sich kritischen Zonen. Die Abholzung der Wälder sei zu stark; die Wüstenbildung nehme zu. In der Landwirtschaft werden zu viel Dünger und Insektizide eingesetzt; die Gewässer seien verschmutzt.

 

 

 

Die so skizzierte Entwicklung in China, das sehen wir in der direkten Auswirkung des stetig teurer werdenden Öls, ist eine Entwicklung, die uns alle im „global village“ betrifft. Dabei geht es nicht darum, die Verantwortung allein in China festzumachen. Die Entwicklungen, die dort sichtbar werden, gelten für alle industrialisierten Staaten. Noch vor wenigen Jahren sind die menschlichen Eingriffe in den Naturhaushalt im Hinblick auf ihre Bedeutung für das Klima heruntergespielt worden. Inzwischen gibt es einen Konsens, dass eine Wende eingeleitet werden muss. Von daher ist es höchste Zeit, endlich Kreisläufe in dem Gebrauch der Rohstoffe zu etablieren. Der Raubbau in den Regenwäldern muss gestoppt werden; ebenso die Überfischung der Meere, man kann die Beispiele noch vielfach vermehren. Jedes Eintreten für eine Welt, die ihre Ressourcen nicht vernichtet, die ihre Wirtschaft so gestaltet, dass Kreisläufe entstehen, für eine Welt in Balance, ist ein Eintreten für eine Welt im Sinne des jüdischen und christlichen Gottes, eine Welt, die Gott durch die Propheten eingefordert hat.

 

 

 

In den Gemeinden kann durch Bildungsarbeit und durch eine kritische Bestandsaufnahme des Verbrauchs aller ökologisch relevanten Daten dieser Prozess unterstützt werden. Materialien sind auf diözesaner oder landeskirchlicher Ebene erhältlich.

 

 

 

 

 

Lk 13, 1-9

 

 

 

Bemerkungen zum Text

 

Der Text gehört wohl zum Sondergut des Lukas. Das Motiv eines Feigenbaums, der keine Früchte besitzt, begegnet auch in Mk 11, 12-14, ohne dass jedoch eine Abhängigkeit der beiden Stellen, in welche Richtung auch immer, angenommen werden kann. Bei der Markusstelle wird der unfruchtbare Feigenbaum verflucht, hier erhält er eine weitere Chance.

 

 

 

Der Text ist klar in zwei Teile gegliedert: V 1-5 gehen auf aktuelle Ereignisse zurzeit Jesu ein (die genaueren Umstände sind leider nicht deutlich), wobei Jesus – ohne dass dies explizit gefordert wäre – zu einer Stellungnahme aufgefordert wird. In dieser Stellungnahme äußert sich der lukanische Jesus gegen eine mechanistische Folge von Vergehen und Strafe, betont aber ebenso deutlich die Forderung nach Umkehr. Im zweiten Teil (V 6-9) wird erzählerisch durch Jesus ein Gleichnis angeschlossen, dessen Hauptpersonen der Besitzer und der Pächter des Weinbergs sind. Der Besitzer hat einen Feigenbaum im Weinberg. Solche Mischpflanzungen sind durchaus üblich. Nun bringt aber der Feigenbaum keine Früchte, so dass der Besitzer den durchaus nachvollziehbaren Schluss zieht, ihn zu entfernen. Es ist ja so, dass er auch den Boden auslaugt, mit anderen Worten, die anderen Pflanzen noch schädigt. Von daher ist die Position des Besitzers von der Sache her gedeckt. Dem stellt sich jedoch der Pächter des Weinbergs in den Weg, der die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. Seiner Meinung nach sind die Möglichkeiten noch nicht vollständig ausgeschöpft. Dabei genügt es aber nicht, einfach nur abzuwarten, nach dem Motto: „Es gibt viel zu tun, warten wir´s ab“. Der Winzer ist bereit, die Wachstumsbedingungen für den Feigenbaum zu verbessern. Er gräbt den Boden auf und düngt ihn, in der Hoffnung, dass damit der Durchbruch zur Fruchtbarkeit gelingen kann. Ob es allerdings gelingt, lässt der Text offen. Es besteht eine weitere Frist; ebenso klar ist aber, dass nach Ablauf dieser Frist sich niemand der Axt in den Weg stellen wird, wenn immer noch keine Früchte kommen.

 

 

 

Ansatzpunkte für eine Predigt

 

Ein wichtiger Ansatzpunkt liegt darin, dass wir – ausgehend vom ersten Teil des Textes – sehr vorsichtig sein sollten in dem, was wir zu wissen vorgeben. Die einfachen Lösungen und die direkten Verbindungslinien sind oft nicht richtig. Gerade im Umgang mit Personen ist die Wirklichkeit oft vielschichtiger. Von daher hat jeder und jede eine zweite Chance verdient.

 

 

 

Zweite Chance bedeutet jedoch nicht, blauäugig immer und über alle Wirklichkeiten und Konsequenzen, die sich daraus ergeben, hinweg zu sehen. In dieser Hinsicht ist der Text eindeutig. Es gibt Grenzen, die um des Lebens willen eingehalten werden müssen. Wirklichkeiten müssen als solche wahrgenommen werden. In der Pädagogik haben wir in den letzten Jahren gelernt, wie wichtig für die Entwicklung von Kindern das Setzen von Grenzen ist. Grenzen setzen gewährleistet Orientierung; erst dadurch werden Zusammenhänge von Dingen sichtbar. Verknüpfungen und Wissen entstehen bei den Kindern. Es ist ein zentraler Schritt von Wahrnehmung der Wirklichkeit. Gleichzeitig wird durch das Setzen von Grenzen ein Schutz aufgebaut vor nicht notwendigen unangenehmen oder gefährlichen Erfahrungen, und ebenso wird durch Grenzsetzungen das Erlernen ethischer Prinzipien ermöglicht.

 

 

 

Ökologische Relevanz

 

„Anything goes“ ist vielleicht ein Merkmal unserer „postmodernen“ Zeit. Viele Dinge, man denke nur an die Mobilität, haben sich rasend schnell entwickelt. In Sekundenbruchteilen kann man heute mit allen Teilen der Welt kommunizieren. Wirtschaftlich sprechen wir von „Globalisierung“. Produkte werden auf dem Erdball hin- und hergeschoben, wie es noch niemals vorher möglich war. In fremde Länder jetten, heute ist es kein grundsätzliches Problem mehr, sondern nur noch eine Frage von Zeit und Geld. Fast scheint es, als ob unsere Möglichkeiten sich immer weiter ausdehnen lassen.

 

Seit mehr als 30 Jahren ist aber auch deutlich geworden, dass es Grenzen gibt. Für alle erkennbar am Beispiel Öl. Diesen bis heute für unser Wirtschaften zentralen Rohstoff wird es in wenigen Jahrzehnten nicht mehr in ausreichender Menge geben. Hier muss umgesteuert werden.

 

Im Blick auf unser Klima wird es immer klarer, dass wir die Emission von Kohlendioxid und anderen schädlichen Gasen jetzt ändern müssen, um Entwicklungen entgegenzusteuern, deren Konsequenzen erst längerfristig, am Ende unseres Jahrhunderts, in aller Deutlichkeit sichtbar werden.

 

Vielleicht haben wir ja noch eine zweite Chance. Auf jeden ist es wichtig, dass wir die Frage aufwerfen, was dem Menschen wirklich nützt. Gehören ständig steigende Wachstumsraten zu den Dingen, die dem Menschen in der Schöpfung wirklich dienen? Nachdem klar geworden ist, dass wir in der Lage sind, unseren Erdball nachhaltig zu schädigen, ist es wichtig, sich die Früchte anzuschauen, die der Mensch so hervorbringt.

 

Es gab eine Zeit, da versprach man sich viel von der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Seit Tschernobyl vor jetzt mehr als 21 Jahren und bei realistischerer Betrachtung der Uranvorräte und Kosten war es still geworden. Angesichts der prekären Energiesituation scheint es für einige wieder eine – wenn auch nur vorübergehende – Option zu werden, obwohl klar sein müsste, dass wir uns ein zweites Tschernobyl nicht leisten können.

 

Im Hinblick auf Gentechnologie stellt sich immer stärker die Frage, ob wir noch alles machen sollten, was wir machen können. Ein bisschen Skepsis gegenüber Hochglanzbroschüren ist hier nur allzu angebracht.

 

Wie der Winzer, ist es wichtig für uns, einen langen Atem zu haben. Wie der Besitzer ist es ebenfalls wichtig zu sagen, wo die Grenzen sind. In diesem Spannungsfeld müssen wir agieren, und zwar in dem Bewusstsein, dass wir nur eine Erde haben und dass es in manchen Bereichen einen „point of no return“ gibt.

 

Dr. Bernhard Lehnart, Bad Kreuznach

 

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