Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

6. Jan. 07 - Epiphanias / Erscheinung des Herrn

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Jes 60, 1-6

Jes 60, 1-6

Eph 3, 2-3a.5-6

Mt 2, 1-12

Der Verfasser geht auf alle Perikopen des Sonntags ein. Stichworte: durch das Offenbarwerden der Nähe wird Umkehr zum Leben möglich (Jes, Mt), die eigene Egozentrik als begrenzend (Chancen verbauend) erkennen, aus der Freude Wende gestalten

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr/Hintergrund

 

Der 6. Januar ist der Tag des Festes zur Erscheinung des Herrn (lat.: Epiphanias). Es wurde zunächst im 3. Jahrhundert in Ägypten gefeiert und wurde von dort aus bekannt. Im 4. Jahrhundert erreichte das Fest Rom. Es trat dem dort zu dieser Zeit bereits gefeierten Weihnachtsfest zur Seite. Die Kirchen den Ostens übernahmen ihrerseits das Weihnachtsfest. Zunächst waren die Inhalte des Erscheinungsfestes Jesu Geburt, die Taufe im Jordan sowie das Weinwunder in Kana. Als das Fest nach Rom gelangte, wurden diese Inhalte auf verschiedene Tage verteilt: Geburt (25.12.), Weise aus dem Morgenland (6.1.); auch wir denken am Sonntag nach dem Erscheinungsfest an die Taufe Jesu und am folgenden Sonntag an die Hochzeit in Kana. Dies erklärt, warum das Erscheinungsfest bei uns vor allem als der Tag der "Heiligen Drei Könige" bekannt ist. Obwohl Matthäus ja von Sterndeutern (Weisen) ohne Zahlenangabe spricht. Die drei Gaben haben in der Überlieferung dann zu drei Personen geführt, aus denen dann einmal "Könige" wurden - vielleicht weil die Geschenke so königlich waren.

 

 

 

Vor diesem Hintergrund ist es daher kaum ein Zufall, dass die vorgeschlagenen Texte zum Erscheinungsfest eine so klare gemeinsame Ausgangslage und Zielrichtung haben.

 

 

 

Gott kommt - er ist da - Dir ganz nah - Du kannst ihm begegnen - Umkehr wird möglich

 

Das ist die gemeinsame Botschaft aller vier für diesen Sonntag vorgeschlagenen Texte. Und es ist ja auch die Grundmelodie allen biblischen Redens vom lebendigen Gott:

 

 

 

Die Herrlichkeit Gottes wird Israel offenbar und leuchtet weit und anziehend für alle Völker (Jes). Menschen, die dies sehen, hören und sich darauf einlassen, können dies erleben, Gott begegnen und ihm nahe sein. Hier und jetzt. (Mt). Dem lebendigen Gott begegnen verändert und ermöglicht Umkehr zum Leben.

 

 

 

Was machen wir daraus?

 

Die Finsternis über der ganzen Erde und das Dunkel über allen Völkern, von denen Jesaja spricht, ist der vom Menschen geschaffene, aus eigenen Anstrengungen allein nicht zu überwindende Abgrund auf dem Weg zu Gott.

 

 

 

Das physische Leiden der Menschen ist mit dem Kommen Jesu nicht aus der Welt geschafft. Was Menschen Menschen antun, erfahren wir als erzählbare Geschichte in Mt 2 von diesen (wohl) Männern aus "dem Osten". Sie folgen dem Zeichen, um die Nähe Gottes zu erfahren. Sie machen sich auf den Weg. Wir dürfen annehmen, einen weiten Weg. Einen ungewissen Weg. Nur das Ziel ist sicher: Sie wollen die Begegnung mit Gott und nichts ist ihnen jetzt wichtiger. Nichts ist ihnen zu anstrengend. Und Angst vor weltlichen Königsthronen haben sie auch nicht. Nichts ist ihnen zu teuer, um ihrer Freude in einem weltlichen Geschenk Ausdruck zu geben. Das materiell Kostbarste ist gerade gut genug. Interessant auch, dass es Menschen sind, die aus ihrem eigenen religiösen Umfeld und ihrer Tradition eine (vermeintlich) viel weitere geistliche Distanz überbrücken müssen als z.B. Herodes.

 

 

 

Und Herodes ist in der Tat das Gegenbild hierzu, ebenso wie die Menschen um ihn herum. Auch sie bekommen ein Zeichen. Ja, mehr noch: Einen klaren Hinweis auf die Erfüllung der Verheißung Gottes an seinem Volk Israel. Doch wie reagiert er? Von Freude und Hoffnung und Aufbruch keine Spur. Im Gegenteil. Er verbaut sich selbst den Weg. Obwohl geboren und aufgewachsen in der religiösen Tradition des Gottesvolkes und umringt von Theologen, entscheidet er sich gegen die Nähe Gottes in seinem Leben. Er unternimmt noch nicht einmal den Versuch.

 

 

 

Warum lassen wir Gott so oft nicht an uns heran?

 

Herodes hat Angst. Er ist König und er will König bleiben. Was ich hab´ das hab´ ich. Wer es mir wegnehmen will ist mein Feind. Mag es sein wer will. Egal ob in Bethlehem geboren oder anderswo. Verschlagen und intrigant versucht er sogar, die weisen Männer für sich zu instrumentalisieren. Herodes hat Angst, weil er in seinem ganzen bisherigen Leben wohl nur seine Hoffnungen auf sich selbst gesetzt hat. Alles, was er ist und hat, verdankt er sich in seinen Augen nur selbst. Ich, Ich, Ich. Macht um ihrer selbst Willen. Reichtum wird nur als beglückend empfunden, wenn er wächst und wächst, koste es was es wolle. Und wozu diese heillose Angst um sich selbst in der Lage ist, erfahren wir ja dann wenig später, wenn unschuldige Kinder auf Herodes Befehl getötet werden. Herodes Gott ist der Götze Macht, Machen und Reichtum. Er ist bereit, ihm alles zu opfern. Er versucht noch nicht einmal die Möglichkeit der Nähe Gottes an sich heran zu lassen. Eine Begegnung, die alles ändern könnte. Umkehr täte Not. Umkehr in der Krise. Wende oder Ende.

 

 

 

Alternativen

 

Das Gegenbild dieser Angst ist die Hoffnung und erlebte Freude. Die weisen Sterndeuter haben diese Hoffnung und sie erleben diese Freude. Und ihre Umkehr zur Zukunft bedeutet am Ende Aufbruch zur Gegenwart. In der Nähe Gottes: In der Begegnung mit ihm. Und diese Begegnung mit der angebrochenen Gottesherrschaft geschieht ja in der Schmuddeligkeit des Stalls, der Krippe, des Alltags. Jesus wird dieses Nähe Gottes hinein sprechen in sein Land, das durch den eigenen Herrscher und die Römer doppelt ausgebeutet wurde. Er lebte mit den Armen und sprach mit den Reichen. Umkehr zur Zukunft führte ihn hinein in den Streit um die Gegenwart. Aber klar ist: Umkehr ist Freude. Umkehr ist nicht Drohbotschaft, sondern frohe Botschaft. Umkehr wird zur Einkehr in die neue Lebensmöglichkeit aus der Nähe Gottes. Herodes sorgte sich um sich selbst. Er musste versuchen, die Zukunft so weit wie möglich in den eigenen Griff zu bekommen. Die Zukunft verfügbar zu machen. Diese Sorge ist die Lebensform, die der Götze Sicherheit als Heilsweg empfiehlt.

 

 

 

So wie in Herodes Zeiten zerstört dieser Fetischismus von Sicherheit bis heute Leben. Auch wir kennen das. Die Wachstumszwänge der Wirtschaft, Kapitalvermehrung als Sinn des Wirtschaftens, Naturzerstörung durch unsere Lebensstile, die neue Sicherheitsstrategien, die die Sicherung der Rohstoffquellen und des freien Welthandels global einschließen. Eine Weltordnung als Manifest der Sorge der Reichen. Und die einzige Hoffnung setzen wir auf Mehr, Mehr, Mehr - für uns. Wer stellt die Frage: "Wie viel ist genug?"

 

 

 

Gegen die Angst und die Sorge um sich selbst stellt Jesus die Frage: Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Umkehr ist Umkehr zum Leben. Umkehr aus Lebensverfehlung zum Lebensgewinn. Umkehr ins Leben wird gewonnen, wo die Beziehungen zu dem entgegenkommenden Gott und zu den Mitmenschen heil werden und stimmen. Darum stellt Jesus gegen die Sorge: Trachtet zuerst nach der Gottesherrschaft und nach ihrer Gerechtigkeit, so fällt euch zu, was ihr zum wirklichen Leben braucht.

 

 

 

Es ist diese wirkliche Herrlichkeit, diese wirkliche Freude, dieser wirkliche Reichtum, von dem auch Jesaja (60, 1-6) spricht. Die Befreiung aus der Angst in der Begegnung mit dem einen Gott und der Zusage seiner Liebe zu seinen Kindern.

 

 

 

In der Befreiung von der Lebenslüge der Götzen, die uns mit ihrem immer Mehr, Mehr Mehr in ihren Bann schlagen wollen, und in der Hinwendung zum lebendigen Gott und zum Mitmenschen liegt das Lebens- und Freudeversprechen. Die Lebensbedrohungen gehen heute vor allem von der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich auf dieser Erde aus und von der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.*)

 

 

 

Was glauben wir wirklich. Welcher Glaube spricht aus unserer Lebenspraxis? Woran hängen wir unser Herz?

 

Roland Horne, Mainz-Ebersheim

 

 

 

*) siehe hierzu auch: Umkehr heute, Ein Vortrag zur Ökumenischen Versammlung in Magdeburg im Oktober 1993, Heino Falcke; in: "...,dann werden wir sein wie die Träumenden", Siegen 1994; ISBN: 3-9801926-2-8

 

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz