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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

7. Jan. 07  - Sonntag nach Erscheinung / Epiphanias, Taufe des Herrn

 

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Joh 1, 29-34

Jes 42, 5a.1-4.6-7 oder
Jes 40, 1-5.9-1

Apg 10, 34-38 oder
Tit 2, 11-14; 3, 4-7

Lk 3, 15-16.21-22

Der Verfasser geht auf den Jesaia-Text zur kath. 1. Lesung ein. Bei den anderen Perikopen des Tages war kein Bezug zum Thema Nachhaltigkeit erkennbar. Stichworte:in der Welt wirken nach dem Grundsatz „Gottes Knecht“, Verhaltenskodex der „Nachfolge Christi“, Recht und Gerechtigkeit bringen, Globalisierung, Ebenen der individuellen Haltung ./. Politikgestaltung, soziostrukturelle Implikationen

 

 

 

1. Lesung: Jes 42, 5a.1-4.6-7

 

 

 

Eines der Lieder von Gottes Knecht

 

 

 

Am ersten Sonntag nach Epiphanias alias Dreikönigstag haben wir noch den Klang der Weihnachtstexte im Ohr. Armut und Niedrigkeit der Geburt des Gottessohnes, der Tausch von oben und unten (wie es im Lied heißt: "Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein! Wie könnt es doch sein freundlicher, das herze Jesulein!" EG 27; im Gotteslob ist es Lied 134, allerdings ist dort der 5. Vers nicht abgedruckt) und nicht zuletzt die Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja, etwa aus dem 9. Kapitel ("Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht") haben den Zusammenhang aus Verheißung und, aus Sicht der christlichen Gemeinde, Erfüllung verdeutlicht. Wer im christlichen Gottesdienst sitzt und an diesem Sonntag dieses Gottesknechtslied hört, kann nicht anders, als die christliche Deutungsgeschichte mitzuhören, als naive Eindeutigkeit oder differenzierter als historisches Phänomen. Der Predigende sollte sich dessen bewußt sein, dass andere Interpretationsrahmen legitim sind. Ein jüdischer Theologe oder Theologin wird verdeutlichen, dass der Weg des jüdischen Volkes der eines leidenden Gottesknechts war und ist, ein Weg, der der messianischen Erfüllung erst noch bedarf.

 

 

 

Nun sind die genannten Kennzeichen des Gottesknechtes solche, die höchstwahrscheinlich der historische Jesus, soweit wir das wissen können, durchaus auf sich bezog. Die Berufung zum Werkzeug Gottes (nicht: Opus Dei) hat einen eindeutigen Inhalt: Augen öffnen, Gefangene befreien, aus der Finsternis herausführen. Es ist das Programm Jesu, das er in tröstenden Worten und heilenden Taten praktiziert. Es ist der Verhaltenskodex, an dessen Beachtung die kritische Scheidung der echten Nachfolge vorgenommen wird, bildlich dargestellt im Gleichnis vom Weltgericht (Mt. 25). Insofern ist die Signatur des Messias zugleich Erkennungsmerkmal der Christen - ideal gedacht. Christlich darf das genannt werden, was Christum treibet, wie Luther sagt.

 

 

 

Zielrichtung in der Bewegung des Geistes Gottes ist es, Recht unter die Bewohner der Erde zu bringen. Das ist darum auch die Funktion des Gottesknechts. Er bringt nicht mit militärischer Gewalt den armen Heiden im Irak das Recht des Stärkeren bei, sondern sorgt, dass der glimmende Docht der Gerechtigkeitsempfindungen nicht ganz erlischt. Er drängt nicht die Gesetze des Kapitalismus in einem unermesslichen Globalisierungsfeldzug den unterlegenen Verlierern auf, sondern achtet darauf, dass das zerstoßene Rohr nicht zerbricht. Wo ein Fünkchen Hoffnung auf Überleben, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit ist, da ist der Gottesknecht tätig, um zu heilen, zu schützen, zu bergen. Er schreit nicht herum, weder wie ein schlechter Lehrer noch wie ein überforderter Vater noch wie ein Medienmogul, der gerne in der großen Politik mitspielen würde. Er wählt die leisen Töne und den unscheinbaren Weg der liebenden Präsenz. Zwischentöne sind seine Melodie statt Triumphgeschrei. Und seine Harmonie ist der Zusammenklang von Achtsamkeit, Ehrfurcht und Hingabe.

 

 

 

Bezogen auf die Lebenswirklichkeit der Predigthörenden müssen hier zwei Ebenen benannt werden, die dasselbe Ziel und Charakteristikum haben, aber strukturell unterschieden sind: die eine ist die Ebene des persönlichen Verhaltens, des Lebensstils, der individuellen Haltung. Geprägt von Respekt dem Mitgeschöpf und Mitmenschen gegenüber führt sie zur tätigen Barmherzigkeit. Sie ist orientiert am Recht – am eigenen und an dem des anderen – und sucht darum individuelle Lösungen, dieses nicht zu verletzen. Die andere Ebene ist die der kollektiven Strukturen, des gesellschaftlichen Kontextes und der politischen Verfasstheit. Hier geht es um ökonomische Gerechtigkeit, Chancengerechtigkeit und Teilhabe an der gesellschaftlichen Politikgestaltung. Wer hier im Sinne des Geistes Gottes, der in seinem Knecht lebendig ist, wirkt, drängt auf Gerechtigkeit, die nichts unter den Teppich kehrt; auf Rechtsordnungen, die den Schwachen, diesen gerade noch glimmenden Docht, schützen; auf ökonomische Balance im Inland wie weltweit, die von Fairness geprägt ist; auf Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, die als Teil der Schöpfung ihre eigene Würde und ihren eigenen Sinn haben und so auch dem Menschen dienen können.

 

 

 

Achtsamkeit dem bedrohten Leben gegenüber zieht sich als Grundlinie durch die Bibel. Als Schlagwort einer buddhistischen Ethik gleitet der Begriff womöglich ins Individuelle ab, ohne die soziostrukturellen Implikationen zu reflektieren. Es gehört zum Reichtum der christlichen Theologie, sozialethische Explikationen zur Verfügung zu stellen. Begründet sind solche Reflexionen im kollektiven Anspruch der alttestamentlichen Propheten. Es ist nicht der gnostische oder esoterische Sucher, der das Flämmlein entdeckt, sondern es ist das Volk, das im Finstern wandelt, das ein großes Licht wahrnimmt.

 

Wilhelm Wegner, Frankfurt

 

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