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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

21. Feb. 07 - Aschermittwoch

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Mt 7, 21-23

Joel 2, 12-18

Kor 5, 20 - 6, 22

Mt 6, 1-6.16-18

Der Autor geht auf alle Bibelstellen des Tages ein. Stichworte: Authentizität (handeln / beten; Mt 6/7); Katastrophen als Grund zur Neuausrichtung (Klimawandel, intergenerationell verantwortlicher Dialog; Joel 2); praktisches Engagement für Versöhnung und Frieden (2 Kor 5/6)

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

 

 

Der Aschermittwoch eröffnet die 40tägige Fastenzeit, die im protestantischen Raum Passionszeit genannt wird. Sie dient der geistlichen Vorbereitung auf Ostern und in diesem Zusammenhang der Besinnung auf das, was trägt, was für das Leben wirklich notwendig ist. Zentrales Symbol des Aschermittwochgottesdienstes ist das Aschenkreuz, das sich Katholiken und zunehmend mehr Protestanten auf die Stirn zeichnen lassen. Die Zeichenhandlung wird begleitet vom Wort “Gedenke Mensch, du bist Staub und zum Staub kehrst du zurück!” oder “Kehr um und glaube an das Evangelium!”. Dies erinnert den Christen an Tod und Vergänglichkeit, seine Verpflichtung, seine Berufung als Christ zu leben, und, wenn nötig, seinen Lebensstil entsprechend zu ändern und umzukehren.

 

 

 

Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen:

 

 

 

Mt 7, 21-23: Im Schlußteil der Bergpredigt weist Jesus darauf hin, dass es Gott allein zusteht, den Menschen moralisch zu bewerten. Seine Einschätzung offenbart sich im Weltgericht, das jeden und jede zur Verantwortung zieht. Wesentliches Kriterium stellt die Frage dar, ob der Christ seinen Glauben im Handeln unter Beweis gestellt hat. Denn nur wo Innen und Außen des Menschen übereinstimmen, kann von Gerechtigkeit im Sinne Jesu die Rede sein. Dabei versteht er unter “Gesetz” den im Alten Testament artikulierten Willen Gottes, wie Jesus selbst ihn gelebt und verkündet und schließlich im Doppelgebot prägnant aufgegipfelt hat.

 

 

 

Joel 2, 12-18: Die in 1, 4 – 2, 11 beschriebenen Katastrophen brechen ohne aufgewiesene Schuld des Volkes über dieses herein und werden vom Propheten als Vorboten bzw. Hereinbrechen des Tages Jahwehs gedeutet. Die notwendige Umkehr vollzieht sich also weniger von etwas Verkehrtem weg als vielmehr als entschiedene Hinwendung zu dem, der als einziger aus der Sphäre des Todes erretten kann. Sie zeigt sich in äußeren Zeichen der Frömmigkeit und geschieht in einer Haltung exklusiver und leidenschaftlicher Konzentration des Menschen auf Gott.

 

 

 

Die Hoffnung auf diesen Gott stützt sich auf seine wesensmäßige Gnade, Barmherzigkeit, Langmut und Güte. Nicht aufgrund irgendeiner Vorleistung des Volkes, sondern wegen seiner Liebe zu Isarel fällt er sich sozusagen selbst in den Arm, wandelt seinen Zorn in eine Israel rettende Kraft und ermöglicht neues Leben (VV. 18-27).

 

 

 

2 Kor 5, 20-6, 2: Gott hat Paulus zu seinem Legaten gemacht, der das Versöhnungswerk Gottes verkündet, das sich in Christus vollzogen hat und je neu vollzieht. Durch Paulus bittet also Gott selbst die schon missionierte Gemeinde, das Gehörte nicht nur als Richtiges und Wahres anzuerkennen. Er fordert sie eindringlich auf, das große Geschenk der Versöhnung mit Gott als solches wertzuschätzen, konsequent dazu zu stehen und in ihrem Leben nachhaltig wirksam werden zu lassen.

 

 

 

Für Paulus ist Kern seiner Botschaft, dass die Liebe Gottes nicht ruht. Sie ruht nicht, bis “wir in ihm (Christus) Gerechtigkeit Gottes würden”. Sie ruhte nicht, als Jesus sich für uns zur Sünde machen ließ, sie ruhte nicht, als Jesus unsere Sünde mit Gottes Gerechtigkeit tauschte, sie ruht nicht, indem Gottes Geist seine Frucht aus uns und an uns entfaltet. Mit Gott versöhnt zu sein ist keine abgeschlossene Angelegenheit, sondern stets verpflichtende Gegenwart.

 

 

 

Mt 6, 1-6.16-18: Im Zentrum der Bergpredigt geht es um drei Ausdrucksformen jüdischer und später christlicher Frömmigkeit: Wohltätigkeit, Gebet und Fasten. Als Negativfolie dienen jeweils die “Heuchler”, die zwar korrekt handeln, aber zur öffentlichen Selbstdarstellung neigen und damit eine verkehrte Intention zeigen. Der Adressat aller Frömmigkeit darf nur Gott sein, der den Menschen kennt und durchschaut. Die Berufung des Christen verlangt, dass der Glaubende sich ehrlich auf den Vater im Himmel ausrichtet, sich in dieser Weise in der Welt verhält, sich und anderen nichts vormacht. Seine Gerechtigkeit erweist sich, wenn diese drei Dimensionen – das Verhältnis zu Gott, der Welt und sich selbst – in dieser Weise harmonieren.

 

 

 

Predigtskizze: Joel, Prophet des Aschermittwochs

 

 

 

Jede Zeit hat ihre Propheten. Gott sei Dank. Sie treten auf, wenn Mensche verzweifeln an Armut, Hunger und Unfrieden, sie melden sich, wenn Überfluss und Lethargie sich breit machen. Jesaja stärkt die Hoffnung auf die Erlösung, die Gott schenken wird, Amos erhebt seine Stimme, weil sich das Verhalten im Gottesdienst nicht im alltäglichen Leben wiederspiegelt.

 

 

 

Der Prophet des Aschermittwochs ist Joel. Er sieht, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Die Frage nach der Schuld ist für ihn kein Thema, wohl aber die Katastrophen, die sich anbahnen. Was dem Volk droht, ist ihm Anlaß, aufzustehen und zu mahnen. Was dem Volk droht, soll, ja muss Anlass sein, dass jeder und jede, Jung und Alt, sich auf das Wesentliche, den Wesentlichen besinnt. Was dem Volk droht, ist der Anlass für den Einzelnen wie die ganze Gesellschaft, sich wieder, und zwar voll und ganz, mit Herz und Sinn auf Gott auszurichten. Jahwe ist der Barmherzige, das ist Joels Credo. Er wird sich selber in den Arm fallen, seinen Zorn abwenden und aus Liebe zum Menschen das Leben neu erblühen lassen.

 

 

 

Joel, der Prophet des Aschermittwochs, würde auch heute aufstehen und uns aufzeigen, dass und wo die Welt aus den Fugen geraten ist. So sensibel und aufmerksam wie er könnten und sollten auch wir sein. Nicht nur für das, was um uns herum nicht oder nicht mehr im Lot ist. Es geht auch um das, was in uns aus dem Gleis gesprungen, nicht mehr in Ordnung ist. Das, was uns persönlich Anlass gibt, innezuhalten, umzukehren und unser Leben neu auszurichten.

 

 

 

Die Texte, die uns die Liturgie heute schenkt, weisen uns die nötigen und notwendigen Schritte. Sie geben uns Anleitungen, damit wir unser Leben richtig und nachhaltig neujustieren:

 

 

 

· Zunächst fragen sie uns nach unserer Frömmigkeit und nehmen dabei drei Formen in den Blick, die uns Christen (wie auch den meisten anderen Religionen) sehr vertraut sind: die Wohltätigkeit, das Gebet und das Fasten. Jesus fragt nicht, ob wir barmherzig sind, beten oder fasten. Das setzt er voraus. Ihn interesssiert vielmehr, warum wir das tun, ob unsere Intention stimmt. Geht es uns darum, gut vor anderen da zu stehen, anderen und uns etwas - im wahrsten Sinn des Wortes - vorzumachen?

 

· Stimmen - das ist der nächste Schritt der Neujustierung - unser Innen und Außen überein? Glauben erschöpft sich nicht in frommen Gedanken, auch nicht in der intellektuellen Verehrung und Anbetung des Herrn. Glaube muss sich zeigen, muss sich bewähren im Handeln, muss handgreiflich werden. Was ich glaube, ist zu tun, und was ich praktiziere, muß von meinem Glauben gedeckt sein, muß sich am Evangelium messen lassen.

 

· Schließlich und ganz grundsätzlich ruft uns Paulus ins Gedächtnis, wer wir als Christen eigentlich sind: Wir sind Menschen, die durch Gottes Gnade und ganz ohne unser Verdienst von ihm angenommen, erlöst und mit ihm versöhnt sind. Die Botschaft, die wir gehört haben und unser Lebenselixier geworden ist, ist die Botschaft von seiner Barmherzigkeit, die er allen gewähren will, von seiner Liebe, die die Welt mit Gott versöhnen und verwandeln will. Wir sind getragen und dürfen uns auch getrost tragen lassen von dem, der liebt, trägt und in uns das Neue zur Entfaltung bringen will. Sich daran zu erinneren heißt, sich seiner Berufung zu erinnern. Sich daran zu erinnern, dass uns Gott allein aus Gnade - gratis eben - erlöst hat, heißt, sich berufen zu wissen, diese Botschaft der Versöhnung weiter zu tragen und niemandem vorzuenthalten.

 

 

 

Aschermittwoch setzt einen Anfang zur Kurskorrektur in Herz und Hand. Er lässt uns allen Anlass finden, den Frühjahrsputz zu beginnen - in uns. Joel, Paulus und Jesus zeigen uns, was zu tun ist. Sie weisen uns die Schritte hin zum erneuerten Lebensstil. Und mit ihrer Botschaft ermuntern sie uns, diesen neuen Lebensstil zu bewahren, damit in uns und durch uns die Welt wieder ins Lot kommt und im Lot bleibt. Amen.

 

 

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

 

 

 

1. Sich auf das besinnen, was trägt (Aschermittwoch)

 

Angesichts der eigenen Vergänglichkeit erhebt sich die Frage, was das Leben eigentlich ausmacht, was gültig und wahr und notwendig ist. Überflüssiges und Schädliches gilt es auszumachen und abzustoßen. Körperlich, geistig und geistlich.

 

 

 

Es ist gute christliche Praxis, Gott für die Klänge schöner Musik, für die Freude an einem Glas Wein, für die Schönheit eines hübschen Mädchens zu danken. Es wäre falsch, solches nicht als Gaben Gottes zu erkennen und ihm dafür nicht Dank zu sagen. Doch es ist ebenso gute christliche Praxis, “nein” zu sich selbst zu sagen, d.h. sich guter Dinge zu enthalten. Wir tun das, um nicht dem Irrtum zu verfallen, die guten Dinge seien das einzige, worauf es in diesem Leben ankommt, und um nicht Menschen und Dinge zu Götzen zu machen. Diese falschen Götter würden uns, wenn wir keine Selbstkontrolle übten, erst versklaven und dann vernichten. (Basil Hume, Selig die Suchenden, 2001)

 

 

 

2. Bewußt leben (Mt 6/7)

 

Routine im geistlichen und christlichen Leben birgt die Gefahr in sich, in geistlose Aktivitäten zu verfallen. Heilende Fragen können deshalb sein: “Warum lebe ich als Christ?”, “Deckt sich mein Handeln mit meinem Glauben?”, “Bin ich authentischer Christ?”

 

 

 

Wenn Beter mit dem Schall der Leibesstimme zum Herrn rufen, ohne dass sie mit Gott ihr Herz verbinden - wer zweifelt, daß es vergeblich sei? Wenn aber das Herz betet, mag die Leibesstimme auch schweigen, so bleibt dies wohl den Menschen verborgen, nicht aber Gott. Ob wir nun mit der Stimme, ob mit Schweigen beten: es muß ein Rufen des Herzens sein. Ein Rufen des Herzens aber ist die volle Sammlung der Gedanken: ein solches Gebet ist der Ausdruck eines Sehnens und Suchens, das hoffen darf, ihm werde gewährt, was es begehrt. (Augustinus, Auslegung zu Psalm 118)

 

 

 

3. Versöhnt sein und die Versöhnungsbotschaft verkünden (2 Kor)

 

Die Gnade Gottes, dass ich mit ihm versöhnt worden bin, gilt nicht nur mir, sondern will global, ja universell wirken. Engagement für Versöhnung und Frieden, in Wort und Tat sind deshalb geboten.

 

 

 

Jesus Christus, hätten wir einen Glauben, der selbst Berge versetzt, was wären wir ohne lebendige Liebe? Du liebst uns. Was wären wir ohne deinen Geist, der in unseren Herzen wohnt? Du liebst uns. Du nimmst alles auf dich und bahnst uns so einen Weg zum Vertrauen auf Gott, der weder Leiden noch Elend des Menschen will. Geist des auferstandenen Christus, Geist des Erbarmens, Geist des Lobpreises, deine Liebe zu jedem von uns wird niemals weichen. (Roger Schutz, Die Quellen von Taizé, 1996)

 

 

 

4. Katastrophen als Anlass zur Kurskorrektur (Joel)

 

Der Klimawandel mit all seinen Begleiterscheinungen sind nicht gottgewollt, schon gar nicht die Konflikte, die daraus entstehen. Umsomehr fordert er zu einer absoluten Neuausrichtungen des Denkens und des Handelns, einem nachhaltigen Lebensstil des Einzelnen und der Gesellschaft.

 

 

 

Der Schriftsteller und Publizist Carl Amery fordert dazu auf, sich angesichts der ökologischen Herausforderungen an Franz von Assisi zu orientieren. Es gelte nicht nur, den Einsatz regenerativer Energieträger voranzutreiben und ihre energetische Ausbeute zu verbessern, sondern auch die Geisteshaltung des Franziskus einzuüben, "daß man Verzicht nicht als Verkümmerung versteht, sondern als Emanzipation von den Zwängen, die die Religion des totalen Marktes auf dem Weg über den Konsumismus laufend erzeugt. Für diesen Widerstand gegen den Konsumismus sind meiner Meinung nach die Ressourcen des lebendigen Christentums unbedingt gefragt". (Interview in der österreichischen Wochenzeitung “Die Furche”, 2002)

 

 

 

5. Katastrophen als Anlass zu Solidarität zwischen den Generationen (Joel)

 

Hinwendung zu Gott ist nicht Aufgabe nur einer Generation, als pars pro toto. Die Neuausrichtung umfasst, darauf legt Joel Wert, alle, vom Säugling bis zum Greis.

 

 

 

Man stelle sich vor, auf einer Deutschlandkarte würde ein Ort nach dem anderen verschwinden. Das ist, bildlich gesprochen, die Auswirkung des demografischen Wandels – Vorausberechnungen gehen davon aus, dass die Bevölkerung Deutschlands bis 2050 im Durchschnitt jedes Jahr um ca. 150.000 Einwohner sinken wird. Zugleich nimmt die Lebenserwartung stetig zu: im Jahr 2030 werden die über 60-jährigen über ein Drittel der Bevölkerung stellen. Wie werden Alt und Jung zusammen leben, wenn Deutschland in die Jahre kommt? Wie meistern wir die ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen, die sich daraus ergeben? Wie sehen Arbeit und Freizeit in Zukunft aus? Zahlreiche gute Überlegungen sowie nachahmenswerte Initiativen und Projekte zu den Themen Dialog der Generationen bzw. Generationengerechtigkeit präsentiert die Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. auf der Homepage ihrer Internet-Akademie www.fes-online-akademie.de

Joachim Feldes, Frankenthal

 

 

 

 

Literatur:

 

Dahmen, Ulrich/Fleischer, Gunther: Das Buch Joel. Das Buch Amos = Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament 23,2 (2001)

 

Luz, Ulrich: Das Evangelium nach Matthäus (Mt 1-7) = Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament I/1 (1985)

 

Wolff, Christian: Der zweite Brief des Paulus an die Korinther = Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament VIII (1989)

 

 

 

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