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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. Jan. 07 - Neujahrstag / Hochfest d. Maria

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Spr 16, 1-9

Num 6, 22-27

Gal 4, 4-7

Lk 2, 16-21

Der Autor geht auf den Predigttext der ev. Reihe V und mit kurzen Anregungen auf die Texte der kath. Leseordnung ein. Stichworte: Trotz der Fehlbarkeit menschlichen Handelns und Denkens ist nur dieses Handeln und Denken der Schlüssel für den Umgang mit der Schöpfung – mit Gottes Hilfe „von oben“ (Spr 16); Frieden geben - das Schalom vollenden (Num 6), Verantwortung für das Erbe annehmen (Gal 4), Vorsätze im Alltag zur Wirkung kommen lassen (Lk 2)

 

 

 

Vorbemerkung

 

Der Gottesdienst am Neujahrstag ist zum einen mitbestimmt vom Kasus „Jahresbeginn“. Von daher ist immer schon mit einer bestimmten „Gefühlslage“ der Gemeinde zu rechnen: Das alte Jahr liegt hinter uns, ist an Silvester – im Gottesdienst wohl eher still und nachdenklich, sonst eher mit lautem Getöse – verabschiedet worden. An Neujahr geht der Blick mehr nach vorn auf 365 Tage „Neuland“ mit der ganzen Ambivalenz von Ängsten und Hoffnungen, die ein Weg ins Unbekannte bietet. Dies gilt sowohl für die individuelle als auch für die gemeinsame Zukunft in diesem neuen Jahr. Gefragt wird – ausgesprochen oder unausgesprochen – nach dem, was in Angst ermutigt und in Hoffnung bestärkt.

 

Zum andern kommt die Gemeinde von Weihnachten her – die Symbole des Festes sind ja noch in der Kirche zu sehen: Gott wird Mensch mitten unter uns, geht unsere Wege mit – bis zum Ende. Das war und ist auch noch an Neujahr die Botschaft.

 

 

 

 

 

Evangelische Reihe: Sprüche 16, 1 - 9

 

 

 

Zum Text:

 

Die Perikope gehört innerhalb des Buches der Sprüche zu einer Sammlung, die in der Lutherbibel mit „Salomos Lehren von Weisheit und Frömmigkeit“ überschrieben ist (Sprüche 10, 1 – 22, 16). Auffallend ist hier, dass – außer bei Vers 8 – in jedem der 9 Verse menschliches Denken, Reden, Planen und Handeln zu Gott in Beziehung gesetzt wird, der als eine große überdimensionale Macht erscheint, die alles beurteilt, lenkt, beeinflusst, entscheidet – zum Guten, aber auch zum Bösen (V. 4). Der Mensch dagegen erscheint klein und fast marionettenhaft, der Beobachtung und Lenkung „von oben“ ausgesetzt. Nur in V. 7 kommt so etwas wie Entscheidungs- und Handlungsfreiheit des Menschen zum Ausdruck. Dahinter steht die in der orientalischen Weisheitsliteratur verbreitete Skepsis gegenüber der Fähigkeit und Entschlossenheit des Menschen zum Guten.

 

 

 

Zur Predigt

 

Im Rückblick auf Gottes Menschwerdung im Kind von Bethlehem wird von Gott doch anders zu sprechen sein als es der Predigttext vorgibt. Gott ist nicht mehr „oben“, sondern ist Mensch geworden, damit sein Bild unter uns lebendig ist und uns einlädt, selbst (wieder) Mensch zu werden. „Der Mensch war Gottes Bild. Weil dieses Bild verloren, wird Gott, ein Menschenbild, in dieser Nacht geboren.“ (Andreas Gryphius, 17. Jahrhundert) Nicht der urteilende und strafende bzw. belohnende, nicht der von oben herab mich dirigierende Gott nimmt mir die Angst vor der Zukunft, sondern der Gott, der sich selbst klein macht, der an meiner Seite geht, der mitleidet. Allerdings gibt auch dieser Gott mir Orientierung und Maßstäbe für mein Denken und Handeln.

 

 

 

Jesus, der ja nicht Kind geblieben ist, hat Gottes Maßstäbe fürs Menschsein gelebt. An ihm können wir uns ausrichten bei allen Herausforderungen, die das neue Jahr bringt. Er gibt uns die Perspektive der Hoffnung, dass sich auch Böses zum Guten wenden lässt, dass auch verfehltes Leben von neuem gewagt werden darf, dass unsere Mithilfe vonnöten ist, wenn es darum geht, menschliches Zusammenleben zu gestalten und Gottes Schöpfung zu bewahren.

 

 

 

 

 

Katholische Lesereihe

 

(Die folgenden Anregungen sind aus „Nachhaltig predigen I“ übernommen, da sich die katholischen Texte in den drei Lesejahren am Neujahrstag nicht unterscheiden.)

 

 

 

Auf den ersten und vielleicht auch noch auf den zweiten Blick erscheint es schwierig, von den Texten aus zu den Themen „Ökologie“, „Nachhaltigkeit“ etc. zu kommen. Allerdings wird eine Predigt, die vom „Jahreswechsel“ ausgeht, diese Themen nicht ausklammern. Davon ausgehend, versuche ich nun doch ein paar kurze Hinweise zu den drei Texten:

 

 

 

4 Mose 6, 22-27

 

Hier liegt die priesterschriftlich fixierte liturgische Form des aaronitischen Segens vor, wie sie im Jerusalemer Tempelkult verwendet wurde. Mit dem Segen wird der Name Jahwes auf die Israeliten gelegt und sie damit als zu Gott gehörig gekennzeichnet. In dieser einzigartigen Gottesbeziehung wird ihnen die besondere Zuwendung und Verheißung Gottes zugesprochen: Schutz und Begleitung (V. 24, vgl. z. B. Psalm 23), Gnade als Ermöglichung des neuen Anfangs trotz menschlichen Versagens gegenüber dem göttlichen Gebot (V. 25), Verheißung und Zusage des „Schalom“ als umfassendem – äußerem und innerem – Frieden und Wohlergehen (V. 26, vgl. z. B. Micha 4, 4). Gerade der hebräische Begriff des „Schalom“ geht weit über das hinaus, was das deutsche Wort „Frieden“ gemeinhin bezeichnet. Im „Schalom“ konzentriert sich die ursprüngliche – und zugleich in ihrer Vollendung noch ausstehende - Fülle des siebenten Schöpfungstages. Insofern klingt in dem segnend zugesprochenen „er gebe dir Frieden“ beides an: Das Geschenk des Friedens inmitten einer unfriedlichen Welt und die Aufgabe des Menschen, an der Vollendung des „Schalom“ mitzuwirken.

 

 

 

Galater 4, 4-7

 

Ziel des Textes ist die einzigartige Beziehung der Gotteskindschaft. Jesus, der wirklich Mensch Gewordene (von einer Frau geboren und in der Beschneidung „unter das Gesetz getan“) befreit von der Knechtschaft des Gesetzes. Sein Geist lässt uns die Beziehung zum Vater erkennen und zum Ausdruck bringen (V. 6). Die Gotteskindschaft schließt das „Erbe“-Sein der Glaubenden mit ein (V. 7, vgl. Lukas 15, 31: „Alles, was mein ist, ist auch dein“). Der Erbe aber ist verantwortlich für das, was ihm gegeben ist.

 

 

 

Lukas 2, 16-21

 

Bemerkenswert ist, dass die Hirten, nachdem sie das Kind in der Krippe gesehen haben, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und nicht etwa eine neue religiöse Gemeinschaft gründen. Sie kehren – mit einem Lobpreis Gottes auf den Lippen – in ihren Alltag zurück (V. 20). Das entspricht der Situation der Gemeinde am Neujahrstag: Nach dem Weihnachtsfest und den Tage „zwischen den Jahren“ wird am nächsten Tag wieder Alltag weitergehen, in den wir einerseits etliches von den Lasten des alten Jahres und andererseits auch „gute Vorsätze“ für das neue Jahr mitnehmen. Hier kann die Predigt neben vielem anderen natürlich auch auf die bedrängende Umweltproblematik eingehen (s. o.). Der Lobpreis Gottes über das Geschehen von Weihnachten kann sich in unserem alltäglichen Handeln ausdrücken, wenn wir versuchen, nach Gottes Maßstäben in und mit seiner Schöpfung zu leben.

 

 

 

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt-Sausenheim

 

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