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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Dez. 06  - 1. Weihnachtsfeiertag

 

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

 

Joh 3, 31-36

(Morgen:) Jes 62, 11-12
(am Tag:) Jes 52, 7-10

Tit 3, 4-7
Hebr 1, 1-6

Lk 2, 15-20
Joh 1, 1-5.9-14 (15-18)


Der Autor geht auf den ev. Predigttext und die kath. Texte „am Tag“ ein. Stichworte: soziale Gerechtigkeit inter- / intragenerationell, mit Blick auf die soziale Realität von Kindern das Reich Gottes als „Reich der Gerechtigkeit und des Friedens“ zu vollenden helfen; Menschenwürde; Schaffung von Frieden, auch in den globalen Beziehungen und den Beziehungen zur strapazierten Schöpfung

 

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr und aktuelle Bezüge

 

Zentraler Inhalt des Weihnachtsfestes ist die Feier des Geheimnisses, dass der ewige Gott in Jesus Christus in die Welt kommt, die Menschheit annimmt. Indem er ein Mensch wird, stellt er sich solidarisch auf die Seite der Menschen mit ihren Sorgen und Freuden, Hoffnungen und Ängsten. Er nimmt – nicht nur damals, sondern auch heute – die konkrete menschliche Wirklichkeit an, wobei annehmen nicht heißt, alles gutzuheißen, sondern Annahme auf Erlösung hin.

 

 

 

Auf diesem Hintergrund kann P auch aktuelle gesellschaftliche Kontexte in Bezug zum Weihnachtsgeschehen bringen, wobei sich an Weihnachten besonders Aspekte anbieten, wo es um die Perspektive von Kindern geht: Stichworte zur Frage nach der Stellung von Kindern in unserer Gesellschaft wären: wachsende Kinderarmut, Abtreibungszahlen, in diesem Jahr (voraussichtlich) weiter gewachsene Schere zwischen der Zahl der Schulabgänger und der zur Verfügung gestellter Ausbildungsplätze, die Frage nach der Gerechtigkeit in der Ausgestaltung von staatlichen Leistungen für Familien (die für das kommende Jahr beschlossenen Änderungen – Einführung des Elterngelds statt des Erziehungsgelds – haben eher die Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Tätigkeit im Blick und wirken sich für bedürftige Familien und Alleinerziehende nachteilig aus, zumal zugleich die Mehrwertsteuer steigt!). - In internationaler Perspektive könnte P den Zusammenhang thematisieren zwischen einer „Geiz-ist-geil“-Mentalität (weniger aggressiv verpackt auch in den Werbeversprechungen „Jede Woche eine neue Welt“ – Tchibo, etc.) und den Produktionsbedingungen von Arbeitern in Entwicklungsländern bis hin zur Kinderarbeit. Auch könnte P fragen, ob das Kind Jesus heute unter den Aids-Waisen oder denen zu finden wäre, die zu Kindersoldaten abgerichtet werden.

 

 

 

Joh 3, 31-36

 

Die Perikope, die zusammen mit Joh 3, 14-21 als eine“kerygmatische Rede“ bezeichnet wird, thematisiert ähnlich wie der Johannesprolog (als Evangelium der katholischen Leseordnung vorgesehen) die Geburt Jesu als Gesandt-Sein des Sohnes in die Welt, des Sohnes, der „von oben“ kommt und in einmaliger Beziehung zum Vater steht. Ebenfalls typisch für die johanneische christozentrische Theologie ist der Aufruf, sich an den Sohn zu binden („sein Zeugnis annehmen“, „an den Sohn glauben“, „wer ihm nicht gehorsam ist...“). Wer sich an ihn bindet, der „hat das ewige Leben“, der ist – im präsentischen Verständnis des Joh – aus dem Todesbereich in den „göttlichen Lebensbereich“ (R. Schnackenburg in: Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament; Johannesevangelium, zur Stelle) umgesiedelt. In dieser Redeweise wird stärker als im Begriff „ewiges Leben“ die Verbindung zum Schon und Noch nicht des Reiches Gottes deutlich: Als ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, das mit dem Kommen Jesu in die Welt angebrochen ist und zu dessen Vollendung Christen in Erwartung und Tat ihren Beitrag leisten sollen, ist die Basileia Gottes nahe an den Fragen von Nachhaltigkeit – z.B. eben in den o.g. Fragen von Gerechtigkeit zwischen den Generationen.

 

 

 

 

 

Perikopen der kath. Leseordnung

 

 

 

Verweis

 

Die Texte des 1. Weihnachtstages sind in der kath. Leseordnung in allen drei Lesejahren identisch (sowohl im sog. „Hirtenamt“ als auch in der Messe „am Tage“), weshalb an dieser Stelle auf den ersten Band von „Nachhaltig predigen“ verwiesen werden kann. Die folgenden Ausführungen sind dem Band I entnommen. Während von den Texten „zum Tage“ verschiedene Bezüge herstellbar sind zu Gedanken der Nachhaltigkeit, bieten die morgendlichen Texte (vom sogenannten „Hirtenamt“) kaum Anknüpfungspunkte; hier müsste man auf die o.g. allgemeinen Aspekte des Weihnachtsfestes zurückgreifen.

 

 

 

Joh 1, 1-18

 

Der Prolog des Johannesevangeliums, im katholischen Lesejahr B „am Tage“ vorgesehen, bietet einen Anknüpfungspunkt über V.12 und den Gedanken der geschenkten Gotteskindschaft (vgl. oben).

 

Eine weitere Perspektive liegt in der deutlichen Betonung des gnadenhaften Kommens Gottes zu allen und zugunsten aller (bes. V.9 und V.16). - Was heißt es, wenn das wahre Licht jeden Menschen erleuchtet, angesichts der bei uns immer noch zu oft zutreffenden Beschreibung Brechts: Die im Dunkeln sieht man nicht?! Wenn Gott aus seiner Fülle allen mitteilt, gilt offenbar eine gleiche Würde aller. Menschenwürde muss ihre Entsprechung in der Bewahrung und Schaffung menschenwürdiger Verhältnisse finden: Lebensrecht und faire Lebensbedingungen für alle – z.B. die nachkommende Generation, die nicht (mehr) Leistungsfähigen, Menschen in der sogenannten Dritten Welt.

 

 

 

Jes 52, 7-10

 

Die alttestamentliche Lesung aus Deuterojesaja benennt vor dem gedanklichen Hintergrund der Zionswallfahrt die Ankündigung von Frieden als Grund des Jubels. - Die Verbindung zum Weihnachtsfest ist durch die Botschaft der Engel an die Hirten gegeben. Interessant für P wäre, den menschlichen Beitrag zur Schaffung von Frieden, der nie allein Geschenk ist, zu thematisieren: Ökologische Katastrophen, Hunger und (immer stärker:) Wassermangel treiben Menschen nicht nur in die Flucht (auch eine Erfahrung der Heiligen Familie!), sondern sind auch Krisenherde und mögliche Kriegsgründe. Globalisierung und Strukturen des Welthandels haben oft negative Begleiterscheinungen für Menschen „vor Ort“ – hier wäre für P allerdings wichtig, nicht zu global zu sprechen und damit Ohnmachtsgefühle hervorzurufen, sondern auf die konkreten Möglichkeiten des einzelnen wie fairer bzw. regionaler Einkauf, ethische Geldanlage o.ä. hinzuweisen.

 

 

 

Hebr 1, 1-6

 

Die neutestamtliche Lesung aus dem Hebräerbrief stellt Jesus Christus, den Sohn Gottes, ins Zentrum als den, der das All trägt und als sein Erbe eingesetzt ist. - Auch hier können Gedanken der Nachhaltigkeit angeschlossen werden: Die in Gen 1 aufgetragene Herrschaft des Menschen über die Schöpfung ist so wahrzunehmen, dass das Erbe, das der Herrscher des Alls antritt, bewahrt bleibt, für nachkommende Menschen-Generationen und weit über den Blickwinkel des Menschen hinaus. Christus trägt das All (V.3) – das rückt zurecht: Die Schöpfung ist nicht die Um-Welt, gruppiert um das Zentrum Mensch, sondern das Geschöpf Mensch und seine Mit-Welt sind zusammen die Schöpfung. - Dass ausgerechnet das Kind in der Krippe das All erbt – so die Botschaft, wenn die Perikope am Weihnachtsfest gelesen wird –, hat auch eine herrschaftskritische Dimension gegenüber unseren Herrschaftsstrukturen (z.B. dem alles beherrschenden Wirtschaftssystem).

 

Thomas Köster, Remagen

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