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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Feb. 07 - 6. Sonntag im Jahreskreis / 2. So. v. d. Passionszeit

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Jes 55, (6-9) 10-12a

Jer 17, 5-8

1 Kor 15, 12.16-20

Lk 6, 17.20-26

Der Autor geht auf die Texte zur 1. Lesung und zum Evangelium der kath. Leseordnung ein. Stichworte: innere und äußere Spaltungen erkennen und überwinden, auf die richtigen Werte setzen, Gottes Wille, Mahnungen und damit verbundene Chancen ernst nehmen

 

 

 

1. Zugang

 

Der Schweizer kath. Theologe Urs Eigenmann benennt zwei große Schwierigkeiten, die ein Mensch mit Gott haben könne. Die erste sei, jemand möchte seine eigenen egoistischen Vorstellungen von Gott bestätigt haben und sich nicht mehr herausfordern lassen, über sein Gottesbild nachzudenken. Für weitaus schwieriger hält es der Theologe aber, wenn jemand in der Welt Götzendienst betreibt und sich einer neoliberalen Logik unterwirft, andererseits aber eine persönliche Bindung zum christlichen Gott beansprucht. Was bedeutet dann Gott letztlich für ihn?

 

 

 

Da sind wir mitten drin in den Texten zum 6. Sonntag: Was bedeutet Gott ganz konkret für das Leben? Lässt sich das Gottes Volk prägen und binden in seinen Beziehungen zu anderen Christen, zu der Geschundenen, zur Gemeinschaft, zur Gesellschaft durch Gottes Ethik?

 

 

 

Wie läßt sich die Spaltung in Menschen, die nur auf Menschenwerk und materielle Werte vertrauen und in Menschen, die Gott vertrauen, überbrücken? Wir leben in einer Zeit, in der sich Spaltung wie ein roter Faden durch fast alle Lebensbereiche zieht. Die Spaltung in unserer Gesellschaft in Arme und Reiche, in Kranke und Gesunde, in solche, die das Bruttosozialprodukt vorantreiben und vermehren und solche, die immer deutlicher spüren, dass sie mit ihren Lebenserfahrungen und mit ihrem Lebenswissen nicht mehr gebraucht werden. Unsere Gesellschaft selber wird noch einmal gespalten in solche, die allein auf ihre eigenen Kräfte setzen, auf Macht, auf Können, um ihre Ziele zu verwirklichen und solche, die sich eingestehen, dass das Leben zunächst in den Händen Gottes liegt und nicht allein im menschlichen Können. Letztendlich regieren auf der Weltenbühne Menschen, die zum Ausbau, zur Aufrechterhaltung und Absicherung ihres Gesellschaftssystems alles unternehmen, um ihre Ziele durchzusetzen und ihre Macht abzusichern. Was aus denen wird, die sich diesem Diktat zu fügen haben, bleibt denen, die an der Macht sind und danach streben, weitgehend gleichgültig. Wir selber müssen und eingestehen, dass wir selbst insgeheim Nutznießer eines solchen Strebens sind, damit alles so weitergehen kann, wie wir es uns wünschen, koste es, was es wolle oder ungewollt daran partizipieren.

 

 

 

2. Provozierende Fragen

 

Aber ist das alles, ist das unsere – ausschließliche – Realität unter Christen? Ich lese in einem Text, der aus gläubiger Überzeugung von Christenmenschen aus Brasilien verfasst ist, eine Prophetische Provokation:

 

 

 

„Selig ist, der dem Druck von außen nicht nachgibt und die Wahrheit bezeugt.
Selig ist, der nicht schweigt, wenn er Ungerechtigkeit sieht.
Selig ist, der seine Stimme den Verstummten gibt.
Selig ist, der seine Intelligenz in den Dienst der Unwissenden stellt.
Selig ist, der als subversiv angesehen und um der Brüder und Schwestern willen verurteilt wird.
Selig ist er, wahrhaftig, weil der Gott der Subversiven seine Stärke sein wird und der Gewalt aller Feinde widerstehen kann.“

 

 

 

Gewiss, vielleicht sind wir schockiert von der Deutlichkeit und Klarheit der Sprache und der Botschaft, die nicht viel Ambivalenz in der Interpretation zulässt. Vielleicht sind wir auch positiv angerührt von dieser aufrührerischen Sprache, die ganz und gar nicht in unseren pastoralen und katechetischen Sprachschatz passt. Wird dagegen nicht immer verständlicher, dass viele Menschen, die Mehrheit der Menschen, ungeduldiger werden angesichts der zunehmenden Polarisierungen zwischen Armen und Reichen, zwischen denen, die auf Gerechtigkeit und die versprochenen zivilen Ordnungen (Vat. II Gaudium et Spes) warten und denen, die diese nur für sich reklamieren, weil sie immer auf der Gewinnerseite leben wollen?

 

 

 

Wer will schon gerne Verlierer sein oder werden? Gerechtigkeit und Frieden werden auch von Christenmenschen nicht oder nicht immer durchweg als Güter anerkannt, die auf der unbedingten Skala des Miteinanders der Menschen und des Miteinanders mit der gesamten Schöpfung liegen, weil sie auf Gottes Ordnung beruhen und letztlich von ihm und nicht von Menschen oder abstrakten strukturellen Mächten bedingt werden.

 

 

 

3. Lösungsangebot Jesu

 

Die biblischen Texte bringen uns Klarheit über unseren Gott und über seine Botschaft an uns. Es mag uns unangenehm sein, was uns da an Botschaften überliefert wird. In der sog. Feldrede (bei Matthäus Bergpredigt genannt) wendet sich Jesus an Menschen, die ihm nachfolgen, darunter vor allem an seine Jünger/-innen und weist ihnen den Weg, dieser Welt die Strukturen der Welt einzuzeichnen, die einst allen Menschen aus Gottes Hand als vollendet geschenkt werden wird. Da ist nichts an Deutlichkeit zu überbieten.

 

 

 

Jesus verweist energisch darauf, dass der Umgang der Menschen miteinander und mit der Schöpfung Gottes nicht nach den Kriterien erfolgt, die Menschen sich selber zurecht gelegt haben, sondern die Gott in seiner Ethik den Menschen mitgegeben hat. In den Weherufen lässt Jesus den Ernst durchblicken, den er mit dieser Botschaft verbindet.

 

 

 

Schon einmal hat Gott sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreit und ihm klare Regelungen mit auf den Weg gegeben, dass sie alle hätten in das Gelobte Land gelangen können. Aber die Realität selbst der Menschen in der Gegenwart Gottes: „Ich bin bei euch, als der, der euch stützt“ konnte sie nicht dazu bringen, Gottes Ordnung letztlich bis in den tiefsten Grund der Gestaltung ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse zu beherzigen.

 

 

 

Jedoch und trotz allem: Gott hält an uns Menschen fest, markiert aber immer deutlicher, dass er die Freiheit der Menschen will und ein Leben in Fülle für alle. Dafür hat er sein Volk aus der Knechtschaft geführt und auf den Weg in das Gelobte Land geheißen.

 

 

 

Jesus, der Sohn Gottes und der Sohn Mariens und Josefs, geboren in der tiefsten Armut und Armseligkeit, lebt und verkündet seinen Glauben an die Wirksamkeit Gottes in der Geschichte der Menschen, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er lebt und riskiert sein Leben, um Gottes unbedingten Willen zu uns ein durch und durch wahrhaftiges Gesicht zu geben, aber auch gleichsam Nachfolge und Treue von den Menschen einzufordern im Vertrauen auf die Wirksamkeit Gottes im Leben und auf die von ihm geschenkten eigenen Kräfte und Talente zur gewaltfreien und zivilen Veränderung all dessen, was das Leben der Menschen niederdrückt, unbarmherzig, ungerecht und unsolidarisch macht.

 

 

 

4. Glaube an die Wandlung – Lebensbekenntnis und gläubige Zuversicht an die zivile Wandelbarkeit von Mensch und Welt

 

Diese Eindringlichkeit Gottes und der Ernst, mit dem er spricht und in aller Freiheit zurechtweist, wird auch aus den Worten des Propheten Jeremia deutlich.

 

 

 

Jedoch, was die Propheten deutlich als Fehlverhältnis von Glauben und Macht zugunsten der Macht und zuungunsten der Armen und Schwachen markiert haben, das wiederholte sich im Laufe des Wachsens der Kirche und durch die Liaison zwischen Staat und Kirche. Die Sprache Gottes, die sich in den vielfachen Mahnungen der Propheten zu Gerechtigkeit und zum Schutz der Armen einen kraftvollen Ausdruck gesucht hat, ist in unseren Kirchen oftmals verharmlost und gezähmt worden, damit sie den Mächtigen in Staat und Kirche nicht gefährlich werden konnte. Das bedeutete vielfach, dass das Leben hier mit dem Leben im Reich Gottes nichts zu tun habe.

 

 

 

Durch die freiheitliche Beschäftigung mit der Botschaft der Heiligen Schriften und dem Lebenswissen der Christen durch das Hören auf die Armen und Schwachen und auf das Ächzen der Kreatur ist gerade seit der Aufklärung und durch den Prozess des Aggiornamento mit dem II. Vatikanischen Konzil und dem Papst Johannes XXIII ein Bewusstsein unter Christen herangereift, dass keiner von uns Christen im Vorzimmer Gottes sitzt, sondern mit ihm in der Einen Welt. Gerechtigkeit und Frieden, Solidarität sowie Barmherzigkeit sind keine extravaganten Etüden, die in das Belieben der Christen gestellt sind, also auf die man verzichten könnte, sondern diese „Säulen“ werden durch die Verkündigung Jesus in den Mittelpunkt seiner befreienden Botschaft gestellt. Sie durchziehen wie Markierungen von eschatologischer Qualität die Botschaft unseres Glaubens, dass diese unserer Welt durch Gottes Gnade allein die Qualität des Reiches Gottes in Fülle für alle erhalten werden wird. Damit ist die krasse Unterscheidung zwischen dem hier und jetzt und dem einst, zwischen dieser Welt voller Ungerechtigkeit und Unfrieden und dem Reich Gottes, aufgehoben. Wir sitzen nicht im Vorzimmer Gottes, sondern mit Gott in einem Boot.

 

 

 

Christlicher Glaube ist nicht fromme Soße, sondern tiefgreifendes Mensch wie Welt veränderndes Angebot zu einer Existenzgrundlage für eine Welt, in der Gottes Grundsätze gelten: Liebe, Barmherzigkeit, Treue und Vertrauen und das Wollen einer zivilen Veränderung dieser unserer Welt, damit Gottes Reich keine Utopie oder ferne Vision in der menschlichen Vorstellungskraft bleibt.

 

 

 

Urs Eigenmann schenkt uns ein zuversichtliches Gebet:

 

„Lasst uns glauben an eine Welt,
in der niemand mehr bangen muss ums tägliche Brot;
in der die Starken die Schwachen beschützen;
in der Friede herrscht und die Waffen schweigen;
in der unsere Träume Früchte tragen
und unsere Hoffnungen nicht zuschanden werden;
in der wir glücklich leben können, niemand auf Kosten anderer.“

 

 

 

Gott will bei seinem Wort genommen werden.

 

Josef Kolbeck, Gau-Algesheim

 

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