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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

31. Dez. 06 - 1. Sonntag nach Weihn. / Fest der Hl. Familie / Silvest.

 

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

(So. n. W.:) Joh 12, 44-50
Silvester:) Joh 8, 31-36

Sir 3, 2-6.12-14 (3-7.14-17a)
oder 1 Sam 1, 20-22.24-28

Kol 3, 12-21 oder
1 Joh 3, 1-2.21-24

Lk 2, 41-52

 

 Die Autorin betrachtet den Predigtext der ev. Leseordnung zu Silvester sowie alle angegebenen kath. Lesungstexte.
Stichworte: Freiheit ist anders, frei von Angst sein (Joh 8); neue Werte und gute Traditionen gegeneinander
abwägen (Sir 3); als Christen „neue Kleider“ anlegen, selbst zeitgemäß nach christlicher „Haustafel“ leben, Ungeduld als Tugend (Kol 3); Gedanken um die Anderen kreisen lassen, eine intakte Welt anstreben, Geliebtsein weitergeben (1 Joh 3); allen Kindern eine Zukunft geben als Aspekt von Nachhaltigkeit (1 Sam 1)

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Silvester ist kein christliches Fest. Die für Silvester vorgegebenen Texte sind allgemeine Grundaussagen des christlichen Glaubens. Am letzten Abend des alten Jahres erwarten die Menschen Trost und Vergebung für nicht Gelungenes im vergangenen Jahr. Sie brauchen Zuspruch und Hoffnung, um ihr Leben zu bewältigen. Auch Freude über Gelungenes und Dankbarkeit könnte zum Thema im Gottesdienst werden. Am 31. Dezember 2006 wird auch das Fest der Heiligen Familie gefeiert. Deshalb stehen weitere Bibeltexte zur Auswahl, die die Familie in den Blick nehmen. Es geht vor allem darum, wie der christliche Glaube in der Familie gelebt werden kann.

 

 

 

 

 

Exegetische Betrachtungen zu Joh 8, 31 – 36

 

Der Predigttext ist in der Lutherbibel mit „die wahre Freiheit“ überschrieben. Jesus führt ein Streitgespräch mit jüdischen Menschen, die an ihn glauben. Er, der „von oben“, von Gott kommt, fordert sie zu einem beständigen Glauben auf. „Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, und euer Leben darauf gründet, seid ihr wirklich frei.“ Die Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen sehen sich nicht als „Unfreie“ und widersprechen. Jesus erklärt ihnen, dass sie die Sünde gefangen hält, denn alles, was uns von Gott trennt, ist Sünde. Nur Jesus kann die Menschen zur wahren Freiheit führen.

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Die Freiheit, von der Jesus spricht, ist mehr als Selbstbestimmung. – Freiheit im Sinne der Selbstbestimmung kann zu Lasten der Mitmenschen, der Mitgeschöpfe und auf Kosten der Natur gehen, z. B. „freie Fahrt für freie Bürger“. In Joh 8 ist die existenzielle Freiheit gemeint. Die Frage ist, wovon möchten wir Menschen frei werden? Wir wollen frei werden von Schuld, frei werden von dem, was uns fesselt, was uns behindert und einschränkt. Wir wollen frei werden von dem Anspruch, immer „in“, „fit“ und leistungsfähig zu sein. Wir wollen frei werden von unseren Ängsten, der Angst vor Leere, der Angst vor Beziehung, der Angst, etwas Neues anzufangen. Wir wollen frei werden von unseren Süchten wie Kaufsucht, Esssucht, Trunksucht.

 

 

 

Predigtideen: Die vermeintliche und die wahre Freiheit / Lebst du schon, oder wirst du gelebt? / Rückblick 2006: Gelungenes – Nichtgelungenes

 

 

 

 

Exegetische Betrachtungen zu Sirach 3, 2-6 und 12 – 14

 

In diesem Abschnitt geht es um die „Ehre der Eltern“. Die Kinder werden aufgefordert, Respekt vor den Eltern zu haben und insbesondere gegenüber alten Eltern Verständnis aufzubringen und ihnen zu helfen. Vater und Mutter stehen aber auch für die Tradition, für unsere eigenen Wurzeln. Die positiven Folgen eines wertschätzenden und fürsorglichen Umgangs mit den Eltern werden beschrieben.

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Die Werte der Leistungsgesellschaft werden in Frage gestellt. Ein älterer Mensch, der nicht mehr leistungsfähig ist, läuft in unserer Leistungsgesellschaft Gefahr, nicht mehr als vollwertiges Mitglied angesehen zu werden. Jesus Sirach setzt dem das Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“ entgegen. Das Wiederentdecken von wertvollen, lebensfördernden Traditionen kann uns helfen, unseren Lebensstil nachhaltiger zu gestalten. Als kleines Beispiel sei hier das saisongerechte Einkaufen und Kochen, wie es die ältere Generation praktiziert, genannt, zu der heute wieder aufgefordert wird, um die Natur zu schützen. Was möchte ich weitergeben, was ist im Sinne einer zukünftigen Generation, was ist im wahrsten Sinne des Wortes „nachhaltig“? Wie kann die Familie zu einer Keimzelle einer intakten, gerechten und friedlichen Welt werden?

 

 

 

 

 

Exegetische Betrachtungen zu Kol 3, 12 -21

 

Durch die Taufe ist der Christ / die Christin ein neuer Mensch. An der Lebensführung muss deshalb bereits jetzt etwas von Gottes neuer Welt sichtbar werden. Als von Gott geliebte und von ihm auserwählte Menschen werden die Gläubigen aufgefordert, sich neue Tugenden (neue Kleider) zuzulegen. Es sind die Tugenden, die Christinnen und Christen auszeichnen, an denen erkannt werden kann, was zur christlichen Existenz gehört: Erbarmen, Güte, Demut; Milde, Geduld, einander ertragen und vergeben, wie Christus uns vergeben hat. Die Liebe wird als das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht, herausgestellt. Der Friede, der durch Christus in die Welt gekommen ist, soll das Leben bestimmen. Mit eindringlichen Worten und unterschiedlichen Bildern will der Verfasser den Menschen Mut machen, ihr Leben an Jesus Christus auszurichten. Gegenseitiges Motivieren ist dabei erwünscht.

 

 

 

Die Verse Kol 3, 18 ff. sind mit „christlicher Hausordnung“ überschrieben. Um ein geregeltes, friedliches Miteinander und Geborgenheit in der Familie zu fördern, gab es in der damaligen Zeit so genannte „Haustafeln“. In den Versen 18 und 19 wird das Zusammenleben, wie es die damals gültigen sozialen Strukturen vorgaben, beschrieben .Die Frau soll sich dem Mann unterordnen. Das ist sicher keine Empfehlung für heutige Partnerschaft. Auch von Kindern wird man heute keinen absoluten Gehorsam fordern (Vers 20), und Haussklaven gibt es glücklicherweise auch nicht mehr. Selbst wenn sich vieles in der Partnerschaft zwischen Mann und Frau und in der Erziehung verändert hat, gilt nach wie vor das, was dem Schreiber des Kolosserbriefes ein Anliegen war: „Alles was ihr tut, soll in Liebe geschehen.“

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Was sind die Tugenden, die uns heute abgefordert werden, damit die menschliche Gemeinschaft funktioniert, dass alle leben können und Gottes Schöpfung dabei bewahrt werden kann? In Anbetracht des Klimawandels könnte z.B. auch Ungeduld in manchen Bereichen des täglichen Lebens angebracht sein. Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten ihr Leben neu zu gestalten und nehmen sich gerade für das neue Jahr etwas vor, z.B. für sich oder für andere mehr Zeit zu haben, weniger zu konsumieren, weniger Auto zu fahren, mehr Energie einzusparen. Diese Menschen sind durch die Predigt zu ermutigen.

 

 

 

Diese Perikope wird zum Fest der Heiligen Familie vorgeschlagen.

 

 

 

Es könnte gepredigt werden, dass Besitz- und Anspruchsdenken in der Ehe und Familie nichts zu tun haben. Welche Werte, welche Tugenden vermitteln wir in der Familie? Wie kann christliche Erziehung aussehen, die Kinder und Jugendliche zu einem friedlichen, die Schöpfung bewahrenden Verhalten veranlasst?

 

 

 

Predigtidee für den Anfang einer Predigt:

 

„So zieht nun an!“ – Als ob das so einfach wäre! Kennen Sie die Situation, dass Sie ratlos vor dem Kleiderschrank stehen...

 

 

 

 

 

Exegetische Betrachtungen zu 1 Joh 3, 1 – 2.21 – 24

 

Der 1. Johannesbrief hat zum Ziel, die christliche Gemeinde zu stärken, nachdem sie durch Irrlehren (Gnostizismus) verunsichert wurde, die u. a. behaupteten, dass Christus „Geist“ sei. Der Schreiber des Briefes legt Wert darauf, dass Christus Mensch war und für unsere Sünden gestorben ist. Wir sind Gottes Kinder, das heißt, wir werden von Gott geliebt wie von einem liebenden Vater oder einer liebenden Mutter. Wer zu Gott gehört, sündigt nicht einfach weiter, sondern hält sich an Gottes Gebote. Das Gebot, das der Schreiber besonders erwähnt, ist das der Gott- / Christus- und Nächstenliebe. Das Einhalten der Gebote ist zugleich Kennzeichen der Zugehörigkeit. Die Glaubenden und Liebenden finden bei Gott ihre Bleibe.

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Geliebte Kinder Gottes zu sein, das tut uns gut. Wir müssen uns und anderen nicht ständig beweisen, wie liebenswert, wie toll wir sind. Weil Gott uns liebt, so wie wir sind, können wir uns selbst und andere lieben. Unsere Gedanken müssen nicht um uns selbst kreisen, wir können uns anderen zuwenden und denen Nächste sein, die unsere Hilfe brauchen. Wir haben die Kraft uns für andere einzusetzen, für unsere Mitmenschen aber auch für unsere Mitgeschöpfe und unsere Welt. Der Glaube daran, dass Gott uns liebt und die Welt zu einem guten Ende bringen will, gibt uns die Kraft, uns einzusetzen für eine intakte, friedliche und gerechte Welt.

 

 

 

 

 

Exegetische Betrachtungen zu 1 Sam 1, 20 – 22.24 – 28

 

Hanna, die Frau des Leviten Elkana, wünscht sich sehnlich ein Kind und betet inbrünstig zu Gott. Gott erhört ihre Bitte. Als ihr Sohn alt genug ist, bringt sie das Kind zur weiteren Erziehung in das Haus des Herrn. Sie erfüllt damit das Versprechen, das sie Gott gegeben hat.

 

 

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

 

Dieser Text eignet sich besonders gut, um das Thema Familie und Kinder aufzugreifen. Kinder sind nicht unser Besitz, sondern ein Geschenk Gottes, das wir gut zu behandeln haben. Nur durch die Geburt von Kindern ist Nachhaltigkeit garantiert. Wir haben dafür zu sorgen, dass Kinder unter sozialen und ökologischen Bedingungen aufwachsen, die ihnen eine menschenwürdige Zukunft gewährleisten. Zu erwähnen wäre die Kinderarmut, die in Deutschland rasant steigt. Zurzeit (Sept. 06) leben bei uns 2,5 Millionen Kinder an der Armutsgrenze, was ihre Entwicklung und damit auch unsere Gesellschaft negativ beeinflusst.

 

Bärbel Schäfer, Speyer

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