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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

3. Dez. 06 - 1. Adventssonntag

ev. Reihe V

kath. 1. L.

kath. 2. L.

kath. Evang.

Lk 1, 67-79

Jer 33, 14-16

1 Thess 3, 12 - 4, 2

Lk 21, 25-28.34-36


         
Die Autorin geht auf den Predigttext der ev. Reihe V und den Text zur kath. 1. Lesung ein. Stichworte: angesichts („tagesaktueller“) Ungerechtigkeiten Glaube und Hoffnung nicht aufgeben; trotz vieler Rückschläge nicht resignieren, hoffen und Mut schöpfen gerade in der Adventzeit

 

 

 

Stellung im Kirchenjahr

 

Zu Beginn des Kirchenjahres und zu Beginn der Adventszeit stehen Texte, die das zukünftig zu erwartende Heil beschreiben. Im ersten Text aus dem Lukasevangelium preist Zacharias nach der Geburt seines Sohnes Johannes den Gott Israels, weil er die dem Volk gegebene Verheißung einlösen will. Der Text des Propheten Jeremia kündigt die Rettung des Hauses Juda und des Hauses Israel durch den Spross aus Davids Stamm an. Im ersten Thessalonicherbrief mahnt Paulus die Gemeinde zu einem Leben, das Gott gefällt. Der zweite Text aus dem Lukasevangelium ist aus der Endzeitrede Jesu entnommen.

 

 

 

 

 

Exegetische Hinweise

 

In Jer 33, 14-16 folgt auf die Formeln „Seht es werden Tage kommen – Spruch des Herrn“ die Ankündigung eines Herrschers aus der Davidsdynastie, der als „gerechter Spross“ bezeichnet wird. Im Gegensatz zu den aktuellen Herrschern wird dieser für Recht und Gerechtigkeit sorgen, damit die Menschen in Frieden leben können. Er wird den Namen erhalten „Jahwe ist unsere Gerechtigkeit“. Dieser Name spielt auf den zurzeit Jeremias regierenden König Zidkija („Meine Gerechtigkeit ist Jahwe“) an. Im Gegensatz zu Zidkija wird dieser zukünftige König wirklich für Sicherheit und Gerechtigkeit sorgen. Ob mit diesem Spross auch auf den zukünftigen Messias angespielt wird, bleibt umstritten.

 

 

 

Im Text aus dem ersten Kapitel des Lukasevangeliums stimmt Zacharias, der Vater des Johannes, ein charismatisch-prophetisches Lied an. Dieses deutet im ersten Teil (V 68-75) das Ereignis der Geburt von Gott her und im zweiten Teil (V 76-79) die Zukunft des Johannes als Vorläufer des Messias. Dieser Hymnus – Benedictus – des Zacharias verbindet wohl einen älteren messianischen Psalm des hellenistischen Judentums (V 68-75) mit einem judenchristlichen Lied (V 76-79) auf die Geburt des Täufers.

 

 

 

Der Text ist wie ein Mosaik aus alttestamentlichen Zitaten und Anspielungen. Im ersten Teil wird Gott für die Erlösung und Rettung seines Volkes gepriesen, die sich dort vor allem im Bund mit Abraham und durch die Rettung aus der Knechtschaft in Ägypten gezeigt hat (V 71-73). Die Antwort der Menschen auf diese Errettungstat Gottes ist furchtloser Gottesdienst in Heiligkeit und Gerechtigkeit (V 74-75). Im zweiten Teil bezeichnet Zacharias seinen Sohn Johannes als „Prophet des Höchsten“, der dem Herrn vorangehen wird, als Wegbereiter Jesu (V 76). Die Erfahrung des Heils liegt für das Gottesvolk in der Vergebung der Sünden, was auf die Bußtaufe des Johannes hinweist. Das „aufgehende Licht aus der Höhe“ (V 78) ist ein Sinnbild für den Messias (vgl. Num 24, 17; Jes 60, 1), der kommen wird als Friedensstifter.

 

 

 

Nachhaltigkeitsbezug

 

In beiden Texten geht es um Erwartungen und Hoffnungen für die Zukunft. Jeremia lebt in einer für Israel schwierigen Zeit. Am Ende der Regierung des Königs Zidkija wird das Volk in die Verbannung nach Babylon verschleppt. Und auch Zacharias lebt in schlechten Zeiten. Israel ist ein unfreies, von den Römern besetztes Land.

 

 

 

Doch trotz oder vielleicht gerade wegen dieser schier hoffnungslosen Zeiten beschreiben bzw. besingen beide Texte eine Zukunft, in der die Menschen in Frieden und Gerechtigkeit leben können. Gott hat schon mehrfach aus Unterdrückung geholfen. Gott wird auch dieses Mal helfen. Er verlässt sein Volk nicht, er schickt ihm einen mächtigen Retter, ein Spross aus dem Stamm Davids, ein aufgehendes Licht aus der Höhe.

 

 

 

Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind Ziele, die noch lange nicht erreicht sind. Und immer wieder sind wir geneigt, hier zu resignieren. Zu gewaltig erscheint diese Aufgabe, zu groß die Hindernisse, zu wenig charismatisch die Bewegung. Doch die Texte des Sonntags, wie die gesamte Adventszeit, legen uns nahe, trotz allem nicht zu resignieren. Gott selbst steht für Gerechtigkeit, für Frieden, für Sicherheit, für ein Leben in Unversehrtheit. Gott erfüllt zwar nicht alle unsere Wünsche, aber dafür alle seine Verheißungen, wie Dietrich Bonhoeffer sagt. Diese Zusage Gottes kann uns helfen, trotz vieler Rückschläge und trotz manchem Stillstand, nicht zu verzweifeln und zu verzagen. Auch wenn es manchmal lange dauert, bis ein aufgehendes Licht aus der Höhe zu sehen ist (auch zwischen Jeremia und Zacharias sind 600 Jahre vergangen) – in Jesus Christus ist es bereits da und wartet darauf, von uns gesehen zu werden.

 

Pia Arnold-Rammé, Frankfurt

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