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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14. Jan. 07 - 2. Sonntag im Jahreskreis / 2. Sonntag n. Epiphanias

 

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Mk 2, 18-20 (21-22)

Jes 62, 1-5

1 Kor 12, 4-11

Joh 2, 1-11

Der Verfasser geht mit seinen Hinweisen auf alle genannten Perikopen ein, mit Schwerpunkt auf Jes 62. Aus den Predigtimpulsen zu Jes 62 heraus werden Verweise auch zu den anderen Perikopen gegeben. Stichworte: Christliche Rückkehr des Alltags nach der Hochzeit – Alltagsaufgaben; Rufer in der Wüste sein, Ödland (auch geistiges) neu gestalten, Gott schenkt das Charisma, im Alltag überzeugend auftreten zu können

 

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

Verbindendes Element der vier Perikopen ist „das neue Leben“ in Gott (durch Jesus Christus), welches in Zeichen und Taten bereits gegenwärtig ist und eine eschatologische Vorfreude auf die Vollendung der Schöpfung begründet. Die Hinweise zu den Evangelientexten und dem Korintherbrief sind im Folgenden hingeordnet auf die Lesung aus dem Buch Jesaja.

 

 

Die Stellung im Kirchenjahr öffnet den Blick auf den „Alltag“: Die weihnachtliche Festzeit ist mit Epiphanias / Taufe des Herrn beendet und es beginnt die „Zeit im Jahreskreis“. In alter Tradition wird damit auch (in der katholischen Leseordnung) die Beschreibung des „alltäglichen“ Wirkens Jesu begonnen. Das Weinwunder zu Kanaa gilt als sein erstes öffentliches Auftreten mit göttlicher Vollmacht.

 

 

 

 

Hinweise zu Mk 2, 18-20

 

Im vorliegenden Streitgespräch wird eine realistische Situation geschildert und zum Anlass für eine Anfrage genommen. Das Nicht-Fasten der Jünger Jesu wird als bekannt vorausgesetzt, es ist aus dem vorherigen Kapitel übernommen. Die Antwort Jesu ist dreifach gegliedert – und zeigt den Unterschied zwischen der „Jetzt-Zeit“ und der kommenden Zeit: Jesus „ist mit“ oder „ist weg“ im Bilde des Bräutigams (deutlich in 19b.20; hingegen in 19a verschleiernd).

 

 

 

In der exegetischen Forschung wird nicht davon ausgegangen, dass ein Nicht-Fasten der Jünger vor Jesu Tod erfunden wurde. Daher sind 19b.20 als ein späterer Eintrag zu sehen. Die Kontrastierung mit der Fastenpraxis speziell der Johannesjünger weist auf unterschiedliche theologische Deutungsmuster. Mehrere Exegeten sehen im Fasten der Johannesjünger eine „eschatologische Demonstration“: Das freiwillige Fasten über gebotene Fasttage hinaus stellt eine Bußübung zur Erlangung von Sühne dar. Bei diesem vermuteten Hintergrund erlangt das Fasten der Jünger eine ganz neue – anders strukturierte – eschatologische Dimension.

 

 

 

Bei Hochzeitsfeierlichkeiten zu Fasten ist verboten – umso mehr ist das Fasten verboten, wenn der erwartete Messias anwesend ist. Jesus stellt sich vor seine Jünger und nimmt den Angriff auf sich. Jesus selbst lenkt den Blick auf diese neue Dimension: In ihm hat die messianische Heilszeit begonnen.

 

 

 

Ergänzend wird in den folgenden Versen 21/22 besonders die „Neuheit“ betont. Mit der messianischen Gegenwart Jesu Christi ist ein neuer Weg begonnen: Die eschatologische Heilsfreude hat in ihm seinen Anfang gefunden. Einerseits hat dabei das „Neue“ der Botschaft Jesu eine das Alte sprengende Dynamik („alte Schläuche reißen“). Andererseits ist damit die neue eschatologische Qualität der antizipierten Wirklichkeit der Gottesherrschaft betont.

 

 

 

 

Exegetische Hinweise zu Jes 62, 1-5

 

Der vorliegende Text ist der erste Teil einer Komposition Tritojesajas, welche aus vier Abschnitten besteht. Auffallend ist dabei das prophetische Ich, das mit einer einmaligen Leidenschaft Gott bestürmt. Die Zionsbotschaft aus Kap. 60, 1-3 fortführend ist hier ein neues Bewusstsein im Volke erreicht: Das erwartete Heil vom Zion ist (noch) nicht eingetreten. In dieser Grundstimmung ist die Aussage inhaltlich parallel zu setzen mit den anderen Tageslesungen.

 

 

 

Interessant für den Hörer ist jedoch die implizierte Aussage in Vers 1: Der Prophet muss reden, da Gott wohl schweigt. Der Prophet eint in sich die Klagen des Volkes, welches das Kommen Gottes in die Ungerechtigkeit dieser Welt erwartet. Das Heil soll „aufstrahlen“ – genauer übersetzt wäre es mit „ausgehen“ und bietet so Anklänge an bekannte Theophanietraditionen. Gottes Kommen bedeutet somit eine Neuordnung der Welt – der neue Weg einer gottgemäßen Gesellschaft ist im Aufstrahlen von „Heil“ und „Recht“ grundgelegt.

 

 

 

Und diese neue Gesellschaft, diese neue Stadt muss daher zwingend einen neuen Namen erhalten. Der Name ist Programm – und der Neuanfang einer gerechten Welt wird symbolisiert durch die neuerliche Namensgebung (vgl. Hos 2, 22 ff.; Ez 48, 35). Die alte Stadt ist verwüstet, weil die alte Gesellschaftsordnung verwüstet. Sie ist Ödland, weil sie Ödland schafft. Sowohl die alten als auch die neuen Namen sind nicht nur symbolisch genutzt, sondern an anderen Stellen des AT auf reale Frauen angewandt.

 

 

 

Interessant ist hier aber auch die Nennung des Landes – hier wirkt wahrscheinlich eine alte kanaanäische Vorstellung von der Verbundenheit zwischen Gottheit und Ackerboden nach (vgl. Hos 1, 2).

 

 

 

Im Vers 6 – der wie ein Zusatz wirkt – wird die androzentrisch orientierte Symbolik des Brautpaares (vielleicht in Fortführung der Affinität zu Deuterojesaja) in Analogie zur Freude Gottes über die neue Weltordnung gesetzt.

 

 

 

 

Predigtimpuls

 

  • Der Alltag hat wieder begonnen, der weihnachtliche Festkreis ist beendet. Aber was ist der Alltag eines Christen? Was unterscheidet die Festzeit von dem alltäglichen Leben? Die Hoch-Zeiten des Lebens finden ein Ende, der graue Alltag beginnt?
  • In den Hoch-Zeiten unseres Lebens feiern wir die Freuden unseres Glaubens. In den Hochzeiten zwischen Frau und Mann feiern wir symbolisch auch die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung. Die Bilder der heutigen Lesungen greifen dieses Hochgefühl auf: Gott ist ein Liebhaber des Lebens – wie ein Bräutigam sich an seiner Braut erfreut, so erfreut sich Gott an seinen Geschöpfen.
  • Doch der Alltag spricht oft eine andere Sprache: Menschen werden verlassen, die Schöpfung wird ausgebeutet, die Geschöpfe welken dahin. V 4 spricht davon, er greift die Situation unserer alltäglichen Erfahrungen auf: Wir sehen Verlassene, wir erleben unheimliche Öde. Beziehungswüsten und eingestaubte Lebenspläne, vertrocknete Träume und verdorrte Hoffnungen.
  • Diese Erfahrungen des grauen Alltags rufen uns Christen zu unserer Alltagsaufgabe: „Ich kann nicht schweigen, ich kann nicht still sein!“ Nach den Tagen des Feierns mit dem Bräutigam, nach der Festwoche einer jüdischen Hochzeit, sind wir als Berufene die „Rufer in der Wüste“. Das Prophetenamt ist das schwierigste unserer Ämter, an denen wir durch die Taufe Anteil haben. Rufer gegen die vorherrschende Meinung, Rufer einer unangenehmen Wahrheit, Rufer nach dem wahren Leben. Das ist das „all-tägliche Brot“ des Christen.
  • Das Prophetenamt ist uns geschenkt. Gott „schenkt sich nicht“ die Schöpfung, „schenkt sich nicht“ die Menschen. Er will sie wiedergewinnen, will aus seiner unterjochten Schöpfung wieder ein himmlisches Zuhause bauen. Gott schenkt uns das Charisma, andere zu überzeugen, zu gewinnen. Gott schenkt uns die Gabe des Prophetentums. Doch die Gabe ist uns Aufgabe.
  • (Hier passt gut ein Einschub bezüglich der verschiedenen Charismen in der Gemeinde (vgl. 1 Kor 12, 4-11). Dabei wäre herauszuarbeiten, dass auch das Charisma des Prophetentums auf die Vollendung der Schöpfung hinarbeitet.)
  • Gott möchte, dass wir aus dem „Ödland“ eine „neue Wonne“ für alle gestalten. Er möchte, dass die „Herren des Landes“ das „Land heiraten“. Die „Herren der Schöpfung“ sollen „das Land“ und seine Früchte, die Schöpfung und die Geschöpfe annehmen und sich mit ihnen versöhnen; sie sollen die Natur lieben und vollenden. Dies ist Gottes Schöpfungsauftrag und die eschatologische Hoffnung zugleich: Durch einen neuen Weg der Beziehung zwischen den Menschen und zwischen den Menschen und allen Geschöpfen wird das himmlische Jerusalem entstehen. Liebende Zuwendung zu allen Geschöpfen – ausnahmslos – ist der Weg in die Vollendung. Ist der Weg zu Gott selbst.
  • (Hier passt zu einer Spezifisierung des „neuen Weges“ der Hinweis auf das Fastenverständnis des Propheten Jesaja (vgl. VV 58, 5 ff.) und dessen eschatologische Fortführung in Mk 2, 18-20).
  • Wenn die Nachfolger Christi diesen Weg gehen, „dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit!“ (V 2). Das Eintreten in dieser Welt für „Frieden – Gerechtigkeit – Bewahrung der Schöpfung“ ist ein öffentliches Geschehen. Jesus Christus hat sein öffentliches Auftreten mit einem Zeichen begonnen, das allen Beteiligten Grund zur Freude schenkte: Er hat einer Hochzeitsgesellschaft Unmengen an Wein bereitet.
  • (Hier passt als Vertiefung Joh 2, 1-11; dabei könnte die Betonung parallel zum verwendeten Bild des „Bräutigams“ in Jes liegen und auf dem Beginn der neuen Heilszeit in Jesus Christus: Geschenkte Freude).
  • Der Alltag der Christen erst führt sie aus dem Festsaal hinaus auf die Straßen und Plätze ihrer heutigen Gesellschaft. Sie haben dort öffentlich die Gerechtigkeit Gottes für Menschen, Tiere und Pflanzen einzufordern – mit öffentlich vorgelebtem Handeln und erklärenden Worten. Fair gehandelte Waren garantieren nicht das Paradies auf Erden, aber sie bringen viele Menschen einer gerechten Welt näher als die üblichen Ausbeutungsmechanismen. Ökologisch und ökonomisch sinnvolle Projekte vollenden kein neues Jerusalem, aber sie lassen das Land nicht veröden, sondern lassen es nachhaltig eine Wonne sein für uns und auch für folgende Generationen.
  • Wenn das Heil in unseren Gemeinden aufleuchtet wie eine brennende Fackel, werden viele sich an diesem Licht ausrichten. Wenn wir im grauen Alltag anderen eine Hilfe und ein Vorbild sind, werden auch sie sich mit auf den Weg zum neuen Jerusalem machen: Zu einer Welt, in der Gottes Gerechtigkeit alleine das Sagen hat! Eine Welt, die allen Geschöpfen nicht nur das Überleben ermöglicht, sondern ein Leben in Fülle – und das nicht erst am Ende der Zeiten, sondern mitten im Jetzt.

 

 

 

 

 

 

Hinweise zu 1 Kor 12, 4-11

 

Ähnlich wie in Kap. 14 stellt Paulus hier die Geist-Erfahrung als ein konstitutives Merkmal des „neuen Lebens“ heraus (vgl. Eph 4, 22 ff.; 1 Kor 2, 4 f.). Paulus vergleicht die „alte“ Zeit des Heidentums mit der „neuen“ Zeit als Christgläubige und Geistbegabte. Die neue Zeit bringt in ihrer Aufbruchsstimmung aber auch Probleme mit sich, die Paulus in seinem Antwortschreiben sachte in die rechten Bahnen lenken will. Paulus betont die Vielfalt der Gnadengaben in klarer Abgrenzung zur Uniformität im Glaubensleben.

 

 

 

„Stumm“ sind die alttestamentlichen Götzen – und so ist der Geistbegabte „beredt“. Beredt in Worten und Taten durch den Heiligen Geist. Unklar ist der historische Hintergrund der Fluchworte an dieser Stelle. Vermutet wird beispielsweise eine konstruierte Antithese des Paulus, um den Gemeinden die rechte Art des Kyrios-Bekenntnisses darzulegen. Und konstitutiv zum Bekenntnis, dass Christus der alleinige Herr der Welt ist, gehört für Paulus ein „neues Leben“ nach seiner Weisung.

 

 

 

Doch wird dem Pneuma in den folgenden Versen ebenso die Wirkung der Einheit zugesprochen. Nicht nur die Vielfalt, sondern auch die Einheit der Vielfalt ist Werk des Geistes. Die Wahl des Wortes „charisma“ ist eine paulinische Engführung. Wenn heutige Christen dieses Wort hören und über dessen Inhalt nachdenken, ist es aus der damaligen Sprachwelt herausgehoben und stark paulinisch geprägt.

 

 

 

Ohne diese Problematik zu vertiefen, lässt sich sagen, dass der Geist als die dynamische Kraft Gottes dargestellt wird, welche die Gemeinde auf dem rechten Weg aus dem Heidentum in das „neue Leben“ führt.

 

 

 

Abschließend lohnt der Blick auf das nachfolgende Kapitel, in welchem Paulus ein neues Gemeindemodell einführt. Von der Vorstellung einer Gemeinde, die bis in die letzten Winkel vom Heiligen Geist erfüllt ist und gelenkt wird, wechselt er – auf das problematischere Bild – der Gemeinde als Leib.

 

 

 

 

Hinweise zu Joh 2, 1-11

 

Das vorhergehende 1. Kapitel endet mit einer Zielformulierung für Glaubende: Die Christusschau. Luther formulierte es so: „Da Christus anfing zu predigen, da hat sich der Himmel aufgetan und bleibt offen und ist von dieser Zeit her ... nie zugeschlossen.“

 

 

 

Diese Möglichkeit der Christusschau wird nun von der Einzelperson des Natanael auf die Öffentlichkeit übertragen. Mit der ersten der sieben johannäischen Wundergeschichten beginnt das öffentliche Wirken Jesu. Der Aufbau ist dreigliedrig: 1-5 als Vorbereitung, 6-10 als das eigentliche Wunder, 11 f. als Abschluss.

 

 

 

Johannes lokalisiert dieses Zeichen in Kana und beschreibt einen realistischen Rahmen. „Am dritten Tag“ – Johannes nutzt stilgetreu vorliegende symbolische Elemente. Die Auseinandersetzung Jesu mit seiner Mutter dient der Offenlegung des Offenbarungswillens des himmlischen Vaters. Nicht Jesus legt Zeit und Stunde fest, sondern dem Vater im Himmel allein steht dies zu. Die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes durch Jesus Christus nimmt hier seinen Anfang und findet seinen Höhepunkt in der Erhöhung am Kreuz.

 

 

 

Wichtig ist bei den johannäischen Wunderberichten, dass sie Hinweischarakter haben. Jedoch verweisen sie nicht ausschließlich auf Künftiges, sondern sehen die Gegenwart Gottes in Jesus selbst. Die eschatologische Vorfreude hat in ihm seinen greifbaren Anfang gefunden - und wird in ihm ihre Vollendung erlangen.

 

 

 

Der Hinweis auf die machtvollen Taten JHWH bei der Befreiung seines auserwählten Volkes, welche sich in erfahrbaren Zeichen verdeutlichte, ist hier wichtig. Diese Tradition wird von Jesus aufgegriffen und er macht die Herrlichkeit Gottes in seiner Person historisch erlebbar.

 

 

 

In welcher Form die gesamte Schöpfung in das Offenbarwerden der Herrlichkeit Gottes und deren Vollendung eingebunden ist, bleibt an anderer Stelle zu beantworten. Festzuhalten ist aber an dieser Stelle, dass die „Früchte der Erde und die Arbeit der Menschen“ im Natur- und Kulturgut „Wein“ die Grundlage des ersten Wunderberichts darstellen. Gottes Segen und die Mühen der Menschen lassen diese Frucht gedeihen – und sie dient als erstes Zeichen der Offenbarung Jesu. Und als „letztes“ – die Vorwegnahme des himmlischen Gastmahls in unserer Welt.

 

Peter Hofacker, Oberursel

 

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